Der V6 TDI - Die goldene Mitte.
24.10.2005
Pro:
Super Motorleistung, Gute Verbrauchswerte, gemessen an der Größe, Toller Klang
Kontra:
Gesamtfahrzeugpreis entspricht nicht meiner Einkommenskategorie, leider . . .
Empfehlenswert:
Ja
 Eierbrater
Über sich:
Mitglied seit:12.09.2005
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich teile meinen Erfahrungsbericht mal in Zwei Teile auf. Zum einen in einen rationell geschriebenen, zum anderen in einen emotional geschriebenen. Auf diese Weise glaube ich dem Anspruch einen objektiven Bericht zu schreiben am ehesten gerecht zu werden. (Noch) Kurz und bündig, ich beginne mit dem rationellen Teil:
Selbstverständlich sind die folgenden technischen Daten nicht auf meinen Mist gewachsen. Sie entstammen dem aktuellen Katalog von VW. Außerdem sind nur die nötigsten Angaben dabei, weil ich denke das die wenigsten Leser etwas mit Verdichtung oder Untersetzungsverhältnissen anfangen können. Schließlich will ich auch niemanden langweilen. Technische Daten: ---------------------------------- Länge 4.754 mm Breite 1.928 mm Höhe 1.726 mm Wendekreis ca. 11,6 m Gepäckraumvolumen 555/1.570 l Kraftstoffbehältervolumen ca. 100 l Motor: Bauart V6-Zylinder-Dieselmotor Hubraum 3,0 l / 2.967 cm³ Max. Leistung 165 kW (225 PS) bei 4.000/min Max. Drehmoment 500 Nm bei 1.750/min Emissionsklasse Euro 4 Getriebe 6-Stufen-Automatik mit Tiptronic Leergewicht 2.312 - 2.530 kg Zuladung 633 - 415 kg Zul. Anhängelast gebremst bei 12%: 3.500 kg Zul. Anhängelast ungebremst 750 kg Stützlast/Dachlast 140/100 kg Höchstgeschwindigkeit 201 km/h Beschleunigung von 0-100 km/h 9,9 s Preis: ab 46.700 Euro (Stand: Modelljahr 2006 im Oktober 2005 NACH der Preiserhöhung)
So viel zu den nackten Zahlen. Ab jetzt kommt der Teil den ich mir selber ausgedacht oder angelesen habe. Man kann diesen Daten so einiges entnehmen. So zum Beispiel die Tatsache der Emissionsklasse Euro 4 was mich sehr gefreut hat. Serienmäßig ist dieser Motor mit einem Dieselpartikelfilter ausgestattet was ihm die sonst eher berechtigte Kritik an VW im allgemeinen erspart. Außerdem ist auf diese Weise gesichert das man selbst ein solch großes und schweres Dieselfahrzeug trotzdem in der günstigsten Steuerklasse fahren kann die derzeit möglich ist. In Euro und Cent ausgedrückt bedeutet das nach heutigem Stand (10/2005): 15,44 Euro pro angefangene 100 cm3 oder anders ausgedrückt 463,20 Euro Steuerbelastung pro Jahr. Die Nutzlastbesteuerung für Fahrzeuge ab 2,8t ist ja nun seit Mitte diesen Jahres leider nicht mehr anwendbar. Das stellt einen Grund mehr dar, sich für den V6 TDI zu entscheiden anstatt den 5 Liter großen V10 zu wählen der zwar toll, aber irgendwie auch übermotorisiert scheint.
