"Willst du umgenietet werden, du Vogel?"

1  01.05.2012

Pro:
Einige weniger Verkehrsteilnehmer, die es noch hinbekommen

Kontra:
Unfairness, Lautstärke, Meckerei, Blödheit, Sturheit, Ignoranz, Vorurteile

iLiKETRAiNS

Über sich: Sowing Season.

Mitglied seit:08.01.2011

Erfahrungsberichte:7

Vertrauende:2

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich muss mich echt überwinden, liebe Ciaoerinnen und Ciaoeraner, hier meine Meinung zu offenbaren, man darf sich ja als junger Pimpf, der das Leben schließlich noch gar nicht kennt keinesfalls anmaßen, über andere Verkehrsteilnehmer zu referieren, geschweige denn Kritik anzubringen. Trotzdem ziehe ich jetzt das Pflaster von meinem Mund und schreibe meinen Ärger in die Welt hinaus, weil es mir einfach reicht. Ihr dürft mich dafür auch gerne ans Schafott stellen und mir meinetwegen ebenso kritische Kommentare hinterlassen, mir ist einfach wichtig, dass ich endlich mal meine ganze Wutsuppe auskotzen kann.

Es ist an Ärger einfach zu viel zusammengekommen, aber ich muss ja irgendwo anfangen. Zunächst möchte ich die Fakten auf den Tisch legen: Ich bin seit ein paar Tagen 21 und durfte im Februar 2012 den dreijährigen Geburtstag meines Führerscheins feiern. Drei Jahre mögen sehr wenig erscheinen, jedoch stelle ich ganz dreist gleich zu Anfang meines Berichts eine Behauptung auf, die gerne für Gesprächsstoff sorgen kann, denn schließlich möchte ich wissen, ob ich ein Einzelfall bin oder ob mir durchaus auch ein paar Leidgenossen zustimmen werden: Deutschlands Autofahrer werden immer ignoranter, unvorsichtiger und dreister, können aber gleichzeitig noch gut meckern, brüllen, hupen und dabei trotzdem brav das Gaspedal durchtreten.

Ich durfte ja schon während meiner Fahrschulzeit in den Genuss der Launen meiner Mitstreiter um mich herum auf der Straße kommen. Ich habe alles durchgemacht, was der normale Fahrschüler nun einmal durchmacht: Motor absaufen lassen, links geblinkt und dann rechts abgebogen, beim Anfahren bergauf die Reifen zum Quietschen gebracht und ich wäre in Berlin-Mittennippes beinahe über eine feuerrote Ampel gerauscht, wenn mein Fahrlehrer nicht mit ordentlich Kawupptich sein Bremspedal auf der rechten Seite durch den Boden des Autos getreten hätte. Ich habe ordentlich Fehler gemacht, aber ich kann sagen, dass ich wirklich den besten und entspanntesten Fahrlehrer hatte, den ich mir hätte wünschen können. Er wurde kein einziges mal laut, sondern blieb ganz cool und erklärte mir in aller Seelenruhe, was ich falsch gemacht hatte. Ich glaube, wenn ich mitten auf der Autobahn den Rückwärtsgang eingelegt und mal eben das Getriebe auf der Straße gelegen hätte, wären seine Worte gewesen: „Na das war jetzt aber nicht so toll.“ Anders als mein Fahrlehrer sahen die anderen Autofahrer hinter, vor und neben uns meine Fehler nicht ganz so entspannt. Es gab Hupkonzerte, dass sich die Fußnägel rollten. Keine Ahnung, ob die Vinylaufkleber mit der Aufschrift „Fahrschule am Markt“ (auf dem Auto etwa zwanzig mal zu lesen) und das fette Fahrschulschild auf dem Haupte des süßen Fahrschulflitzers einfach nur im Eifer der Raserei übersehen oder vielleicht doch konsequent ignoriert wurde. Ich nehme mal stark an, es war eine entspannte Mischung aus beidem. Trotz allem waren meine Fehler manchmal für die anderen Autofahrer durchaus störend und die Tiraden waren zu diesem Zeitpunkt für mich gerade noch nachzuvollziehen.

Jedoch besucht man (so habe ich es zumindest verstanden) eine Fahrschule vorrangig ja durchaus, um das Fahren eines Kraftfahrzeuges zu erlernen. So beherrschte ich selbiges auch bald, bestand die theoretische und praktische Prüfung ohne Probleme und freute mich nun darauf, laut meines Lappens mit dem Traktor zur Schule fahren zu dürfen.

