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Meine Stammleser wissen es: Ich mag vor allem Romane von englischsprachigen Autorinnen und Autoren. Vor allem die Amerikanerinnen Tess Gerritsen und Karin Slaughter haben mich mit ihren Geschichten gefesselt. Bei skandinavischen Schriftstellern war ich da eher skeptisch. Das lag zum einen am viel gelobten Henning Mankell. Dessen Roman "Vor dem Frost" hat mich ziemlich gelangweilt. Es liegt aber auch daran, dass ich - bis auf einen kurzen Tagesausflug in meiner Kindheit - Skandinavien so gar nicht kenne und die Sprache (und mit ihr auch die Namen) unzugänglich finde. Nachdem aus meinem Freundeskreis und auch hier immer wieder begeisternde Erzählungen über Stieg Larsson und seine kleine, dreiteilige Romanserie kamen, habe auch ich es mit ihm versucht und mir den ersten Teil, die "Verblendung" zugelegt.
Inhaltsverzeichnis: ************************* 1. Der Autor: Stieg Larsson 2. Ort und Zeit der Handlung 3. Die Figuren ***a) Mikael Blomkvist ***b) Lisbeth Salander ***c) Erika Berger ***d) Henrik Vanger 4. Die Geschichte 5. Themen ***a) Mädchenhandel ***b) Freundschaft und Vertrauen ***c) Ehrlichkeit vs. Korruption ***d) Schuldfragen ***e) Internethackerei ***f) Vergangenheit 6. Erzählperspektive 7. Lesbarkeit 8. Zielgruppe 9. Daten zum Buch 10. Pro & Contra 11. Fazit
1. Der Autor: Stieg Larsson ************************************ Eines der ersten Dinge, die ich über Larsson gehört und mir gemerkt habe, ist, dass er bereits verstorben ist - obwohl die Romane noch relativ frisch sind. Mit seiner Romantriologie, die mit der "Verblendung" ihren Auftakt hat, wurde er international bekannt und schaffte es in die Bestsellerlisten. Doch eins nach dem anderen. Larsson stammt aus Schweden, wurde 1954 in Umea. Er gab das antifaschistische Magazin EXPO heraus (man findet dazu aber auch zu ihm mehr unter www.expo.se ) , arbeitete als Journalist, war aber auch als Experte für Rechtsextremismus über Schwedens Grenzen hinaus bekannt. Sein politisches Interesse spiegelte sich auch in den vier Sachbüchern wieder, für die Larsson verantwortlich zeichnete. Die Millenium-Triologie wurde nach dem Tod von Stieg Larsson heraus gegeben. Sie besteht aus den Romenen Verblendung, Verdammnis und Vergebung. Der erste Teil wurde 2005 zum besten Buch des Jahres gewählt, 2006 erhielt der Schriftsteller sogar den Titel des besten Krimiaturos Skandinaviens, auch für Vergebung gab es den schwedischen Krimipreis. Zu dem Zeitpunkt war Larsson bereits verstorben - er erlag am 9. November 2004 einem Herzinfarkt. Larssons Romane werden verfilmt. Verblendung soll auch ins Kino kommen, die anderen beiden Teile sind als Fernsehfilme vorgesehen.
2. Ort und Zeit der Handlung ************************************ Ein Teil der Geschichte spielt in Stockholm, das größte Stück hat aber einen kleinen schwedischen Ort als Kulisse, die Hedeby-Insel. Es gibt noch ein paar andere Nebenschauplätze (später Zürich beispielsweise), die aber keine große Rolle einnehmen. Zeitlich ist die Geschichte in etwas in den 2000ern. Wie schon gesagt: Die Tatsache, dass mir die Orte der Erzählung unbekannt sind, schreckt mich ein wenig ab. Es fällt mir schwerer, mich in die Schauplätze hinein zu denken.
