Der Fall Vera Brühne – BRD - 2001 - Constantin Film / Sat 1 – Bernd Eichinger (Produktion) – Hark Bohm (Regie) – (Erstsendung: 24/25.5.2001, 20:15h)
Ostern 1960 finden zwei Wachtmeister in einer Villa am Starnberger See die Leiche des Arztes Dr. ... Bericht lesen
Vera Brühne (DVD)
FSK: ab 12 JahreSprache: DeutschUntertitel: DeutschRegie: Hark Bohm; Mit Corinna Harfouch, ... mehr
Uwe Ochsenknecht, Hans-Werner Meyer u. a.Vera Brühne war Hauptangeklagte in einem Mordprozess, der sich zum spektakulärsten Fall der Nachkriegsgeschichte entwickelte. Erheblichen Anteil daran hatte aber nicht die Tat. Es war vielmehr die Mischung aus erotischen Details, dunklen Gerüchten über ausschweifende Exzesse der besseren Gesellschaft und das Benehmen einer attraktiven Frau vor Gericht, das sowohl etwas Heldenhaftes und zugleich Anrüchiges hatte, was die Massen hingerissen hat. Der Zweiteiler \"Vera Brühne\"" ist ein Sittengemälde des letzten großen deutschen Hexenprozesses. Ostern 1960 werden in einer Villa am Sternberger See zwei Leichen gefunden. Es ist der Arzt Dietrich Schwarz und seine Haushälterin. Zunächst glaubt man, Schwarz habe seine Angestellte erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Als sich wenig später Erbstreitigkeiten anbahnen, wird die Leiche des Arztes exhumiert und eine zweite Kugel im Kopf des Toten entdeckt. Fortan steht die engste Vertraute von Dr. Schwarz, die Lebedame Vera Brühne, unter Verdacht, gemeinsam"
Vera Brühne
Vera Brühne war Hauptangeklagte in einem Mordprozess, der sich zum spektakulärsten Fall ... mehr
der Nachkriegsgeschichte entwickelte. Erheblichen Anteil daran hatte aber nicht die Tat. Es war vielmehr die Mischung aus erotischen Details, dunklen Gerüchten über ausschweifende Exzesse der besseren Gesellschaft und das Benehmen einer attraktiven Frau vor Gericht, das sowohl etwas Heldenhaftes und zugleich Anrüchiges hatte, was die Massen hingerissen hat. Der Zweiteiler "Vera Brühne" ist ein Sittengemälde des letzten großen deutschen Hexenprozesses! Ostern 1960 werden in einer Villa am Starnberger See zwei Leichen gefunden. Es sind der Arzt Dietrich Schwarz und seine Haushälterin. Zunächst glaubt man, Schwarz habe seine Angestellte erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Als sich wenig später Erbstreitigkeiten anbahnen, wird die Leiche des Arztes exhumiert und eine zweite Kugel im Kopf des Toten entdeckt. Fortan steht die engste Vertraute von Dr. Schwarz, die Lebedame Vera Brühne, unter Verdacht, gemeinsam mit ihrem Komplizen Johann Ferbach die Morde begangen zu haben, um an sein Erbe heranzukommen. Beide wurden zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt. Doch war Vera Brühne wirklich die Mörderin? Oder saß sie unschuldig 20 Jahre im Gefängnis?
Vera Brühne (DVD)
Vera Brühne war Hauptangeklagte in einem Mordprozess, der sich zum spektakulärsten Fall ... mehr
der Nachkriegsgeschichte entwickelte. Erheblichen Anteil daran hatte aber nicht die Tat. Es war vielmehr die Mischung aus erotischen Details, dunklen Gerüchten über ausschweifende Exzesse der besseren Gesellschaft und das Benehmen einer attraktiven Frau vor Gericht, das sowohl etwas Heldenhaftes und zugleich Anrüchiges hatte, was die Massen hingerissen hat. Der Zweiteiler "Vera Brühne" ist ein Sittengemälde des letzten großen deutschen Hexenprozesses! Ostern 1960 werden in einer Villa am Starnberger See zwei Leichen gefunden. Es sind der Arzt Dietrich Schwarz und seine Haushälterin. Zunächst glaubt man, Schwarz habe seine Angestellte erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Als sich wenig später Erbstreitigkeiten anbahnen, wird die Leiche des Arztes exhumiert und eine zweite Kugel im Kopf des Toten entdeckt. Fortan steht die engste Vertraute von Dr. Schwarz, die Lebedame Vera Brühne, unter Verdacht, gemeinsam mit ihrem Komplizen Johann Ferbach die Morde begangen zu haben, um an sein Erbe heranzukommen. Beide wurden zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt. Doch war Vera Brühne wirklich die Mörderin? Oder saß sie unschuldig 20 Jahre im Gefängnis?
