>UPD< Luxus im Kleinformat - aber ständig Mängel
09.01.2003 (03.04.2003)
Pro:
Totaler Komfort, Platzangebot, Bärenmotor, schluckt kaum Diesel
Kontra:
Ständig Mängel, hoher Preis
Empfehlenswert:
Ja
 javannaa
Über sich:
Mitglied seit:23.11.1999
Erfahrungsberichte:5
Vertrauende:2
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Am 18. Juli des Jahres 2002 war es soweit - der Händler hatte nach drei Monaten Wartezeit zur Abholung des neuen Polos gerufen. Besondere Vorfreude kam allein schon deshalb auf, weil ich an Extras nicht gespart hatte, schließlich soll mich das Auto die nächsten 4 Jahre beim Studium begleiten und ständig auf Langstrecke zwischen Remagen und Frankfurt unterwegs sein. Mit folgendem ist mein Polo zusätzlich zur Highline-Ausstattung ausgestattet (wesentliche Highline-Zusätze: 185er Leichtmetallräder, Radio Beta Sportsitze, Armlehne hinten, Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Chromringe um Amaturen): ESP, Nebelscheinwerfer, Climatic (statt Schiebedach), Scheinwerferreinigungsanlage, Tempomat, Sitzheizung, beheizbare Außenspiegel, Easy-Entry (weil aus optischen Gründen Zweitürer), Alarmanlage, Funkfernbedienung, Multifunktionsanzeige. Wer Fragen zu diesen Extras hat, kann mich gerne ansprechen. Nun stand also dieses neue Auto vor mir und begeisterte: Mercatoblau-Metallic läßt den Wagen in Verbindung mit den Leichtmetallfelgen edel-sportlich aussehen, der Innenraum wirkt besonders im Sommer mit seinem hellen Himmel sehr frisch, alles faßt sich gut an, auf die Verwendung von billigen Materialien wurde verzichtet. Schon beim ersten reinsetzen wiederholte sich das, was mir schon bei Probefahrten aufgefallen war: Das Raumangebote fasziniert. In kaum einem anderen Kleinwagen sitzt man mit einem so guten Raumgefühl. Nirgendwo zwickt es, man kann sich gut ausbreiten. Durch in Höhe verstellbare Sitze und in Höhe und Länge verstellbarem Lenkrad kann man den perfekten Sitzkomfort erzielen, besonders die straffen Sportsitze geben in den Kurven noch mehr Halt und lassen einen auch nach sehr langen Strecken noch völlig entspannt aussteigen. Die wahre Überraschung kommt, wenn man sich in den Fond des Polos setzt. Wenn man erst mal auf der Rückbank ist, sitzt man so gut wie in einem Mercedes. Genügend Kopffreiheit für Leute bis ca. 1.90, eine gut geformte Rückenlehne, Armfreiheit (Armlehne genau auf der richtigen Höhe), Mittelarmlehne mit Fach und vor allem absolut ausreichender Beinraum machen den Polo zum Meister seiner Klasse. Wenn ich mit mehreren Leuten unterwegs bin, ist die Antwort auf die Frage des Beifahrers, ob er nach vorne rücken soll, grundsätzlich "Nein, nein, ich habe genügend Platz". Das hört man in sonst kaum einem Auto. Der Kofferaum ist standesgemäß, auch Reisegepäck passt hinein und er läßt sich durch geteilt umklappbare oder demontierbare Rückbank schnell erweitern. Übrigens befindet sich im Kofferaum eine 12-Volt Steckdose. Fazit zum Innenraum: Toll verarbeitet, viel Platz, viel Komfort. Nun möchte ich auf die Fahreigenschaften zu sprechen kommen. Um es vorweg zu nehmen: Der Polo fährt sich wie ein Autoscooter. Das Fahrwerk würde ich als absolutes Meisterwerk bezeichnen. Einerseits bietet es guten Federungskomfort und trägt mit dazu bei, daß lange Strecken nicht zur Tortur werden. Andererseits liegt das Auto fast sportwagenmäßig auf der Straße. Keine Kurve, und sei sie auch schnell gefahren bringt das Auto aus der Ruhe, Wankbewegungen werden fast vollständig vermieden. Die 185er Reifen tragen dazu auch bei, sie sind deutlich besser als die 165er, die ich bei Leihwagen schon gefahren habe. Auch wenn die Servolenkung geschwindigkeitsabhängig geregelt ist, und meistens sehr genau das tut, was man will, könnte sie ein wenig direkter übersetzter sein. Die vier Scheibenbremsen bringen die Fuhre übrigens immer sehr schnell zum Stehen, das ESP muß auf trockener Straße nur bei allerextremsten Fahrmanövern eingreifen und ist mehr eine große Hilfe auf schneebedeckter Fahrbahn, wo man dann wie auf Schienen fährt. Übrigens: Der Tempomat ist sein Geld wert! Man mag ja der Meinung sein, daß dies überflüssiger Luxus ist. Aber nur, solange man ihn noch nicht benutzt hat. Besonders auf Langstrecken, die