3. Die Figuren ******************* ***a) Mikael Blomkvist Mir geht es bei der männlichen Hauptfigur der Geschichte ganz ähnlich wie es einigen der anderen Charaktere aus Verblendung ergeht: Beim Namen Blomkvist fällt mir Kalle Blomkvist aus, der kleine Detektiv aus der Feder einer anderen großen Schwedin, von Astrid Lindgren. Mikael empfindet diesen Vergleich mit dem naseweißen Jungen als Beleidigung. Vieles hat Blomkvist mit Larsson gemeinsam, er ist vielleicht tatsächlich so etwas wie das Alter ego des Autors: beide haben einen zweiten Vornamen namens Kalle, beide sind/waren Journalisten, beide hatten ein Magazin, für das sie etwas riskierten, beide haben auch Sachbücher veröffentlicht. Als Journalist ist Blomkvist eigentlich gewissenhaft. Doch er stolpert über eine Information, die sich trotz intensiver Nachforschungen als falsch heraus stellt. Der von ihm beschuldigte Wirtschaftsboss verklagt ihn, Blomkvist muss ins Gefängnis. Mikael ist Mitte 40, von seiner Frau getrennt, Vater einer fast erwachsenen Tochter, ein wenig ein Frauenheld, denn er hat recht viele Affären. Man mag das als verständlich für einen Mann ansehen, der in keiner festen Beziehung steckt. Mir erscheint es dann doch etwas zu leichtfertig, wie Mikael seine Bettpartnerinnen wechselt. Es hat zwar den Anschein, dass er sich um diese Frauen mitunter sorgt, aber er ist weit entfernt, sie zu lieben.
***b) Lisbeth Salander Zu ihr fällt mir noch viel mehr ein als zu Mikael. Mit dem Namen "Lisbeth" verbinde ich eigentlich Frauen, die schon etwa 60 Jahre alt sind, gemütliche Damen. Salander ist da das glatte Gegenteil, Mitte 20, fast schon magersüchtig mit 40 kg bei 1,50 m Größe. Sie ist auch nicht unbedingt ein Mensch, mit dem ich mich spontan identifizieren würde - weder optisch noch vom Lebensstil her. Optisch kommen bei ihr nämlich noch Tatoos hinzu, ihr Leben wird dadurch überschattet, dass sie als zurückgeblieben bzw. etwas verrückt gilt und daher unter Vormundschaft steht. Genau das ist eines von Lisbeths Problemen: Zunächst hatte sie einen Vormund, dem sie voll und ganz vertraute, nun ist ein Anwalt für sie verantwortlich, der sie missbraucht. Bis zu diesem Punkt klingt alles danach, als wäre Lisbeth ein Opfer. Doch auch das ist nicht richtig. Sie ist nämlich sehr clever, hat ein photographisches Gedächtnis, kennt zig Tricks, um Computer zu knacken und so selbst an verschlüsselte Informationen zu kommen. Auf diese Weise arbeitet Salander für eine Sicherheitsfirma als Privatermittlerin. Ihre Aufträge nimmt sie dann an, wenn sie will, und nur dann. Gerade die Brüche im Charakter - stark und zugleich schwach, selbständig und abhängig, Opfer und Täter, genau das macht Salander zu einem wirklich spannenden Charakter.
***c) Erika Berger Der Name wird sicher manchen aufhorchen lassen - selbst solche Leute, die Larsson noch nicht gelesen haben. Bei ihm heißt Erika Berger die beste Freundin von Mikael. Sie ist mit ihm eine offenbar eigenständige und kompetente Herausgeberin von Millenium, sie kommt aus wohlhabendem Hause, ist verheiratet. Ihr Verhältnis (und Verhältnis ist dabei wörtlich zu nehmen) zu Blomkvist ist ein besonderes. Sie vertrauen einander nicht nur, sie haben - trotz Erikas Ehe - seit Jahren eine Affäre. Mikaels Ehe ist daran gescheitert, Erikas Mann (ein Künstler) hat keine Einwände. Erika ist keine tragende Figur der Geschichte - gerade wenn man sie mit Lisbeth oder Mikael vergleicht. Im Leben von Blomkvist ist sie eine wichtige Größe und insofern spielt sie auch für die Handlung eine kleine Rolle.
