Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
schöne Liebesgeschichte; vielfältige Personen; schön geschrieben |
| Kontra: |
recht schwieriges Englisch |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Vor Ewigkeiten habe ich mal die Romanverfilmung „Emma“ nach Jane Austen gesehen und war begeistert. Ich wollte also natürlich das Buch lesen, aber keine meiner Bibliotheken hatte es und so verlief meine Suche schließlich im Sande. Irgendwann sah ich bei einem englischen Buchclub, bei dem ich Mitglied war, einen Dreierpack mit (englischen) Büchern von Jane Austen. Ich musste alle drei Monate etwas bestellen und so bestellte ich mir den Dreierpack. „Emma“ zwar leider nicht dabei, dafür aber „Persuasion“ (oder „Verführung“, wie der deutsche Titel lautet), um das es heute gehen soll. Die Bücher lagen dann eine Zeitlang in meinem Schrank, bis ich vor einer Woche zu „Persuasion“ griff. Ganz zufällig war meine Wahl nicht, denn das Buch ist das dünnste der drei Romane. Doch wie immer erfahrt ihr zunächst etwas zum Inhalt von „Verführung“.
Anne Elliot ist die Tochter eines Landadligen und lebt Anfang des 19. Jahrhunderts in England. Ihre ältere Schwester Elizabeth hat nach dem Tod ihrer Mutter deren Platz an der Seite ihres Vaters eingenommen und Annes jüngere Schwester Mary hat einen aus einer wohlhabenden Familie stammenden Mann aus der Nähe geheiratet. Anne ist jetzt 27 und noch unverheiratet, denn als sie im Alter von 19 Jahren in Frederick Wentworth verliebt war, überzeugte Annes Mutterersatz Lady Russell sie davon, dass dieser junge Mann ohne Besitz und vornehme Herkunft nichts für sie sei. In den folgenden acht Jahren hatte Anne genügend Zeit, zu bedauern, dass sie sich hatte überreden lassen.
Doch als Anne 27 ist, hat ihr Vater nicht mehr das Geld, sich seinen vornehmen Lebensstil leisten zu können und so vermietet er seine Residenz Kellynch Hall an Admiral Croft und zieht in sein Haus in Bath. Anne bleibt noch ein wenig in ihrer Heimat und lebt für einige Zeit bei ihrer Schwester Mary und ihrer Familie in der Nähe von Kellynch Hall. Natürlich macht sie die Bekanntschaft von Admiral Croft und über diesen lernt sie Captain Wentworth kennen. Es ist derselbe Frederick Wentworth, den Anne vor acht Jahren verschmäht hatte. Er ist jetzt wohlhabend und angesehen und immer noch unverheiratet und Anne bemerkt, dass er ihr nicht vergeben hat.
Doch sie fühlt sich trotzdem zu ihm hingezogen, weiß jedoch nicht, wie sie mit ihren neuerwachten Gefühlen umgehen soll, zumal Frederick sich sehr distanziert verhält. Und dann machen auch noch die jungen Schwägerinnen Marys Jagd auf den gutaussehenden Captain.
Natürlich ist das nur ein kleiner Ansatz der gesamten Handlung von „Verführung“, aber mehr wollte ich nicht einbringen, weil es dann noch viel mehr Namen geworden wären, woran die Übersichtlichkeit stark gelitten hätte. Ich habe jetzt sechs Namen erwähnt, aber eigentlich hätte ich so um die 15 locker einfügen können. Und wenn ich euch dann noch die Familienverhältnisse hätte erklären wollen, wären wir heute überhaupt nicht mehr zu einem Ende gekommen. Die Familie Musgrove (in die Annes Schwester Mary einheiratete) ist nämlich nicht gerade klein und Captain Wentworth hat viele Freunde, die nahezu alle einen Einfluss auf die Handlung haben, der erwähnenswert wäre.
Dabei ist es jedoch keineswegs so, dass ich beim Lesen mit den vielen Personen Probleme hatte. Für mich fügte sich alles ganz natürlich zusammen und da ich selbst eine recht große Familie habe, kam ich mit den Verwandtschaftsverhältnissen auch gut zurecht und konnte sie mir leicht merken. Vielleicht wird das manchen Menschen schwer fallen, aber im Allgemeinen dürften die vielen Personen keine Schwierigkeit darstellen.
Auf der anderen Seite ist es natürlich auch abwechslungsreich, wenn so viele Personen in einem Buch zu finden sind. Und die Charaktere in „Persuasion“ sind wirklich vielfältig. Teilweise sind natürlich Parallelen zu finden, aber jede Figur hat eine signifikante Eigenschaft, an Hand derer man sie leicht im Gedächtnis behalten kann. So jammert Mary sehr gern, obwohl es ihr eigentlich gut geht. Andere Beispiele müsst ihr dann selbst nachlesen. Übrigens sind sich die Namen auch nicht sehr ähnlich, so dass es da kaum zu Verwechslungen kommen kann.