Hier beginnt jedoch meine kleine Gute-Nacht-Geschichte. Und die ist zwar alles andere als einschläfernd, dennoch bleibt einem stets am Ende nur noch „Gute Nacht“ zu sagen. Ich scheine eine völlig andere Fahrprüfung abgelegt zu haben als etliche Autofahrer in meinem Umfeld. Wahrscheinlich mussten ebendiese bloß in der Lage sein, den Autoschlüssel ins Schloss zu stecken, im Idealfall wurden sie vielleicht auch darauf getestet, ob sie in der Lage waren, sich richtig herum in den Fahrersitz zu fläzen. Es ist unglaublich, was mir in den wenigen Jahren als Autofahrer schon die Kinnlade offenstehen ließ und teilweise heute noch offenstehen lässt.

Das fing schon mal gut damit an, dass es 30er-Zonen scheinbar erst so ab dem Jahre 2000 gab. Anders kann ich mir nicht erklären, dass diese Schilder sehr gerne „übersehen“ werden und mal eben irgendein Blondchen mit ihrem Pups-Renault meint, sie müsse mit fast 60 über jedes Schlagloch streichen, dass ihr in die Quere kommt. Ob es nebenher scheppert oder nicht ist dabei völlig Latte.

Ebenso, dass in Kreisverkehren beim Verlassen desselbigen der Blinker betätigt wird, ist heute schon längst nicht mehr modern. Noch besser: Es hat sich der Trend durchgesetzt, doch lieber beim Einbiegen IN den Kreisverkehr nach LINKS zu blinken, um so dem Hintermann bei etwaiger Langeweile ein tolles Ratespielchen auf einem Silbertablett zu kredenzen. Ich beginne dann gerne mal mit den Zähnen zu knirschen und mich ernsthaft zu fragen, ob das früher (ob nun in der DDR oder der BRD) so üblich war und vielleicht in der Fahrschule gar so unterrichtet wurde, es handelt sich ja schließlich weißgott nicht um Einzelfälle.

Sehr beliebt ist auch das berühmte In-die-Eisen-treten, sobald eine Ampel auf Gelb umschaltet. Ich bin mehrere Tode gestorben und durfte mich trotz eingehaltenen Sicherheitsabstandes immer wieder über einen hohen Adrenalinpegel freuen. Sicherlich ist es lobenswert, eher noch anzuhalten und auf Grün zu warten statt bei Fast-Rot noch das Gaspedal zum Glühen zu bringen. Wenn man jedoch gerade dabei ist, die Ampel zu passieren und das gelbe Licht schon nur noch im Augenwinkel wahrnimmt, sehe ich nun einmal keinen Grund für eine Vollbremsung.

All dies sind sicherlich mehr oder weniger alltägliche Ärgernisse mit denen sich Führer eines Kraftfahrzeuges vermehrt herumschlagen müssen. Aber liebe Leute, was seit Beginn des Jahres 2012 auf Berlins und Brandenburgs Straßen abgeht, ist ein einziges unnötiges, widerliches und frustrierendes Ärgernis. Sicherlich erinnert ihr euch alle an den extrem kalten Winter, den wir hatten. Viele Vereisungen, kaum aushaltbare Temperaturen und traurigerweise auch Todesfälle. Auch die Auswirkungen auf den Straßenverkehr waren deutlich: Man fuhr innerorts plötzlich 40, man hielt noch mehr Abstand zum Vordermann als üblich, und natürlich wurde die Bremse einmal öfter bearbeitet als man es sonst zu tun vermochte. Ich war ehrlich gesagt schon ein wenig positiv überrascht, dass wohl die Vernunft doch noch die Oberhand über den Straßenverkehr hatte und hoffte inständig, dass diese Vorsicht auch in den grünen Jahreszeiten den Verkehrsteilnehmern gegenwärtig bleiben würde.