***d) Henrik Vanger Der große alte Mann der Geschichte stößt einen der wesentlichen Handlungsstränge an. Er ist Patriach eines Familienkonzerns, hat dort - obwohl er der jüngste seiner Geschwister war - die Führung übernommen. Doch inzwischen ist Vanger zurück gezogen und trotz der großen Verwandtschaft ziemlich allein - seine Frau starb in den 50er Jahren, das Paar war kinderlos. Die Nicht, die Vanger am nächsten stand, verschwand 1966 unter mysteriösen und nie geklärten Umständen. Immer wieder hat Vager auf allen Wegen versucht, ihr Schicksal zu klären - vergeblich. Vanger wirkt auf mich einerseits fair und gut, andererseits vielleicht auch ein bisschen verschroben.
4. Die Geschichte ************************ Eigentlich geht es in "Verblendung um mehrere Geschichten, die ineinander verwoben sind. Da ist zum einen die des Henrik Vanger - die eine ganz zentrale Rolle einnimmt. Wie schon angedeutet: Seine Nicht Harriet verschwand 1966 auf der Insel Hedeby. Auf der Insel waren fast nur Familienmitglieder des Vanger-Clans - andere konnten nicht auf Hedeby gelangen bzw. die Insel verlassen - denn durch einen Unfall konnte die Verbindungsbrücke zum Festland nicht genutzt werden, die Boote waren alle im Rettungseinsatz. Auch Jahrzehnte bekommt Vanger noch jedes Jahr zum Geburtstag Blumen hinter Glas - ganz so wie Harriet sie ihm geschenkt hat ... Henrik vermutet, dass ein Mitglied seiner Familie, ein Verwandter, der an diesem tag auf Hedeby war, Harriet ermordet hat. Doch wer der Täter war, konnte nie geklärt werden. Vanger hat seine ganze Kraft in die Nachforschungen gesteckt und die Firmengeschäfte an den (wenig erfolgreichen) Neffen Martin (zugleich Harriets Bruder) übergeben. Der Journalist Mikael Blomkvist soll die Hintergründe von Harriets Verschwinden nun endlich aufdecken. Offiziell erhält er den Auftrag, die Familienchronik der Vangers zu schreiben. Dabei werden manche andere Familiengeheimnisse deutlich. Mikael selbst hat - nach dem Tipp eines früheren Schulfreundes - eine Enthüllungsgeschichte über den Wirtschaftsmilliardär Wennerström geschrieben. Obwohl er durch seine Recherchen einiges belegen konnte - wurde Blomkvist verklagt und zu drei Monaten Haft verurteil - denn plötzlich stellte sich einiges ganz anders da. Möglicherweise hat der Wirtschaftsboss Beweise manipuliert ... Lisbeth Salander ist eine Art Scharnier zwischen diesen und ihrer eigenen Geschichte: Die 25-jährige arbeitet als freiberufliche Ermittlerin für einen Sicherheitskonzern. Im Auftrag von Vanger versucht sie Mikaels Lebenslauf zu überprüfen. Sie soll auch die Hintergründe des Urteils gegen ihn klären, sie ist in der Lage, Computer zu knacken, so an persönliche Daten zu kommen und so auch Betriebsgeheimnisse des Wirtschaftsmilliardärs aufzudecken. Mit diesen Fähigkeiten beeindruckt sie auch Mikael, der altermäßig Lisbeths Vater sein könnte, sich aber dennoch auch von ihr verführen lässt. Da ist aber letztlich auch noch die persönliche Geschichte von Lisbeth, die Tatsache, dass sie einen Vormund hat und somit als zurückgeblieben gilt. Tatsächlich scheint sie aber überdurchschnittliche Fähigkeiten wie ein photografisches Gedächtnis zu haben und ist extrem begabt darin, schwierigste Probleme zu lösen. Nach dem Tod ihres Vormundes übernimmt ein anderer, ein Anwalt diese Rolle und sieht darin seine Chance, eine Erwachsene aber seiner Meinung nach geistig nicht voll zurechnungsfähig. Er hält das für einen Freifahrtschein, sie sexuell zu missbrauchen. Doch er unterschätzt dabei Salander ...
