Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
zeitlos schön, tolles Fahrgefühl und alle mögen ihn gern |
| Kontra: |
hohe Steuern, hoher Spritverbrauch |
Mein erstes Auto war ein Käfer; eigentlich ist das noch nicht lange her - es war 1996. Ich war damals in der Ausbildung und konnte ihn mir irgendwann nicht mehr leisten und musste ihn schweren Herzens verkaufen.
Wer einmal Käfer gefahren ist, der kann sicher nachvollziehen, dass man beim Fahren ein ganz spezielles Gefühl hat. Es lässt sich wohl nicht mit anderen Autos vergleichen.
Nachdem ich es nie richtig "verwunden" hatte, dass ich meinen kleinen Krabbler damals verkauft hatte, habe ich mir im Juli 2005 einen 83er Mexikaner gekauft.
Eigentlich wollte ich nur mal gucken und aus dem nur-mal-Gucken wurde dann ein Kaufvertrag.
Es ist ein 1983er Mexikaner, ein (zum Kaufdatum) 1200er mit 34 PS (zum Motorschaden kommr ich weiter unten).
Man sagt immer, dass Mexiko-Käfer schneller rosten, weil die Konservierung bei den deutschen Modellen besser sei - das kann ich leider nicht beurteilen, weil ich nie einen deutschen Käfer besessen habe.
Steuern und Sprit:
Kauft man einen 1200er so hat man den Vorteil, dass man relativ wenig Steuern zahlt. MIt "relativ" meine ich ca. 25 Euro pro angefangene 100 Kubik. Der 1200er ist also -was die Steuern angeht- die günstigste Version...
Mit ca. 10l ist der Käfer nicht wirklich sparsam - auch kann man Glück haben, dass man einen erwischt, der 8 Liter braucht oder man hat Pech und hat einen, der bei 12 Litern liegt (das sind so meine persönlichen Erfahrungen). Mit 10l ist man jedoch gut bedient, denke ich.
Auf jede 2. Füllung Benzin (Normal) kippe ich ein bisschen Bleiersatz - da der Käfer früher "Verbleit" getankt hat, tut ihm etwas Bleiersatz gut und es kostet nicht die Welt. (Flasche im Baumarkt ca. 7 Euro und reicht für etliche Füllungen.)
Die Substanz:
Jeder Käfer weist wahrscheinlich die gleichen Rost-Schwachstellen auf; die Trittbretter fallen irgendwann von allein ab, die Türen sind unten durchgerostet und an der Dachkante rostet's eigentlich auch immer. Auch unter der Sitzbank hinten, wo die Batterie sitzt, gammelt es ganz gern mal.... Aber sofern die Substanz stimmt, kann man nichts verkehrt machen, wenn man sich einen Käfer kauft.
Wenn die Vorderachse (die auch mal gern rostet) durchgegammelt ist, dann wird die Sache schon schwieriger, aber die typischen Roststellen kann man schön in "Heimarbeit" nach und nach ausbessern.
Die technischen Finessen:
Auch 1983 hatte der Käfer noch keine Halogenlampen, geschweigedenn Servo, ABS usw. Er hatte nicht einmal einen Bremskraftverstärker! Von Airbags usw. mal ganz zu schweigen... Aber ich denke, gerade das macht den Käfer so sympathisch. Eine Neuerung war jedoch im Jahre 1983, dass die Scheibenwaschanlage nun elektrisch funktionierte und nicht mehr über den Luftdruck des Reserverades gespeist wurde. (Die Scheibenwischer bringen nicht wirklich viel - sie haben zwei "Geschwindigkeitsstufen", die sich aber eigentlich nicht viel von einander unterscheiden.)
Entgegen der allgemeinen Aussage der meisten Käferfahrer, dass die Heizung nicht richtig geht, kann ich nur sagen, dass es ziemlich warm wird. In meinem jetzigen Käfer und auch in meinem ersten hatte ich nie Probleme mit der Heizung. Wenn alles richtig angeschlossen ist, dann wird's ziemlich warm an den Füßen (fast schon manchmal zu heiss).
Das Fahren:
Vom Fahrverhalten ist der Käfer klasse; man muss sich nur daran gewöhnen (mein Freund sagte mal, dass man für einen Käfer eigentlich einen extra Führerschein bräuchte, womit er vielleicht nicht ganz unrecht hatte *g*). Man sollte sich immer bewusst sein, dass der Motor hinten sitzt und dass der Krabbler Heckantrieb hat. Da kann es sein, dass einem das Heck mal schnell wegrutscht (gerade bei Nässe und Kopfsteinpflaster). Ein Käfer fährt sich eben anders... Das Lenkrad wackelt ab ca. 70 Km/h - weil nicht jeder Käfer einen Lenkungsdämpfer hat. Aber so muss es auch sein; der Motor ist laut, das Lenkrad muss man gut festhalten und mit dem Bremsen muss man schon sehr rechtzeitig anfangen.
Vom Durchzug muss ich sagen, dass die kleinen Boxermotoren bei vernünftiger Einstellung des Motors erstaunlich gut abgehen. Und robust sind sie allemal; er läuft und läuft und läuft.....
