Valmont (1989)

Erfahrungsbericht über

Valmont (1989)

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Valmont (1989)

 

Alle Valmont (1989) Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


 


Eine Welt voller Lügen, Intrigen und Sex

4  26.06.2002 (28.06.2002)

Pro:
bunter Bilderreigen, annehmbare Schauspieler, nicht so böse

Kontra:
oberflächlicher, verspielter als der Konkurrenzfilm

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


carmen

Über sich: manchmal da....

Mitglied seit:15.12.1999

Erfahrungsberichte:1045

Vertrauende:148

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Fast zeitgleich mit dem damals ob seiner Freizügigkeit fast skandalös wirkenden "Gefährliche Liebschaften" Erschien noch ein anderer Film zu dem Thema, nämlich eine weitere Verfilmung des Briefromans von Choderlos de Laclos.
Auch den will ich euch hier vorstellen.


** Die Story **
Wir schreiben das 18. Jahrhundert: In Frankreich treibt man es bunt durcheinander, gibt sich ganz den leiblichen und Sinnesfreuden hin.

Die 15jährige Cécile de Volanges (Fairuza Balk) wird aus dem Kloster entlassen und von ihrer Mutter Madame de Volanges (Sian Phillips) ihrer Freundin, der Marquise de Merteuil (Annette Bening) zur Vorbereitung auf die Gesellschaft anvertraut. Eine schlechte Wahl, wie sich erweisen wird: Die Marquise ist Witwe und nach außen hin die Tugend in Person. Insgeheim genießt sie ihre (einigermaßen freie) Position in vollen Zügen und liebt kleine Hinterhältigkeiten.
Leider hat ihr Dauerliebhaber Monsieur de Gercourt (Jeffrey Jones) ihr gerade den Laufpaß gegeben.

Als Madame de Volanges ihr im Geheimen anvertraut, wer um ihre Tochter Cécile gefreit hat, ist die Marquise schwer getroffen - es ist nämlich Gercourt, der abtrünnige Liebhaber.
Und wie die alte Weisheit schon sagt, leg dich nie mit einer Frau an, beschließt sie Rache zu nehmen.
Sie engagiert ihren alten Freund und Ex-Liebhaber Valmont (Colin Firth), der die junge Braut entjungfern soll, so daß sie gewissermaßen "befleckt" in die Ehe geht. Das war wohl zu dieser Zeit die größte Schande für einen Mann, aber auch für eine Frau. Obwohl das junge Mädchen in ihren Musiklehrer Chevalier de Danceny (Henry Thomas) verliebt ist, schafft Charmeur Valmont diese Aufgabe spielend, denn Cécile ist ein gar zu unerfahrenes Opfer.

Nach diesem delikaten Auftrag reist er aufs Land zu seiner Tante Madame de Rosemonde (Fabia Drake) und trifft dort die tugendhafte und naive Madame de Tourvel (Meg Tilly), ebenfalls Gast bei seiner Tante. Sie allein nimmt ihn nicht ernst und bleibt bei seinen Annäherungsversuchen gleichwohl unnahbar. Das fordert natürlich erst recht seinen Eroberungsinstinkt heraus und er wettet mit der Marquise, daß es ihm gelinge, Madame de Tourvel herumzubekommen, während die Marquise ihre Rache an Gercourt vervollkommnet. Es sind ja noch so viele Figuren auf dem Schachbrett der Intrige zu bewegen...
Doch die beiden Akteure vergessen, daß sich manchmal die Opfer zu wehren wissen.


** Darsteller **
Colin Firth (zuletzt gesehen in "Shakespeare in Love" als gehörnter Bräutigam). Er entstammt keiner Schauspielerfamilie, sondern verdankt seine Entdeckung einer überzeugenden Rolle als Hamlet im Theater.
Die meisten kennen ihn sicher erst aus dieser Forman-Verfilmung "Valmont" nach de Laclos Briefroman "Gefährliche Liebschaften" oder aus "Der englische Patient". Scheinbar hat der Darsteller eine Vorliebe für Kostümfilme, denn er war außerdem noch zu sehen in der Austen-Verfilmung "Stolz und Vorurteil" und in "Ernst sein ist alles".