Was soll ich sagen? Ich glaube, ich hatte noch nie so viele Ärgernisse, so viele Stresssituationen, so viele Hupkonzerte und dreiste Verhaltensweisen kennengelernt, wie seit Anfang 2012. Leute, ganz ehrlich: Ich kann Euch einfach nicht verstehen. Ich lese es immer und immer wieder im Internet, ich lese es in der Zeitung, ich sehe es im Fernsehen, höre es im Radio und auch aus nächster Hand von meinen Mitmenschen: Niemand kann sich mehr den Sprit leisten und wir werden in der Bundesrepublik nur verarscht und wir sind bald bei 3,50 EUR pro Liter, blablabla. Ich glaube euch Propagandaheinis kein einziges Wort mehr. Seit Jahren frage ich mich schon, warum wir nicht auch mal auf die Straße gehen, protestieren, uns zur Wehr setzen gegen diese unbestreitbare Ausbeutung an der Zapfsäule. Ich weiß es nun: weil es den Deutschen einfach nur scheißegal ist. Es kümmert die Autofahrer einen Dreck. Es wird gemeckert und gemeckert, aber nichts unternommen. Warum? Weil es den Deutschen ganz offensichtlich immer noch zu gut geht. Ich wollte es nicht glauben. Ich wollte nicht wahrhaben, dass man trotz der Abzocke der Autofahrer, trotz dieser Scheindemokratie in Deutschland immer noch die Anzeige des Drehzahlmessers bis zur Schmerzgrenze nach oben ansteuern muss.

Ich fahre jeden Tag mit dem Auto. Montags zur Akademie nach Berlin und zurück, dienstags bis samstags zur Arbeit und zurück. Ich rege mich auch über die Spritpreise auf. Der Unterschied: Ich fahre so kraftstoffsparend wie nur irgendwie möglich, tanke ausnahmslos nur noch an freien Tankstellen und versuche, Kurzstrecken zu vermeiden. Nicht unbedingt, weil ich zeigen will, wie politisch engagiert ich doch bin, sondern ganz einfach, weil auch mir die Benzinpreise einfach nur wehtun. Als ich den Führerschein Anfang 2009 in der Tasche hatte, waren sie schon nicht rosig: 1,30 EUR pro Liter Super 95 war glaube ich noch das billigste, das ich als Autofahrer miterleben durfte. Von da an ging es steil bergauf, irgendwann kam dann auch das E10-Pisswasser und schon steckten wir in Hochzeiten bei über 1,80 EUR pro Liter Super. Was machen wir? Nicht etwa kraftstoffsparend fahren, nein, seit dieser extrem kalte Winter vorbei ist, haben sich Berlins und Brandenburgs Straßen zu Rennstrecken verwandelt. Es verging seit Anfang des Jahres ohne Witz kein Tag, 0 Tage (in Worten: null), an denen ich NICHT mindestens einmal überholt wurde. Ich fahre grundsätzlich leicht über dem Strich, also innerorts etwas weniger als 60, auf der Landstraße etwas weniger als 110 usw., aber Leute, da könnt Ihr mich noch so mit Euren Hupen versuchen, wegzuföhnen: MEHR WIRD’S NICHT!!! Ich riskiere nicht meinen Lappen für Euch! Diese tagtägliche Raserei geht mir sowas von auf die Nerven! Da kann ich auch innerorts fast 70 fahren (einmal aus Neugier getestet!), es gibt immer irgendeinen Dödel, der meint, er müsse unbedingt vor mir fahren. Ich behaupte allen Ernstes, noch nie wurden Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder (9Live-Wort, haha) so über den Haufen geweht, wie bisher in diesem Jahr. Und das trotz der Benzinpreise und der ach so verzweifelten Autofahrer. Ich bekomme davon nicht viel mit. Sollte ich in diesem Jahr noch den Tag erleben, an dem ich nicht trotz leichter Überschreitung überholt werde, mache ich in meinem Kalender drei rote Kreuze, das schwöre ich! Den Vogel abgeschossen hat vor etwa einer Woche ein Auto, das in einer 80er-Zone so schnell an mir vorbeiraste, dass ich nicht einmal mehr die Automarke erkennen konnte. Ich fuhr etwa 85 km/h, mein Überholer fuhr ungelogen weit mehr als 130 km/h! Ich übertreibe nicht! In meinem Leben habe ich keinem Autofahrer so sehr eine Radarkontrolle gewünscht, wie diesem Idioten zum Zeitpunkt kurz nach dem Überholen.