ich fast immer Nachts zurücklege ist es unheimlich entspannend, nicht mehr aufs Gas treten zu müssen. Der Drei-Zylinder-Motor geht mit seinen 75PS und 195(!!!)Newtonmetern wie ein Ochse. Zwar ist er nicht für Porschemäßige Fahrleistungen gemacht, doch hat man den Eindruck ruckartiger Beschleunigung. Nachdem das Turboloch ab ca. 1800 U/Min. überwunden ist wird man in die Sitze gedrückt. Immer ist Kraft vorhanden, auf der Landstraße überholt man fast immer im fünften Gang weil es einfach kein Problem ist. Sicherlich mag mancher die stets präsente Diesel-Geräuschkulisse kritisieren, besonders beim Kaltstart jetzt im Winter(hört sich wie ein Traktor an), aber mir persönlich gefällt diese Rückmeldung der Mechanik. Der hohe Preis des Diesel-Motors zahlt sich an der Tankstelle zurück: Im Sommer verbraucht der Wagen ca. 5 Liter auf 100 Kilometern (ich fahre meist mit 130-140 auf der Autobahn), im Winter und mit Winterreifen sind es um die 5.7 bis 6 Liter. Toll bei den Diesel-Polos: Nur etwa alle 50.000 Kilometern muß das Auto zur Inspektion in die Werkstatt. Für uns Langstreckenfahrer ein echter Bonus-Punkt. A Propos Werkstatt. Das ist das Stichwort, was das sonst furiose Gesamtbild gewaltig trübt. Zwar ist mein Polo bis jetzt nicht liegengeblieben, aber seit dem ersten Kilometer werden deutliche Mängel in der Qualität sichtbar, die bis jetzt zu 5 Werkstattaufenthalten führten. Hier die Mängelliste: 1. Knarzendes Amaturenbrett (seit erstem Kilometer, zwei Versuche von Werkstatt, dann bei Unfallreparatur mit 8000 km beseitigt) 2. Scheibenwischer hinten wischt nur teilweise (ab erstem Kilometer) 3. Laut knarzender Beifahrersitz (ab ca.4000km, Konsole getauscht) 4. Gelegentlich knarzender Fahrersitz(ab ca.4000km, Verbesserungsversuche, bisher keine Lösung) 5. Lose Mittelkonsole(ab erstem Kilometer, Clip abgebrochen, Teil getauscht) 6. Defekte Scheinwerferreinigungsanlage (ab ca.4000km, funktionierte irgendwann wieder) 7. Defekte Sitzheizung rechts (ab ca.4000km, Schalter getauscht) 8. ABS/ESP-Warnleuchte leuchtet mehrmals auf (ab ca.4000km, kein Fehler gefunden) 9. Defekter Bremslichschalter (ab ca.4000km, Teil getauscht) 10. Sitzhöhenverstellung links geht nicht mehr (ab ca. 8000km, gangbar gemacht) 11. Defektes Abblendlicht links (zwar nur Birne kaputt, aber das nach 4 Monaten und 12.000 Kilomtern) 12. Scheinwerferreinigungsanlage wieder defekt (ca. 14000km) 13. Heckscheibenreinigung defekt (ca. 14.000 km) 14. Hupe ausgefallen (ca. 15.000)
Das sind zwar alles zunächst nur Kleinigkeiten, aber das Auto hat ca. 18.500 Euro gekostet und sie sind alle innerhalt der ersten 15.000 Kilometern aufgetreten. Was erwartet mich denn noch alles? Dazu kommt noch die mangelnde Sachkenntnis der VW-Werkstätten. So dauerte das Wechseln der Abblendlichtbirne 45 Minuten, und ich mußte für manche Mängel mehrmals zu VW Glöckler in Frankfurt, bei dem das Auto gekauft wurde. Dieses größte Autohaus Frankfurts war auch nicht bereit, mir für die diversen Besuche einen kostenlosen Ersatzwagen zur Verfügung zu stellen. Diesen mußte ich immer selber zahlen. Positiv überrascht war ich aber von der Arbeitsleistung der Werkstatt an meinem Studienort Remagen, in der Nachbarstadt Bad Breisig. Leider wurde ich nämlich unverschuldet in einen Unfall mit einem Radfahrer verwickelt, bei dem der rechte Kotflügel und die Windschutzscheibe demoliert (und diverse Innereien des Autos) wurde. Hier wurde zwar nicht schnell, aber dafür einwandfrei gearbeitet. Um nun ein Schluß-Fazit zu ziehen, möchte ich folgendes sagen: Der Polo 1.4 TDI ist ein sehr komfortables, geräumiges, langstreckentaugliches Fahrzeug mit vorzüglichem Fahrwerk und gutem Motor. Das Gesamtkonzept läßt ihn so zum König unter den Kleinwagen werden. Jedoch steht man ständig in der Werkstatt mit ihm. Irgendwelche Kleinigkeiten fallen ständig auf, das darf einfach nicht mehr sein bei einem Auto dieser Preisklasse und bei einem Hersteller, der in solchen Volumina herstellt. Daher nur 3 von 5 Punkten in der Gesamtbewertung, auch wenn ich mich trotz aller Mängel jeden Morgen richtig auf mein Auto freue. Weniger Probleme als mit der Highline-Version hat man sicherlich mit der äußerst soliden Basis-Version.
