Immer ran mit die Modder

3  10.05.2003

Pro:
Wände müssen nun mal verputzt werden, damit dann Tapeten rauf könnenund ein schöner Außenputz ist ja auch was fürs Auge  :  - )

Kontra:
Schwere Arbeit, viel Dreck, erfordert Handwerkliches Geschick und ist nicht für jeden geeignet

Empfehlenswert: Nein 

telemo

Über sich: Wenn 7 Leute im Bus sitzen und 10 steigen aus, müssen 3 einsteigen, damit der Bus leer ist. Rei...

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Wie ihr sicher gelesen habt, geht es heute ums verputzen. Ne, ne meine lieben Damen. Nicht ums putzen im Haushalt. Hier ist eher das verputzen in dem Sinne gemeint, wie es auf jeder Baustelle stattfindet. Bevor ich allerdings meinen Senf hierzu abgeben will, möchte ich im Vorfeld einiges dazu noch sagen.

In meinem ersten Berufsleben, komme ich ja ursprünglich aus dem Bauwesen. Genauer gesagt erlernte ich den Beruf des Maurers, bevor ich dann zum Fliesenleger wurde. Dieses ist aber alles vorbei. Seit 5 Jahren bin ich nicht mehr im Bauwesen tätig, bzw. erhalte heute meine körperliche Fittnis durch kleinere Aufträge. Bevor hier jemand gleich die Ohren spitzt, zwecks Schwarzarbeit und so. Ich hab für solche Fälle einen Gewerbeschein und zahle dann auch für jeden Handschlag den ich mache, schön brav ans Finanzamt. Aber leben kann ich von diesen Aufträgen nicht. Das hat mehrere Gründe. Aber wie gesagt. Ich sehe es eher als eine sportliche Betätigung. Meinen richtigen Lebensunterhalt verdiene ich mit etwas anderem.

So, aber genug der Vorrede. Um was geht es nun genau? Ich werde den Bericht in 2 Kategorien unterteilen. Zuerst das Verputzen im Neubau und dann das Verputzen im Altbau, was man dann auch als Sanierung ansehen kann.

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Verputzen im Neubau

Jeder, der sich schon mal am Hausbau versucht hat, weiß dass gerade das verputzen der Wände ein besonderes Augenmerk abverlangt und durch Pfusch gerade hier der Ärger ein ganzes Leben lang anhalten kann. Die Kontrolle der Handwerker, gesetzt der Fall man macht es nicht selbst, ist hier also unerlässlich. Macht man es aber selbst sollte man schon eine gesunde Portion von eigener Überzeugungskraft mitbringen. Ein komplettes Eigenheim hat meist eine zu verputzende Fläche zwischen 400 bis 800 m². Also kein Spielkram. Natürlich gehört es dazu den Materialverbrauch zu ermitteln. Ich weiß nun wirklich nicht mehr die Berechnungsformel. Kann aber sagen dass man mit ca. 12 bis 18 m³ Material zu rechnen hat.

Hierbei kann man natürlich wieder unterscheiden ob man mit einem Kalk-Sand Gemisch verputzt oder mit Gips, wobei Gipsputzarbeiten sich für den Laien nicht so sehr eignen. Hier sind Firmen die bessere Alternative.

Dieses Kalk-Sand Gemisch kann man meist bei Kiesgruben in der Umgebung bestellen. In diesem Gemisch ist, wie der Name schon sagt, der Kalk bereits in den Sand untergemischt, so dass später vor Ort nur eine Schaufel Zement auf einen Mischer voll dazu gegeben werden muss. Als Faustregel sollte hier gelten. Auf 16 Schaufeln Kalk zwei mal Zement. Das reicht alle male, denn der Putz muss atmen. Darauf gehe ich später noch ein.

In einem Eigenheim ist es im Allgemeinen üblich, sich von oben nach unten zu arbeiten. Dieses hat den Vorteil, dass bereits verputzte Wände nicht mehr beschädigt werden können.
Der Gerüstbau ist ein notwendiges Übel. Bei einer Deckenhöhe von 2,50 m reicht es meist sich ein kleines Bockgerüst von 50 cm Höhe zu bauen. Aber Vorsicht. Die Sicherheit geht über alles. Auch bei dieser geringen Höhe kann man abstürzen. Immer dran denken. Wir sind auf einer Baustelle und nicht im Kindergarten.

So nun stehen wir vor der Wand. Das Zeug soll nun da ran. Ha, denkste. Erst mal schauen, ob sie auch gerade gemauert ist. Also Richtscheit anlegen und kontrollieren. Hierbei ist es natürlich von Vorteil, ein Richtscheit zu benutzen, welches auch gleich als Wasserwaage fungiert. Es gehört immer wieder dazu, schiefe Wände, gerade zu putzen. Leider, denn das Qualitätsbewusstsein einiger Handwerker lässt auch heute noch sehr zu wünschen übrig.

