Vermisst

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... auch 1982 als Bester Hauptdarsteller in "Vermisst". Unvergessen war er in Komödie "Das Mädchen Irma la Douce" (beide 1962), "Das China-Syndrom (1978). "Ein verrücktes Paar - Alt, verkracht und frisch verliebt", "Die Grasharfe" (1996) und "Wer Sturm sät" (1999). Seine letzte Rolle hatte er ... Bericht lesen





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Der Putsch in Chile und die Machenschaften der USA
Erfahrungsbericht von carmen über Vermisst
13.01.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: erschreckend, bewegend, großartige Darbietung von Lemmon und Spacek, Geschichststunde pur
Kontra: nichts für sensible Menschen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Heute möchte ich euch einen Filmtip geben für ein Drama, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Nicht nur, weil Jack Lemmon, ein großartiger Schauspieler, hier beteiligt ist, sondern weil er ein Thema behandelt, daß schon wieder aus unseren Köpfen verschwunden ist, weil seitdem schon über 30 Jahre vergangen sind. Vor allem die jungen Leute können vermutlich mit dem Thema nichts mehr anfangen. Gerade deshalb ist diese durch ein reales Schicksal umrahmte Geschichtsstunde so wichtig. Finde ich.
Der Film wird um 20.15 Uhr auf Das Vierte ausgestrahlt.


** Die Story **
Chile 1973, eine Woche nach dem Staatsstreich. Der junge Amerikaner Charles Horman (John Shea) befindet sich gerade mit einer Freundin an der Küste. Dort werden sie von Unruhen überrascht, in deren Folge es Straßensperren und gekappte Telefonleitungen unmöglich machen, nach Santjago zurückzukehren oder jemanden zu informieren. Also bleiben sie in einem Hotel. Dabei beobachtet Charles jede Menge amerikanisches Militär und trifft einige seltsame Leute, Amerikaner, die dort eigentlich nicht hingehören.
Am nächsten Tag werden sie von einem Captain Tower (Charles Cloffe), angeblich Verbindungsoffizier zur Militärjunta, nach Hause zurückgebracht.

Seine Frau Beth (Sissy Spacek) hatte sich schon große Sorgen gemacht, vor allem, weil keine Nachricht von Charles und Terry kam. Sie will endlich aus diesem Land weg, in dem niemand mehr sicher ist, man wegen eines falschen Blickes erschossen werden kann und Frauen von den Soldaten die Hosen abgeschnitten werden, weil sie nur noch Röcke tragen sollen. Charles verspricht, mit ihr in zwei Tagen das Land zu verlassen.

Auch die Journalistin Kate Newman die sie am nächsten Tag in der Botschaft treffen, warnt sie, sie sollten das Land verlasen. Doch Charles ist zuversichtlich: "Sie können uns nichts tun - wir sind Amerikaner.".
Während Charlie Terry zum Flughafen bringt, fast verhaftet wird und sie dann umkehren müssen, weil keine Flüge mehr gehen, besucht Beth Freunde. Dort berichten die beiden Journalisten Frank und David, daß einige ihrer gemeinsamen Freunde verschwunden sind. Beth verpaßt ihren Bus und gerät in die Sperrstunde.
Als sie am nächsten Morgen nach Hause kommt, ist Charlie ist verschwunden, das Haus verwüstet, und ein Nachbar berichtet, daß Soldaten da waren und ihn mitgenommen haben.

Tage später ersucht sein Vater Ed Horman (Jack Lemmon) in den USA, alle Wege zu mobilisieren, daß sein immer noch vermißter Sohn unten in dem südamerikanischen Land gefunden wird. Im Außenministerium wiegelt man ab, schiebt es auf die möglicherweise hysterische Schwiegertochter. Er solle es der Regierung überlassen, heißt es, denn alle Amerikaner sind dank der Bemühungen des Außenministers freigelassen worden, darunter auch die beiden Freunde von Charles Frank Toruggi und David Beaufort. Hier glaubt man, er wäre untergetaucht wegen seiner liberalen Ansichten.
Schließlich reist Horman nach Chile.

Hier wird er in Empfang genommen von Phil Putnam (David Clennon), einem US-Botschaftsmitarbeiter, der die Sache ebenfalls nicht so ernst nimmt. Da alle Amerikaner wieder frei gelassen wurden, kann er ja nur untergetaucht sein, findet er.

Hier in Chile gerät er erst einmal mit seiner Schwiegertochter aneinander. Zum einen hält er ihre Lebensweise und die politischen Ambitionen der jungen Leute für die Ursache an dem Schlamassel, und die Ängste vor den neuen Chilenischen Machthabern für Anti-Establishment-Paranoia. Er ist überzeugt, daß sein Sohn eine Dummheit begangen hat, daß er verhaftet wurde, denn es muß ja einen Grund dafür geben. Außerdem reagiert er sehr blasiert, als er die einfache Behausung sieht. Doch die gemeinsame Sorge um Charlie schmiedet die beiden zusammen.

Auch hier das gleiche Spiel: Die in der Botschaft glauben immer noch, er hielte sich versteckt (und das seit zwei Wochen), Theorien werden gewälzt und nur wenig wirklich unternommen.
Doch auch Freunde helfen bei der Suche. So hat eine Augenzeugin gesehen, daß die Soldaten ihn das Stadion gebracht haben, das von der Junta als KZ genutzt wird. Nun behaupten Putnam und Towers, daß Charlie die Sache inszeniert hat um die Chilenen zu diskreditieren.

Auch David berichtet über ihre Verhaftung, wie die Soldaten ihn und Frank Toruggi ins Stadion gebracht haben, wo überall Leichen lagen. Seither ist Frank verschwunden.
Die Zeit vergeh, und obwohl sie in allen Krankenhäusern nach Charles suchen und sogar in das berüchtigte Stadion dürfen, gibt es immer noch keine Spur von ihm.
Dann finden Ed und Beth in einem Leichenschauhaus den toten Frank Toruggi.
In dem Moment verliert Ed Horman seinen Glauben an Recht und Ordnung und an die amerikanische Regierung.


** Darsteller **
Jack Lemmon studierte in Harvard, ehe er Barpianist wurde und sich dem Schauspiel widmete. Der Sohn eines Bostoner Fabrikanten wurde in den Filmen von Billy Wilder bekannt, nachdem er mit "Die unglaubliche Geschichte der Gladys Glover" (1953) sein Filmdebüt hatte und 1955 einen Nebenrollen-Oscar für den Fähnrich Frank in "Keine Zeit für Heldentum" (1955) bekam. Wilder brachte ihn auch mit Walter Matthau zusammen, eine Verbindung, die einige köstliche Filme hervorbrachte.
Bald wird er zum Publikumsliebling und bekommt für seine Rolle in Billy Wilders "Manche mögen's heiß" (1959) den Golden Globe und eine Oscarnominierung. Er wird insgesamt sieben Mal nominiert, u. a. auch 1982 als Bester Hauptdarsteller in "Vermisst".
Unvergessen war er in Komödie "Das Mädchen Irma la Douce" (beide 1962), "Das China-Syndrom (1978). "Ein verrücktes Paar - Alt, verkracht und frisch verliebt", "Die Grasharfe" (1996) und "Wer Sturm sät" (1999). Seine letzte Rolle hatte er im Jahr 2000 in Robert Redfords Drama "Die Legende von Bagger Vance". Er starb 2001.


Sissy Spacek tingelte als Countrysängerin durch die Lande ehe sie am Lee Strasbergs Actor's Studio ihre Schauspielausbildung machte. Ihr Filmdebüt hat sie in "Badlands - Zerschossene Träume" (1973) neben Martin Sheen. Nur drei Jahre später ist sie die "Carrie" in Brian de Palmas King-Verfilmung und wird für den Oscar nominiert. Die zweite Nominierung bekommt sie für Rolle in "Vermißt" und für die Rolle der Country-Sängerin Loretta Lynn in "Nashville Lady" erhält sie ihn endlich. Es folgen Filme wie "Menschen am Fluß" (1983, Oscarnominierung), "JFK" (1991), "In The Bedroom" (2000, Golden Globe und Oscarnominierung), "Die Grasharfe" (1996), "Haus der stummen Schreie" (1997) sowie "Ring 2" (2005)


John Shea ist wenig bekannt. Bis auf diesen Film spielte er eher in zweitklassigen Produktionen wie "Lauf Jane, lauf!", "Liebling, jetzt haben wir ein Riesenbaby!" oder "Zur Lüge gezwungen".


** Hintergrund **
Der Militärputsch in Chile fand im September 1973 statt, nachdem drei Jahre lang die sozialistische Regierung von Salvador Allende bei der Bevölkerung und auch bei der linksliberalen Weltöffentlichkeit großer Sympathie gehabt hatte.
CIA und die Nixon-Regierung sahen das mit Schrecken und sabotierten die chilenische Regierung, vor allem, seit Allende 1971 die Kupferminen und Banken des Landes verstaatlichen ließ und sich weigerte, den nordamerikanischen Eigentümern Entschädigung zu zahlen. Daraufhin wurden alle Hilfsprogramme und Kredite gestrichen.

1973 gewann Allende ein zweites Mal und mit einer deutlichen Mehrheit die Parlamentswahlen.
Im September kam es zum Putsch, der vermutlich in Vina del Mar geplant wurde unter Beteiligung hochrangiger US-Militärs. Allende wurde ermordet, seine Sympathisanten sowie die der linksgerichteten Kräfte inhaftiert, verschleppt, gefoltert und größtenteils ermordet. Der Putsch kostete mindestens 4000 Menschen das Leben, es gab 30.000 Verhaftungen und 6000 Flüchtlinge. Etwa 1200 Menschen sind heute noch vermißt.

Kurz nach dem Putsch versicherte Heinrich Gewandt (CDU), Bundestagsabgeordneter, Experte für Probleme der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern, den neuen Machthabern, "daß Chile für das BRD-Kapital nun wieder kreditwürdig werde".

Im November 1973 fand im Nationalstadion in Santiago de Chile das Fußball-Weltmeisterschafts-Ausscheidungsspiel statt, wo noch bis Ende Oktober Tausende von Menschen gefangen gehalten und ermordet worden waren.

Wer mehr darüber wissen will, sollte ein wenig googeln.


** Filmkritik **
Der Film ist ein bewegendes und vor allem erschreckendes Zeitzeugnis mit der Dokumentation realer Ereignisse als Rahmenhandlung. Er beruht auf den Erlebnissen von Ed Horman bzw. dem Buch "Missing" von Thomas Hauser.

Er ist aber auch nichts für schwache Nerven. Costa Gavras hat diesen Film mit allen Konsequenzen inszeniert, also mit Gewalt, Tod, Leichen. Keine Beschönigung, keine Verschleierung.

Im Vordergrund steht natürlich die Geschichte um die Familie Horman, um den Vater, der seinen vermißten Sohn sucht in einem Land, das er wohl vorher hätte auf der Landkarte suchen müssen. So wird auch seine Entwicklung dargestellt: vom erfolgreichen, regierungstreuen Geschäftsmann, der die Anti-Establishment-Einstellung seines Sohnes mit Argwohn und Abscheu betrachtet und überzeugt ist, daß niemand ohne Grund verhaftet wird, zum gebrochenen, aber wiederum zornigen Einzelkämpfer für Gerechtigkeit. (Zitat: "Wenn sie nicht persönlich verwickelt wären, säßen sie jetzt selbstzufrieden in New York und wären nicht betroffen.") Leider konnte auch er nichts gegen die Interessenwahrung seiner eigenen Regierung tun.
Jack Lemmon bietet hier, so finde ich, die beeindruckendste Rolle seines Lebens, wofür er zu Recht einen Oscar erhielt.
Sissy Spacek ist ihm eine ebenbürtige Partnerin als zerbrechlich wirkende, desillusionierte und kämpferische junge Frau.

Und nebenbei erfahren wir einiges über die Verwicklung der US-amerikanischen Regierung, des Militärs und der Geheimdienste in die Planung des Putsches und deren anschließende Verschleierung. "Wir sind hier um die Interessen Amerikas zu schützen, den amerikanischen Way of Life". (Den Spruch haben wir doch schon mal gehört. Vietnam? Irak?)
Dabei ist ihnen die Wahrung ihres Geheimnisses wichtiger als das Leben eines amerikanischen Bürgers. Erst als Ed Horman selbst herausfand, daß sein Sohn mit höchster Wahrscheinlichkeit tot ist, taucht die Leiche auf einmal wie durch ein Wunder auf, obwohl sämtliche Regierungsstellen Wochen nach ihm gesucht haben.


Noch ein kurze Anmerkung zur Inszenierung: Der Film ist stellenweise etwas verwirrend, nämlich mit Rückblenden, die erst im nachhinein als solche erkennbar werden. Das brachte bei mir manchmal die Zeitlinie durcheinander und man muß sich schon etwas konzentrieren, um diese Sequenzen wieder einzuordnen.


** Epilog **
"Ed Horman reichte Klage ein gegen 11 Regierungsbeamte einschließlich CIA und Militär, die an der Ermordung seines Sohnes beteiligt waren. Die Leiche wurde erst 7 Monate später in die Heimat überführt, so daß eine exakte Autopsie nicht mehr möglich war.
Nach jahrelangem Prozessieren bleiben die notwendigen Unterlagen, die die Mitschuld beweisen oder widerlegen könnten, als Staatsgeheimnis klassifiziert unter Verschluß,
Die Klage wurde abgewiesen."


** Meine Meinung **
Unbedingt ansehen. Nicht nur für Fans von Jack Lemmon und/oder Sissy Spacek dürfte diese Geschichtsstunde bewegend und erschreckend sein.


** Daten **
USA 1982
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Originaltitel: Missing
Regie: Constantin Costa-Gavras
Musik: Vangelis
FSK 12


   


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01.01.1970

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