Velo Solex 3800

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Meine Mopeds - Teil 4: Der französische Klassiker

5  10.02.2009

Pro:
Design, Klassiker, nicht mehr an jeder Ecke zu sehen,  .  .  .

Kontra:
Antriebskonzept hat diverse kleinere Schwächen,  .  .  .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Fahreigenschaften:

Gewicht

Komfort:

Verarbeitung

Zuverlässigkeit

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rider-of-apocalypse

Über sich:

Mitglied seit:30.07.2000

Erfahrungsberichte:2377

Vertrauende:468

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In meiner Jugend in den 80er Jahren besaß ich bereits das ein oder andere Mofa (an moderne Plastikroller war seinerzeit noch nicht zu denken, die Vespa PK/PX existierte nicht in einer Mofa-Variante, die ich mit 15 hätte fahren dürfen und streng genommen war sie eh als "Frauenfahrzeug" verpönt), bevor ich dann Anfang der 90er Jahre doch bei einem Motorroller "landete". Einige modernere Roller später wuchs in mir dann der Wunsch, ein klassisches Zweirad der 50 ccm Klasse zu fahren (ursprünglich beabsichtigte ich, mir eine Simson Schwalbe, oder aber eine Vespa PK/PX zu kaufen - dies beabsichtige ich jetzt noch immer) und so entstand dann im Laufe der Zeit ein kleinerer Fuhrpark aus verschiedenen Mofas und Mopeds.
Nachdem ich hier bereits über zwei meiner Mopeds berichtet habe (Jawa 555 und DKW 503), folgt nun ein Beitrag über ein Fahrzeug, dass ich bereits in den 80ern besessen habe und das ich nun erneut gekauft habe - die VELO SOLEX 3800.


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ALLGEMEINES
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Ber eits im Jahre 1940 entstand ein Prototyp der VELO SOLEX und sechs Jahre später begann die Serienfertigung beim als Vergaserhersteller bekannten französischen Unternehmen Solex (meine VELO SOLEX 3800 stammt zwar aus dem Baujahr 1984, ist also eigentlich mein jüngstes Zweirad, berücksichtigt man aber die Entstehungszeit, so ist sie doch ein absoluter Klassiker). Nach diversen Überarbeitungen, bei denen das Antriebskonzept (hierzu später mehr) jedoch immer unverändert blieb, wurde die VELO SOLEX 3800 im Jahre 1966 erstmalig verkauft und auch als Solex/Velosolex 1974 von Motobecane und Motobecane 1983 von Yamaha übernommen wurde, wurde die VELO SOLEX 3800 noch immer gefertigt.
Erst gegen Ende des Jahres 1988 wurde die Produktion der VELO SOLEX komplett eingestellt, um aber nur vier Jahre später in Ungarn auf den alten Produktionsanlagen erneut gefertigt zu werden. Im Jahre 2002 endete aber auch die ungarische Ära der VELO SOLEX.
Seit 2005 baut das französische Unternehmen Mopex ein optisch und konzeptionell ähnliches Fahrzeug, dessen Teile jedoch mehrheitlich in China gefertigt werden - da Mopex jedoch nicht über die entsprechenden Namensrechte verfügt, wird dieses Fahrzeug mit der Bezeichnung Black´N´Roll angeboten.
Im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen aus dem Hause Motobecane (beispielsweise die Mobylette MiniMoby (eine solche besitze ich ebenfalls)) existiert zur VELO SOLEX eine treue Fangemeinde und auch (Spaß-) Rennen werden mit diesen Fahrzeugen noch immer veranstaltet (insbesondere in den Niederlanden).

Im Vergleich zu Mofas der hierzulande weit verbreiteten Mofas der Marken Zündapp, Hercules, ... war die VELO SOLEX 3800 immer ausgesprochen preiswert (meist unter 1000,- DM), heute werden für ein gut erhaltenes, fahrbereites Exemplar mit Papieren in aller Regel mindestens 400,- € fällig. Im Übrigen gilt natürlich auch hier, je besser der Zustand, um so höher der Preis.