5. Themen **************** ***a) Wirtschaft(skriminalität) Für mich war die relativ frühe und relativ intensive Passage über Wirtschaftsthemen innerhalb des Romans abschreckend. Ich kam mir eher vor wie in einer Wirtschaftszeitung als in einem spannenden und vielfach gelobten Kriminalroman. Nicht das, was ich wollte und was ich erwartet hatte. Und ich bin sicher nicht die einzige Leserin, die über diese Passage, die recht fachlich klingt, gestolpert ist. Larsson bzw. für ihn Mikaels früherer Schulfreund schildert die wirtschaftlichen Zusammenhänge und damit die Gründe, warum einer von Schwedens bekanntesten Wirtschaftsführern - der Milliardär Wennerström - unrechtmäßig öffentliche Gelder für Investitionen in Osteuropa kassiert und in der Realität nur eine kleine (billige) Klitsche (Klitsche = weniger als Firma, weniger als eine Halle) geführt hat, die dann schnell pleite ging. Zusammengefasst klingt diese Passage sogar noch interessanter als sie für mich in der Realität gewesen ist. Was am Wirtschaftsthema noch stört: Larsson reißt es an, nimmt es aber lange nicht mehr auf. Ich persönlich finde es daher zu breit getreten, da es den Sog der Geschichte zu einem frühen Zeitpunkt ausbremst und so sicher manchen Leser davon abgehalten hat, den gesamten - insgesamt durchaus spannenden - Roman zu lesen.
***b) Beziehungsfragen Gerade für die Figur des Mikael Blomkvist spielen Beziehungsfragen eine wichtige Rolle. Da ist zum einen die - etwas ungewöhnliche - Beziehung zu Erika: Sie ist eine Freundin aus Studientagen, so weit, so gut und so normal. Beide haben aber seitdem auch eine Affäre - und das obwohl beide verheiratet waren. Mikaels Ehe ging über dieses Drei- oder Vierecksverhältnis zu Bruch. Erikas Mann weiß, dass seine Frau auch mit Mikael schläft, akzeptiert das aber anscheinend. Trotz dieser Beziehung ist Mikael aber auch für andere Beziehungen mehr als offen - und das fast ein wenig wahllos. Er hat eine Affäre mit einer Verwandten von Henrik Vanger, einer Frau, die gut zehn Jahre älter als er ist. Er schläft aber auch mit der 20 Jahre jüngeren Lisbeth Salander. Basis für diese Beziehungen sind der Sex auf der einen Seite und ein freundschaftliches Gefühl auf der anderen Seite - Liebe, so ist mein Eindruck - ist bei ihm bei keiner seiner Bettgefährtinnen mit im Spiel. Ganz anders ist Lisbeth in Beziehungsfragen - und auch nicht. Sexuell gesehen hatte auch sie so einige Partner. Doch Mikael scheint einer der wenigen (der einzige), in den sie sich auch verliebt. In anderer Hinsicht spielen Beziehungen zu anderen Menschen bei ihr und für sie auch eine Rolle: Denn damit tut sich Lisbeth schwer. Sie besucht zwar ihre Mutter in einem Heim, hat aber ansonsten keine echten dauerhaften Bezugspersonen - wenn man von einigen lockeren Freundschaften mit gleich gesinnten Leuten aus dem Internet (auch Computer-Hackern) absieht. Ihr langjähriger Vormund scheint ihr zwar am ehesten nahe zu stehen - doch nach dessen Tod fällt es ihr offenabr noch schwerer mit anderen Menschen länger zusammen zu sein. Wie gesagt, bei Mikael ist das anders, da fällt wie schon gesagt eher auf, dass er und sie ihr Verhältnis anschienend unterschiedlich bewerten - und auch die üblichen Missverständnisse (man interpretiert Verhalten des anderen falsch und zieht sich deswegen zurück) von Beziehungen kommen auch bei ihnen ins Spiel.