Wenn es aber wenigstens nur bei der Raserei bliebe. Haha. Witz der Woche. Der große Preis. Weiß heute noch jemand, wozu es Verkehrsschilder gibt? Wirklich dekorativ sind sie ja nicht gerade. Warum gibt es sie also sonst? Richtiiig, feiiiin, man sollte sie vielleicht lesen…! Dass letzteres so schnell verlernt würde, war mir nicht bewusst. Dazu zählen ja nicht nur Geschwindigkeitsbegrenzungen, dazu zählen auch Ortsschilder nach Landstraßenabschnitten (hier bitte keine 100 mehr fahren, gelle), dazu zählen STOP-, Vorfahrts- und Einbahnstraßenschilder. Für viele Berliner und Brandenburger Autofahrer nicht mehr existent wie mir scheint. Vor etwa zwei Wochen bin ich durch eine 30er-Zone gefahren, als aus einer Straße rechts ein Auto mit mindestens 50 Sachen angeschossen kam. Ich bremste nicht ab, sondern fuhr dem Wagen vor die Schnauze. Kurz darauf ertönte ein wunderschönes nasales und langgezogenes ‘F‘, der Fahrer zeigte mir die berühmte Scheibenwischer-vorm-Gesicht-Geste und meine ohnehin schon genügende Wut für diesen Dämlack verwandelte sich rasch in annähernd wilde Raserei. Ich hätte explodieren können. Wieso? Weil dieser Vollhorst aus einer Einbahnstraße kam, die entgegen seiner Fahrtrichtung verlief. Dass er viel zu schnell fuhr war mir dabei weitestgehend egal, dass er jedoch nach einem solch fatalen Fauxpas die Dreistigkeit besaß, mir mangelnde Fahrtüchtigkeit zu unterstellen und diese Meinung noch mit seinem Hupgelage unterlegte, hatte mir den kompletten Tag versaut. Was passiert wäre, wenn er mir in die Seite geknallt wäre, möchte ich gar nicht wissen.

Liebe Mitmenschen und Verkehrsteilnehmer, ich möchte ja nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich weiß, dass da draußen in der fernen Welt schon noch Autofahrer existieren werden, die sich an die StvO halten. Ich weiß auch, dass ich kein fehlerfreier Mensch bin. Auch ich habe schon einmal aus Unachtsamkeit jemandem die Vorfahrt genommen, und auch ich wurde schon einmal geblitzt, weil ich außerorts keine Lust hatte für 20 Meter, auf denen nur 70 statt 100 erlaubt war, auf ebendiese abzubremsen. Aber mir würde niemals im Leben einfallen, innerorts jemanden zu überholen, der 50 oder sogar leicht darüber fährt. Außerdem bin ich kein Huper. Es gab vor mir viele unnötige Vollbremsungen, mir wurde unzählige Male die Vorfahrt genommen und es gab auch zur Genüge abgesoffene Motoren vor mir (zum kleinsten Teil von Fahrschulautos), niemals habe ich meine Hand auf die Hupe gelegt, weil mir durchaus bewusst ist, dass es einfach unmöglich ist, ein Leben lang fehlerfrei Auto zu fahren.

Was ich jedoch einfach unter aller Kanone finde und hier so eindrücklich und voller Wut schildere, sind die Fehler, die einfach unnötig sind und nicht etwa durch Fahrlässigkeit passieren, sondern durch pure Dummheit und Ignoranz. Wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann bei Gelb nicht gleich mit voller Power losbrettere und von meinem ungeduldigen Hintermann ohne Umschweife vollgemöpt werde, kriege ich nun einmal nen Hals. Wenn ich innerorts bei 50 km/h abbremse, weil ich links abbiegen will und plötzlich mein Hintermann (ohne zu blinken natürlich) nach links ausschert, weil er mich überholen will und erst beim Beinahe-Zusammenstoß bemerkt, dass das keine gute Idee ist, kriege ich nen noch größeren Hals. Kann man diese zwei Sekunden nicht in Kauf nehmen? Muss man unbedingt demonstrieren, wie eilig man es doch hat und wie oberlässig man den Abbiegenden in einer Staubwolke zurücklassen kann? Muss man unbedingt immer wieder unter Beweis stellen, dass man noch weiß, wo sich die Huptaste befindet?