Weiterhin sollte man überprüfen wie „trocken“ die Wand ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Mauerziegeln und Gasbeton. Gasbeton sollte vorher gut gewässert werden. Dieses ist aber auch abhängig von der Qualität des Materials. Bei hochwertigem Gasbeton empfiehlt sich eine spezielle Grundierung. Warum nun diese Vorbehandlung? Nun, unser Putz wird ja mit Wasser angemischt. Sollte die Wand zu trocken sein, zieht die Wand sofort das Wasser aus dem Putz und ein Aufziehen, mit dem späteren Abreiben wäre nicht möglich.

Aber jetzt. Ran mit die Modder. Wenn’s bloß so leicht wäre, denn mit einer Kelle umzugehen muss natürlich erlernt werden. Ich kann jedem, der es noch nie selbst gemacht hat, nur empfehlen sich erst an einer kleinen Stelle selbst zu versuchen. Quasi, als Übung. Also die Kelle mit dem Handgelenk bewegen und nicht mit einem Steifen Arm. Des Weiteren muss die Kelle in der Hand rutschen. Es lässt sich leider schwer beschreiben. Ne Lehrvorführung wäre jetzt besser :- )

Im Allgemeinen, ist es bei einigen Wänden erforderlich Zwei-lagig zu putzen. Also, einmal vorwerfen mit einer Stärke von 0,5 bis 0,8 cm. Ein guter Übungsplatz :- )


Aber wenn’s klappt, dann geht es relativ schnell. Je nach Länge der Kartätsche, die 1,20 m lang sein sollte, wirft man eine Fläche an, die auch genau dieser Größe entspricht. Hier spielt die Geschmeidigkeit des Putzmörtels eine große rolle, denn umso besser diese ist, desto genauer kann man gleich die spätere Stärke von ca. 1,0 bis 1,2 cm Putzstärke herstellen. Jetzt wird mit der Kartätsche einmal waagerecht und dann senkrecht abgezogen. Wenn alle Löcher geschlossen sind, kann es zum nächsten Meter gehen. Wenn nicht. Löcher auswerfen und noch mal Kartätsche. So arbeitet man nun weiter bis die Wand fertig aufgezogen ist. Aber Vorsicht. Trotz Vorbehandlung kommt es oft vor dass der Putz schneller hart wird, als es uns lieb ist. Das aufgezogene, muss öfter kontrolliert werden, denn ist hier ein gewisser Erhärtungsprozess vorhanden muss abgerieben werden. Dieses geschieht mit einem Reibebrett, wie es im jeden Baumarkt erhältlich ist. Jetzt wird nicht im Kreise gerieben, da sonst Löcher entstehen, sondern immer in Form einer acht. Altbewährte Methode, die schon unsere Großväter angewendet haben.

So. Wand fertig aufgezogen. Was vergessen? Ja. Kontrolle, ob es auch gerade und ohne Unebenheiten aufgezogen ist. Also Richtscheit an die Wand. Löcher noch mal überwerfen und glatt ziehen. Sollte die Wand noch im eigenen Saft stehen. Ist es sogar das Beste wenn man die Wand mit dem Richtscheit durchstößt. Dann abreiben und fertig. Jo, die Wand sieht gut aus. Nächste :- ) Man, im Koppe bin ich gerade voll beim wirbeln :- )

Oh man, hört sich das leicht an. Also für mich schon. Leider ist es aber nicht so leicht, denn ein gewisses handwerkliches Geschick gehört natürlich dazu. Es ist zudem dringlichst zu empfehlen, einen Fachmann zu rate zu ziehen, wenn man merkt, dass es nicht klappt. Glaubt mir. Man ärgert sich das ganze Leben lang über den eigenen Pfusch.

Wer dann doch auf den Maurer angewiesen ist, ist gut beraten sich ein Kostenvoranschlag zu holen. Und zwar nicht für alles, sondern für den m² zu verputzende Fläche. Hier wird man schon gravierende Unterschiede feststellen. Ob da der billigste immer der beste ist, ist meist zu bezweifeln. Am besten hört man sich auch um den Leumund des Handwerkers um. Da ist man meist auf der sicheren Seite.

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Verputzen im Altbau

Meist beläuft es sich ja hierbei um Reparaturarbeiten. Dem Laien fällt es hier sicher leichter, wie auf großen Flächen. Beim Baumarkt gibt es Säcke mit 40 kg fertigen Putz- und Reparaturmörtel zu kaufen. Auch hier gilt. Materialbedarf ermitteln. Gerade im Altbau gilt es aber, die Ursache für die Schäden zu ermitteln. Schwamm, defekte Isolierungen und ungenügende Lüftung sind meist die Hauptursache für beschädigten Putz. Bei Befall mit Schwamm sind meist alle Messen gesungen. Da hilft kein neuer Putz. Das Mauerwerk muss raus. Aber sonst gilt. Mauerwerk trocknen lassen. Also gut belüften bzw. sogar durch Technik die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk ziehen. Hier gibt es Luftentfeuchter, die man meist ausleihen kann.