***c) Familiengeschichte Einerseits ist es sicherlich in den meisten Familien spannend, mal in der Vergangenheit zu stöbern, zu schauen, wer in der Verwandtschaft welche Rolle gespielt hat. Besonders reizvoll mag das in großen Familien sein, in denen zum Beispiel Beziehungen untereinander (wer mag wen und wen nicht?) und Fähigkeiten (wer ist geschäftstüchtig, wer intrigant, wer ordnet sich ein/unter?) von Bedeutung sind. Der Reiz ist noch größer, wenn jemand aus der Familie außergewöhnliche Leistungen erbracht oder Leichen im Keller hat. So gilt bei den Vangers, dass sich Henrik als jüngster Bruder als besonders geschäftstüchtig erwiesen hat. Einige seiner Brüder schlossen sich den schwedischen Nazis an und engagierten sich eher in der Richtung. Unter anderem dadurch kam es zu Zerwürfnissen innerhalb des Vanger-Clans. Auch die buchstäblichen Leichen im Keller kommen bei den Vangers vor - auch wenn ich hier noch nicht verraten werde, in welche Richtung die Reise da geht ... Ansonsten kommen bei den verschiedenen Familienmitgliedern auch noch andere Eigenschaften zum Tragen: Arroganz und Selbstgefälligkeit, Hochmut, Hilfsbereitschaft, Angst, vielleicht auch sogar so etwas wie Wahnsinn. An einigen Stellen kann man in diesen Figuren dann auch Menschen aus dem eigenen Umfeld wieder erkennen - vielleicht auch ein Reiz des Romans.
***d) Öffentliches Ansehen Auch das Thema "öffentliches Ansehen" ist in verschiedenen Schattierungen vorhanden: Vor allem ist es für die Figur des Mikael Blomkvist wichtig, aber auch für seinen Gegenspieler im Wirtschaftskrimi. Dadurch, dass es diesem gelingt, Mikaels Enthüllungen als unwahr darzustellen, wird Blomkvists Glaubwürdigkeit zugrunde gerichtet. Ohne den Rückhalt seiner Freunde und Kollegen beim Millienium und wahrscheinlich auch ohne den neuen Job als Rechercheur und Autor der Vanger-Chronologie wäre mit dem öffentlichen Ansehen auch Mikaels Existenz ruiniert. Denn als Journalist, der Lügen verbreitet und dafür auch noch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, hat er eine ganz wichtige Basis seiner Arbeit verloren. Der Wirtschaftboss dagegen hat sein öffentliches Ansehen und damit die Basis seines Imperiums durch das selbe Urteil, durch das Mikael quasi als Lügner da stand, gerettet. Lisbeth Salander dagegen steht eigentlich nicht in der Öffentlichkeit und versucht auch, dass ihre Mitmenschen eine wesentliche Tatsache über sie nicht erfahren, die Tatsache, dass sie eigentlich entmündigt ist und als zurückgeblieben gilt. Wäre das bekannt, wäre es für sie wahrscheinlich schwieriger, ihr Können einzusetzen und Personenrecherchen für Milton Security, ein Sicherheitsunternehmen, durchzuführen. Somit erleben beide Hauptfiguren, Lisbeth und Mikael, auf ganz unterschiedliche Weise und in ganz unterschiedlichem Ausmaß, wie wichtig öffentliches Ansehen ist.
