es gibt solche und solche
01.03.2001 (22.02.2001)
Pro:
sie leben vom verkauf
Kontra:
gelegentlich leisten sie aber etwas dafür
Empfehlenswert:
Ja
 jinky
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:233
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
...eine Weisheit, die die goldene Binse verdient hätte. Eins haben sie aber alle gemeinsam: sie arbeiten für eine bestimmte Gesellschaft (sonst wären's ja auch Makler); und sie arbeiten "leistungsabhängig", wie der gängige Euphemismus für "wer am meisten verhökert, sackt am meisten Kohle ein" lautet. Sie stehen also unter massivem "Erfolgs" (=Verkaufs-)Druck, und das nicht nur finanziell: sie bekommen Verkaufsziele gesetzt, und umlaufende "Rennlisten" sorgen dafür, daß sie jederzeit wissen, wo sie selbst im Vergleich zu den Kollegen stehen - und dafür, daß sie damit rechnen müssen, daß Mißerfolge und Hinterherhinken hinter den Verkaufsvorgaben im Kollegenkreis sofort publik werden. Folglich definieren sie die Grenzen dessen, was sie noch für akzeptable Verkaufspraktiken halten, jeweils unterschiedlich. Das muß sich jeder Kunde klarmachen. Tja, und besagte Kohle muß ja auch irgendwo 'rangeschafft werden: folglich sind Gesellschaften, die auf ein Vertreternetz verzichten, meist billiger; sie können es sich leisten. Die Nachteile eines solchen auf Vertretern basierenden Vertriebssystems für den Kunden sind so offensichtlich und auch so allgemein bekannt, daß es sich nicht lohnt, wenn ich hier viele Worte darüber verliere. Diese Einseitigkeit meines Berichts werdet Ihr wohl verkraften, zumal ich ja hiermit ausdrücklich darauf hingewiesen habe. Ihr seid also gewarnt *g*. Vorteil am Vertretersystem: die persönliche Beratung, die allerdings nicht ergebnisoffen ist, aber trotzdem hilfreich sein kann für diejenigen, die nicht willens und in der Lage sind, sich selbst schlau zu machen darüber, was sie brauchen und was nicht, und welche Bedingungen Haken enthalten und welche nicht. Und da möge sich jeder im stillen Kämmerlein fragen: bin ich wirklich selbst informiert genug, vernünftige Entscheidungen zu treffen? Bin ich bereit und fähig, mich in die komplexe Materie einzuarbeiten? Wer das nicht guten Gewissens aus ganzem Herzen mit "JA" beantworten kann, der braucht professionelle Hilfe - von einem Vertreter oder einem Makler. Ein Vertreter kann (nicht: MUSS) dabei ein kleineres Übel sein als unsinnige und unbedachte Abschlüsse bei einem Direktversicherer!Dieser Vertretervorteil gilt natürlich nur dann, wenn ich einen Vertreter finde, dem ich vertrauen kann - sprich, der an langfristiger Kundenbindung interessiert ist und darauf baut, daß der Verzicht auf kurzfristigen Verkaufserfolg mittels In-Grund-und-Boden-quasseln-bis-Antrag-unterschrieben langfristig Früchte tragen wird. Der überzeugt ist, daß es sich auf lange Sicht lohnt, den Kunden darauf aufmerksam zu machen, daß er nach neuen Bedingungen den gleichen Schutz bei seiner Gesellschaft zu geringerem Preis bekommen kann. Und der womöglich schon so eingeführt ist und über einen so soliden Kundenstamm verfügt, daß er es sich leisten kann, auch mal gegen sein kurzfristiges Interesse zu beraten. Und der sich tatsächlich in der Materie auskennt; zwar müssen alle irgendwelche Prüfungen ablegen, aber das heißt noch