Eine weitere wichtige Information sind die satten 500 Nm Drehmoment bei nur 1.750 U/min. Diese sorgen für souveränen Vortrieb aus allen Drehzahlbereichen und lassen beinahe vergessen das man in einem Geländewagen / SUV mit mindestens 2,3t Leergewicht durch die Gegend gleitet. Die 9,9 sek. auf 100 km/h sind in dieser Klasse recht eindrucksvoll und fühlen sich in der Realität doch etwas flotter an, da die Beschleunigung Dieseltypisch sehr druckvoll vonstatten geht. Automatik Getriebe ----------------------------------
Auch die 6 Stufen-Automatik trägt hier ihren Teil dazu bei, die sauber und ruckfrei arbeitet ohne allzu große Schaltpausen zu produzieren. Diese kann sowohl im "D" Modus ganz normal gefahren werden als auch im "S" Modus mit wesentlich späteren Schaltpunkten um das gesamte Drehzahlband voll zu nutzen. Des weiteren steht noch der Tiptronic-Modus zur Verfügung der im "D"-Modus durch simples "nach-rechts-ditschen", wie der Verkäufer dies nannte, zu aktivieren ist. Dann hat man sequenziellen Zugriff auf alle 6 Fahrstufen durch simples vor- oder zurückkippen des Wählhebels, wobei beim verzögern und anhalten praktischerweise automatisch runtergeschaltet wird bis in die 1. Stufe. Der einzige Vorteil den ich dieser Funktion abgewinnen konnte ist jedoch das man beim Fahren mit Anhängern oder im starken Gefälle auf diese Weise das Getriebe an unerwünschtem Hochschalten hindern kann. Während der Fahrt im normalen Verkehr wird man schnell merken das es eher eine Spielerei ist. Da man dafür nichts extra zahlen muss wird man die Tiptronic aber auch nicht als lästig empfinden. Sie ist halt einfach nur da. Beim V6 TDI gibt es zurzeit kein manuelles Getriebe womit ein Vergleich der technischen Daten oder der Handhabung nicht möglich ist. Ein Vergleich mit dem Handschalter des R5 TDI wäre schlicht falsch da die beiden Motoren sich grundsätzlich unterscheiden. Allein die Tatsache das wir von einem Leistungsunterschied von 51 PS und satten 100 Nm sprechen macht deutlich das man hier die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen vergleichen würde.
Motor ---------------------------------- Aber nicht nur die Leistung der beiden Motoren ist unterschiedlich. Es handelt sich bei beiden Motoren auch um deutlich unterschiedliche Motorkonzepte. Klar, beides sind Dieselmotoren mit elektronischer Direkteinspritzung aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Die 5 Zylinder des R5 TDI sind in Reihe, die 6 Zylinder des V6 zwar ebenfalls in Reihe, aber wie der Name schon sagt in V-Bauweise angeordnet. Das soll die Laufruhe verbessern, wobei sich die Fachleute darüber sicherlich noch in hundert Jahren streiten was nun die perfekte Zylinderanordnung ist. Grundsätzlich gilt: Je mehr Zylinder da sind, desto feiner wird's bei der Laufruhe. Das sollte man hören und spüren können. Das war aber noch nicht alles an Unterschieden. Der R5 TDI arbeitet mit "herkömmlicher" Direkteinspritzung mit Pumpe-Düse-Einspritzung. Bei der dieser Art der Einspritzung sind Kraftstoffeinspritzpumpe und Düse für jeden Zylinder in einem einzigen Bauteil zusammengefasst. Das heißt: Der Hochdruck von ca. 2050 bar wird am Einspritzelement jedes Zylinders separat erzeugt. Durch die Komprimierung des Kraftstoffes in einem einzelnen, kleinen Bauteil sind solche hohen Betriebsdrücke kein Problem und genau das stellte bisher den Leistungsvorteil gegenüber anderer Systeme dar. Denn je höher der Einspritzdruck, desto besser die Feinstzerstäubung des Kraftstoffes im Brennraum und damit auch eine wesentliche Verbesserung der Leistung.