***e) Missbrauch Noch ein Thema, das Larsson auf mehreren Ebenen durchspielt, ich will hier nur die eine konkret erwähnen, um nicht die Spannung zu nehmen. Ich habe ja schon angedeutet: Lisbeth wird zum Opfer ihres neuen Vormundes. Allerdings ist ihr die Absicht des Rechtsanwaltes bereits bekannt. Sie hat Glück, dass sie nicht so dumm und zurückgeblieben ist, wie er vermutet. Denn nur so gelingt es ihr, ihm eine Falle zu stellen und den Mann, der seine Lage als Anwalt und Vormund in doppeltem Sinne brutal missbraucht, zu überführen. Larsson schafft es auch hier, eine Mischung aus Mitleid und Bewunderung für Lisbeth zu schaffen: Sie wird in die Enge getrieben, sie wird vergewaltigt und gedemütigt. Doch sie ist clever genug, Beweise in Form eines Films dieses Missbrauches zu beschaffen und so den Spieß umzudrehen. Dank des Beweismaterials ist sie nicht länger Opfer sondern erreicht, dass ihr Vormund in ihrem Sinne handelt, ihr positive Beurteilungen schreibt (die sie braucht, um ein eigenständiges Leben zu führen) und ihr wieder freien Zugang zu ihrem Geld gibt.
***f) Rechtsextremismus Ein Thema, das Stieg Larsson sehr bewegt und ihn extrem beschäftigt hat, ist der Kampf gegen den Rechtsextremismus. Ich persönlich kenne mich mit Schweden wenig aus, mich hat überrascht, dass das Thema auch dort so wichtig ist. In "Verblendung" sind Brüder von Henrik Vanger in Nazigruppen engagiert, Henrik selber gerät bei ihnen in Misskredit, da er eine Frau mit jüdischen Vorfahren heiratet. Das Thema war für mich in dieser Geschichte überraschend. Es ist gut, dass es in der Geschichte auftaucht, allerdings ist es dort nur ein Randaspekt.
6. Erzählperspektive **************************** Ich bin bei meinem Urteil über die Erzählperspektive(n) in "Verblendung" etwas hin und her gerissen. Larsson hat den Stil vieler gewählt, er erzählt aus der dritten Person, was erst einmal eine gewisse Distanz zu den Figuren schafft. Denn während eine Ich-Erzähler-Perspektive für Nähe sorgt, weil man die Gefühle und Gedanken der Figur unmittelbar erlebt, ist man bei der dritten Person, wenn der Autor von er/ihm und sie/ihr spricht, weiter von den Charakteren entfernt. Allerdings hat diese Art zu erzählen auch einen Vorteil: Der Autor kann mehrere Figuren in den Mittelpunkt rücken. Leider beschränkt sich Larsson aber nicht auf die beiden wesentlichen Hauptfiguren, auf Blonkvist und Salander, sondern hat ab und an auch weniger wichtige Charaktere im Blick. Das bremst meinen persönlichen Lesefluss, denn ich möchte wissen, wie es bei Mikael und Lisbeth weiter geht, ich lese die Passagen der anderen daher entweder quer oder lege das Buch dann zur Seite - beides ist sicher nicht im Sinne des Erfinders ...
7. Lesbarkeit ******************* Mit dem Punkt "Lesbarkeit" komme ich wieder an meine anfänglichen Bedenken zurück. Vor allem zu Beginn waren für mich die Namen (sowohl von den Figuren als auch von den Orten) eine große Bremse. Für mich sind sie ein wenig so wie Fremdworte in einem ansonsten deutschen Text. Und sie machen es mir etwas schwerer, die Geschichte nachzuvollziehen. Denn es fällt mir schwerer, welcher Name, welche Figur für welchen Handlungsaspekt wichtig ist. Mikael Blomkvist (eben weil man den Namen Blomkvist schon durch Astrid Lindgren kennt) und Lisbeth Salander (weil der Name relativ glatt ist und so eventuell auch im deutschsprachigen Raum auftauchen könnte) sind noch relativ leicht. Andere finde ich etwas komplizierter. Auch beim Nacherzählen der Handlung in diesem Bericht war es für mich ein wenig eine Bremse, dass ich mir immer wieder unsicher sein musste, ob ich mich an die Namen richtig erinnere.