lange nicht, daß sie die für Euren Fall relevanten Details alle im Kopf haben. Ich kann nur raten: fragt ihnen Löcher in den Bauch. Erstens erkennt ihr daran die Fachkompetenz; zweitens erkennt ihr daran ihren Willen, wirklich zu überzeugen statt zu überreden; und drittens fällt es wesentlich schwerer, einen Kunden direkt anzulügen, als bestimmte Dinge einfach unerwähnt zu lassen. Wer nicht fragt, bekommt keine Antwort - so einfach ist das. Zweiter Vorteil des Vertretersystems: der Schadensfall. Hier kann ein Vertreter wirklich etwas für Euch erreichen; er wird anrücken, den Schaden aufnehmen, hinterhertelefonieren...aus eigener (zum Glück vergangener) Erfahrung kann ich Euch sagen, daß man oft genug psychologische erste Hilfe leisten muß, wenn z. B. eine Kundin aus dem Urlaub kommt und die Wohnung nach einem Einbruch verwüstet vorfindet. Spätestens dann ist doch der eine oder andere dankbar, jemanden zu haben, der die ganze Abwicklung in die Hand nimmt. Nun, und diese Serviceleistung muß natürlich auch irgendwie bezahlt werden (glaubt ihr, ich bin seinerzeit zum Spaßvergnügen sonntags um 8:00 morgens 40 km weit gefahren, um eine heulende Rentnerin in ihrer ausgebrannten Küche zu trösten?) - unter anderem dafür gehen die im Vergleich zu Direktversicherungen überhöhten Beiträge drauf. Außerdem steht es z. T. steht es sogar in der Macht des Vertreters, Kulanzzahlungen zu erreichen, die eigentlich vom Vertrag her nicht gedeckt wären. Da er Euch als Kunde behalten will (und aus seiner Erfahrung weiß, daß der Zeitpunkt nach einem zufriedenstellend regulierten Schaden ideal ist, einen weiteren Vertrag zu verkaufen), wird er alles tun, um für Euch etwas zu erreichen; ein nicht zu vernachlässigender Vorteil. Ich denke, hierin ist der Vertreter dem Makler u. U. überlegen; und sei es nur deswegen, weil er mit Leuten verhandelt, wie für die gleiche Gesellschaft arbeiten, was schlicht und ergreifend Einfluß auf die Gesprächsatmosphäre hat. Inwieweit ihm das allerdings gelingt, hängt von seinem Engagement und nicht zuletzt auch von seiner Fähigkeit ab, mit der Regulierungsabteilung zu herumzuargumentieren und sich überzeugende Gründe auszudenken, warum sie gerade bei Euch über ihren Schatten springen soll. Es gibt Vertreter, die da völlige Pleiten sind - aber auch solche, die virtuos auf dieser Klaviatur spielen.Und nun muß ich noch eines loswerden, was manch einer nicht gerne hören wird. Versicherungsvertreter lügen und betrügen? Sie ziehen Euch über den Tisch? Das mag gelegentlich, von mir aus sogar oft, der Fall sein. Es ist nicht in Ordnung und auch durch nichts zu entschuldigen. Ich lege Wert darauf, das ausdrücklich gesagt zu haben!!! Aber: macht Ihr es ihnen nicht oft einfach zu leicht? Könntet ihr denn eine objektive Beratung von einer schlechten sicher unterscheiden? Seid ihr sicher, daß nicht der Bauch bei solchen Entscheidungen eine wesentlich wichtigere Rolle spielt, als Euch lieb ist? Ich nenne nur ein Beispiel: Vertreter A berät den Kunden ausführlich zum Abschluß einer, sagen wir mal, Hausratversicherung. Er hält mit den Lücken im Versicherungsschutz, wie sie die allgemeinen Versicherungsbedingungen enthalten (z. B. grobe Fahrlässigkeit), nicht hinter dem Berg, denn der Kunde soll wissen, was er kauft. Der