Doch kommen wir zum V6 TDI. Dieser arbeitet mit der sogenannten "Common Rail Einspritztechnik", einem grundlegend anderen Prinzip. Hier arbeitet eine zentrale Kraftstoffpumpe für eine gemeinsame Kraftstoffleitung für alle 6 Zylinder. Deshalb der passende Name der wörtlich übersetzt "gemeinsame Schiene" bedeutet. Dadurch sind beim V6 weniger mechanische Teile beteiligt als im R5, jedoch kann der Kraftstoff nicht mit solch hohen Drücken eingespritzt werden wie beim Pumpe-Düse Vorgang. Wir reden hier von Regeldrücken von 1.350 bar - 1.600 bar. Deswegen hat VW, so die Aussage seit Jahren, bisher diese Technik nicht in die Serie genommen. Der geringere Druck hätte einen Leistungsnachteil gegenüber den anderen Motoren dargestellt. Vorteil der Common Rail Einspritzung war aber schon immer eine verbesserte Laufruhe, resultierend daraus das aufgrund des Druckspeichers eine Vor- und Nacheinspritzung möglich ist die das "Nageln " verringert. Erfinder dieser Einspritztechnik war übrigens nicht, wie viele meinen, Mercedes Benz. Die haben damals nur die auffälligste Werbung für "ihren" CDI gemacht. Common Rail wurde aber ursprünglich von einem Forschungsunternehmen der FIAT-Gruppe ("Elasis") entwickelt. Sie hatten 1993 das Grundprinzip fertig und sogar einen Prototypen dieser neuen Technik gebaut. Dann gab es jedoch Probleme mit bestimmten Bauteilen und die geplante Serienfertigung war nicht mehr möglich. Dann kaufte BOSCH die Patente und entwickelte das Common Rail System zur Serienreife weiter. Man gönnte dann FIAT den ersten Schritt, ich vermute das stand mit im Kaufvertrag, und so wurde vor dem Mercedes 220 CDI der Alfa 156 als erstes Fahrzeug mit Common Rail Einspritztechnik vorgestellt Das war im Oktober 1997, Mercedes folgte dann mit dem 220er 1998 als erster deutscher Hersteller.
Aber zurück zum Thema: VW hat mittlerweile bei ebendiesem Dieselpionier (BOSCH) kräftig eingekauft und dabei das Hightech Regal nicht ausgelassen. Piezzo Injektoren sind nun im Common Rail Diesel verbaut und diese sorgen für die nötige Feinstzerstäubung im Brennraum ohne das ein so hoher Druck nötig ist wie bei den "herkömmlichen" TDI Motoren mit Pumpe Düse Einspritzung. Eindruck ----------------------------------
Doch all den technischen Details zum trotz interessiert uns Autofahrer doch eigentlich nur eins: Wie ruhig läuft's und wie leise isser? Prinzipiell kann ich feststellen das der V6 wirklich verdammt rund läuft für einen Diesel. Man spürt praktisch kaum Vibrationen, sowohl im Standgas als auch beim Gasgeben im Stand ist vom Motorraum her wenig zu spüren wenn man von der akustischen Untermalung mal absieht. Aber auch die ist sehr ruhig und gleichmäßig, auch deutlich leiser. Selbst kalt stellt man wesentlich weniger Nageln fest als beim R5 oder beim V10 der ja fast so klingt wie ein Mercedes Actros. Sobald dann die Betriebstemperatur erreicht ist könnte man fast vergessen das man in einem Diesel sitzt. Natürlich ist der Motor lauter als ein V6 oder V8 Benziner aber der echte Vergleich ist ja der mit den Dieselmotoren. Den gleichen Grundmotor (als V6 TDI bei VW und als 3.0 TDI bei Audi) findet man mittlerweile in verschiedenen Modellen. Das erste Fahrzeug mit diesem Motor war der neue Audi A6.Ebenso wird er unter anderem im VW Phaeton, im Audi A8 und auch im neuen Audi Q7 angeboten.
Verbrauch ---------------------------------- Um das Thema Motor nun abzuschließen komme ich noch kurz zum Verbrauch. Denn dabei geht es schließlich um die immer wiederkehrende Marter aller Autofahrer. Das Auftanken. Die Angabe von VW lautet außerorts 8,7l, innerorts 14,6l und kombiniert 10,9l. Mein persönlicher Verbrauch über das gesamte Wochenende lag bei 9,5l Diesel ohne das ich dabei unnötig zimperlich mit dem Gaspedal umgegangen bin. Die angegebenen 14,6l werden wohl nur unter extremen Bedingungen wie etwa Großstädten mit permanenten Ampelrennen erreicht. Ich hatte zwar keine große Lust das zu testen aber deutlich mehr als 10l-11l hätte ich glaube ich nicht gebraucht. Wenn ich nun also von einem Schnitt von 10l ausgehe, so schafft man mit dem 100 l Tank, was zugegebenermaßen nicht wirklich schwer zu errechnen war, immerhin gute 1.000 km mit einer Tankfüllung. Und das ist doch mal ein Wort. Damit wird der Touareg sogar zum Reiseauto. Denn die souveränen Fahrleistungen bescheinigen ihm das spielend. Wenn man diese noch mit dem Leergewicht von mindestens 2,3 Tonnen in Verbindung bringt kann man sagen das der Touareg ein sparsamer Vertreter seiner Zunft ist.