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DESIGN
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Lässt man den Motor einmal unberücksichtigt, so sieht die VELO SOLEX im Grunde
Bilder von Velo Solex 3800
  • Velo Solex 3800 Bild 1
  • Velo Solex 3800 Bild 2
  • Velo Solex 3800 Bild 3
  • Velo Solex 3800 Bild 4
Velo Solex 3800 Bild 1
Meine Solex - Seitenansicht
aus, wie ein etwas rustikal geratenes Damenfahrrad. So besteht der Rahmen aus zusammengeschraubten rohrähnllichen Blechen mit einem eckigen Querschnitt, der in den meisten Fällen schwarz lackiert wurde (bei meinem Exemplar handelt es sich um ein selteneres, weiß lackiertes Fahrzeug).
Über dem Vorderrad ist nun der röhrenförmige, in schwarzem Kunststoff gefasste und von verchromten Sturzbügeln umgebene Motor (mit Getriebe und Tank) angebracht, aus dem an der Oberseite die Kühlrippen des Zylinders herausragen.

Die Verarbeitung der VELO SOLEX 3800 macht - zumindest im Falle meines Exemplars - einen ordentlichen Eindruck. Die Bleche sind sauber zusammengefügt, die Lackierung ist gleichmäßig und bewegliche Teile funktionieren ohne zu hakeln.
Dafür hatte ich allerdings den Eindruck - auch im Vergleich zu meinen übrigen Mopeds -, dass die verwendeten Bleche zu Rostbefall neigen und so ein wenig Aufmerksamkeit und Pflege verlangen.

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PRAXIS
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°° ANTRIEB / MOTOR °°
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Die VELO SOLEX 3800 wird (wie jede Velo Solex seit 1946) durch eine Reibrolle auf dem Vorderrad angetrieben. Um die VELO SOLEX also zu starten, wird per Hebel der Motor abgesenkt, so dass sich die Reibrolle auf das Vorderrad legt und bei Drücken des Dekompressionshebels am Lenker das Fahrzeug angeschoben.
Der knapp unter einem PS starke Einzylinderzweitaktmotor treibt nun die Reibrolle an, die wiederum das Vorderrad antreibt und Geschwindigkeiten bis etwa 25 km/h ermöglicht (in der deutschen gedrosselten Version - die französische Version ist ungedrosselt deutlich schneller). Dieses Antriebskonzept ist wohl einmalig, weist bei aller Originalität aber auch einige Schwächen auf. Bei regennasser Straße (und natürlich noch deutlicher bei Schnee) neigt die Reibrolle zum rutschen, was die Geschwindigkeit mehr oder weniger deutlich reduziert. Selbiges gilt auch bei abgefahrenen Reifen, die übrigens auch eine kleinere Besonderheit darstellen, denn klassischerweise weisen die Reifen der VELO SOLEX lediglich ein Rillenprofil (Längsrillen) auf. Zwar können heute auch profilierte Reifen gekauft und benutzt werden, allerdings läuft die VELO SOLEX dadurch unruhiger.
Nicht einmal ein PS sind natürlich keine wirklich bemerkenswerte Motorleistung und so kann (oder gelegentlich auch muss) der Motor durch treten der Pedale unterstützt werden. Insbesondere bei stärkeren Steigungen gelangt der Motor/Antrieb gerne an seine Grenzen und die Geschwindigkeit bricht ein - völlig überfordert habe ich den Motor/Antrieb allerdings noch nicht.
Die Geräuschentwicklung der VELO SOLEX 3800 entspricht der Masse der kleinen Zweitaktmotoren, ist also deutlich wahrnehmbar, wurde von mir aber nie als wirklich störend empfunden. Der Hersteller gibt die Lautstärke der Fahrgeräusche übrigens mit 72 dB an.
Natürlich kann die VELO SOLEX 3800 auch gänzlich ohne Motor, also wie ein Fahrrad bewegt werden, was angesichts des recht geringen Tankinhalts durchaus nötig werden könnte - angesichts des Fahrzeuggewichts von knapp unter 30 kg ist der Fahrradbetrieb jedoch wahrlich kein Vergnügen.
Wie jeder andere Zweitaktmotor, so wird auch der Motor der VELO SOLEX 3800 durch Beigabe von Öl zum Benzin geschmiert und im Gegensatz zu modernen Motorrollern fehlt bei der VELO SOLEX 3800 ein separater Öltank, so dass das die Zweitaktmischung vorab selbst gemischt werden muss (ich nutze hierfür einen 5 L Reservekanister). Als Mischungsverhältnis ist 1 Liter Zweitaktöl auf 50 Liter Benzin ausreichend und von dieser Zweitaktmischung verbraucht das Motörchen etwa 1,3 Liter auf 100 km, wodurch der geringe Tankinhalt von nicht einmal 2 Litern wieder einigermaßen relativiert wird.
Übrigens besteht der Tank der VELO SOLEX 3800 aus Kunststoff, so dass - im Gegensatz zu anderen klassischen Mopeds - ein innen rostiger Tank kein Thema darstellt.


