Raumangebot top - Motor O.K. - Qualität Flop
11.03.2002
Pro:
Sehr großes Raumangebot, angemessene Leistung, Allrad
Kontra:
Qualität minderwertig, hoher Verbrauch
Empfehlenswert:
Ja
 mmreseller
Über sich:
Mitglied seit:05.02.2001
Erfahrungsberichte:55
Vertrauende:7
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nach dem Leasing eines 328i BMW wählte mein Vater 1998 einen VW Passat V6 syncro, nicht zuletzt, weil dieser ein überragendes Raumangebot und Allrad Antrieb besaß. Punkt 1: Motor/Getriebe/Fahrkomfort
VW bot 1998 den 2,8 Liter V6, wie es ihn heute im Skoda Superb gibt, mit 193 PS und 30 Ventilen an. Der Motor war durchaus als leistungsstark zu vergleichen, hatte aber mit dem rund 1,5 Tonnen schweren Passat ein klein wenig zu kämpfen. Die Fahrleistungen waren der Klasse durchaus angemessen, aber auf keinen Fall mehr. Im Vergleich gegen einen mit Schaltgetriebe ausgerüsteten 528i BMW oder gar einen 328er hatte der Passat sowohl beim Sprint (hier nur knapp), als auch auf der Autobahn das Nachsehen. Dennoch konnte man in knapp 8 Sekunden zügig auf Tempo 100 beschleunigen und erreichte auf der Autobahn recht zügig Tempo 240. Der Durchzug war O.K., aber nicht gerade berauschend - der Motor war aber dafür unaufdringlich, wie man es von einem V6 auch gewöhnt ist. Allerdings war der Verbrauch unangemessen hoch. Im Schnitt verbrauchte der Motor fast 13 Liter, mindestens aber 12,5 Liter. Selbst bei sehr ruhiger Fahrweise wurden 10,5 Liter deutlich überschritten - ein vergleichbarer BMW Motor schluckt etwa 1-2 Liter weniger.
Sicher ging der Vorteil des Allrad Antriebs auf Kosten des Verbrauchs. Dieser ermöglichte stets souveräne Fahreigenschaften. Selbst an einem mit etwa 15 cm Schnee bedeckten recht steilen Berg zog der Passat hoch wie auf Schienen. Auch in Kurven geriet man nie in brenzlige Situationen, allerdings sollte nicht erwähnt bleiben, dass wenn der Grenzbereich erreicht ist, das Auto leicht über die Vorderräder wegschiebt - im Gegensatz z.B. zum Heckantrieb hilft hier Gegenlenken o.ä. nicht ganz so einfach. Aber das sind dann auch schon Situationen, in die man bei einigermaßen normaler Fahrweise gar nicht erst kommt. Der Fahrkomfort wurde zudem noch durch die butterweiche Federung gesteigert, die alle Unebenheiten schluckte, ohne auch nur einen Stoß auf die Passagiere abzugeben. Keinerlei Kritik in diesem Bereich.
Das Getriebe war eigentlich in Ordnung. Die Schaltwege waren kurz, nur an der Präzision könnte noch ein wenig gearbeitet werden. Zumindestens war das Getriebe nicht schlecht und behinderte auch schnelle Schaltvorgänge nicht. 2. Karosserie/Lack/Raumangebot
Die Karosserie des Passat kennt jeder. Die Optik erinnert ein wenig an Audi Ende der 90er auf Grund des Kuppeldachs usw. Insgesam gab es weder an der Solidität der Karosserie noch am Silbernen Lack etwas auszusetzen. Bis etwa 115.000 Kilometer nahm der Lack keinerlei große Schäden bis auf ein paar winzige Steinschläge. Allerdings erschien er gegen Ende der 3jährigen Laufzeit ein wenig Stumpf. Das Raumangebot ist die Trumpfkarte des VW Passat. Auf 5 Plätzen sitzt man in diesem Auto bequem - mehr braucht der Mensch nun wirklich nicht. Wer aus einem 3er in einen Passat umsteigt fühlt sich, wie beim ersten Einstieg in einen Golf, wenn man vorher Trabant gefahren ist. Auch der Kofferraum überzeugte völlig und fasste mehr als nur ein paar Taschen und kleine Koffer.