Vera Brühne (DVD)
Vera Brühne war Hauptangeklagte in einem Mordprozess, der sich zum spektakulärsten Fall ... mehr
der Nachkriegsgeschichte entwickelte. Erheblichen Anteil daran hatte aber nicht die Tat. Es war vielmehr die Mischung aus erotischen Details, dunklen Gerüchten über ausschweifende Exzesse der besseren Gesellschaft und das Benehmen einer attraktiven Frau vor Gericht, das sowohl etwas Heldenhaftes und zugleich Anrüchiges hatte, was die Massen hingerissen hat. Der Zweiteiler "Vera Brühne" ist ein Sittengemälde des letzten großen deutschen Hexenprozesses! Ostern 1960 werden in einer Villa am Starnberger See zwei Leichen gefunden. Es sind der Arzt Dietrich Schwarz und seine Haushälterin. Zunächst glaubt man, Schwarz habe seine Angestellte erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Als sich wenig später Erbstreitigkeiten anbahnen, wird die Leiche des Arztes exhumiert und eine zweite Kugel im Kopf des Toten entdeckt. Fortan steht die engste Vertraute von Dr. Schwarz, die Lebedame Vera Brühne, unter Verdacht, gemeinsam mit ihrem Komplizen Johann Ferbach die Morde begangen zu haben, um an sein Erbe heranzukommen. Beide wurden zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt. Doch war Vera Brühne wirklich die Mörderin? Oder saß sie unschuldig 20 Jahre im Gefängnis?
Schwarz (Anton Pointecker) und seiner Haushälterin gefunden. Verdächtigt wird die attraktive Lebedame Vera Brühne (Corinna Harfouch). Ihr Fall soll sich schließlich zu einem der spektakulärsten und pikantesten Mordfälle der Nachkriegsgeschichte entwickeln. Spannender TV-Zweiteiler von Hark Bohm über den größten Schauprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte mit Corinna Harfouch (Das Parfum) und Uwe Ochsenknecht (Männersache) in den Hauptrollen.
Schwarz (Anton Pointecker) und seiner Haushälterin gefunden. Verdächtigt wird die attraktive Lebedame Vera Brühne (Corinna Harfouch). Ihr Fall soll sich schließlich zu einem der spektakulärsten und pikantesten Mordfälle der Nachkriegsgeschichte entwickeln. Spannender TV-Zweiteiler von Hark Bohm über den größten Schauprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte mit Corinna Harfouch (Das Parfum) und Uwe Ochsenknecht (Männersache) in den Hauptrollen.
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Erfahrungsbericht von yorg über Vera Brühne (TV Movie) 05.06.2001
Produktbewertung des Autors:
Action:
wenig
Anspruch
geht so
Romantik:
wenig
Spannung
sehr spannend
Spaß
schwach
Pro:
s . Text
Kontra:
s . Text
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Der Fall Vera Brühne – BRD - 2001 - Constantin Film / Sat 1 – Bernd Eichinger (Produktion) – Hark Bohm (Regie) – (Erstsendung: 24/25.5.2001, 20:15h)
Ostern 1960 finden zwei Wachtmeister in einer Villa am Starnberger See die Leiche des Arztes Dr. Otto Praun. Wenig später findet sich im Kellerraum eine zweite Leiche: Die der Praun-Haushälterin und inoffiziellen Lebensgefährtin Elfriede Kloo.