°° FAHRWERK & FAHRVERHALTEN °°
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Im Grunde besteht das Fahrwerk der VELO SOLEX 3800 lediglich aus den beiden Rädern mit ihrer 1,75 - 19" Bereifung, denn weder das Vorder-, noch das Hinterrad sind in irgendeiner Form gefedert. So machen sich beispielsweise überfahrene Bordsteine unmittelbar im Steiß bemerkbar, alles in allem unterscheidet sich der Federungskomfort aber nicht wesentlich von einem einfacheren Fahrrad.
Der Geradeauslauf der VELO SOLEX 3800 ist ausgezeichnet und auch Kurven fährt das Zweirad vergleichbar einem Fahrrad ohne Probleme. Durch das Motorgewicht ist das Einlenken zunächst etwas ungewohnt, aber schnell hatte ich mich auch daran gewöhnt.
Insgesamt lassen sich Fahrwerk und Fahrverhalten der VELO SOLEX 3800 also als einfach, zweckmäßig und funktionell beschreiben.
Schalten muss der Fahrer die VELO SOLEX 3800 übrigens nicht - das Zweirad ist mit einer Eingangautomatik mit Fliehkraftkupplung ausgestattet.


°° SICHERHEIT °°
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Aus heutiger Sicht ist die Sicherheitsausstattung der VELO SOLEX 3800 natürlich weit davon entfernt, zeitgemäß zu sein. Spiegel fehlen ebenso wie ein Hupe (statt dessen ist eine Fahrradklingel montiert) und Blinker sind ebenfalls nicht vorhanden. Am Vorderrad bremst lediglich eine Felgenbremse, am Hinterrad ist die VELO SOLEX 3800 immerhin mit einer Trommelbremse ausgestattet - insbesondere die Felgenbremse ist sicher kein Sicherheitshighlight, aber angesichts der nicht allzu hohen Endgeschwindigkeit und der eher geringen Motorleistung vermittelte mir die "Bremsanlage" meiner VELO SOLEX 3800 ein ausreichendes Sicherheitsgefühlt und ich kann mich auch an keine einzige diesbezügliche kritische Situation erinnern.
Die Beleuchtung der VELO SOLEX 3800 könnte natürlich etwas heller sein, reicht mir aber völlig aus und auch bei aktuellen Motorrollern stellt die Lichtanlage auch heute noch ein eher düsteres Kapitel dar.
Übrigens konnte mir noch kein Polizist in meiner derzeitigen Wahlheimat verbindlich sagen, ob ich die VELO SOLEX 3800 mit Helm fahren muss oder nicht - meines Wissens besteht auch für die VELO SOLEX (obwohl Fahrrad mit Hilfsmotor) Helmpflicht, aber in aller Regel bevorzuge ich meine stilechtere lederne Fliegerhaube in Verbindung mit einer ledergefassten Fliegerbrille (meine Augen sind zu empfindlich, so dass ich nicht ohne Schutz fahren kann) - die 10,- € Verwarngeld riskiere ich dann durchaus gerne (zahlen musste ich allerdings auch nach unzähligen Touren noch nie).


