Der 3L nach knapp 200Tkm
20.12.2008
Pro:
Motor, Verbrauch, Geräusch - und Federungskomfort
Kontra:
Extreme Ersatzteilkosten, Platz hinten und "Kofferraum"
Empfehlenswert:
Ja
 klavierfis
Über sich:
Mitglied seit:20.12.2008
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 19 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
So, nun ein kurzer Bericht über meinen Langzeit-Lupo, BJ. 2000, bald knackt er die 200Tkm!!! Gekauft für € 4000 mit 160Tkm auf der Uhr. Steuer knapp € 200, Haftpflicht hochgerechnet auf 100 % ab € 570. Grüne Plakette, voll umweltzonentauglich, was immer man davon halten mag. Cayennes kommen schließlich auch grün in die Umweltzone...
Begeistert bin ich jeden Tag über den Platz vorne und die tolle Laufkultur des kleinen Dreizylinder-TDI (komplett aus Alu!), der bei Bedarf auch mal richtig gut abzieht. Jeder Mittelklasse TDI ist um Welten ruppiger. Auch der überdurchschnittliche Federungskomfort gefällt in Zeiten bockig "sportlicher" Autos sehr, zumal dieses Auto ja nun nicht als Sportwagen konzipiert wurde. Und wer mal Renault 4 gefahren ist, weiß, was Seitenneigung wirklich ist:-) Dazu die erstklassige Karosserie (nullkommanull Rost, auch unten kein bisschen), kein Geknister oder Geklapper nach der Laufleistung - klasse! Die Lenkung ist allerdings mangelhaft, auch weil die Lenkgetriebe nicht sehr haltbar sind und schwergängig werden. Auf der Autobahn ist man dann ständig am korrigieren. Die Lenkkräfte ohne Servounterstützung sind recht hoch, die Lenkübersetzung sehr indirekt bei großem Wendekreis. Hier würde ich mir Verbesserungen wünschen, die späteren Baujahre konnten mit Servo und direkterer Lenkung bestellt werden, was allerdings die Start-Stopp Automatik kostete. Das Kraftfahrtbundesamt meinte nämlich offenbar, die Servo müsste auch an der Ampel funktionsfähig sein.
Etwas seltsam, dass man eine leichte Magnesiumheckklappe verbaut hat, im Zuge der Modellpflege aber hinten Bleigewichte angebracht wurden und die Batterie vom Motorraum unter den Kofferraum wanderte. Die Erklärung ist leicht: In manchen Fahrsituationen übersteuert der Lupo wegen zu wenig Gewicht auf der Hinterachse plötzlich und unerwartet, ich hatte das auch so ein Erlebnis (glücklicherweise ohne Kaltverformungen, ich konnte ihn gerade noch einfangen) und steuere Kurven bei Nässe oder Glätte seitdem mit größter Vorsicht an. Auf gute Bereifung mit Gripp satt ist aus diesem Grund unbedingt zu achten, die damals serienmäßigen Bridgestone-Energiesparreifen waren für das Fahrverhalten eine Katastrophe! Daß Klima oder sonstiger Schnickschnack nicht an Bord sind, stört mich nicht. Fenster kann man kurbeln, die Temperatur selbst (nach) regeln, im Sommer die Fenster öffnen. Früher ging das schließlich auch und was nicht da ist, kann auch nicht kaputtgehen. Im Winter muss man erstmal frieren, der TDI geizt sehr mit der Abwärme und der elektrische Zuheizer heizt doch sehr verhalten und treibt den Verbrauch munter in die Höhe.
Bei geruhsamer Fahrweise mit relativ hohem Stadtanteil sind 3,5-3,9 Liter absolut machbar. Und: Nach fast 200Tkm kein nennenswerter Ölverbrauch, alles trocken, der Motor zieht und klingt wie neu! Anders die Schaltung, die die Gänge doch mittlerweile sehr ruppig sortiert. Eine etwas abgeänderte Grundeinstellung per Laptop hilft hier weiter. Getriebe und hydraulische Schaltung sind bei mir noch original und in Ordnung, desöfteren gibt es hier Probleme, die richtig ins Geld gehen können. Auch die Werkstätten wissen bei Problemen an dieser Besonderheit oft nicht weiter, was bezüglich dieses Autos einen klaren Nachteil darstellt. Wenn die Schaltung zickt, wird´s teuer!
Ich musste die hinteren Bremstrommeln ersetzen, weil sie mit der Zeit rauh werden und die Bremsbeläge regelrecht runterradieren - wie vieles bei diesem Lupo Spezialteile (wie auch manche Karosserieteile) und somit unverhältnismäßig teuer. Und nur beim freundlichen VAG-Händler zu bekommen... Demnächst ist ein vorderes Radlager fällig - ebenfalls ein Verschleißteil bei diesem Auto. Selbst wechseln nicht möglich, wegen geklebter Antriebswelle und sehr spezieller Montage-schade.
Der Wischer hinten bzw. dessen Waschdüsen-schlauch-u.s.w. Gedöhns ist eine einzige Fehlkonstruktion, die Düse gammelt fest und bricht ab, Schläuche rutschen raus... Fazit: Kommendes Kultauto, damals leider völlig am Markt vorbeientwickelt, da immens zu teuer. VW wollte mit Biegen und Brechen auf die 2,99 Liter / 100 km kommen, bei 3,2 hätte man sich teure Gimmicks wie die hydraulische Schaltung und Magnesiumteile sparen können. Der robuste Motor ist eine Wucht, die Fahrleistungen mehr als ausreichend. Die Verarbeitung bestens, ein echtes Langzeitauto. Getriebe, Radlager und Hydraulik sind allerdings defektanfällig und im Ernstfall extrem teuer im Ersatz, die Werkstätten mit dem Auto fast immer überfordert.
Naja, ich hole mir irgendwann einen der letzten (mit Servo und ohne alles andere) und fahre ihn, bis er bricht. Der 3L verbindet Spritzigkeit, Laufkultur, schönen Federungskomfort, niedrige Drehzahlen mit sehr niedrigem Verbrauch und einer wirklichen Portion "Freude am Fahren" in Dimensionen, die BMW-Fahrer nicht einmal erahnen können.
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20.12.2008 16:31
Hatte auch 3 mal einen 3L-Lupo und war jeweils hoch zufrieden damit. Weiterhin viel Spaß damit, vor allem an der Tankstelle. Gruß Winni
20.12.2008 13:24
Mir gefällt alles an Deinem Bericht. Auch der Unterton ;) Fahre selbst nach einem 4,8l verbrauchenden Twingo Beziner, seit nun 149 TKM einen Opel Corsa C Diesel. Auch dieser um die 5 - 5,2 Litern im Verrbauch ohne besondere Sparsamkeit in meiner Fahrweise. Mehr Geld muss man für Mobilität nicht aufwenden.
20.12.2008 11:22
So einen wollte ich auch erst haben, hab mich dann aber für einen Hyundai entschlossen. GLG