Über sich:Stressig wie immer, aber dennoch online, wenn auch eingeschränkt
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Ab und an gibt es Bücher, die heftig und kontrovers diskutiert werden. Das trifft auf das Buch von Robert Harris VATERLAND zwar nur für den angelsächsischen Sprachraum zu, nichts desto trotz heben die auf dem Rückdeckel aufgrabachten Bewertungen renommierter Zeitungen auf das Niveau eines Spitzenbuches.
UM WAS GEHT ES?
Harris Agenten – Thriller spielt in Deutschland 1964. Allerdings nicht in einem Deutschland, so wie wir es kennen lernen durften, sondern die Prämissen setzt Harris anders, formt die Geschichte, wie sie gewesen ist, um. Deutschland wurde im Zweiten Weltkrieg nicht besiegt, sondern ging als Sieger hervor: Die Russen wurden durch den Abwurf einer Atombombe auf Minsk besiegt, Deutschlands Ostgrenze reicht nun bis zum Ural. Die anderen europäischen Staaten wurden in eine europäische Gemeinschaft gezwun-gen, die ebenfalls eine blaue Fahne, aber mit einem Reichsadler in der Mitte besitzt. Adolf Hitler regiert noch immer und hat bald Geburtstag. Von den alten Scherken sind einige schon abgetreten: Göring ereilte 1951 das Schicksal, Himmler kam bei einem dubiosen Flugzeugabsturz ums Leben und wurde von Heydrich beerbt, der in der Tschechei, anders als in Wirklichkeit, ein Attentat überlebt hatte. Arthur Nebe leitet immer noch die Polizei in Deutschland, Speer ist immer noch des Führers Lieb-lingsarchitekt. Und ohnehin: Das Berlin wäre kaum wiederzuerkennen. Speers Gigantonomismus, in der Realität nur in Pappmodellen ausgelebt für die Zeit nach dem Endsieg, beschert Deutschland Bauten der Superlative.
Und die Gesellschaft?
Hat sich nicht geändert im Vergleich zur tatsächlichen Nazizeit. Die Partei und ihre Organisationen üben sich noch immer in der Gleichschaltung, Gestapo und SiPo halten immer noch den Daumen drauf. Nur: ganz Europa ist jetzt deutschgeprägt, aber die Enge im Denken und im handeln, die Angst im Genick, etwas falsche zu sagen oder zu tun, die KZs, die Sippenhaft, die Rassegesetze – alles das gibt es noch. Nur Juden wurden in dem Deutschland von Harris Utopie allesamt ermordet.
Für wahr, ein Deutschland, das einem Alptraum gleichkäme.
In dieses Deutschland als Rahmenhandlung setzt Harris seinen traurigen Helden, der gegen das Sys-tem arbeitet und sich das ein und andere Mal eine blutige Nase holt. Sein Name ist Xaver März, Mordfahnder der Berliner Kriminalpolizei im Range eines Sturmbann-führers, seitdem die Polizei von der SS übernommen wurde. März ist geschieden von seiner Frau, mit der er einen 10 jährigen Sohn hat. Aber auch die nacheheliche Beziehung stirbt, auch zu seinem Sohn: Denn im Gegensatz zu seiner Frau eckt März immer wieder an, während diese Systemkon-formität lebt. März verweigert die Spende zum Winterhilfswerk, tritt nicht der Partei bei und auch keinen Unterorganisationen – und ist damit für die Gestapo auffällig.
Die Lage wird aber prekär, als März am Morgen des 14 Aprils 1964 an seinem freien Tag doch den Fall eines männlichen Toten annimmt, damit sein Freund Max Jäger, der seine Familie ohnehin kaum sieht, seinen freien tag genießen kann. Der Tote treibt im Wasser ist scheinbar ertrunken.
Mit dem Toten beginnt der Ärger, denn es handelt sich um einen ehemals hohen Reichsbeamten des Generalgouvernements. Gefunden wurde die Leiche von einem jungen SS Anwärter, dessen Aussa-ge März aber nicht zufrieden stellt. Erneut zur Rede gestellt, gesteht dieser, dass er nicht nur die Leiche gefunden habe. Die Leiche sei von drei Männern dort abgelegt worden, einen davon erkann-te er als hohen SS Führer.