Update am 3.4.2003: Morgen geht es mal wieder in die Werkstatt, denn außer Hupe und den Scheinwerfer/Heckwaschanlagen ist zwischendurch noch folgendes aufgetreten: 1. Die Innenraumüberwachung der Alarmanlage läßt sich nicht mehr abschalten 2. Der Beifahrergurt läßt sich meist nur durch häufige Versuche zum Anlegen überreden (klemmt immer fest, wie als ob man ganz fest daran ziehen würde) 3. Vor kurzem fiel auf einer Fahrt dreimal der Tempomat aus 4. Auch das Radio hat Hüttenzauber gemacht: Es ließ sich zwar ein-und ausschalten, doch Ton gab es nicht. Bisher ist das nicht mehr aufgetreten. Daß vor kurzem der Griff für das Umlegen des Fahrersitzes (zum Fondeinstieg) abgerissen ist, wird die Werkstatt nicht erfahren, das Teil konnte ich wieder einbauen.
Das Auto hat am Montag gerade die 25.000 Kilometer-Marke gepackt. Hoffen wir auf bessere Zeiten - doch der amerikanische ConsumerReport verheißt für Dreijährige Gebrauchte nichts gutes: Fast die höchste Fehlerquote hat VW, nur noch übertroffen von Cadillac.
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26.06.2004 16:02
Du solltest deinen Text etwas mehr strukturieren (Überschriften, Absätze, Themenbereiche). Das würde ihm schon Einiges geben, denn den eigentlichen Inhalt finde ich zutreffend. Mir hat eigentlich nur was zu deinen Kosten durch das Fahrzeug gefehlt und vielleicht zum Wiederverkaufswert. Übrigens: Dass die VAG-Werkstätten (insbesondere bei Garantie-Leistungen) lau bis grottenmies sind, kann ich bestätigen. Ich war bis zur 2-Jahres-Inspektion (bei einer freien Meister-Werkstatt MEINES Vertrauens :-) 8 Mal wegen 4 Garantiefällen in 2 VAG-Werkstätten. Zu deinem Mangel Nr. 6 (Scheibenwaschanlage defekt) ein Tipp: Das ist ein Konstruktionsfehler, den ich auch hatte: 1. wackeln die Wasserschläuche wohl derart in der Karroserie, dass sie ständig irgendwo undicht werden, 2. ist der Wasserschlauch am Behälter nur lose aufgesteckt und fuppt dauernd ab und 3. macht VAG dann meist nicht mehr, als ihn wieder draufzustecken (bis denne in 6 Wochen, oder was?). Erst beim 4. Beanstanden wurde der Schlauch besser befestigt. Leider kommt man da nicht vom Motorraum aus ran. Irgendein Kfz-Meister wird das jedenfalls besser richten als die VAG-Tropis. LG, Marc.
07.02.2004 21:15
Sehr ausführlicher Testbericht. Erschreckend aber was Volkswagen sich leistet.
02.01.2004 16:15
Absolut korrekte Bewertung! Ich habe auch so ein Teil und muss alle 6 Monate eine Birne wechseln lassen. Selbst machen kommt ueberhaupt nicht in Frage. Alle Werkstätten brauchen mindestens 30 Minuten, weil man entweder Luftfilter oder Batterie ausbauen muss. A propos Verbrauch: 5 Liter (bei mir auch) sind nicht schlecht, aber stand da nicht 4,4 im Prospekt... liegt natürlich alles an meiner Fahrweise (O-Ton VW Werkstatt).