Anhängelast ---------------------------------- Mit den technischen Daten und dem "rationellen Teil" wäre ich damit durch. Bleibt noch zu erwähnen das man sich bei Nutzung der Anhängevorrichtung keine übertriebenen Sorgen bezüglich der Anhängelast machen muss. 3.500 kg muss man erst mal zusammenbekommen. So stellt der Transport von 1-2 Pferdchen inklusive Monatsvorrat Futter sicherlich kein Problem dar. Einen schicken, großen Campingwagen im Kirmes-Schaustellerformat oder eine kleine bis mittelgroße Jacht auf einem Trailer sollte den Touareg auch nicht aus der Ruhe bringen. Serienmäßig mit an Bord beim Ordern des "Hakens" ist ein erweitertes ESP mit einem sogenannten Anhängerprogramm das ein Aufschaukeln des Anhängers gezielt mit dem Zugfahrzeug auszubremsen vermag. Tolle Sache! Er zieht nicht nur kräftig, er ist auch noch sicher dabei. Und das ganz ohne Aufpreis!
Die subjektiv empfundenen Erfahrungen ---------------------------------- Kommen wir nun zum emotionalen Teil meiner Erfahrung. Dabei muss ich aufpassen nicht direkt ins Schwärmen zu geraten. Sicherlich ist Design Geschmackssache doch wird mir sicherlich jeder zustimmen das der Touareg von den VW Designern ein zeitloses Blechkleid bekommen hat. Das tut ihm sehr gut. Auf martialische Details wie übertrieben große Radläufe fürs "Muskelspiel" oder besonders robust wirkende Stoßfänger oder gar Kuhfänger wurde verzichtet. Der Touareg wirkte schon bei seiner Präsentation 2002 auf mich wie ein "hoher Passat". Sprich: unauffällig und bodenständig aber in Details doch recht schick, wenn man sich zum Beispiel die hübschen Doppelscheinwerfer unter der gemeinsamen Klarglasabdeckung genauer ansieht, die ab dem Modelljahr 2006 dunkelgrau unterlegt sind was ihm einen sportlicheren Auftritt beschert. Ebenfalls schick das von mir gefahrene Exemplar mit dem Chrompaket das auffällig aber unaufdringlich die Linien betont. So findet man den Chrom-Zierrat rund um das VW-Logo am Kühlergrill, an den Schwellerleisten der Tür, rundherum an den Dichtungen der Seitenfenster und am Heck auf der Stoßfängeroberseite. So ausgestattet unterscheidet er sich vom V10 TDI nur durch eine zusätzliche Verchromung des mittleren Lufteinlasses im vorderen Stoßfänger, mittig unter dem Kennzeichen die dem großen Bruder vorbehalten ist. Der Kenner wird noch hinzufügen wollen das der V10 auch am Heck eine andere, größere, 2-flutige Auspuffanlage zeigt und auch den Tank mit einer schicken Abdeckung versehen hat. Der Laie wird die Fahrzeuge jedoch selten unterscheiden können wenn die Beschriftung am Heck weggelassen wird.
