Problemloses und günstiges Stadtauto
05.04.2004
Pro:
Zuverlässigkeit, Kosten,
Kontra:
Ausstattung, Motor, Sicherheit
Empfehlenswert:
Ja
 Massivo
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:13
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
VW Polo Fox Coupé Bj. 91 (45PS) Spartanisch, schwach, aber zuverlässig. Dies sind drei Worte, mit denen man meinen VW Polo beschreiben könnte.
Vorher befand er sich im Besitz meiner Oma, die ihn kaufte, nachdem sie ihren alten Peugeot 205 zu Schrott gefahren hatte, doch als sie sich nicht mehr im Stande sah, noch Auto zu fahren, vermachte sie ihn 2000 meiner Familie, ein Glück, sonst hätten wir wahrscheinlich bis heute keinen Zweitwagen. Als ich dann im Herbst 2003 endlich die Führerscheinprüfung bestanden hatte, kam auch ich in den zugegebenermaßen zweifelhaften Genuss, dieses Gefährt zu steuern, aber dazu später.
PLATZANGEBOT usw. Aufgrund der Tatsache, dass der Polo nur 3,72 m lang ist, kann man natürlich auch nicht mit einem überragenden Raumangebot rechnen. Vorne sitzt man bis zu einer Größe von ca. 1,80 m noch recht bequem, bei meinen 1,87 wird die Kopffreiheit knapp und mann muss die Sitzlehne etwas schräger einstellen, damit der Kopf die Decke nicht berührt. Auch die Schulter- und Armfreiheit ist stark eingeschränkt, habe ich z.B. einen Beifahrer, der über 1,75 m groß ist, so behindert er mich grundsätzlich beim Schalten, weil der Platz sowohl für die Arme als auch für die Beine in der Breite nicht ausreicht. Hinten sitzen eigentlich nur Kinder noch einigermaßen bequem, zur Not kann man auch mal bis zu zwei Erwachsene für Kurzstrecken mitnehmen, aber für drei reicht die Breite im Allgemeinen nicht aus, weswegen man die riesige Zuladung von 460 kg nicht auslasten kann. Der Kofferraum ist für einen Kleinwagen auf jeden Fall geräumig genug und fasst auch größere Einkäufe, im Falle eines Falles lässt sich auch die Rückbank als Ganzes umklappen. Trotzdem ist die Raumausnutzung schlecht, vergleichbare Autos dieser Zeit (z.B. Renault Twingo – ab `91) bieten hinten doch um einiges bessere Platzverhältnisse. Die Sitze sind ein bisschen zu weich gepolstert und bieten kaum Seitenhalt, als Fahrer hält man sich in schnell gefahrenen Kurven am Lenkrad fest.
AUSSTATTUNG UND SICHERHEIT Hier ist wirklich nur das Nötigste serienmäßig vorhanden: Heckscheibenheizung, Radio (das wurde aber nachgerüstet, glaube ich), Intervallscheibenwischer (auch Heck) und eine Nebelschlussleuchte sind die einzigen Dinge an Bord, die nicht auch schon noch zehn Jahre früher Standard gewesen wären. Jegliche Komfortausstattung fehlt vollkommen, so muss man z.B., um die Außenspiegel zu verstellen, das Fenster herunterkurbeln und direkt Hand anlegen (eine Verstellmöglichkeit von innen gibt es nicht). Die Sicherheitsausstattung ist ein Trauerspiel, oder schlimmer noch als das, es gibt eigentlich gar keine (aber das ist, glaube ich, bei den meisten Kleinwagen dieser Zeit, auch nicht anders). ABS oder gar Airbags sind dem Polo völlig fremd, im Crashfall dürfte sich wohl auch noch das Zündschloss incl. Schlüssel genau in Kniehöhe verletzungsbegünstigend auswirken. Überhaupt wirkt die gesamte Karosserie ziemlich leicht verformbar, weswegen bei schwereren Unfällen Verletzungen vorprogrammiert sind. Die Bremsen sind nicht gerade wirksam, man braucht schon einige Kraft in den Beinen, um schnell zum Stehen zu kommen (natürlich gibt es keinen Bremskraftverstärker). Auf der Rückbank gibt es keine Kopfstützen und nur zwei Beckengurte. Das Design ist VW- typisch bieder, doch das Dreispeichenlenkrad (Coupé - Special) verleiht dem Cockpit sogar einen sportlichen Anhauch.
MOTOR / ANTRIEB Mit dem 45 PS- Aggregat ist der Polo ein reines Stadtauto. Bis ca. 60 km/h zieht er noch recht ordentlich (Zitat eines Freundes „der zieht besser als mein Ford Scorpio (115 PS)“), aber sobald man auf die Landstraße fährt, offenbart der Antrieb seine Schwächen: Er ist extrem durchzugsschwach (bei etwas steileren Anstiegen muss der 2. Gang her), noch dazu sind die oberen zwei Gänge zu lang übersetzt (er hat nur vier), was zum exorbitant schlechten Beschleunigungswert von 21,5 s von 0 auf 100 führt. Ein weiterer Nachteil des Vierganggetriebes ist der hohe Verbrauch von ca. 7-8 l /100km im Durchschnitt, wenn man ordentlich reintritt (und das muss man , denn sonst wird man beinahe zur Verkehrsbehinderung) oder bei Vollgas auf der Autobahn können es auch schnell 10l werden. Dies zeigt, wie unmodern der Motor ist. Bei Zweiterem wäre ein 5. Gang von Vorteil gewesen, der den Verbrauch gesenkt und die Höchstgeschwindigkeit, die nur 140 km/h beträgt, erhöht hätte. Überhaupt kann ich die Ansichten zur Höchstgeschwindigkeit anderer Ciao- Mitglieder (170 km/h) nicht teilen, mein Rekord sind nämlich Tacho 145 (echte ca. 135-138) auf leicht abschüssiger Autobahnstrecke mit riesigem Anlauf. Beim Antrieb macht sich jedes zusätzliche im Auto befindliche Kilo negativ bemerkbar. Schon ein voller Tank (40l Tankvolumen) schränkt die Fahrleistungen ein, hat man mehr als zwei Mitfahrer, sollte man nur noch Traktoren oder Motorroller überholen, da alle anderen Überholvorgänge aufgrund der langen Dauer eine ernste Gefahr darstellen würden.
FAHRWERK, LENKUNG und SCHALTUNG Das Fahrwerk ist recht straff abgestimmt und absorbiert kaum Stöße, auch jeden Gullydeckel spüren die Passagiere, aber dennoch ist es keinesfalls so, dass man nach einer längeren Fahrt mit Rückenschmerzen aussteigt, weil die weichen Sitze etwas die Funktion einer Federung übernehmen. Bemerkenswert ist, dass sich der Polo in schnell gefahrenen Kurven trotzdem relativ rasch zur Seite neigt. Der eigentliche Kritikpunkt gebührt aber nicht dem Fahrwerk, sondern den viel zu schmalen Reifen, die schnell an ihre Grenzen stoßen. Schon beim Anfahren drehen die Räder manchmal unfreiwillig durch (das hat aber auch mit dem geringen Gewicht von 760 kg (leer) zu tun), bei nasser Strecke gerät das Auto ihretwegen in Kurven schnell ins Rutschen und bei Straßenglätte sollte man den Polo lieber gleich zu Hause lassen oder ganz langsam und vorsichtig fahren. Die Lenkung ohne Servounterstützung ist beim Fahren angenehm direkt, aber beim Rangieren erwartungsgemäß schwergängig. Sie hat sozusagen einen eingebauten Glättesensor, weil sie dann erheblich leichtgängiger wird. Die Viergangschaltung ist natürlich mittlerweile überholt (statt 5. Gang 3. + 4. zu lang übersetzt), aber birgt den Vorteil, dass man ab 60 km/h eben nicht mehr schalten muss. Dies ist auch kein besonderes Vergnügen, weil die Schaltwege viel zu lang sind.
ZUVERLÄSSIGKEIT: Kommen wir zu einem der Pluspunkte des Polo: seiner Zuverlässigkeit. Hier erweist es sich, dass frei nach dem Motto „Wo nicht viel ist, kann auch nicht viel kaputtgehen“ unser Polo tatsächlich zuverlässig seine Kilometer abspult (allerdings erst 102000). Es gab aber in all den 13 Jahren noch keinen einzigen Defekt, wegen dem er lahmgelegt worden wäre. (Einmal ist der Auspuff abgefallen, aber der war nicht kaputt). Stattdessen sind es Kleinigkeiten, die auf das fortgeschrittene Alter des Autos hindeuten (Lüftung pfeift, hintere Lautsprecher defekt, Fahrertür lässt sich von innen nicht verriegeln), welche aber das Fahren an sich nicht beeinträchtigen. Auch der TÜV war noch nie ein Problem. Bei kalten Temperaturen sollte der Polo tunlichst in einer Garage stehen, weil er ab ca. -5 bis -10 Grad meist nicht mehr anspringt, zudem frieren die Schlösser leicht ein, also: immer Schlossenteiser mitnehmen! Auch ein Schwamm gegen die schnell von innen beschlagenden Scheiben gehört zur Grundausrüstung.
KOSTEN: Auch wenn er für einen Kleinwagen nicht gerade wenig verbraucht, so halten sich dennoch die Spritkosten für den Polo im Rahmen, tankt er doch das günstige Normalbenzin. Man sollte, wenn man diese Baureihe wählt, immer auf einen Katalysator achten (in den späteren Jahrgängen auf jeden Fall serienmäßig), da dieser die Steuern pro 100ccm Hubraum erheblich drückt. Ohne Kat würde man immerhin ca.250€ für den 1,0l Hubraum- Motor pro Jahr löhnen (25,36 € pro 100ccm). Eine Kaskoversicherung lohnt sich bei einem Polo dieses Alters nicht mehr, weil die Versicherung ja nur Beträge bis zum aktuellen Wert des Autos erstattet, welcher in diesem Fall unter 1000€ liegt, und die Beiträge natürlich höher wären als der erstattete Betrag. So kann sogar schon ein Parkrempler einen wirtschaftlichen Totalschaden verursachen. Also: Lieber gar nicht oder selbst reparieren, Ersatzteile sind billig und reichlich vorhanden, zudem ist die Technik simpel und somit ist es für geübte Hände nicht schwer, kleine Reparaturen selbst durchzuführen. Mein Polo zum Beispiel musste gestern eine unliebsame Bekanntschaft mit einem Kaugummiautomaten machen, aber kein Stress, schnell notdürftig lackieren, damit nichts rosten kann, großen Wert auf das Aussehen seines Fahrzeugs legt jemand, der einen 91er Polo fährt, sowieso nicht mehr.
FAZIT: Reines Stadtauto z.B. zum Einkaufen, auch für Führerscheinneulinge geeignet, da Parkrempler und dergleichen egal sind, dafür aber große Abstriche bei Sicherheit und Komfort. Jedem, der nicht unbedingt auf das Geld achten muss, würde ich den Polo allerdings nicht ans Herz legen.
deswegen empfehlenswert ja, aber nur, wenn man sich nicht besseres leisten kann.
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16.11.2004 14:19
Sehr informativ und somit klar "bh". Aber um das Auto bist du nicht zu beneiden. LG Mr.Outlaw
07.07.2004 14:37
Für die Stadt sicher gut, mir selbst wär's aber zu wenig Auto! LG Claudia
06.06.2004 18:48
Naja, Kumpel von mir ist auch schon mal son Kleinwagen gefahren. Sind ganz nett doch irgendwie nicht sicher genug, wie du ja bereits festgestellt hast. Gruß