Schön überschaubar sind sie ebenfalls. Wo heutzutage nur ein großer Klotz im Motorraum ist und man gar nichts richtig erkennen kann, sieht man beim Käfer genau, wo was ist.
Motor und Ersatzteile:
Ich hatte meinen Wagen mit einem 34PS Motor gekauft. Der lief allerdings nur auf drei Pötten, weil es einen Kolben total zerissen hatte. (Sowas hat die Welt noch nicht gesehen - der Kolben bestand aus zwei Teilen!).
Ich musste nun also einen neuen Motor besorgen, was sich schwieriger gestaltete als erwartet. Wo man vor 10 Jahren noch zum nächstgelegenen Schrottplatz ging, herrscht heute gähnende Leere auf den Schrottplätzen. Auch Teile bekommt man nur noch sehr schwer.... Durch Glück bin ich dann an einen Motor gekommen - es war der 1300er mit 44 PS aus einem Saxomat (Käfer mit Halbautomatik) aus dem Jahre 1973.
Der Aus- und Einbau war recht einfach. 4 Schrauben und man kann den Motor nach unten rausheben. Der Einbau und der Ausbau haben jeweils ca. 2 Stunden in Anspruch genommen.
Nach x Jahren Dornröschenschlaf schnurrt nun der 1300er in meinem 83er Mex und es ist eine wahre Freude, ihm zuzuhören. Er verbraucht um die 10 Liter, was ich für einen Käfer noch recht human finde. Auch der Ölverbrauch hält sich in Grenzen.
Ein 1983er Käfer aus Mexiko ist also immer noch kompatibel mit einem deutschen Motor, der 10 Jahre älter ist als der Käfer. Sowas ist doch mal schon unkompliziert und sehr praktisch.
Auch die meisten Ersatzteile passen an einen 83er. Trittbretter, Türen, Hauben usw. kann man eigentlich alles austauschen - ohne großartig auf ein Baujahr zu achten.
Unterhalt:
Der Unterhalt ist nun nicht gerade billig. Abgesehen vom Benzinverbrauch bezahlt man eine Menge Steuern (sofern man keinen Kat nachgerüstet hat). 25 Euro pro 100 Kubik zahlt man. Das macht bei 34 PS mal eben 304 Euro. In der Versicherung ist er dagegen recht günstig. Leider muss man bei einem alten Auto ja auch immer beachten, dass man mehr Reparaturkosten hat als bei neueren Modellen. Aber wer seinen Käfer liebt, der nimmt das gern auf sich. Und viele Sachen kann man auch selbst machen.
Innen:
Die Innenausstattung ist sehr minimalistisch, dennoch hat man alles was man braucht. 1983 hatte der Käfer schon das Kunstoff-gepolsterte Armaturenbrett, was im Vergleich zum älteren Blech-Armaturenbrett schon sehr "modern" wirkt. Die Instrumente sind sehr übersichtlich - denn es gibt ja lediglich nur die runde Tacho Anzeige. Ein Handschuhfach, zwei Lüftungsregler, Licht, Warnblinker und ein Radio-Ausschnitt sind das Einzige, was man neben dem Tacho noch im Armaturenbrett findet. Im Handschuhfach ist übrigens der Hebel, um die Kofferraumklappe (die beim Käfer vorn ist) zu entriegeln.
Die Sitze sind die gleichen, die man auch im Golf 1 findet; sie sind sehr dicht nebeneinander, so dass sich die Schultern von Fahrer und Beifahrer schon mal berühren können. 1983 hatte der Käfer auch selbstverständlich schon Kopfstützen.
Die Kopffreiheit ist enorm - dafür wird es hinten auf der Rücksitzbank ein wenig eng. Stauraum ist übrigens noch hinter der Rücksitzbank ;-) Ein kleiner Koffer oder eine Tasche kann man hier drin gut verstauen.
Durch die Heckscheibe hat man gute Sicht nach hinten, was auch nötig ist, weil man keinen rechten Außenspiegel hat. (Heckscheibenheizung natürlich serienmäßig!)
Vom Design her, finde ich die gerade Frontscheibe sehr schön - schöner als die gebogenen, die es bei einigen Modellen gab.
Der Kofferraum vorn bietet nicht wirklich viel Platz - eine Kiste Bier passt von der Höhe her gerade so eben rein. Sehr positiv ist, dass das Reserverad (was sich ebenfalls vorn im Kofferraum befindet) kein Notrad sondern ein ganz normales ist. Auch die Kabellage des Tachos, Radios usw. kann man sehr gut einsehen vom Kofferraum, was natürlich den Einbau elektronischer Geräte usw. sehr vereinfacht.
Wie gesagt, der Käfer ist ein Auto mit ganz besonderem Charakter - Generationen haben ihn gefahren und lieben gelernt und heutzutage wird man immer noch freundlich angelächelt, wenn man mal den Verkehr damit behindert (niemand würde hinter einem wütend hupen, wenn man nicht schneller kann).
Wer das nötige Kleingeld hat und sich die "Haltung" eines Krabbeltiers zutraut, dem kann ich nur empfehlen, sich einen zu kaufen, ehe es keine (mit vernünftiger Substanz) mehr gibt.
Gute Fahrt!
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