Die Polizisten vor Ort verständigen die Kollegen der Mordkommission. Für diese Jungs ist der Fall schnell klar: Selbstmord. So wundert es nicht, dass der kriminalistische Spürsinn vor der Haustür bleibt. Fingerabdrücke werden vernichtet, da die Ermittler keine Handschuhe tragen. Beweise werden kaum gesichert – wozu auch, es ist ja alles klar.
Etwas seltsamer schon mutet an, dass der eine oder andere Beamte sich aus den herumstehenden Gläsern einen Schluck Cognac genehmigt. Oder schliesslich jemand auf die Idee kommt, mit der Tatwaffe den "verwaisten" Hund des Arztes im Garten zu exekutieren. Wie gesagt – Selbstmord. Was soll da künstliches professionelles Verhalten.
Auch der Todeszeitpunkt wird recht schnell gefunden. Der Pathologe vor Ort tippt auf Karfreitag. Der Abrisskalender in der Küche bestätigt dies. So weit so gut. Kaum noch verwunderlich dürfte erscheinen, dass der Gerichtsmediziner eine Obduktion der Leichen nicht vornimmt. Er gibt später an, er habe einen Anruf erhalten – der ihm dies untersagt habe. An die mit diesen ausserordentlichen Kompetenzen ausgestattete Person kann er sich aber nicht mehr erinnern. Und eine Aktennotiz gibt es leider auch nicht.
Auch der angereiste Sohn, selbst Arzt von Beruf, hat nicht mehr des Bedauerns für den Fall übrig, als jenes, dass sich auf ein nicht auffindbares Testament richtet. Zu diesen investigativen Sonderinteressen darf er sich frei im Haus des Vaters bewegen – und durchforstet so ziemlich jeden Raum. Man will da dem Trauernden keine Steine korrekten Verhaltens am Tatort in den Weg legen. Doch genau hier beginnen die Verwicklungen.
Denn ohne Revision des alten Testamentes erbt eine obskure Freundin des Alten ein spanisches Anwesen von einigem Wert. Das wird dem Sohn recht schnell deutlich. Und so rückt die besagte Freundin, die als Begleitdame und Fahrerin beim Vater in Lohn stand – und vielleicht lief da ja noch einiges mehr? – schnell in den Mittelpunkt des Interesses.
Bedauerlich, dass diese Freundin für den Todestag, den Karfreitag, ein Alibi hat. Also wird erst einmal Anzeige gegen unbekannt erstattet. Und nebenbei noch eine gewagte These in den Raum des ermittelnden Kriminalers gestellt: Wieso befand sich denn der Fisch noch in Kühlschrank, der doch in dem zweifelsfrei christlichen Haushalt für den freitäglichen Verzehr bestimmt gewesen sein muss. Der Freitag also, so der Anwalt des Sohnes, könne ja damit wohl kaum noch als Todeszeitpunkt in Frage kommen.
Der dem Juristen gegenüber sitzende Beamte sieht dies ein – und streicht, ohne weitere Fragen zu stellen, den Freitag im Protokoll – und schreibt "Donnerstag" darüber. Für ihn kein grosses Problem – wähnt er den Fall doch so oder so als abgeschlossen. Doch für die besagte Freundin des Alten die Schlinge um den Hals. Von nun an zieht sie sich um Vera Brühne zusammen. Am Ende wird sie für zwanzig Jahre im Gefängnis verschwinden.
Wer ist Vera Brühne? Erst einmal eine Lebefrau, wie man so sagte. Und dies auch schon mit äusserster Zurückhaltung. Später reichen die Bezeichnungen bis zu "Hure". Und als die 91jährige in diesem Jahr stirbt, tauchen wieder ähnliche Schlagzeilen auf. Man sollte also nicht darauf setzen, dass die Zeit hier ein moralfreieres, differenzierteres Urteil hätte wachsen lassen.
Und die Brühne selbst, geboren am 6.Februar 1910 als Tochter eines Essener Bürgermeisters (Stadtteil Kray), entspricht auch allen Klischees. Sie lässt sich von Männern "aushalten". Männern, die zudem vom Alter her schon ihre Väter sein könnten. Dass sie selbst den sexuellen Kontakt zu diesen Männern, wie besagtem Praun, verneint – und dass von Praun sogar überliefert ist, er habe sie gerade daher "Frigidchen" genannt – ändert an der Optik nichts mehr.