Sehr beleidigt hat mich die Äußerung, die ich immer wieder vernehmen muss, dass die alleinige Schuld bei den SUVs liegt und man sowieso alle SUVs von Deutschlands Straßen entfernen sollte. Diese Behauptung ist eine Frechheit, die völlig realitätsfremd ist und zudem keinesfalls zutrifft. Ich fahre selbst einen SUV, einen süßen kleinen Toyota RAV4 aus dem Jahre 1995 und habe damit weder jemals Probleme gehabt noch gar welche erschaffen. Wenn ich überholt oder angehupt werde oder wenn mir fast einer reinfährt, sind eigentlich niemals SUVs daran beteiligt. Es sind viel mehr entweder moderne futurfarbengetränkte Sportwagen a la Audi A5 oder BMW Z4, oder es sind diese berüchtigten Gangsterautos, ihr wisst schon; tiefer gelegte, meist weiße VW Golfs, wahlweise auch Opel Corsa (schön von Omma gesponsert), bei denen ganz cool das Markenzeichen abgemacht wurde und bei denen unbedingt mindestens fünf aktive Subwoofer verbaut werden mussten, um die neuesten The-Dome-CDs noch qualitativer und vor allem, bedingt durch das große Mitteilungsbedürfnis dieser pommadierten Flaumgesichter, mit maximaler Lautstärke durchs offene Autofenster in die Welt hinausposaunen zu können, weil isch bin Rentnerschreck, weißdu. In einigen wenigen Fällen waren es auch Autos vom Schlage Skoda Fabia oder Ford Fiesta, aber wirklich keine Geländewagen. Ich würde meinen auch niemals hergeben wollen. Weder werden von mir Geschwindigkeitsbegrenzungen unter- oder überschritten, noch verbrauche ich mehr als andere Kleinwagen selbigen Alters, da würde ich mir mal um die selbsternannten Rennfahrer mehr Gedanken machen, als zu behaupten, dass keine SUVs auf die Straße gehören.

Sehr heikel ist die Lage auch gerne mal, wenn ich dann mal das Auto stehen lasse und stattdessen Fahrrad fahre. Au weia, ganz ekelig. Nicht zu empfehlen, wenn gerade Autofahrer in der Nähe sind. Die hupen schon gerne, wenn sie nur einen Fahrradfahrer zu Gesicht bekommen. Dabei bleibt der Grund für dieses Unterfangen nicht selten beim Autofahrer selbst. Der arme Kerl oder die arme Kerlin auf dem Fahrrad hat dann natürlich keine andere Wahl, als dies so hinzunehmen, wie sollte man sich da auch wehren können? Was las ich neulich? Autofahrer sind für höhere Strafen für Fahrradfahrer, denn diese sind ja schließlich auch Teilnehmer am Straßenverkehr. So? Sind sie das auch wirklich? So behandelt wird man jedenfalls nicht, wie ich am eigenen Leib spüren durfte. Da habe ich mir doch tatsächlich Ende Januar erlaubt, über einen verlängerten Radweg zu fahren, ohne für den herbeigezischten Porsche eine Vollbremsung hinzulegen. Er hat mich gestreift, das war weder lustig für mich, noch für ihn. Gehupt hat natürlich er. Komisch, dabei dachte ich, ich bin ein Teilnehmer am Straßenverkehr?

Irgendwann im März fuhr ich mit dem Fahrrad durch eine 30er-Zone, in der Rechts-vor-Links galt. Ich fuhr über eine Kreuzung, ein Fahrerneuling, gesichtsmäßig noch keine 16 Jahre alt, kam von links in einem Ford Ka angeschossen und fuhr mich bald über den Haufen. Gehupt hat er nicht (wahrscheinlich zu langsam oder einfach nur zu blöd gewesen, den Knopp zu finden), für einen Vogelzeig und für die lautstark gestellte Frage „Willst du umgenietet werden, du Vogel?“ durchs offene Fenster hat es aber noch gereicht. Tut mir ja leid, min Jung, aber ich kam von rechts und hatte Vorfahrt, Fahrrad hin, Fahrrad her. Komisch, dabei dachte ich, ich bin ein Teilnehmer am Straßenverkehr?

Schön ist auch, wie viele Leute es heutzutage noch zustande bringen, einen Radweg mit einem Fußgängerweg zu verwechseln. Noch in der letzten Woche, als ich mit dem Rad auf der Straße fuhr, hatte ich so eine Expertin hinter mir, die mir erst einmal wieder ihren Hupton demonstrieren musste und mir anschließend durch das offene Autofenster zurief „Hast du keine Augen im Kopf? Rechts von dir is‘n Fahrradweg!“ Sorry, liebe Loretta, aber leider falsch geraten. Rechts von mir befand sich keinesfalls ein Rad-, sondern ein Fußgängerweg und um mein Fahrrad etwa 4-5 km lang zu schieben fehlten mir nun einmal die rechte Muße und die rechte Zeit. Aber ich glaube, selbst wenn ich die Chance gehabt hätte, ihr dieses kleine Malheurchen mitzuteilen, hätte ich ohnehin auf Granit gebissen. Komisch, dabei dachte ich, ich bin ein Teilnehmer am Straßenverkehr?