Aber natürlich ist Anne Elliot die Protagonistin von „Verführung“ und sie war mir auch von Anfang an sympathisch. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht geschildert, wenn sie auch nicht in der subjektiven Erzählform geschrieben ist. Anne ist gebildet und sensibel und bei vielen Menschen beliebt. Anders als ihrer Schwester Elizabeth kümmert sie sich weniger um ihre gesellschaftliche Stellung und um das, was andere von ihr denken, sondern viel mehr um die Menschen, die ihr wichtig sind, wobei sie nicht auf Stand oder Ansehen achtet. Sie ist attraktiv und erregt das Aufsehen einiger Männer, weiß jedoch auch genau, was sie will. Und das war und ist immer nur ein ganz bestimmter.
Die Story um Anne Elliot und Frederick Wentworth an sich ist wenig spektakulär, denn es ist eine Liebesgeschichte, die isoliert nur einen kleinen Bruchteil von „Verführung“ ausmacht. Die eigentliche Handlung wird vielmehr aus vielen kleinen Episoden gebildet, die zeigen, wie sich Liebe ausdrücken kann. Der Admiral und seine Frau verbringen so viel Zeit miteinander, wie es möglich ist, und sind noch so verliebt wie am ersten Tag. In einer anderen Paarung trifft sich Lebhaftigkeit mit Schüchternheit und es passt doch zusammen. Ich könnte jetzt noch mehr Beispiele nennen, aber ich hoffe, auch diese wenigen reichen aus, um euch einen Eindruck davon zu vermitteln, was diesen Roman so besonders macht. Es geht eben nicht nur um die Liebe zwischen zwei Menschen im besonderen.
Wie ich schon erwähnte, habe ich ja die englische Ausgabe von „Verführung“ gelesen. Jane Austen beendete „Persuasion“ 1816 und so war ich anfangs doch etwas skeptisch, ob ich mit ihrer Sprache auch zu recht kommen würde. Gerade bei Fremdsprachen ist es ja meist nicht so einfach, weil sich die Sprache in knapp zweihundert Jahren doch gehörig entwickeln kann. Als ich mit dem Roman fiel mir das Lesen nicht wirklich leicht, da teilweise sehr viele, heute nicht so gebräuchliche Worte und Redewendungen vorkommen. Die Redewendungen und auch manche Worte sind im Anhang erklärt. Einige der anderen Wörter habe ich nachgeschlagen, bei den meisten aber einfach versucht, sie mir aus dem Zusammenhang zu erschließen.
Nach der Hälfte der 236 Seiten hatte ich mich aber daran gewöhnt und dann wurde das Lesen einfacher und flüssiger. (Und deshalb lese ich jetzt gleich das nächste Buch von Jane Austen...) Natürlich wird es mir nie so leicht fallen, Jane Austen zu lesen, wie es bei Ken Follett oder gar Joanne K. Rowling der Fall ist. Nichtsdestotrotz machte mir das Lesen großen Spaß! Ich glaube jedoch, dass der Roman nur für Menschen geeignet ist, die gut Englisch können und möglichst schon einige englische Bücher gelesen haben. Alle anderen sollten lieber auf die deutsche Ausgabe zurückgreifen.
Abschließend möchte ich noch einmal hervorheben, dass mir „Persuasion“ (in der direkten Übersetzung „Überredung“) oder „Verführung“ von Jane Austen sehr gut gefallen hat. Die Personen sind vielfältig und charakteristisch und die Story zeigt wunderbar auf, wie verschiedenartig sich Liebe ausdrücken kann. Und wenn man sich erst einmal an die schwierigere Sprache (im englischen) gewöhnt hat, macht das Lesen noch mehr Spaß! Natürlich bekommt der Roman von mir volle Punktzahl und eine faustdicke Empfehlung (wenn auch nur für Frauen)!
„Verführung“ (mit anderen Titeln auch „Überredung“ oder „Anne Elliot“ von Jane Austen erschien erstmals 1818. Die deutsche Taschenbuchausgabe mit der ISBN 3379200549 kostet derzeit bei Amazon 8,90 €. Die Originalausgabe mit dem Titel „Persuasion“ kostet bei Amazon (ebenfalls im Taschenbuch) 6,47 € und trägt die ISBN 0141439688.
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Feiner Humor und die leise Ironie
Bewertung für Verführung / Jane Austen von
april-fool
Pro: Lebendige, bewegende und ironische Schilderung eines Frauenschicksals
Kontra: Keine
Jane Austen gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Ihre Bücher zeichnen ein lebendiges, detailgetreues Gesellschaftsbild und der feine Humor und die leise Ironie in ihren Werken spricht auch nach mehr als anderthalb Jahrhunderten den Leser unmittelbar an. ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich |
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04.05.2000
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