Und auch in anderer Hinsicht fügt sich die Brühne, ohne es zu ahnen, in das Bild, dass man braucht. Nicht nur, dass sie versucht, bei jeder möglichen Gelegenheit, ihren sex appeal anstelle einer Argumentation einzusetzen – und den einen oder anderen auch erfolgreich um den Finger zu wickeln vermag. Auch dort, wo sie sich auf das Reden verlässt, verstrickt sie sich in Widersprüche, geht mit der Wahrheit wie mit einer wandelbaren Knetmasse um, schreckt nicht davor zurück, immer das zu sagen, das gerade opportun erscheint - und tischt faustdicke Lügen auf.
Vera Brühne bietet also alles, aber auch restlos alles, dessen eine von Schlagzeilen-Lust geprägte Öffentlichkeit bedarf. Dass mit dieser moralisch geprägten Vorverurteilung längst kein juristisches Urteil begründet werden kann – dass eine Frau, die lügt und sich von Männern "aushalten" lässt (was immer dies, zieht man das moralingesäuerte Naserümpfen ab, auch sein mag), damit noch nicht einmal annähernd, geschweige denn zwingend eine Mörderin wird – fällt kaum jemandem auf.
Lediglich – auch dies ist für die gängige Vorstellung nötig – ein männlicher Komplize fehlt noch. Denn allein vermag eine Frau, so liederlich sie auch sein mag, derartige Grausamkeiten selbstverständlich nicht zu begehen. Der Mittäter wird in Johann Ferbach gefunden, einem unbedarften Freund der Brühne, der zudem den Fehler beging, einen VW Käfer zu erwerben, den ihm die Brühne im Auftrag Prauns verkaufte – und der ansonsten dumm genug erscheint, den zweifelhaften Reizen dieser Frau erlegen zu sein.
In "Der Fall Vera Brühne" rollt Regisseur Hark Bohm, bekannt durch Filme, wie "Nordsee ist Mordsee" und "Yasemin", einen der spektakulärsten Fälle der deutschen Nachkriegs-Justistik wieder auf. Und entgegen den Erwartungen, die man gerade hinsichtlich des Senders, der den Film in Auftrag gab, haben könnte, ist Bohm eine auf reisserische Schlaglichter und lockende Vereinfachungen, verzichtende Produktion gelungen.
Bohm selbst findet sich zudem als Jura-Ordinarius in seinem Film wieder, der eben jenem wissenschaftlichen Assistenten vor allem zuhörend und erwägend zur Seite steht, aus dessen Sicht die Brühne-Geschichte rückblickend erzählt wird.
Dabei hält sich der Film nahezu akribisch an das Material, wirft Fragen auf, wo die Eindeutigkeit fehlt (und dies ist nicht selten der Fall) und spart sich Antworten, wo diese über die Zweifel hinwegtäuschen könnten - spekuliert aber auch über Möglichkeiten, wo gerade die Engstellung der Justiz vor dem Spektrum der Alternativen deutlich werden kann.
Für den von Bernd Eichinger produzierten Film wurden alle Protokolle und Akten, die noch vorhanden waren, recherchiert, Gespräche mit Vera Brühne selbst gesucht, Zeugenaussagen neu bewertet - und schliesslich von Bohm zusammen mit Herman Weigel als Co-Autoren in ein nahezu dokumentarisches Drehbuch transformiert – dessen Umsetzung dann aber doch zu einem Spielfilm führen sollte.
An Namen wurde (soweit ich sehe) lediglich der der Opfers geändert – aus Otto Praun wurde Dietrich Schwarz, wohl da der gleichnamige Sohn noch lebt, aus Elfriede Kloo wurde Elisabeth Huhn.
Die Rolle der Brühne spielt Corinna Harfouch, die schon in "Solo für Klarinette" und der "Der grosse Bagarozy" (u.a.) zu sehen war. Und sie spielt die Brühne erstaunlich gut. Der einzige Tribut an den Spielfim scheint zu sein, dass die Harfouch wesentlich jünger ist, als die zu spielende Brühne es war. Ansonsten vermag sie die Zerrissenheit der Brühne wunderbar hervorzubringen. Die Brühne wird so präsent als ein Kind der Nachkriegszeit. Ein Mensch, der nicht gewählt hat, sondern schlicht lernen musste zu überleben. Und Vera Brühne überlebte mit dem Kapital ihrer Anziehungskraft auf Männer.