Annette Bening (Mars Attacks!, Ausnahmezustand) ist in letzter Zeit immer weniger im Kino zu sehen, seit sie mit Warren Beatty verheiratet ist und sich um den zahlreichen Nachwuchs kümmern muß.
Ihr Kinodebüt hatte sie 1988 in dem eher unbedeutenden Film "Ferien zu Dritt", nachdem sie nach ihrer Ausbildung am American Conservatory Theatre in San Francisco eine vielversprechende Theaterkarriere am Broadway begonnen hatte.
Ein Jahr später sieht man sie in Rob Reiners "Hallo, Mr. President", danach in Milos Formans "Valmont", und in Erinnerung bleibt sie sicher als zickige Ehefrau in "American Beauty". Während der Arbeit zu "Bugsy" lernt sie Warren Beatty kennen und heiratet ihn wenig später.


Meg Tilly als Madame de Tourvel kam bei mir nicht so gut an. Nun ja, sie hatte auch ein schweres Erbe anzutreten gegen Michelle Pfeiffer. Keiner spielt die ätherische, zunächst standhafte, dann zweifelnde und schließlich verzweifelte Frau so glaubhaft und überzeugend wie sie, daß man förmlich mitleidet.


** Filmkritik **
Milos Forman benannte seine Adaption des Briefromanes "Gefährliche Liebschaften" nach dem Verführer "Valmont", obwohl der eigentlich nicht im Mittelpunkt der Geschichte steht, sondern eher die unschuldige Cecile und die durchtriebene Marquise. Allerdings konnte er den Originaltitel nicht verwenden, denn unter diesem wurde zeitgleich die zweite Verfilmung mit Star-Besetzung (Glenn Close, John Malkovich, Keanu Reeves) verfilmt. Auch wenn dieser hier auch einige klangvolle Namen aufzuweisen hat mit Annette Bening und Meg Tilly, fiel der Film dennoch aufgrund des Parallelstarts an den Kino-Kassen durch.

Leider habe ich diese Verfilmung des Briefromans von Choderlos de Laclos, obwohl sie zeitlich vor der von Forman ("Gefährliche Liebschaften") lag, jetzt erst, d. h. nach der viel erfolgreicheren Variante gesehen. Insofern ist meine Bewertung geprägt durch den Eindruck des Dramas mit Close und Malkovich.

Die Figur der von Annette Bening ("American Beauty") gespielten Marquise de Merteuil ist hier etwas anders angelegt als in "Gefährliche Liebschaften". Sie scheint mir nicht von Anfang an als die bösartige Intrigantin, die mit Genuß und aus tiefster Seele hinterhältige Manöver und Ränkespiele veranstaltet. Vielmehr kam es mir vor, als sei die Marquise hier erst durch den Verrat ihres Geliebten zu dem geworden, was wir hier so verachten. Doch der Schmerz und die Rachegefühle sind für mich durchaus nachvollziehbar. Leider sind es am Ende immer die Unschuldigen, die leiden müssen, wenn zwei sich bekriegen. Insofern ist und bleibt die Figur eher negativ. Aber die unverhohlene Freude über das Leid, was man anderen zugefügt hat, konnte man nur der Close richtig ansehen.

Valmont ist nicht der durchtriebene Zerstörer von Ehen und Frauenherzen. Colin Firth kommt mir eher wie ein großer Junge vor, der einfach eine Beschäftigung braucht und das tut, was er am besten kann. Die feinen Künste der Verführung beherrscht er nicht so gut wie Malkovich. Allerdings ist er auch nicht so hässlich und hat dadurch leichteres Spiel.

Während die Opulenz der Kostüme und Schauplätze dem Frears-Film in nichts nachstehen, sind die Figuren hier harmloser und verspielter als in dem Erfolgsfilm. Ich wundere mich eigentlich schon, warum er beim Publikum nicht so gut ankam wie der später angelaufene Konkurrenzfilm.