8. Zielgruppe ****************** Wer sich für Skandinaivien und für Krimis begeistert, dem kann ich Larssons Verblendung auf alle Fälle empfehlen. Doch auch grundsätzlich sollten Krimifans (auch solche, die wie ich sonst eher Kriminalromane/Thriller aus dem englischsprachigen Raum bevorzugen) es ruhig mal mit Larsson versuchen. Denn nach den anfänglichen Schwierigkeiten mit den skandinavischen Namen schafft es der Schwede, mit seiner Geschichte zu fesseln. Wer also Spannung mag, wen eine Spurensuche fasziniert, der wird sicher mit der Verblendung eine gute Unterhaltung vorfinden. Selbst die Länge des Romans stört da nicht. Einschränkungen würde ich ebenfalls nicht machen - wenn es um Alter oder Geschlecht der Leser angeht - Larssons Roman ist für junge und ältere, weibliche und männliche Krimi-Fans gleichermaßen geeignet.
9. Daten zum Buch ************************** Stieg Larsson - Verblendung - ISBN: 978-3-453-43245-1 - Erstveröffentlichung 2005, deutsche Version 2006 - 688 Seiten, übersetzt von Wibke Kuhn, Heyne Taschenbuch, 16. Auflage (Originaltitel Man son hatar kvinnor), 9,95 €
10. Pro & Contra *********************** Pro: - sehr spannend - interessante Hauptfiguren - fesselnd
Contra: - einzelne weniger spannende Passagen - skandinavische Namen
11. Fazit ************ Mein Fremdgehen (weg von den englischsprachigen Romanen, hin zum Skandinavier Stieg Larsson) habe ich nicht bereut. "Verblendung" ist ein sehr fesselnder, extrem spannender Roman. Trotz der großen Länge von fast 700 Seiten hat mich die Geschichte so gepackt, dass ich sie recht schnell verschlungen habe. Das lag vor allem auch an den sehr guten Hauptfiguren. Beide, Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander, haben Ecken und Kanten. Von den beiden fand ich Lisbeth sogar die spannendere. Obwohl sich ihr Leben von meinem extrem unterscheidet, fand ich gerade ihre ungewöhnliche Art, ihr Hintergrund, einerseits extrem clever zu sein, andererseits einen Vormund zu haben, faszinierend. Allerdings kann ich die "Verblendung" nicht ganz uneingeschränkt loben und empfehlen. Speziell zu Beginn haben mich einzelne Passagen, die extrem wirtschaftlichen Erklärungen im Zusammenhang mit dem Wennerström-Fall ausgebremst. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn Larsson diese Schilderungen etwas kürzer, weniger wirtschaftlich gefasst hätte. Gut wäre es auch gewesen, wenn er wirklich an der Seite seiner Hauptfiguren Salander und Blomkvist geblieben wäre. Zusätzlich haben mich die für mich persönlich ungewohnten skandinavischen Namen etwas gestört. Wegen dieser kleinen Nachteile ziehe ich letztlich einen Stern ab, vergebe aber vier und empfehle diesen Roman und - soviel verrate ich - auch den Nachfolger Verdammnis.
Wäre ein BH, wenn Du nicht diese Missbrauchsgeschichte verraten hättest, denn die schockierte mich in diesem Buch sehr, was, aus der Inszenierung des Autors ersichtlich, auch so gedacht war. Hätte ich Deinen Bericht vor der Lektüre gelesen, hätte ich mich um diesen Schock gebracht. Und ja, es ist ein teuflisch gutes Buch!
schwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt al...
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09.08.2010 13:40
Wäre ein BH, wenn Du nicht diese Missbrauchsgeschichte verraten hättest, denn die schockierte mich in diesem Buch sehr, was, aus der Inszenierung des Autors ersichtlich, auch so gedacht war. Hätte ich Deinen Bericht vor der Lektüre gelesen, hätte ich mich um diesen Schock gebracht. Und ja, es ist ein teuflisch gutes Buch!
11.01.2010 08:14
Lese das buch gerade aber von der story bin ich gar nicht so angetan obwohl ich es schon ueber die haelfte gelesen hab...lg
25.06.2009 13:00
Das Buch ist genauso, wie du es beschrieben hast...ein perfekter bh Bericht!! Lg,Jasmin