Dennoch blieb die Unsicherheit, die sich hinter einer Maske aus Stolz und Unnahbarkeit verbarg. Und dann auch wieder in die Lust an eben jenen kleinen Machtspielchen umschlagen konnte, die die sie anbetende Männer nahezu zu provozieren scheinen. Beides bleibt so präsent – wie angenehm es ist, um seines Aussehens willen hoffiert zu werden, und wie abstossend es ist, dabei zum Objekt zu werden.
Dabei bleibt die Brühne immer ein Stück Suchende, verirrt, mal fassungslos, mal eiskalt, dann letztlich doch wieder am Materiellen hängend – und immer wieder zwischen Komplexen und Selbstüberschätzung hin und hergerissen. Letztere werden ihr dort zum Verhängnis, wo sie lange Zeit noch meint, die Situation zu kontrollieren, auf der sicheren Seite zu sein – derweil ihre Lage immer aussichtsloser wird.
Als Johann Ferbach ist Uwe Ochsenknecht zu sehen, der durch seinen tadellosen Akzent ebenso überzeugt, wie als einfältiger schlichter Mann, nahezu prädestiniert dazu, in zermürbenden Verhören und spitzzüngigen Verhandlungen zum Täter zu werden.
Lediglich die Gestalt des Praun, die von Anton Pointecker ausgefüllt wird, scheint ein wenig überzeichnet. Ein ekelhaft-geifernder Alter wird hier vorgeführt, der mit Geld meint, alles kaufen zu können – und selbst davor, seine koprophilen Neigungen der "bezahlten" Gesellschaftsdame zuzumuten nicht zurückschreckt. (Auch diese Szene – in der Praun bzw Schwarz auf seine auf dem Deckel des Klos arrangierten Verdauungsendprodukte weist, ist im Film zu sehen). Das Praun auch eine andere Seite gehabt haben muss, geht unter. Zumindest soll das NSDAP-Mitglied Praun im Dritten Reich auch Verfolgten durch Krankenscheine das Leben gerettet haben.
Auf die Gerichtsverhandlung soll nun nicht detailliert eingegangen werden. Schon im Vorfeld fand, sechs Monate nach dessen Tod, die Exhumierung Prauns statt, die gesichert zu Tage brachte, dass sein Tod durch zwei (!) gezielte Schüsse erreicht wurde. Praun lag, die Photos sind noch vorhanden, in seinem Blut – Kloo hingegen war "sauber". Ihre Leiche wurde nie obduziert.
Die Verhandlung selbst stützte sich nun auf mehr oder minder glaubwürdige Zeugen. So tritt eine Nebenbuhlerin der Brühne, gespielt von Katja Flint, auf und zichtigt die Angeklagte des Diebstahles – in normalen Prozessen völlig irrelevant, bedeutsam aber, wenn es darum geht, das moralische (Vor)Urteil zu festigen und die Glaubwürdigkeit der Angeklagten zu erschüttern.
Eine weiterere Zeugin ist die Tochter der Brühne, die Marvie Hörbiger spielt. Sylvia Brühnes (eigentlich: Sylvia Cossy, Tocher aus der ersten ehe der Vera Brühne mit dem Schauspeielr Hans Cossy) Motive, gegen ihre Mutter auszusagen, liegen im Dunkeln. Zumindest dürfte es eine bizarre Möglichkeit der Befreiung gewesen sein. Denn die längst erwachsene Tochter lebte immer noch bei der Mutter, wurde täglich gegängelt und bekam auch schon einmal Prügel, wenn sie der Mutter zu vorlaut erschien – und flüchtete hiervor dann in die Welt ihrer Träume und Phantasien.
Als sich dann ein alter Schulfreund anbietet, der nun – die Mutter sitzt längst in Untersuchungshaft – auf sich gestellten Sylvia beizustehen, fühlt sie sich das erste mal ernst genommen, steht nun statt der Mutter einmal im Mittelpunkt – und wird schnell redselig. Und der alte Freund, nebenher erst für eine, dann für zwei Boulevard-Gazetten tätig, weiss dies alles auch zu vermarkten.