Alles am Touareg wirkt so selbstverständlich, als ob es genau so schon immer hätte aussehen müssen. Kaum eine Fuge, Sicke oder Wölbung fällt dem Betrachter unangenehm ins Auge. Ob das gefällt ist eine andere Sache, ich persönlich mag dieses Understatement sehr. Ein rundum schönes Auto. Innenraum, Bedienung und Komfort ----------------------------------
Ich will nun einmal einsteigen und mich dort umsehen. Der Einstieg klappt vorzüglich, jedoch bin ich auch 1,90m groß und habe eher bei kleinen und flachen Autos meine Probleme. Also unauffällig beobachtet wie meine Herzdame mit ihren 1,60m das Gefährt erklimmt und siehe da: Auch kein Problem. Zwar zieht sie sich am Lenkrad etwas hoch, aber mit dem Besteigen eines amerikanischen Big Foot braucht man das längst nicht zu vergleichen. Auch von ihr kommt keine Beschwerde. Positiv sei an dieser Stelle auch der Ausstieg erwähnt denn dabei fällt ein kleines aber tolles Detail auf. Die Ingenieure haben die Schweller praktisch IN die Tür eingebaut. Diese ist so geformt das sie fast unter dem Fahrzeug abschließt und den Schweller so mithilfe einer rundum verlaufenden Dichtung völlig umschließt. Und das mit Erfolg! Das bedeutet das ich, wenn ich zur Oper will und im Stau stecken bleibe, ruhig den Umweg durch die Schlammkuhle nehmen kann. Wenn ich die Tür öffne und mit der guten Hose meines Smokings den Schweller streife bleibt diese völlig unversehrt und sauber, ganz egal wie furchtbar das Auto von außen verschmutzt ist. Und spätestens hier hätten Fahrer mit kurzen Beinen und anderen Autos schon Bedarf einer Ersatzbekleidung gehabt. Der Innenraum wirkt nach der imposanten Außenerscheinung nicht weniger groß aber dafür umso feiner als die schlichte Außenhülle vermuten lässt. Leder, feinste Hölzer, Aluminiumdekor und dezent eingesetzte Chromzierteile schmücken das Interieur. Verchromte Türöffner, ein beledertes und beheizbares (!) Multifunktionslenkrad, eine mit Edelholz "Myrte" (recht dunkel, mal was anderes) verzierte Mittelkonsole und dazu passende Dekorleisten die mit Aluminium vom ansonsten anthrazitfarbenen Interieur abgesetzt sind verwöhnen das Auge des stolzen Eigners. Große, griffige Aluminiumregler für die 2 Zonen Climatronic und das Radionavigationssystem mit hochauflösendem Farb-LCD-Bildschirm und Kartendarstellung geben absolut keine Rätsel bei der Bedienung auf. Ein tolles Soundsystem das die Ohren wirklich verwöhnt, vielfältige Einstellmöglichkeiten diverser Komfortelemente, des Telefons und des Tempomat über die Lenkradtasten, elektrisch einstellbare, sehr bequeme Sitze, oder vielmehr Sessel, mit Memory Funktion. Alle diese Gimmicks sind wunderbar einfach und logisch zu bedienen und genau dort untergebracht wo man sie intuitiv auch suchen würde.
Obwohl das Auto mit all diesen Funktionen für mich Neuland war habe ich keine großartigen Erklärungen benötigt oder gar einen Blick in die Bedienungsanleitung. Man hat gekonnt das "Prinzip Golf" in den Touareg verpflanzt: Reinsetzen und losfahren. Und diese Aussagen sind jetzt nicht etwa aus einem Katalog abgeschrieben. Ich bin wirklich absolut begeistert! Ich bin zur Zeit tatsächlich auf der Suche nach einem SUV weil ich diese Art Fahrzeug einfach mag und habe mir auf diesem Wege mittlerweile einige Fabrikate angesehen. Ob nun japanisch, koreanisch, amerikanisch oder deutsch. Der Touareg erhält von mir mit großem Vorsprung vor BMW X5 und Mercedes ML die Trophäe für den schönsten Innenraum in der Kategorie SUV. Die Climatronic arbeitet sehr schnell und nach anfänglichem, 1-2 Minuten dauernden, "durchpusten" auch äußerst leise und angenehm mit sehr wenig, nicht störender, Zugluft. Die in 5 Stufen einstellbare Sitzheizung kommt wunderbar schnell auf Touren und beheizt nicht nur die Sitzfläche sondern auch, herrlich, die Lehne hoch bis an die Schulterblätter. Die Lenkradheizung - so was habe ich noch nie in Aktion erlebt - arbeitet hier ähnlich flott wobei es sich hierbei sicherlich um ein Extra handelt das auf meiner Wunschliste nicht auftauchen würde. Ich brauche so etwas einfach nicht.