Das Verputzen an sich ist vom Handwerklichen her gesehen nichts anderes wie im Neubau. Also, ran mit die Modder und abreiben. Bei altem Putz der stehen bleibt, ist darauf zu achten dass man immer vom Alten Putz auf den neuen abreibt.

Müssen wir allerdings immer gleich zu dieser Methode, des Neuverputzen greifen? Nun, bei kleinen Reparaturen sicher nicht. Natürlich sollte man trotzdem unterscheiden, zwischen kleineren und größeren Flächen. Für normale kleine Löcher die sich mit Gips zuspachteln lassen muss man natürlich keine Putzkenntnisse haben. Hier kann selbst die Hausfrau mal ihr Geschick unter Beweis stellen. Wobei ich hier keiner Frau handwerkliches Unvermögen unterstellen möchte.

Zum verputzen gehört sicher auch der Außenputz. Bei einem glatten abgeriebenen Putz ist es nichts anderes, wie innen. Hier bei muss allerdings unbedingt vorgeworfen werden. Auch wird der Zementanteil im Putz etwas erhöht, da der Außenputz anderen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist.
Natürlich gibt es verschiedene Putzarten. z.B. Münchner Rauhputz. Hier wird lediglich eine Lage von ca. 5. bis 8 mm auf den schon bestehenden Außenputz aufgetragen und kreisförmig abgerieben. Hier ist aber ein gutes Augenmaß erforderlich, denn dieser Putz muss immer im eigenen Saft abgerieben werden. Ist aber vom Handwerklichen gesehen, leichter als das Verputzen mit einem Gemisch aus Kies, Kalk und Zement.

Abschließend möchte ich euch noch sagen, welches Werkzeug ihr benötigt.
Maurerkelle, Spitzkelle, Quast, Reibebrett klein und groß, Kartätsche (ist ein Brett mit Griff) und Wassereimer.

Das war es schon. Jetzt ist eigentlich nur noch eine gute Körperliche Verfassung und natürlich das notwendige handwerkliche Geschick von Nöten. Eines sei allerdings unbedingt gesagt. Es handelt sich um schwere körperliche Arbeit. Wer keine Körner hat bekommt sie spätestens beim putzen. Oder er lässt gleich den Fachmann ran. Wer nach dem verputzen sein Meisterwerk bestaunt und dann eher enttäuscht feststellt dass er versucht hat die Alpen nachzubilden, in denen die Bergziegen die Wände Hochlaufen, der sollte die ebenfalls Finger davon lassen.


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Sicherheit

Ganz zum Schluss sei noch etwas zur Sicherheit gesagt. Denkt immer daran, Baustelle ist Baustelle. Bretter mit Nägeln liegen herum. Überall sind Sachen die umkippen können usw. usw. Die größte Hektik nützt einem nichts wenn man am Ende im Krankenhaus liegt. Ich selbst hatte in 22 Jahren Bauwesen nur einen kleinen Unfall. Nagel im Fuß. Ist zwar nicht angenehm, aber ich hab weitaus schlimmeres gesehen. Auch kann ich euch sagen, dass es ja sonst gang und gebe war, Alkohol auf den Baustellen zu trinken. Lasst die Finger davon. Es erhöht unnötig die Risiken und das Qualitätsbewusstsein leidet auch.

Sollte jemand spezielle Fragen zum verputzen oder zum Bauwesen im Allgemeinen haben, beantworte ich diese gerne. Und wenn jemand fragen sollte, ob ich ihm sein Eigenheim, verputzen kann. Nun, mit Sicherheit nicht, da ich nur kleine Reparaturaufträge bzw. Fliesenarbeiten annehme und diese nur, damit mir die Knochen nicht all zu müde werden, da ich ja sonst auch den ganzen lieben langen Tag vorm PC sitze und die Tastatur verprügle.

Ich ziehe 2 Sternchen ab, aus nachfolgenden Gründen. Das verputzen ist nicht ganz leicht und nur bedingt für jedermann geeignet und es kommen gewisse Risiken auf Baustellen hinzu. Wer unerfahren ist, dem kann schnell etwas passieren. Ich erwähne hier nur das arbeiten auf Baugerüsten. Außerdem können Kalkspritzer, durch das verputzen, in den Augen sehr schmerzhaft sein, wobei diese auch dem Fachmann passieren

Ich wünsche euch allen ein sonniges und Stressfreies Wochenende.

© 10.05.03


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
NiemandIstPerfekt

NiemandIstPerfekt

24.05.2003 23:58

In den Bauberichten merkt man richtig den Fachmann, siehe auch Fliesen. Gruß Niemand

Herrgen88

Herrgen88

20.05.2003 17:13

Unser Haus haben wir grad erstr letztes Jahr verputzt,sieht echt besser aus :),lg julian

chyna1

chyna1

19.05.2003 00:31

Lol, netter Bericht. Sind paar brauchbare Tipps dabei, vor allem weil wir selber betroffen sind, sämtliche Hauswände wurden verputzt und neu gefliest und da sind so einige Unfälle passiert, lol. Grüssle Katja

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