Als Sylvia ihre Version, "Mamska" habe den Praun getötet, auch der Polizei zu Protokoll gibt, ist die labile Tochter so schnell die Hauptbelastungszeugin gegen die Mutter. Und das gericht mag sich diese zeugin dann auch nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Sehr wohl wird der Sylvia Brühne eine gewisse "Phantasterei" bescheinigt – und zwar in dem Augenblick, in dem sie ihre Aussage widerruft und für ihre Mutter auftritt. Das mag das gericht nicht gelten lassen. Die vorherige Aussage geht ohne Bedenken in das Urteil ein.
Dem vermeindlichen Mittäter Ferbach geht es nicht anders. Gegen ihn wird die Aussage eines Mithäftlings aus der Untersuchungshaft angeführt. Ein bekannter Betrüger und Polizeispitzel namens Schramm tritt auf und behauptet, der Ferbach habe ihm die Tat gestanden. Und er habe fernerhin auch gestanden, dies mit der Brühne zusammen vollbracht zu haben. Auch dieser Zeuge wird sofort zum Kronzeugen erhoben.
Am 4. Juni 1962 werden Vera Brühne und Johann Ferbach von dem Münchener Schwurgericht des gemeinsam verübten Doppelmordes für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. In den Medien ist mittlerweile von sexuellen Exzessen die Rede, die die Brühne ausschweifend genossen haben soll. Die Phantasien gehemmter bürgerlicher Sexualmoral kennen kennen keine Grenzen mehr. Jedes Blatt, dass neue "Enthüllungen" über neue, "unvorstellbare Laster bot", wurde ein Verkaufsschlager.
Schon während der Verhandlung hatte der vorsitzende Richter ohne Bedenken immer wieder vom "offenkundigen sittlichen Verfall der Angeklagten" gesprochen – und sich für den ihnen zugemuteten "Schmutz" bei den Anwesenden im Saal entschuldigt. Das Publikum tat dafür das seine, zischte und entrüstete sich bei den Einblicken in das Brühnesche Lotterleben – und lachte laut auf, wenn die Brühne sich beschwerte oder ihre hier schon als unglaubwürdig abgestempelte Position dennoch zu verteidigen suchte. Ihre Worte gingen dann im Hohngelächter unter – und wurden von Verhandlungstag zu Verhandlungstag weniger.
Der Richter brachte all sein Verständnis auf – für das Saalpublikum. Halbherzig ausgesprochene Ermahnungen für das Protokoll führten nie zu einer Saalräumung oder gar einer Überlegung in Richtung „Verfahren ohne Öffentlichkeit“. In der Urteilsbegründung wird dann aber klargestellt: "Es muss hier mit aller Deutlichkeit gesagt werden, dass sich das Schwurgericht nicht einen Augenblick lang als Sittenrichter gefühlt und den Lebensstil der Vera Brühne mit ihrer Tat in Verbindung gebracht hat."
Als das Urteil gesprochen wird – ein Urteil, dass die "ganze Härte des Gesetzes" geltend macht, bricht Vera Brühne zusammen. Doch das Drama endet hier keineswegs. Immer wieder stellt die Brühne im Laufe der verstreichenden Jahre Wiederaufnahmeanträge. Und der Film stellt die berechtigte Frage, wer dies finanziert habe – und aus welchem Grund. Die Spekulationen gehen in die Richtung, dass die Brühne "irgend etwas" gewusst habe, das sie hätte preisgeben können. Und dass daher eine Taktik ersonnen werden musste, der Verurteilten stets das Gefühl zu geben, sie könne doch noch frei kommen – wenn sie nur schweige.
Denn, dies ist der letzte Kreis, der den Fall berührt – der ermordete Praun war durchaus nicht nur ein älternder Arzt mit einem seltsamen, wenn auch üblichen Verständnis von Käuflichkeit – sondern auch ein Waffenhändler, der zudem Kontakte zum Bundesnachrichtendienst hatte.