Kurzum: Der Touareg bietet seinem Fahrer ein wunderbares "Fahrzimmer", edler eingerichtet als manches Büro in der Managementebene. Fahreindruck ----------------------------------
Aber es ist jetzt Zeit endlich loszufahren. Der Motor startet ungewöhnlich spontan durch eine leichte Drehung des Zündschlüssels und verfällt sofort in zufriedenes, gleichmäßiges Summen. Die Fahrstufe "D" wird eingelegt und sanft drücke ich das Gaspedal. Wunderbar leichtfüßig nimmt der große Wagen Fahrt auf. Die Lenkung arbeitet traumhaft leicht trotz der 275er Bereifung auf mächtigen 19 Zoll "Atheo" Leichtmetallfelgen. Indirekt wirkt sie dabei jedoch nicht. Eben nur komfortabel leicht. Ein Blick auf den Tacho lässt mich erschrecken! 75??? Das habe ich nicht bemerkt! Also bemühe ich an den Ausläufern des Stadtgebietes den Tempomat per Lenkradtastendruck und schon kann nichts mehr passieren. Aber die kleinen Hörnchen des Temposünders in mir drücken von innen an die Stirn und mein Fuß beginnt leicht zu kribbeln bei der Vorfreude auf die vor mir liegende eigens für diese Fahrt ausgewählte wenig befahrene Landstraße.
Ich lasse meinem Spieltrieb freien Lauf und trete das rechte Pedal zu gegebener Zeit in einem unbeobachteten Augenblick (und ohne Damenbegleitung!) bis zum Bodenblech - sorry, Teppich - durch... WOW! Ich kann mein Grinsen nicht unterdrücken! Meine Mundwinkel fühlen sich an als würden sie Bekanntschaft mit meinen Ohrläppchen machen wollen. Wohliges Kribbeln macht sich in der Bauchgegend breit und ich möchte nur noch das Fenster öffnen und meiner Freude freien Lauf lassen. Okay, es ist kein Sportwagen, aber es fühlt sich so an, nur das ich knapp einen Meter höher sitze als ein Porsche-Pilot und die Welt um mich herum herrlich gelassen an mir vorüberfliegen lasse.
Die 500 Nm reißen an den vier Rädern und wuchten das Gefährt vehement nach vorn. Das Automatikgetriebe setzt den plötzlichen Befehl direkt um ohne sich zu verschlucken oder den Spaß durch eine unnötig lange Schaltpause verpuffen zu lassen. Ohne es zu merken überschreite ich die 100 km/h Marke und muss mich bei 130 zur Vernunft rufen. Ich will nun wirklich nicht meinen Führerschein in Gefahr bringen. Ich selbst fühle mich allerdings alles andere als gefährdet. Ob schnell oder langsam, kurvig, geradeaus, Landstraße oder Autobahn: In allen Situationen das gleiche. Man fühlt sich wie in Abrahams Schoss. Sicherlich ein Resultat der Fahrzeuggröße und der hohen Sitzposition quasi "über den Dingen". Aber auch das gut geregelte Allradsystem das die Leistung vollautomatisch an die Räder verteilt sorgt für das Fahren wie auf Schienen. Das von mir gefahrene Auto war mit der Luftfederung ausgestattet die schlichtweg genial arbeitet. Merkt man am Vorderrad noch den Gullydeckel deutlich, so sind die hinteren Luftdämpfer schon weicher eingestellt bevor das Hinterrad diese Unwegsamkeit passiert. Kräftiges Bremsen auf der Autobahn wird mit einer Verhärtung der vorderen Dämpfer quittiert um das bekannte "abnicken" zu vermeiden und in Kurven werden jeweils die kurvenäußeren Räder härter gefedert als die kurveninneren. Das ergibt ein schlichtweg erhebendes Fahrgefühl!