Kunde läßt sich alles schriftlich aushändigen (liest es natürlich nicht durch, sondern begnügt sich mit dem allseits beliebten Vorgang des Abheftens). Er empfängt noch einen weiteren Vertreter, der ihm alles in den rosigsten Farben schildert und auf Probleme gar nicht erst eingeht - obwohl die zugrundeliegenden Vertragsbestimmungen bei beiden Versicherungen IDENTISCH sind. Wer, glaubt ihr, wird bei etwa gleichem Preis das Rennen machen? Der, der ausführlich und redlich beraten hat, oder der, der den trügerischen Eindruck erweckt, man sei in jedem nur denkbaren Fall hervorragend abgesichert? Der erste? Schön wär's. Die Erfahrung lehrt leider das Gegenteil. Und wozu führt das? Daß der ehrliche Vertreter irgendwann mangels geschäftlichen Erfolgs weg vom Fenster ist oder resigniert das Handtuch wirft. Oder noch ein Beispiel. Vertreter A ist beim Kunden, um seine Hausratversicherung (ein Steckenpferd des Vertreters A *g*) neuen Bedingungen anzupassen, was in diesem speziellen Fall sogar eine Ersparnis bedeutet. (Dochdoch, sowas gibt's!) Routinemäßig fragt er, ob Fahrraddiebstahl eingeschlossen werden soll (Aufpreis!). Der Kunde verweist auf sein 20 Jahre altes Fahrrad und lehnt diesen Einschluß verständlicherweise ab. Es kommt, was kommen muß: der Kunde kauft sich 4 Wochen später ein niegelnagelneues Fahrrad mit allen Schikanen. Weitere 6 Wochen später ist das Nobelteil gestohlen, und der Kunde läßt seinen Vertreter kommen, überhäuft ihn mit bittersten Vorwürfen, drängt auf eine Kulanzzahlung, die natürlich abgelehnt wird, und kündigt postwendend ALLE Verträge. Ist es so verwunderlich, wenn angesichts eines solchen Verhaltens (das leider keine Seltenheit ist - wenn ihr noch ein paar solche Schwänke hören wollt, sagt es nur, dann gibt's ein Update *g*)) der Vertreter irgendwann zum Zyniker mutiert, der alle Kunden für selbstgerechte Idioten hält, die man ohne Gewissensbisse übers Ohr hauen darf? Worauf wollte ich nun eigentlich hinaus? Ich weiß es nicht mehr, denn eine Lösung des Problems kann ich leider auch nicht aus dem Ärmel schütteln. Mit "Kunden haben genau die Vertreter, die sie verdienen" macht man es sich zu leicht - aber mit "alle Vertreter sind nur Geier" eben auch. Die Wirklichkeit ist ein ganz klein wenig komplexer, und wenn es mir gelungen ist, das plausibel zu machen, bin ich eigentlich schon ganz zufrieden und klopfe mir selbstgefällig auf die Schulter.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
19.02.2003 16:31
Ich klopfe mit auf Deine Schulter, du hast das Thema gut getroffen. Manfred
30.08.2002 15:27
Klasse Bericht, objektiv und mit Witz ein schwieriges Thema aufgegriffen.
30.05.2001 20:12
Glückwunsch, es ist dir gelungen eine möglichst differenzierte Betrachtungsweise an den Mann/Frau zu bringen ! Ich gebe an ALLE noch eines drauf : ich sage euch bei Bankern ist es genauso !!! Das gleiche Prinzip! Es hat nur noch kein Kunde gemerkt und alle glauben die sind achso seriös. Trotzdem sollten sich alle einmal überlegen, warum sie so ein Problem damit haben, wenn in der Finanzbranche der Berater an einem verdient? Der Bäcker, der uns seine Brötchen verkauft, möchte möglichst auch die teuersten verkaufen. Dort sagt ja auch keiner :" Bei Ihnen kaufe ich nicht, sie wollen ja nur an mir verdienen!"