°° AUSSTATTUNG °°
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Auf den ersten Blick scheint an der VELO SOLEX 3800 nur das vorhanden zu sein, was zum Fahren erforderlich ist und wie ich im Abschnitt "Sicherheit" meines Beitrages bereits ausgeführt habe, ist schon die Sicherheitsausstattung auf ein Minimum beschränkt.
Darüber hinaus fehlen aber auch Tachometer und Kilometerzähler. Kann ich auf den Tachometer noch gut verzichten, zumal ich mit der Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h immer unter dem verbreiteten Tempolimit von 30 km/h bleibe und für Schrittgeschwindigkeit keinen Tachometer benötige, so vermisse ich den Kilometerzähler dann doch etwas mehr, da es so unmöglich ist, die Laufleistung einer VELO SOLEX 3800 zu bestimmen, ohne den Motor zu Zerlegen und Schätzungen anhand des Verschleißes vorzunehmen.
Ebenfalls fehlt ein Zündschloss, was Dieben die Arbeit massiv erleichtert und auch der Tank ist nicht abschließbar (selbiges gilt bemerkenswerterweise übrigens für meine anderen Mopeds und Mofas ebenso).
Dafür ist die VELO SOLEX 3800 aber mit einer Luftpumpe ausgestattet, die seitlich unter dem Gepäckträger ihren Platz hat und unter dem Ende des Gepäckträgers findet sich ein kleines (natürlich ebenfalls nicht abschließbares) Werkzeugfach.


°° ERSATZTEILVERSORGUNG °°
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Obwohl die VELO SOLEX 3800 lange nicht mehr hergestellt wird, ist es auch heute noch kein Problem, Ersatzteile zu kaufen. Wohl nicht zuletzt aufgrund des Kultstatus, den dieses Zweirad seit Jahren genießt, finden sich im Internet zahlreiche Anbieter von Ersatzteilen für Motor, aber auch für den Rahmen.
Sobald meine zurzeit montierten Reifen abgefahren sind, werde ich meiner VELO SOLEX 3800 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl ein paar problemlos erhältlicher Weißwandreifen gönnen.


°° KOSTEN °°
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Wie bereits erwähnt, beginnen die derzeitigen Gebrauchtpreise für eine fahrbereite VELO SOLEX 3800 bei etwa 400,-, darunter sind in aller Regel nur reparaturbedürftige Restaurationsobjekte erhältlich (oder man hat Glück und kauft bei einem "Ahnungslosen"). In sehr gutem Zustand kann der Preis dann aber durchaus auch das Doppelte betragen, womit rechnerisch der ehemalige Neupreis schon deutlich überschritten ist.
Neben dem Kauf verursacht natürlich auch der Betrieb einer VELO SOLEX 3800 weitere Kosten, die sich aber in absolut akzeptablen Grenzen halten.
Der Verbrauch ist mit weniger als 1,5 l Zweitaktmischung (1:50) erfreulich niedrig und die Kosten für das Versicherungskennzeichen beginnen bei etwa 40,- € im Jahr (nur Haftpflicht).


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DATEN
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Hersteller: Solex/Motobecane
Modell: Velo Solex 3800
Baujahr: ab 1966
Motor: Einzylinderzweitaktmotor
Hubraum: 47 ccm
Leistung: 0,58 kW
Hub: 40 mm
Max. Drehzahl: 4000 U/Min
Antrieb: Reibrolle (42 mm) auf Vorderrad
Getriebe: Eingangautomatik mit Fliehkraftkupplung
Kraftstoffmischungsverhältnis: 1:50
Reifengröße: 1,75 - 19"
Länge: 161 cm
Höhe: 96 cm
Breite: 57 cm
Gewicht: 28,6 kg
Zuladung: max. 100 kg
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Bremsen: Trommel- (hinten)/Felgenbremse (vorn)


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FAZIT
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Der Antrieb der VELO SOLEX 3800 ist eher suboptimal, die Fahrleistungen wenig berauschend, der Rahmen neigt zum rosten, die Reichweite ist beschränkt, ... eigentlich gibt es nicht allzu viel Argumente für die VELO SOLEX 3800, aber dieses Fahrzeug ist ein absoluter Klassiker und genau deshalb spreche ich diesem Fahrzeug hier auch - wider aller Vernunft - eine Empfehlung aus, die ich mit dem Urteil SEHR GUT verbinde !
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
icehockeybea

icehockeybea

08.03.2009 23:07

wie süss...47ccm hubraum für mich als bikerin nüscht...aber super beschrieben

Nedda

Nedda

08.03.2009 13:26

super bericht

EICC

EICC

28.02.2009 08:37

bh

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