Qualitativer Eindruck ---------------------------------- Die Verarbeitung ist erstklassig. Nichts knirscht oder knarrt, egal ob morgens bei 8°C Kälte oder nachmittags bei annähernd 20°C Wärme. Unabhängig vom Bodenbelag. Kopfsteinpflaster, Bahnübergänge oder fiese Tempo-30-Bodenwellen dringen akustisch so gut wie gar nicht ans Ohr. Weder vom Fahrwerk noch vom Armaturenbrett oder anderen Teilen dringen Geräusche ans Ohr die störend wären oder nicht in die Situation gehören.
Langzeiterfahrungen ---------------------------------- Ich würde nun gerne noch näher auf Langzeitqualitäten und Zuverlässigkeit eingehen, jedoch bleibt da nur zu sagen das während der Probefahrt nichts kaputtging. Logisch, der Wagen hatte gerade mal 2.500 km gelaufen. Sollte ich wider Erwarten Langzeiterfahrungen sammeln können oder solche hören werde ich sie gern meinem Bericht hinzufügen.
Die Kostenfrage ---------------------------------- Wie kommt man nun an so ein Auto? Wie schnell ist es da? Was kostet es? Ich will kurz darauf eingehen. Die erste Frage ist schnell beantwortet. Bestellungen für einen Touareg kann man bei allen VW Händlern loswerden - wer hätte das gedacht? Die Lieferzeit, speziell für den beschriebenen V6 TDI wurde mir lapidar mit 6 Monaten genannt. Es ist der zur Zeit am meisten bestellte Motor und damit dezent ausverkauft. Das - so der Verkäufer - wird sich aber sicherlich legen wenn VW die Produktionszahlen anpasst und weniger V10 und R5 baut um die Kapazitäten für den V6 zu erhöhen. 6 Monate entspricht dem heutigen Stand: Oktober 2005.
Preis: Der Grundpreis für den V6 TDI inkl. 6-Stufen Automatikgetriebe ohne Mehrausstattungen liegt bei 46.700,- Euro. Nimmt man eine gute Portion Extras hinzu, kann man gute 5.000 Euro getrost hinzuaddieren, wenn man damit überhaupt auskommt. Damit würde man bei runden 52.000 Euro Listenpreis liegen. Mein Testwagen kostete inklusive aller überflüssigen Spielereien deutlich über 60.000 Euro! Aufgrund der Nachfrage und der langen Lieferzeit kann man bei Lagerfahrzeugen der Händler, falls überhaupt vorhanden, mit sehr niedrigen Rabatten im Bereich um 4-5 Prozent rechnen. Mehr ist einfach nicht nötig, ein Lagerwagen würde wohl auch ohne Rabatt verkäuflich sein. Wenn man ein individuelles Auto mit Wartezeit bestellt sind durchaus bis zu 10% drin, je nach Verhandlungsgeschick und Region. Bei uns im Ruhrgebiet ist die Konkurrenz unter den Händlern recht groß und so ist man hier bereit den einen oder anderen Prozentpunkt mehr zu gewähren als zum Beispiel im Emsland wo die Händler wesentlich weiter voneinander entfernt liegen.