Was mir jedoch insgesamt bei beiden Verfilmungen gut gefiel ist die Darstellung des Lebens und der Gesellschaft zu dieser Zeit. Insgesamt allzu oberflächlich, lebte die gutbürgerliche und auch adlige Gesellschaftsschicht pompös, vergnügungssüchtig und leichtlebig. Man gab sich fragwürdigen Vergnügungen hin und befriedigte seine Gelüste, wie es kam. Das alles aber unter dem Deckmantel der Tugendhaftigkeit, denn Ehre spielte nach wie vor eine große Rolle.
Und wieder war es die Frau, die in jeder Hinsicht verlor: war sie jung und ansehnlich, wurde sie an den meistbietenden oder vom Titel her vielversprechendsten Bewerber verkauft, um Vorteile für die eigene Familie zu schaffen. War sie verheiratet, galt sie gemeinhin als sichergestellt und unantastbar, blieb aber in der Regel unbefriedigt, während der Mann sich weiterhin sexuell vergnügte, entweder mit Witwen, die ja sozusagen freigegeben waren oder mit Kurtisanen.
Und als Witwe, was ja zu einer medizinisch so unentwickelten Zeit und wegen der Verheiratung mit meist viel älteren Männern häufig vorkam, hatte man ganz schlechte Karten: zwar war man etwas freier in seiner Sexualität, wurde aber oft bei der ersten Gelegenheit gegen eine jüngere eingetauscht. Kein Wunder also, daß man sich die Zeit als Frau mit intriganten Spielchen vertreiben mußte.
Sofern man es sich leisten konnte, denn der Film sagt uns nichts über das Leben der anderen Schichten. Doch das wäre ein neues Thema.
Insofern kann ich die Verhaltensweise der Madame Merteuil recht gut nachvollziehen, wenn auch nicht gerade gutheißen.


** Meine Meinung **
Üppig, bunt, bildgewaltig - ein Fest für die Sinne. Insgesamt halte ich diese Verfilmung leichter, eingängiger, aber auch oberflächlicher als den Frears-Film.
Da ich die Romanvorlage nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, welche die wahrheitsgetreuere Verfilmung ist. Auf jeden Fall macht auch diese hier Spaß, aber den hohen Hinterhältigkeitsfaktor findet man hier eher nicht.


** Daten **
GB/F 1989
Genre: Romanverfilmung, Drama
Originaltitel: Valmont
Regie: Milos Forman
FSK 12



Diese Seite zu den Lesezeichen hinzufügen delicious.com www.mister-wong.de www.google.com

Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
JustOliver

JustOliver

27.06.2002 13:57

Ich glaube, der Stoff ist doch auch Basis für die Verfilmung eines meiner Lieblingsfilme, nämlich Eiskalte Engel. Da wird das nur auf unsere Zeit übertrageg. Gruß, Oliver

krysia

krysia

27.06.2002 09:11

Ich habe noch nie von diesem Film gehört, aber Du hast mich voll und ganz überzeugt und nun würde ich ihn gerne sehen.. Der ist ja doch schon etwas älter, nicht? Der wird bestimmt irgendwann im TV laufen, ich hoffe ich verpasse ihn dann nicht.. :o)

ThKr

ThKr

26.06.2002 18:31

hört sich echt interessant an! kling ein wenig wie eiskalte engel, den ich nicht leiden konnte, aber hier scheints ja anspruchsvoller zuzugehen... gruß

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Ähnliche Angebote
Pop Culture Graphics Valmont Plakat Movie Poster (11 x 17 Inches - 28cm x 44cm) (1989) French
Pop Culture Graphics Valmont Plakat Movie Poster ​(11 x 17 .​.​.
Amazon.de Marketplace Kuche
€ 7,20 *
Versandkosten: 6.​56
mehr
 zum Shop
Amazon.​de Marketplace Kuche
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Eiskalte Engel - Testbericht von Headhuntaz Ich will jetzt ficken!-Ich aber nicht!*update*
  sehr hilfreich
Eiskalte Engel - Testbericht von haiko Kritik und DVD Infos
  sehr hilfreich
Eiskalte Engel - Testbericht von kaddel SCHNIEF Eiskalt erwischt
  sehr hilfreich
Eiskalte Engel (DVD) - Testbericht von basscadet Zeitreise
  sehr hilfreich
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 1242 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. MrMXZPTLK
  2. barkeeperquark
  3. HansGruber
und weiteren 51 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.