März beginnt zu ermitteln und schnell stellt sich heraus, dass auch zwei Bekannte des Opfers ver-schwunden oder aber ermordet wurden, wobei Selbstmorde arrangiert worden sind. Alle drei Opfer waren ehemals hohe Regierungsbeamte, die beiden letzten im Auswärtigen Amt bzw. im Innenmi-nisterium.
Eines dieser Opfer wurde von der amerikanischen Journalisten Charlotte Maguire entdeckt, was für das Regime Anlass ist, sie sofort des Landes verweisen zu wollen. Mit Beziehungen erreicht sie aber einen Gnadenfrist von einer Woche.
März und sie beginnen, gemeinsam zu ermitteln, was hinter den Morden steckt und wer daran Inte-resse haben könnte, die drei Männer aus den Weg zu räumen.
Klar ist: Die Teilnahme an einer Konferenz vor mehr als 20 Jahren scheint der Grund für die Morde zu sein....
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DER AUFREGUNG WERT ?
Grundsätzlich ist die Annahme, die Harris als Grundlage seiner Handlung wählt, fruchtbar: Ein Fortbestehen der Nazidiktatur- nein. Harris macht aber auch deutlich, welche Folgen ein Sieg Hitlerdeutschlands für die Welt gehabt hätte, aber auch, wie konzeptlos die Idee hinter dem Regime eigentlich ist.
In der Tat ist das Buch kein wirklich aufregender Thriller, er lebt allerdings von dem Wissen des Lesers um die historischen Tatschen herum. Und gerade das ist die Stärke des Buches.
Im letzten Drittel des Buches geht es nun nicht mehr um das tatsächliche Ende der Handlung – März hat den Fall im Grunde aufgedeckt, es geht nur noch darum, ob man der freien Welt diese Ergebnisse mitteilen kann, und das wird nicht in dem buch beantwortet sondern bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. nein, es ist die Tatsache, das Harris im letzten Drittel Originalquellen zum Holocaust einbaut, er-schreckende Zeugnisse des Schicksals eine ganzen Religionsgruppe, gemordet durch Deutsche, die keine moralischen Bedenken für ihr Handeln gehabt haben, wie die Quellen belegen.
Und da fängt das Buch wirklich an zu wirken, und nicht als Thriller: Es offenbart die menschlichen Abgründen der Täter, die so unwahrscheinlich gar nicht waren, wie die jüngste Geschichte des Bal-kankonfliktes uns allen deutlich gemacht hat.
Und deshalb denke ich schon, dass das Buch Aufsehen wert ist und war und immer noch und auch in Zukunft des Lesens wert ist.Robert Harris Vaterland ISBN 3-453-07205-7 17,90 DM Heyne VerlagMichael
Ich habe das amerikanische Original gelesen. Nur hab ich schnell gemerkt, dass es besser wäre, diesen Papiereinband vom Hardcover abzunehmen. Der zeigt nämlich ein goldenes Hakenkreuz auf rotem Grund. Die Leute in der Bahn haben mich dann doch etwas befremdlich angeguckt.
Ach ja, hast Du eigentlich alle Deaver-Bücher mittlerweile durch? *g*
Gruß Barbara
: Verbrechen, Verschwörungen, Vertuschung, Irreführung, Gewalt und Liebe. Harris kann den Historiker nicht verleugnen - so würzt er seine Geschichte mit historischen Dokum...
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09.07.2003 21:21
Deine Gedankengänge sind leider extrem einfältig...
19.10.2001 22:55
ich habs auch gelesen und stimme mit dir vollkommen überein.schön, dass es gleichgesinnte gibt:) ciao
15.10.2001 10:58
Ich habe das amerikanische Original gelesen. Nur hab ich schnell gemerkt, dass es besser wäre, diesen Papiereinband vom Hardcover abzunehmen. Der zeigt nämlich ein goldenes Hakenkreuz auf rotem Grund. Die Leute in der Bahn haben mich dann doch etwas befremdlich angeguckt. Ach ja, hast Du eigentlich alle Deaver-Bücher mittlerweile durch? *g* Gruß Barbara