Ich hoffe, meine Botschaft ist einigermaßen deutlich. Die Bürger meckern und meckern, Spritpreise hier, Abzocke da, trotzdem wird gerast wie vom Teufel gejagt, es wird gehupt, dass ganze Konzerte erklingen, es wird gebrüllt, gefetzt, gezankt und dann auch noch die Schuld wahlweise bei den Geländewagen oder bei Fahrradfahrern gesucht. Wisst ihr was? Das kotzt mich an. Ich möchte nicht zu einem Huper werden und mich eigentlich auch auf keinen Streit einlassen. Ich möchte einfach nur wissen, was passiert ist. Habe ich den Schuss nicht gehört? Habe ich irgendetwas verpasst? Ging da irgendeine neue Regelung an mir vorbei, die besagt, dass Verkehrsschilder nur noch als Richtlinie oder Dekoration dienen?

Liebe Leser meines Berichts, bitte schreibt, was das Zeug hält. Mich interessiert brennend Eure Meinung dazu. Ich fahre seit gerade einmal drei Jahren und würde zu gerne wissen, ob diese Rücksichtslosigkeit schon immer vorherrschte. 90% aller Ciao-User werden wahrscheinlich mehr Fahrerfahrung haben als ich. Wobei ich trotzdem dazu sagen muss, dass ich wirklich extrem viel fahre. Ich durfte mich an über zehn verschiedenen Automarken testen, bin quer durch Deutschland gegondelt, habe eine Langstrecke nach Belgien hingelegt und kam auch schon in den Genuss, Busse und Kleintransporter zu fahren. Ich bin also nicht ganz von Dummhausen. Trotzdem reichen drei Jahre Fahrerfahrung womöglich nicht, die aktuelle Verkehrssituation realistisch einzuschätzen. Sagt mir, was Ihr darüber denkt.

Bewertet den Bericht, wie Ihr ihn bewerten wollt. Ich verspreche auch feierlich, dass ich Euch nicht anhupen werde.

Ich werde maximal „Gute Nacht“ sagen.
Bei der Verkehrssituation in Deutschland ist das ja ohnehin höchste Zeit und überfällig.

Bleibt fröhlich!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Der_Namenlose

Der_Namenlose

22.04.2013 15:06

"Ich scheine eine völlig andere Fahrprüfung abgelegt zu haben als etliche Autofahrer in meinem Umfeld" - Das Gefühl habe ich auch so manches mal :D

Das_Ky

Das_Ky

05.04.2013 10:32

Ich fahre übrigens einen winzig kleinen Toyota Yaris. 13 Jahre alt, 225.000 km, 80 PS. Geht wie Schwein das Ding. Wir passen genial zusammen :) selbst wenn ich mal langsam fahre, das Auto will immer schnell. Dann wiehert's umso lauter.

mp3undlos

mp3undlos

05.04.2013 10:32

Spätestens bei "pommadierten Flaumgesichter" habe ich festgestellt, dass dein Bericht meinen zurzeit trockenen Bildschirmaugen weit mehr hilft als meine natürlichen Augentropfen...wenn das kein ausgezeichneter offener Brief an den Privatmann Ramsauer ist, weiss ich auch nicht weiter. Und zu deinen Feststellungen habe ich vermutlich öfter zustimmend genickt als ein Fan bei Wacken durchgängig headbangt; "meine" Stadt ist zwar deutlich kleiner als die Gegend in der du zwangsweise rumgurkst, doch lassen sich die Umstände tatsächlich übertragen: Verkehrsschilder lesen ist nicht gefragt, sondern wer sich die Selbstbeteiligung seiner Versicherng leisten kann. Genauso verhält es sich bei vielen wohl mit dem regelmässigen Blick auf´n Tacho, in den Rückspiegel und die Geschwindigkeitsregelung per Schild, zumindest was die damit verbundene Kombinationsgabe betrifft. Fussgänger und Fahrradfahrer (Mache ich auch gern mal) sind weit weniger vollwertige Verkehrsteilnehmer als z.B. (und diesen neuen Trend hast du -vielleicht wg. Nichtvorhandensein bei dir- völlig ausser acht gelassen) die motorisierten Fahrstuhlfahrer gehobenen Alters, die Fahrradwege und Strassen an sich für sich entdeckt haben (auch Kreisverkehre)! Vorausschauendes Fahren ist für mich überlebenswichtig, was ich (richtig) mache, ist schnuppe, Hauptsache ich erkenne, dass der Vollspacko um mich rum gleich Unrecht begeht*g*;-)

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  1. Das_Ky
  2. mp3undlos
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