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Kennst Du schon Stieg Larsson? Wer sich für Krimis und Thriller interessiert und immer mal wieder durch Buchhandlungen stöbert, wird sicher "ja" sagen. Denn die Bücher des Schweden sind zu Bestsellern geworden - auch und gerade hier in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum. Verblendung - Verdammnis - Vergebung, so die drei Titel. Zwei der Romane habe ich schon gelesen und hier vorgestellt. Gerade beim zweiten Teil hat man das Gefühl: Da muss noch was kommen. Mein Glück war, dass inzwischen alle Folgen der Triologie auf dem Markt sind und ich so auf den Nachschub nicht warten musste. Ob die "Vergebung" meiner Erwartungen erfüllt hat, dazu nun mehr, wie üblich, Stück für Stück.
Inhaltsverzeichnis: ************************** 1. Der Autor: Stieg Larsson 2. Ort und Zeit der Handlung 3. Die Figuren ***a) Mikael Blomkvist ***b) Lisbeth Salander ***c) Alexander Zalaschenko alias Karl Bodin ***d) Annika Giannini 4. Was zuvor geschah 5. Die Geschichte 6. Themen ***a) Geheimdienste ***b) Familienverhältnisse ***c) Opfer und Täter 7. Erzählperspektive 8. Lesbarkeit 9. Zielgruppe 10. Daten zum Buch 11. Pro & Contra 12. Fazit
1. Der Autor: Stieg Larsson *************************************** Das kleine Foto des Autors lässt ihn fast noch "jugendlich" erscheinen, Stieg Larsson, der 50 wurde und dann an Herzversagen starb. Den Erfolg seiner Romantriologie bekam er nicht mehr mit. Sie stürmte in seiner Heimat Schweden aber auch in vielen anderen Ländern die Bestsellerlisten, Larsson bekam Preise. Geboren wurde der Autor in Umea Schweden, 1954. Bekannt wurde er in seiner Heimat zunächst als Experte für Rechtsextremismus, gegen den er sich auch in und mit seinem Magazin "Expo" einsetzte. Die Online-Ausgabe findet man unter www.expo.se . Das meiste dort ist naturgemäß auf schwedisch - man kann dort aber auch englische Passagen finden. Larsson war Journalist und Herasugeber. Am 9. November 2004 starb er nach einem Herzinfarkt.
2. Ort und Zeit der Handlung ************************************* Hier wird es ein wenig knifflig - weil ich mich in Schweden nicht sonderlich gut auskenne und es mir schwer fällt, mir schwedische (Orts-) Namen zu merken. Zwei der wichtigsten Schauplätze der Geschichte sind jedoch Stockholm und Göteborg. Die Zeit ist die in etwa der Jahre 2003 und 2004 - theoretisch könnte man sich aber auch einfach in der aktuellen Gegenwart fühlen. Zeitlich ist nur wichtig, dass der kalte Krieg vorbei ist und dass technisch vor allem die Möglichkeiten mit Computern zu arbeiten schon extrem weit fortgeschritten sind.
3. Die Figuren ********************* ***a) Mikael Blomkvist Blomkvist ist eine ganz zentrale Figur aller drei Larsson-Romane. Und in vielen Punkten gibt es Parallelen zwischen dem Autor und dem Charakter seiner Geschichten. Beide sind Journalisten, beide etwa im selben Alter (Blomkvist Mitte 40, Larsson war wahrscheinlich einen Hauch älter als er die Geschichten schrieb). Beide haben ein eigenes Magazin mit begründet, beide sind hartnäckig wenn es darum geht, ihre gute Story, hinter der sie stehen, bis ins Detail nachzurecherchieren und zu belegen. Obwohl Mikael ein kleines Magazin zusammen mit seinen Freunden aus dem Boden gestampft hat, ist er auch in mancher Hinsicht ein Einzelgänger, zieht seine Nachforschungen durch. In "Vergebung" erlebt man Blomkvist in erster Linie tatsächlich als den Mann, der klar seinen Weg, sein Ziel verfolgt, versucht, seine Geschichte nach bestem Wissen und Gewissen zu belegen und damit die Unschuld von Lisbeth Salander zu beweisen. Er ist dabei kein Streber, den man mit Stirnrunzeln betrachten würde sondern verhält sich fair, hat aber durchaus seine kleinen Fehler (zum Beispiel, dass er nicht wirklich treu sein kann).