3. Innenraum/Materialien/Ausstattung Wie schon erwähnt ist der Innenraum angenehm groß. Das dunkle Interieur sieht einigermaßen hochwertig aus, sollte aber eher nicht mit Cockpit-Spray behandelt werden, weil es dann irgendwie nicht mehr so toll aussieht. Die Matrerialien wirken recht solide. Die Ausstattung war ganz in Ordnung. Unser Modell war letztlich mit Klimaautomatik, dem alltbekannten Gamma-Radio und Bordcomputer ausgestattet. Alles in allem keine brilliante Ausstattung aber ganz komfortabel und eigentlich auch ausreichend, denke ich. Die beim V6 Serienmäßigen 205er R16 Bereifung mit Leichtmetallfelgen sah ziemlich gut aus.
4. Qualität/Mängel Nun zum unschönen Teil des Berichts. Insgesamt traten in 3 Jahren und etwa 115.000 Kilometern gut 20 Mängel auf, die mehr oder weniger Schlimm waren. Während lästige Klapperstellen, lose Verkleidungen und ähnliches noch weniger Schlimm waren, sorgten Mängel wie ausgefallene Blinkanlagen oder kaputte Bordcomputer für Ärger. Vor allem der defekte Blinkgeber nach 1 Jahr darf einfach nicht auftreten. Zudem wollte die Werkstatt das Fahrzeug erst gar nicht gleich reparieren. Erst nach massiven Drohungen und Diskussionen wurde der Blinkgeber eines Vorführwagens verbaut. Lästig ist auch die Mittelarmlehne vor, die regelmäßig (3mal in 3 Jahren) kaputt ging. VW wählte offensichtlich billigste Materialien, die zum Bruch der Halterungsfeder führten. Der an der Fahrertür angebrachte kleine Knauf zum Verstellen der Außenspiegel brach bei der Reinigung ab - ohne große Gewalteinwirkung. Der Motor verbrauchte extrem viel Öl - Nachkippen aller paar Tausend Kilometer war unbedingt nötig. Allerdings ging unserer Firma das bei einem baugleichen 2,8er Motor in einem A4 genauso - der erlitt sogar Motorschaden auf der Autobahn. Vergessen hätte ich fast zu erwähnen, dass die Sitze und der Schaltknauf nach 3 Jahren so aussahen, wie die eines BMW nach 6 oder 7 Jahren - sehr unschön, trotz Pflege!
5. Persönliches Urteil Insgesamt betrachtet ist der Passat dennoch kein schlechtes Auto, soviel steht fest. Er ist geräumig und läßt mit dem V6 gute Fahrleistungen zu. Sportlich und Qualitativ hochwertig ist er allerdings auf keinen Fall. VW sollte in Zukunft mehr auf das Qualitätsmanagment setzen, da der Passat ansonsten eigentlich den Anforderungen entspricht, die man an ein Fahrzeug dieser Klasse setzt. Ich will die qualitativen Mankos aber nicht überbewerten, weil wir auch durchaus ein Montagsauto erwischt haben können. Wird der Phaeton ähnlich anfällig, können die Wolfsburger einpacken. Was 1998 für den Passat sprach, war der unschlagbare Preis von 49,990 DM - zwei Jahre später war dieser Vorteil aber auch dahin, weil er soweit ich weiß dann schon 53.990 DM kostete - Tendenz steigend.
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09.08.2003 00:20
kann ich nicht verstehen. Aber wahrscheinlich ein soonntagsauto erwischt... MFG
11.03.2002 19:50
Ein wirklich schöner Wagen und ein toller Bericht! Grüße Corpus
11.03.2002 11:43
Du arbeitest sehr schön die Vor- und Nachteile heraus. Wenn es etwas kleiner sein darf - für eine Familie aber immer noch perfekt - dann kann ich den Skoda Oktavia empfehlen, 5000 € billiger.