Gehe man von 8% Rabatt aus, so liegt der Hauspreis dann wohl bei 47.800 Euro, was für die Leistung, Technik und Ausstattung in meinen Augen angemessen ist. Leasing und Finanzierung sind sicherlich kein Problem wobei ich zu den Konditionen relativ wenig sagen kann. Dazu fehlt mir das nötige Wissen um Kreditgeschäfte. VW bietet zur Zeit wohl für viele Modelle effektive Zinssätze von bis zu 1,9 % an. Und das Leasingangebot das man mir unterbreitete war angeblich eine Aktionstabelle, auf deren Vorteil gegenüber der normalen Tabelle aber auch vom Verkäufer keine aufschlussreiche Antwort kam. Jedenfalls lag die Rate im Vergleich zur normalen Leasingtabelle ca. 80 Euro darunter (bei 36 Monaten Laufzeit und 25.000 km pro Jahr). Die Rate betrug nette 728 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
Versichern muss man solch ein wertvolles Auto selbstverständlich auch. Der KBA-Schlüssel zur Ermittlung der Prämie lautet 0603/775. Der Touareg V6 TDI hat folgende Typklasseneinordnung: Haftpflicht 23, Vollkasko 26 und Teilkasko 26. Zusammenfassung / Empfehlung ----------------------------------
Fazit: Man merkt sicher deutlich das ich von diesem Wagen begeistert bin. Eine Empfehlung kann ich unumwunden aussprechen was Design, Technik, Verarbeitung und Fahrverhalten angeht. Ich bin der Meinung das es zur Zeit nichts besseres gibt, und wenn doch, dann nicht zu diesem Preis. Trotzdem werde ich den Touareg wahrscheinlich nicht kaufen weil ich mit dem Preis nicht klarkomme. Die Erklärung ist nicht mit einem simplen "zu hoch" abgehandelt sondern mit meiner Situation und meinen Wünschen an mein zukünftiges Auto. Ich werde einen Wagen geschäftlich leasen und habe eine Rate von maximal 450,- Euro netto geplant. Wenn ich diese Rate mit einem Touareg in Wunschausstattung erreichen möchte, so kann ich mein Vorhaben vergessen. Also müsste ich Abstriche machen. Es würde ein R5 TDI Schaltwagen mit den nötigsten Ausstattungen zum vorgesehenen Preis passen, jedoch müsste ich dabei sogar auf die für mich notwendige Navigation verzichten. Aus diesem Grund ist der Touareg für mich persönlich zu teuer. Was ich mir stattdessen zulege weiß allerdings auch noch nicht weil mir nach der Probefahrt kein anderes Auto mehr so recht gefallen will. Trotzdem ist der Touareg in meinen Augen seinen Preis wert. Er hat mit die besten Restwertprognosen in dieser Klasse, hat überragende Eigenschaften in den genannten Kategorien und auch die Fachpresse bekräftigt dies immer und immer wieder. Zudem ist der Preis des Touareg nicht höher als der von vergleichbar ausgestatteten Wettbewerbsmodellen sondern im Gegenteil; er liegt meist unter BMW und Mercedes, kann aber deren Klasse ohne weiteres mitbestimmen.
Ich beglückwünsche jeden, der dieses Auto fahren kann. Mein Neid sei ihm / ihr gewiss.
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07.03.2007 20:52
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30.11.2006 13:07
Klar, toller Bericht. Den zweiten Teil mit den persönlichen Erfahrungen fand ich sogar sehr sehr gut. Aber das, was hier ganz überwiegend gelobt wird, nämlich die Ausführlichkeit, stört mich eher. Der erste Teil ist prima recherchiert aber kein Erfahrungsbericht. Wer sich einen Touareg kaufen will, wird neben den Prospekten im Internet noch 10 Fahrberichte und Modellvorstellungen finden, in denen alle diese technischen Daten drin stehen. Und er wird es auch lesen ... Dass Du aufgrund einer mehrtätigen "Probefahrt" einen Erfahrungsbericht schreibst, finde ich völlig OK. Ich hab übrigens ganz andere Erfahrungen gemacht. Dazu werd ich vielleicht auch noch was schreiben (es wird auch bestimmt kürzer ;-) )
04.04.2006 02:20
@Joe69: Lass das bewerten auch mal lieber, Joe... Hol Dir einen Prospekt und versuch darin all das zu finden, was ich geschrieben habe. Viel Vergnügen dabei. By the way: Ich bin 6 Jahre lang Verkäufer bei Renault, BMW, Audi und VW gewesen und weiß sehr wohl was ich schreibe. (Heute bin ich selbständig und habe nichts mehr mit der Branche zu tun, zum Glück.) Außerdem protze ich ungern, aber ich weiß nun einmal wirklich eine ganze Menge über den Touareg ;-). Ich kenne ihn von zahlreichen (!) Probefahrten in ALLEN (!) Motor- und Getriebevarianten. Das ich das hier nicht von vornherein ausbreite, liegt daran das ich Lesern wie Dir nicht die Gelegenheit geben möchte an meiner Objektivität zu zweifeln Wenn Du doch nach Prospekten kaufst (WENN Du kaufst), warum bist Du dann bei ciao angemeldet? Vielen Dank für Deine konstruktive Kritik