***b) Lisbeth Salander In "Verblendung" ist mein Verständnis für das Verhalten von Lisbeth etwas geringer geworden. Doch obwohl sie und ich nicht viele Gemeinsamkeiten im Leben haben, finde ich die Figur an sich faszinierend: Salander ist klein, extrem zierlich, so dass viele sie auf den ersten Blick für eine Teenagerin (oder gar für einen Jungen) halten. Tatsächlich ist sie aber bereits 27. Mit 12 wurde Lisbeth in eine Klinik eingewiesen und kam in die Psychatrie - sie hatte einen Brandsatz ins Auto ihres Vaters geschmissen. Doch dieser Vater hatte die Mutter jahrelang aufs Schwerste misshandelt - Lisbeth hatte keinen anderen Ausweg gesehen. Im Krankenhaus wurde sie die meiste Zeit ans Bett gefesselt. Anschließend erklärte man das Mädchen für geschäftsunfähig. Schließlich hatte sie etwas Glück, fand einen Betreuer, dem sie wenigstens etwas vertrauen konnte. Doch der bekam schließlich einen Schlaganfall, Lisbeths neuer Betreuer missbrauche die junge Frau, vergewaltigte sie - auch weil er sie für zurückgeblieben hielt und daher glaubte, dass sie nichts gegen ihn unternehmen könnte. Doch das Faszinierende an der Figur ist, dass sie trotz dieser Vergangenheit überaus clever ist. Besser als alle anderen beherrscht Lisbeth Computer, verschafft sich Einblicke in die PCs anderer und kann so einerseits Machenschaften auf die Spur kommen - im Auftrag einer Sicherheitsfirma, aber auch in ihrem persönlichen Interesse. Charakteristisch für Lisbeth sind noch mehrere weitere Eigenschaften: Sie ist sehr verschlossen, gibt wenig von sich Preis - vor allem auch nach den Erfahrungen mit Psychatern und Polizisten, die ihr das Wort als Kind im Munde rum gedreht haben. Sie versucht andererseits sich aber immer die Konsequenzen ihres Handelns bewusst zu machen.
***Alexander Zaluschenko alias Karl Bodin Zalaschenko ist Lisbeths Vater. Er nimmt eine bedeutend kleinere Rolle als seine Tochter ein, hat aber auch eine überaus schillernde Vergangenheit: Zalaschenko hat zunächst für seine russische Heimat quasi als Agent gearbeitet. Dann ist er übergelaufen, hat Geheimnisse Preis gegeben, stand aber im Gegenzug auch unter dem Schutz einer Sondereinheit der schwedischen Sicherheitspolizei. Die deckte auch seine Ausraster und Verbrechen - unter anderem sein brutales Verhalten Lisbeths Mutter gegenüber. Schon zu Beginn von Verblendung ist klar, dass die SiPo (Kurzform für Sicherheitspolizei) Lisbeth einbuchtete, um Zaluschenkos Identität und ihre Zusammenarbeit mit dem Russen zu schützen. Auch als älterer Mann ist Zaluschenko immer noch nicht geläutert - er ist immer noch in krumme Machenschaften verstrickt und schreckt nicht zurück, seine Tochter ermorden zu lassen.
***d) Annika Giannini Der Name erweckt für mich ganz persönlich Erinnerungen an eine Romanfigur und eine reale Sängerin - an Annika aus "Pippi Langstrumpf" und an Gianna Nannini, die Sängerin ... Annika ist Mikael Blomkvists Schwester, sie ist Anwältin und Psychologin. Auch sie nimmt keinen gewaltigen Raum innerhalb der Geschichte ein, ist aber dennoch eine nennenswerte Figur. Denn Annika, die bislang vor allem für misshandelte Frauen tätig war, übernimmt Lisbeths Verteidigung. Dabei hat sie mit einigen Hindernissen zu kämpfen: Das eine ist ihre Mandantin selber, die nur schwer Vertrauen zu Annika fasst, das andere ist zum Beispiel die Tatsache, dass Annika eigentlich keine Strafverteidigerin ist - man wirft Lisbeth unter anderem versuchten Mord an ihrem Vater vor.
4. Was zuvor geschah ****************************** Ich versuche mit meinem Bericht möglichst neugierig zu machen, ich möchte keine Spannung verderben, indem ich zuviel verrate. Wer die ersten beiden Teile noch nicht kennt, sollte vielleicht erst bei Punkt 6 oder 7 dieser Buchkritik weiter lesen. Denn ein wenig Vorgeschichte muss ich verraten, da die Ereignisse aufeinander aufbauen. In Verblendung hatte es Mikael Blomkvist zunächst mit dem Wirtschaftsboss Wennerström zu tun. Er veröffentlichte eine Enthüllungsgeschichte, Wennerström schaffte es mit einigen Tricksereien aber, dass die Justiz ihn für unschuldig hielt. Mikael musste wegen des angeblich verleumdenden Artikels ins Gefängnis. Er nahm eine Auszeit von Millenium und recherchierte im Auftrag eines anderen Firmenpatriarchen, Vanger, die Geschichte der Familie und das Verschwinden seiner Nichte Harriet Vanger - die seit 1966 verschollen war und als ermordet galt. Bei seinen Nachforschungen stieß Mikael auf einige Familiengeheimnisse der Vangers und fand Harriet schließlich in Australien. All das gelingt ihm vor allem auch mit der Hilfe von Lisbeth Salander. Sie hatte ursprünglich über Mikael Nachforschungen für den alten Vanger anstellen sollen und dabei auch einige seiner Geheimnisse aufgedeckt. Von ihren Fähigkeiten beeindruckt, hatte Mikael sie zur Zusammenarbeit überredet, beide begannen eine Affäre. Es stellte sich heraus, dass auch Harriets Bruder Martin im weiteren Sinne etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hatte, Martin versuchte, Mikael umzubringen, im letzten Moment konnte Lisbeth ihn retten, Martin floh, starb während der Flucht bei einem Unfall. Doch damit war die "Verblendung" noch nicht zu Ende: Mit der Hilfe von Lisbeth konnte Mikael auch Wennerströms Machenschaften beweisen und sich rehabilitieren. Mit einer Enthüllungsstory schaffte er auch sein Comeback als ernsthafter Wirtschaftsjournalist. Lisbeth gelang es Dank ihrer Computerfähigkeiten, sich Wennerströms Vermögen unter den Nagel zu reißen bevor sich der Wirtschaftsboss das leben nahm. Doch die Verblendung endete nicht mit einem Happy End sondern damit, dass Lisbeth Mikael mit dessen langjähriger Teilzeit-Geliebten Erika Berger erwischte und sich enttäuscht von ihm zurück zog. Dieser Rückzug hielt auch in "Verdammnis" an. So vermögend wie Lisbeth nun war, konnte sie sich Weltreisen und eine große Wohnung leisten. Doch sie war immer noch nicht offiziell wieder für geschäftsfähig erklärt worden. Ihr Betreuer hatte sie ja sexuell missbraucht - doch Lisbeth hatte einen Beweisfilm davon. Jetzt versuchte der Anwalt, dennoch Mittel gegen sie zu finden - und verbündete sich mit Zalaschenko. Unter dessen versucht Millenium einer neuen Sensationsstory nachzuspüren. Mit dem jungen Journalisten Dag Svensson und seiner Freundin Mia wollten sie eine Enthüllungsgeschichte über Mädchenhandel auf den Markt bringen. Doch Dag und Mia und auch Lisbeths Betreuer wurden ermordet, sie wurde als Täterin gesucht und gejagt. Die "Verdammnis" endete dramatisch: Zalaschenko und sein Sohn Niedermann schossen auf Lisbeth und begruben sie lebendig, sie schaffte es mit letzter Kraft, sich zu befreien und verletzte ihren Vater mit einer Axt schwer. Mikael kam gerade noch rechtzeitig, um sie zu retten.
5. Die Geschichte ************************ Lisbeth Salander wird schwer verletzt ins Krankenhaus geflogen. Sie hat Kugeln in Kopf, Schulter und Hüfte, der behandelnde Arzt ist äußerst besorgt, denn das Projektil im Gehirn muss dringend entfernt sein - bei der Operation geht es um Leben und Tod. Auch Zalaschenko, Lisbeths Vater, hat überlebt. Er beschuldigt seine Tochter, sie habe ihn brutal ermorden wollen - er sei für die Schüsse auf sie nicht verantwortlich. Auch wenn inzwischen klar ist, dass Lisbeth weder ihren Betreuer, noch Dag Svensson und dessen Freundin Mia ermordet hat, ist sie auch als Schwerverletzte in Untersuchungshaft. Man wirft ihr unter anderem vor, zwei Mitglieder einer Motorradgang verletzt und einen der beiden Männer angeschossen zu haben. Mikael Blomkvist weiß, in was für einen schwierigen Lage Lisbeth ist. Er sucht in den Mitgliedern seiner Zeitschrift Millenium, aber auch in Lisbeths früherem Chef von Milton Security und in ihrem ersten Betreuer und väterlichem Freund Verbündete. Außerdem engagiert er seine Schwester Annika, um Lisbeth zu verteidigen. So weit, so gut. Doch die Sektion der Sicherheitspolizei, die Zalaschenko jahrzehntelang gedeckt hatte, sieht in Lisbeth eine große Gefahr. Die Mitglieder versuchen auf mehreren Ebenen, dieser Gefahr zu begegnen: So leitet der frühere Chef der Sektion das Vorgehen und übernimmt dabei selbst einen wesentlichen Part: Er erschießt Zalaschenk und bringt sich dann selber um - wie sich später heraus stellt, war er schwer krebskrank, hatte nur noch wenige Monate zu leben. Die weiteren Mitglieder der Sektion hören unter anderem die Telefone der Millenum Redaktion und von Mikael Blomkvist im speziellen ab und stehlen dem Journalisten und seiner Schwester wichtige Unterlagen. Die Spannung der Geschichte entwickelt sich aus dem inoffiziellen Wettstreit der Sektion auf der einen Seite und von Mikael und seinen Kollegen und Freunden auf der anderen Seite um die Wahrheit und letztendlich auch in gewisser Weise ums Überleben.
6. Themen ***************** ***a) Geheimdienste Ein Reiz dieses dritten Teils der Larsson-Reihe liegt in der Tatsache, dass der Autor Blicke hinter die Kulissen der Geheimdienste wirft. Als Journalist, so kann man vermuten - hat er wahrscheinlich zumindest Teile der Zusammenhänge, die er darstellt, recherchiert. Doch auch selbst wenn sie nur seiner Phantasie entsprungen sind, sind die Schilderungen über die Sektion der Sicherheitspolizei faszinierend. Denn es geht um Geheimnisse, darum, sie zu bewahren (was sich die Sektion zum Ziel gesetzt hat) bzw. sie aufzudecken (was das Ziel von Mikael ist). Mit den Geheimnisse verknüpft ist das persönliche Schicksal der Figuren. Der ehemalige Leiter der Sektion war und ist überzeugt, das Richtige getan zu haben. Das ist für ihn auch der Grund, warum er zur Rettung der Geheimnisse rund um Zalaschenko sogar einen Mord (an Zalaschenko) begeht und sich selber tötet. Möglicherweise hat die Regierung durch das Handeln der Geheimdienstler profitiert - weil Zalaschenko ihnen geheime Informationen über die russische Seite gegeben hat und so dazu verhelfen konnte, das Handeln anderer russischer Spione aufzudecken. Doch war das diesen Preis wert? Die andere Seite der Medaille ist die Frage, wem alles durch die Arbeit der Sektion und durch ihre Versuche, lange Jahrzehnte Zalaschenko zu schützen, geschadet wurde. Insbesondere Lisbeth und ihre Mutter wurden so zu Opfern des Systems. Doch wenn man genauer hinschaut, deckte die Sektion der Sicherheitspolizei auch noch weitere Verbrechen Zalaschenkos (wie beispielsweise Frauen- bzw. Mädchenhandel).
***b) Familienverhältnisse Zalaschenko war Lisbeths "Erzeuger", war aber nie im Sinne unserer Gesellschaft ihr Vater. Eine echte Familie hatte Lisbeth insgesamt nicht. Denn ihre Mutter war immer und immer wieder das (Vergewaltigungs-) Opfer von Zalaschenko, zu ihrer Zwillingsschwester hatte Lisbeth anscheinend keinen Draht, der Kontakt zwischen den beiden ging auch verloren, im Roman wird sie zwar wiederholt erwähnt, Larsson spielt aber nicht mit der Zwillingsgeschichte (wie man es vielleicht erwarten würde). Die Familienverhältnisse, die Tatsache, dass Lisbeth nie jemanden hatte, dem sie grenzenlos vertrauen konnte, ist auch ein wesentlicher Grund dafür, warum sie extrem verschlossen geworden ist. Sie zieht sich in ihre eigene Welt aus Selbstschutz zurück. Diesen Rückzug mitzuerleben, Einblicke in diese Persönlichkeit zu bekommen, ist ein weiterer Reiz des Romanes.
***c) Opfer und Täter Direkt mit den beiden anderen Themen hängt die Frage nach Opfern und Tätern zusammen. Man kennt aus anderen Romanen und Filmen die Rolle des sympathischen Gauners. In etwa trifft das auch auf Lisbeth zu. Als Leser erfährt man, dass sie sich illegal Zugang zu den Computern anderer Menschen verschafft. Das ist genau genommen eine Straftat. Denn schließlich will keiner von uns, dass ein Fremder alle Dokumente, Bankdaten etc. kennt die man auf seinem Computer abgespeichert und die Internetseiten, die man besucht hat. Noch "heftiger" ist die Tatsache, dass sich Lisbeth (bereits in Verdammnis) Zugang zu mehreren Milliarden Kronen verschafft, die der Wirtschaftsboss Wennersträm durch unsaubere Geschäfte "verdient" hat und dieses Geld einfach behält. Gut, Wennerström ist tot. Dennoch ist es vielleicht aus moralischer Sicht "ok", dass sich Lisbeth sein Geld unter den Nagel gerissen hat, rechtlich gesehen hat sie damit aber ein Verbrechen begangen. Doch andererseits wurde Lisbeth auf verschiedenste Weise zum Opfer. Zunächst war sie das Opfer ihrer Familienverhältnisse und des brutalen Vaters, der nicht nur als Vater fehlte sondern auch durch seine Brutailität die Mutter zerstört hat. Lisbeth wurde dann Opfer des Systems, das Zalaschenko als Spion schützte - trotz seiner Verbrechen. Nur so wurde es möglich, dass Lisbeth fast zwei Jahre lang als Kind in der Psychatrie verbringen musste und dort die meiste Zeit ans Bett gefesselt wurde. Auch die Tatsache, dass sie für geschäftsunfähig erklärt wurde, war eine Folge dessen. Die Vergewaltigung durch ihren zweiten Betreuer war eine weitere. Zu Tätern wurden dabei immer wieder Leute, die offiziell auf der Seite des Gesetzes standen - wie eben dieser zweite Betreuer, der als Anwalt Ansehen genoss, wie der Psychater, der auf seinem Rechner eifrig Kinderpornofotos sammelte oder wie die Mitglieder der Sektion, die sich im Recht und in der Pflicht sahen, Zalaschenko zu schützen, seine Verbrechen zu decken - auch wenn sie selber dabei Gesetze überschreiten mussten.
7. Erzählperspektive ***************************** Die Erzählperspektive bzw. die Art und Weise, wie Larsson damit umgeht, ist ein Problem seiner Romantriologie. Ich mag es, wenn eine Geschichte dicht an der Seite von maximal drei bis vier Hauptfiguren erzählt ist. Im Fall von Vergebung und den beiden Vorgängern sind Mikael und Lisbeth DIE zentralen Charaktere. Doch leider bleibt Larsson nicht an der Seite dieser zugegeben sehr guten Fguren. Er zerfasert die Handlung dadurch, dass er immer mal wieder plötzlich, für einige Seiten, einen Charakter begleitet, der nur eine kleine Rolle im Rahmen der Handlung einnimmt. Diese Personen sind in der Regel relativ flache Charaktere, die keinen besonderen Reiz haben und so den Lesefluss stoppen. Von den kleineren Figuren gibt es zwar auch welche mit dem gewissen Etwas - doch auch sie haben dann (in dem Fall leider) nur kleinere Auftritte, ihre Geschichte wird dann ebenfalls nur angedeutet und nicht ausgespielt. So könnte Anders, der behandelte Arzt von Lisbeth, zu dem sie auch Vertrauen fasst, sicher mehr Raum in der Geschichte einnehmen. Auch der anfängliche Chef der Sektion und Zaluschenko-Mörder hat reizvolle Momente, die ich gerne intensiver kennen gelernt hätte - doch bei beiden verbleibt Larsson nur relativ kurz. Dafür sind andere Mitglieder der Sektion oder aber Mitglieder einer Motorradgang ebenfalls mal für einige Zeit im Blickpunkt und bremsen den Lesefluss aus. Man kann - da Larsson bereits verstorben ist und die Romantriologie nach seinem Tod veröffentlicht wurde - die Sache nur schwer einschätzen: Vielleicht hätte er die Handlung noch etwas gestrafft (und an anderen Stellen möglicherweise ausgebaut). Vielleicht sind Verblendung, Verdammnis und Vergebung auch ganz genau so erschienen, wie Larsson es selber gewollt hätte.
8. Lesbarkeit ***************** Mikael, Lisbeth, Annika - die Namen erscheinen möglicherweise selbst für den deutschsprachigen Leser klar und verständlich. Andererseits merke ich bei anderen Figuren, dass es mir schwer fällt, mich an die Namen zu erinnern - zu wenig habe ich im Alltag mit skandinavischen Menschen (und damit auch ihren Namen) zu tun. Für mich sind die Namen der Figuren und Orte auch ein weiteres Hindernis dabei, die Romane zu lesen. Ansonsten ist die deutsche Übersetzung aller drei Larsson Romane recht verständlich und gut.
9. Zielgruppe ******************** Die Zielgruppe der drei Larsson Romane sind Leute, die Krimis/Thriller mögen und da auch vor dicken Büchern nicht zurück schrecken. Man sollte am besten alle drei Folgen lesen - denn nur so erfährt man wirklich die ganze Geschichte und weiß um die Hintergründe und Zusammenhänge. Larsson hat es - trotz kleinerer, etwas zäherer Passagen - geschafft, eine insgesamt fassende Triologie abzuliefern. Genau das ist auch der Grund, warum die drei sehr umfanreichen Bücher insgesamt gesehen auch nicht langatmig und langweilig werden. Sie haben einen Sog, der fesselt. Zielgruppe ist daher jeder, der sich von solchen Geschichten fesseln lassen will, der dazu bereit ist. Oftmals, gerade wenn es in das letzte Drittel geht, mag man die Romane gar nicht mehr aus der Hand legen. Dabei war ich anfangs skeptisch, da ich mit Larssons schwedischer Heimat persönlich nicht viel am Hut habe, das Land und die Menschen dort nicht kenne, mich ihnen fern fühle. Doch diese Sorge war weitgehend unbegründet. Die drei Folgen der Triologie sind also allesamt auch für Nicht-Schweden-Kenner geeignet. Auch was Alter und Geschlecht der Leser angeht, würde ich problemlos "Jedermann" sagen.
11. Pro & Contra ************************* Pro: - sehr gute Hauptfiguren (Lisbeth und Mikael) - sehr spannend - gut verschachtelte Handlung - fesselt - guter Abschluss der Reihe
Contra - gewisse Längen - uninteressantere Nebenfiguren
12. Fazit **************** Für mich hat es sich gelohnt, es mal mit einem schwedischen Autor und dessen Büchern zu versuchen. Zurecht sind auch in Deutschland zig tausende Leser von seiner Romantriologie Verblendung - Verdammnis - Vergebung schwer begeistert. Ich reihe mich da ein. Wer neugierig geworden ist, sollte die drei Romane am besten der Reihe nach lesen - die Vergebung, um die es hier ging, also zuletzt. Und er oder sie sollte sich nicht von gelegentlichen kleinen Längen in der Handlung oder von einzelnen uninteressanteren Nebenfiguren abschrecken lassen (auch das echte Leben hat schließlich Längen (viel mehr als dieser Roman), auch im Alltag laufen uns immer mal wieder Leute über den Weg, mit denen wir weniger anfangen können. Die großen Trümpfe der Reihe und auch dieses Bandes sind die beiden starken Hauptfiguren, Lisbeth Salander an erster Stelle und Mikael Blomkvist - für mich auf Platz zwei. Insgesamt ist die Geschichte der beiden sehr spannend, die Handlung ist nicht eindimensional sondern auf überaus sinnvolle Weise verschachtelt. Trotz des großen Seitenumfangs der Geschichte versteht Stieg Larsson die Leser zu fesseln. Mit "Vergebung" gelingt ihm ein sehr guter Abschluss der Reihe. Meine Empfehlung ist daher (um mit Elke Heidenreich zu sprechne): "Lesen!" Knappe fünf Sterne gibt es dafür von mir.
mkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern d...
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keDie Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Al...
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07.08.2010 22:04
... irgendwann werde ich die drei Bände auch lesen ...
20.03.2009 21:39
BH :)! LG, Tinchen
09.03.2009 23:12
Perfekter Bericht, lg Sylvia