Dass Praun für den BND arbeitete, liess sich nie nachweisen – und der Dienst selbst hat bis zum Tode der Brühne möglicherweise relevante Akten verschlossen gehalten. (Die wenigen dann zugänglich gewordenen Akten sind selbstverständlich nichtssagend). Gesichert aber ist, dass Prauns Cousin Albert, der schon im Dritten Reich als General beim Nachrichtendienst arbeitete und auch Prauns Neffe Dietrich (bis 1990) für den damals noch "Organisation Gehlen" genannten BND arbeiteten.
Und bekannt ist auch, dass noch von Gehlen selbst ausgehend die Vorliebe des Dienstes stammt, ganze Sippen en bloc zu rekrutieren. Der Film wagt sich hier ein wenig weit hervor, in dem er den damaligen Kanzleramts-Minister Ehmke auf den CSU-Politiker Strauss treffen lässt – und letzterer den nachforschenden Ehmke warnt, er solle den Fall Brühne ruhen lassen, wenn ihm sein Leben lieb seie. Ehmke selbst verstand dies als eher "allgemeine Warnung" und in wie weit der zum Alkohol neigende Strauss hier zurechnungsfähig war oder nur witzig sein wollte, bleibt verborgen.
Gesichert aber ist, dass eben jener Strauss als Bayericher Ministerpräsident jede Wiederaufnahme des Falles erfolgreich verhinderte. Und eine weitere Frage bleibt offen – sollte der BND, wie er bis heute behauptet, nicht involviert gewesen sein, wie lässt sich die auffällige Passivität des Geheimdienstes dann erklären – für den ja, wie gesagt, einige Prauns an entscheidenden Stellen arbeiteten. Eine Passivität, die immer nur dann aufgegeben wurde, wenn es darum ging, Ermittlungen, die eben dem Geheimdienst zu nahe kamen, zu ersticken. Doch auch dies bleibt im Rahmen der spekulativen Fragen.
1979 begandigt sie der Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss – als die Chancen gut stehen für eine "unerwünschte" Wiederaufnahme des Verfahrens. Die Tocher Sylvia verstirbt 1990 an Zungenkrebs. Vera Brühne selbst beteuerte bis zuletzt ihre Unschuld: "Ich war von der Presse schon für schuldig erklärt worden, das Gericht konnte sich von dieser Vorverurteilung nicht befreien" – und: "Sicherlich. Man wollte mich zur Lebedame machen. Ich war keine Lebedame. Ich habe ein normales Leben geführt. Ich habe hier meinen Haushalt gemacht und für mein Kind gesorgt und habe Zimmer vermietet. Also, einfacher geht es wirklich nicht. Ich war eben eine auffallende Erscheinung, und das hat mich den Kopf gekostet."
In einer Dokumentation für den WDR (ausgestrahlt am 11.5.2000, 21.45h im Ersten) brach sie erstmals ihr Schweigen. Am 17.April 2001 verstarb Vera Brühne im Alter von 91 Jahren in einem Münchener Krankenhaus. Sie wurde begnadigt aber nie rehabilitiert.
Ihr Fall ist ein düsterer Blick in die moralische Verfasstheit einer Zeit, die so lang noch nicht zurückliegt. Er ist ein Blick auf Gestalten, die sich ihr Urteil bilden, ohne viele Fragen zu haben – auf Menschen, die, wenn nicht ihre Freude, so zumindest ihre Sensationslust gestillt bekamen und hierzu eine beinahe mittelalterlich anmutende Hexenjagd mit unternahmen, der sich zum Ende niemand mehr entziehen konnte. Wenige Jahrzehnte sind vergangen. Doch wer vermag die Naivität aufzubringen, zu glauben, dies wäre heute nicht mehr möglich.
Justizskandal Bewertung für Vera Brühne (TV Movie)von
sora79
Pro: Schauspieler Kontra: Oberflächlich
Vera Brühne: Lebefrau, schlechte Mutter, Doppelmörderin?
Der Fall Brühne als Zweiteiler im Abendprogramm- natürlich mit "Starbesetzung": Corinna Harfouch als Angeklagte, Uwe Ochsenknecht als Johann Ferbach, dem Mittäter.
Wer den Hintergrund kennt, w ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich