was ALKOHOL AM STEUER anrichten kann

1  13.10.2004 (13.01.2005)

Pro:
-

Kontra:
-

Empfehlenswert: Nein 

Christian-XXX

Über sich: Das Leben ist kein Ponyhof!

Mitglied seit:12.10.2000

Erfahrungsberichte:55

Vertrauende:31

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 157 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Erzähl´ mal was über Deine Mutter“, bat ich meine damalige Freundin, es ist schon eine ganze Weile her. „Ach, mit ihr habe ich nicht mehr viel zu tun. Haben uns einfach nicht mehr gut verstanden“ sagte sie mir, und wirkte dabei recht gleichgültig. Ich wußte bereits, daß Ihre Eltern sich gleich nach ihrer Geburt voneinander getrennt hatten. „Und Dein Vater, was macht der so? Hast du ein besseres Verhältnis zu ihm?“ wollte ich wissen. Sie sah mich traurig an, und sagte leise und nachdenklich: „Er war mein ein und alles. Laß uns über was anderes reden.“
Erst später, ohne daß ich sie nochmals fragte, sagte sie mir von sich aus, warum sie dem Thema ausgewichen war. Ihr Vater ist tot.

Gestorben im Alter von 38 Jahren. Es geschah völlig überraschend, an einem Herbsttag. Nur ein kurzer Augenblick, zu einer Zeit als beide noch voller Pläne waren. Ein kurzer Moment, der Pläne zerstörte. Der Träume vernichtete. Der Moment, ab dem nichts mehr so war wie es einst gewesen ist, und alles in den Hintergrund geriet. Der Moment, als sie ihren Dad verlor.

Sie ging zu der Zeit noch zur Schule, wollte Abi machen. Stolz brachte sie gute Noten nach Hause, und auch wenn es einmal schlecht lief hatte ihr Vater stets tröstende Worte für sie. Sie wuchs bei ihm auf, und er war ein guter Vater. Einer, mit dem man über alles reden konnte. Der alles für sein Mädchen tat. Der sein Leben als allein Erziehender meisterte, so gut er konnte.
Sie erzählte mir auch, daß sie ihn gerne irgendwann zum Opa machen wollte. Noch war ja genügend Zeit, sie war zu dem Zeitpunkt ja erst 15. Es wäre für ihn die größte Freude gewesen, das wusste sie.

Doch eines Tages kam er nicht von der Arbeit nach Hause. Er sollte nie wieder kommen.

Ein Unfall hatte alles beendet. Eine langgezogene Kurve auf der Landstraße, direkt vorm Ort, nur noch wenige Minuten von der Wohnung entfernt. Ein Unfall, an dem er keine Schuld trug. In besagter Kurve wurde er frontal von einem anderen Auto gerammt. Er hatte keine Chance, ihm auszuweichen. Zeugen sahen den Unfall, riefen sofort die Polizei und versuchten zu helfen. Doch es war zu spät, die Feuerwehr konnte ihn nur noch tot aus seinem Wagen befreien.

Der Unfallverursacher verstarb ebenfalls noch an der Unfallstelle. Die Ermittlungen ergaben, dass er unter Alkoholeinfluss und mit erhöhter Geschwindigkeit fuhr. Im Rausch verlor er die Kontrolle über seinen Wagen, geriet in der Kurve auf die Gegenspur – Peng!

Am nächsten Tag stand es in einem kleinen Bericht in den Lokalnachrichten. Doch einen Tag später war es in den meisten Köpfen schon wieder vergessen. Es ist ja kein Einzelfall, jeden Tag findet man Meldungen wie diese in den Zeitungen. Man schüttelt kurz den Kopf, denkt sich „ach wie furchtbar“, und geht über zu den Sportnachrichten.

Als mir meine Freundin ihre Geschichte erzählte, war sie sehr gefaßt. Ich selbst war erschüttert, und wäre fast in Tränen ausgebrochen. Zum ersten Mal hörte ich nun solch ein Schicksal von jemandem, den ich kenne. Nicht nur eine kleine Meldung in der Zeitung – sondern die Geschichte eines Mädchens, das ihren Vater nun nicht mehr zum Opa machen kann.

Ich weiß nicht, wie oft ich seitdem in Zeitungen und im Fernsehen von ähnlichen Unfällen erfahren musste. Und mich überkommt Wut darüber, wie oft schwere Unfälle auf Alkohol am Steuer zurückzuführen sind. Dabei ist es nicht der Alkohol selbst, der die Gefahr darstellt. Es ist der Fahrzeugführer, der sich betrinkt und dann hinter das Lenkrad setzt. Der leichtsinnig in Kauf nimmt, sein eigenes Leben und das Leben anderer aufs Spiel zu setzen.

Ich möchte jetzt nicht einen auf Moralapostel machen, der den Alkohol generell verflucht – das wäre Blödsinn. Jeder kann meinetwegen soviel trinken wie er will, ich selbst trinke ja auch hin und wieder gerne was. Man sollte dann halt nur so vernünftig sein und die Hände vom Steuer lassen.

Jeder Mensch verträgt unterschiedlich viel Alkohol, und hat sich auch dementsprechend anders unter Kontrolle. Wer abends mal ein, zwei Bier trinkt ist nicht automatisch eine Gefahr für den Straßenverkehr. Man muss halt nur seine eigenen Grenzen kennen, und dies ist oftmals gar nicht so leicht.

Mir wird es schlecht beim Gedanken, dass irgendwann einmal ein betrunkener Autofahrer einen schweren Unfall verursacht, bei dem einer meiner Freunde oder Verwandte schwer verletzt wird oder stirbt. Und umgekehrt möchte ich niemals in meinem Leben selbst Schuld an solch einem Unglück sein.

Ich stelle mir immer vor, wie es wohl jemandem ergeht, der betrunken einen schweren Unfall baut, bei dem es Tote gibt, und diesen als einziger überlebt. Ich könnte mir keine schlimmere Strafe vorstellen, als mein ganzes Leben lang morgens mit dem Gewissen aufzuwachen, andere Menschen auf dem Gewissen zu haben.

Als mir vor kurzem ein Bekannter erzählte, er sei nach einer Feier angetrunken Auto gefahren, und habe dabei ein stehendes Fahrzeug gerammt, freute ich mich für ihn. Natürlich schaute er mich dabei verwundert an und verstand meine Reaktion nicht. Es gab zwar keine Verletzten, war aber ein teurer Spaß da die Versicherung nicht zahlte. Ich erklärte ihm, dass er froh sein könne, noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein.

Einen Blechschaden kann man ersetzen – ein Menschenleben nicht.

Ebenso gefährlich wie Alkohol am Steuer kann natürlich auch die Einnahme von Rauschgift, Medikamenten, oder Übermüdung sein.

Jeder, der sich hinter ein Steuer setzt, sollte sich bewusst darüber sein dass er nicht nur die Verantwortung für sich selbst trägt. Er hat gleichzeitig Verantwortung für den Autofahrer, der ihm entgegenkommt. Den Beifahrer, der neben ihm sitzt. Die junge Mutter mit Kinderwagen, die den Zebrastreifen überquert. Die Jungs, die auf dem Bürgersteig Ball spielen.

Wer sich verantwortungsvoll verhält, der schafft es sicher auch auf eine schönere Art und Weise, eines Tages in die Zeitung zu kommen.

Niemand kann meiner damaligen Freundin den Vater wiedergeben. Aber jeder kann ein Stück dazu beitragen, künftig ähnliche Schicksale zu verhindern.


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
broos

broos

25.05.2006 17:30

Alkohol macht vieles kaputt.Autounfälle unter Alkoholeinfluß sind da mit der Gipfel.Ich finde, die Strafen für Autofahren unter Alkoholeinfluß sind noch viel zu niedrig.

SiggiWidder

SiggiWidder

25.05.2006 16:50

Ich gebe Dir zu 100% Recht. Jeder der sich hinters Lenkrad setzt sollte wissen was er anrichten kann wenn die Sinne nicht mehr klar bei Bewußtsein sind. LG Siggi.

Laika1982

Laika1982

04.10.2005 20:37

echt ne ergreifende Geschichte und du hast ja so recht. LG Laika1982

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 802 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (16%):
  1. broos
  2. schlumilu
  3. 125jenny
und weiteren 22 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (84%):
  1. SiggiWidder
  2. rosequeeny
  3. Fredericke07
und weiteren 129 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.