Vertrauter Feind

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... Vertrauter Feind (The Devil’s Own) USA 1997, 111 Minuten Regie: Alan J. Pakula Drehbuch: David Aaron Cohen, Vincent Patrick, Kevin Jarre Musik: James Horner Director of Photography: Gordon Willis Schnitt: Tom Rolf, Dennis Virkler Produktionsdesign: Jane Musky Darsteller: Harrison ... Bericht lesen





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Jeder Film mit Brad Pitt und Harrison Ford in den Hauptrollen muss einfach gut sein, oder ... mehr
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sind absolut notwendig, um aus diesem erstaunlich
verworrenen Szenario schlau zu werden. Der Film
handelt von einem IRA-Terroristen (Pitt), der
britischen Truppen in Belfast entkommt und nach
New York reist, wo er bei der Familie eines
erfahrenen Polizisten (Ford) Unterschlupf findet,
der keine Ahnung von der wahren Identität des
Terroristen hat. Doch während Pitts
leidenschaftliche Figur darauf wartet, einen
Waffendeal für seine IRA-Mitstreiter in Irland zu
tätigen, vermeidet Vertrauter Feind tunlichst
jegliche detaillierte Auseinandersetzung mit dem
Konflikt in Nordirland und konzentriert sich statt
dessen auf den moralischen Konflikt des
Polizisten, nachdem dieser entdeckt, dass sein
junger Gast ein Terrorist ist. Die
schauspielerischen Leistungen in diesem Film sind
hervorragend, und im Großen und Ganzen ist er
recht lohnenswert. Aber schauen Sie ihn nicht an,
um eine Fülle von Handlungslogik oder einen
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und Katholiken in Nordirland zu bekommen. (Dafür
sind Sie mit Im Namen des Vaters von Jim Sheridan
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Vertrauter Feind war Pakulas letzter Film, der
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britischen Truppen in Belfast entkommt und nach
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unterbringt. Der tut sein Bestes, um dem jungen
Frankie fern der Heimat zu einem neuen Start zu
verhelfen. Doch der setzt insgeheim seinen
politischen Kampf auf amerikanischem Terrain fort.
Sein Auftrag: eine Ladung Stinger-Raketen auf dem
schwarzen Waffenmarkt für die IRA zu kaufen. Beim
Versuch, das Geld für den Big Deal zu besorgen,
zieht Frankie den Polizisten und seine Familie
unweigerlich in einen mörderischen Guerilla-Krieg
hinein, der auf beiden Seiten blutige Opfer
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1-6 von 42 Erfahrungsberichten    
> Alle 42 Vertrauter Feind Erfahrungsberichte anzeigen
Außen Moral, innen hohl
Erfahrungsbericht von Posdole über Vertrauter Feind
14.05.2004


Produktbewertung des Autors:   

Humor kein Humor 
Spannung durchschnittlich spannend 
Action: geht so 
Romantik: wenig 

Pro: Fragezeichen
Kontra: Ausrufezeichen

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht


Alan J. Pakulas letzter Film ist nicht unbedingt sein bester. Pakula (*1928) starb 1998 an den Folgen eines Autounfalls. Ich erinnere mich noch gut an eines seiner Meisterwerke, „All the President’s Men“ („Die Unbestechlichen“, 1976), in denen er die Aufdeckung des Watergate-Skandals thematisierte (weitere Filme Pakulas: „Sophies Entscheidung“, 1982; „Aus Mangel an Beweisen“, 1990; „Die Akte“, 1993).

„The Devil’s Own“ ist einer jener Möchtegern-Politik-Filme, die vor Klischees in allen denkbaren Formen nur so strotzen und das Plakative der Dichte einer guten Erzählung ebenso vorziehen wie die „schillernden“ Standard-Figuren des Hollywood-Kinos der charakterlichen Feinzeichnung. Dadurch verkommt jede Geschichte zum schnell vergessenen „Thema“, zur eintägigen „Schlagzeile“ und ihre Akteure geraten in den Strudel des schlechten Marionettentheaters. Harrison Ford spielt den New Yorker Polizisten Tom O’Meara, mit lupenreiner Weste, liebenswerter Familie und dem Hang zum Helden des Alltags. O’Meara, irischer Abstammung, nimmt durch Vermittlung des (heimlichen?) IRA-Sympathisanten Peter Fitzsimmons (George Hearn) ein führendes Mitglied der bewaffneten nordirischen Armee, Frankie McGuire (Brad Pitt), in seinem Haus auf, ohne allerdings dessen Identität zu kennen. Frankie nennt sich Rory Devaney. Er musste Belfast verlassen, weil die britischen Verfolger ihm dicht auf den Fersen waren.

In New York will er über den Waffenhändler Billy Burke (Treat Williams) Stinger-Raketen kaufen, um sie dann nach Nordirland zurückzubringen. Kontaktfrau zur IRA in Belfast ist Megan Doherty (Natascha McElhone). Frankie fühlt sich zusehends wohl bei O’Meara, seiner Frau Sheila (Margaret Colin) und beider Kinder. Zwischen Tom und Frankie / Rory entsteht fast eine Art Freundschaft.

Tom steht eines Tages vor dem Problem, seinen langjährigen Kollegen und Freund Edwin Diaz (Ruben Blades) zu schützen oder bei den Vorgesetzten zu verraten, weil Diaz bei einer Verfolgungsjagd einen unbewaffneten verdächtigen Dieb von hinten erschossen hat. Frankie hingegen bekommt Probleme mit dem Waffenhändler, weil der geplante Kauf der Raketen ungeahnte Schwierigkeiten mit sich bringt. Burke besteht auf der Bezahlung der Raketen.

Eines Tages tauchen bewaffnete Männer bei den O’Mearas auf und bedrohen Toms Frau Sheila. Dann entdeckt Tom das viele Geld, das Frankie in seinem Haus versteckt hat ...

Die moralisch-oberflächliche Impertinenz, mit der Pakula sein Publikum in den Bann einer Geschichte zu ziehen versucht, die so gar nichts an Peinlichkeiten auslässt, ist fast schon grotesk. Der Film beginnt mit einer Szene, in der Frankies Vater, Mitglied der IRA, von einem maskierten Mörder vor den Augen der Familie beim Essen getötet wird. Dies scheint Anlass genug, um Frankie selbst später als IRA-Mitglied vorzuführen – eine Rachekarriere sozusagen bis ans Lebensende. Doch Pakula erspart sich und uns leider, auf den komplizierten Konflikt in Nordirland auch nur ansatzweise einzugehen. Dass hier jahrzehntelange Auseinandersetzungen, auch aus der Kolonialgeschichte Großbritanniens bis in die Gegenwart hinein Wirksamkeit entfalten, interessiert den Film nicht. Dass sich der Konflikt als solcher zwischen irlandorientierten Katholiken und Empire-orientierten Protestanten entlang entfaltet hat, wird nicht einmal erwähnt. Dass sich die Bedingungen, unter denen sich die Auseinandersetzungen seit dem 19. Jahrhundert abspielen, immer wieder geändert haben, scheint unwichtig. Brad Pitt ist einfach ein armer Teufel, der angesichts der Ermordung seines Vaters selbst die Waffe in die Hand genommen hat, um sich an englischem Geheimdienst und Militär zu rächen. Nicht einmal die von der IRA und Sinn Fein immer wieder geforderte Vereinigung Ulsters mit Irland scheint für Pakula Bedeutung gehabt zu haben, ebensowenig wie die jahrezehntelangen Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Konfilkts.

Demgegenüber montiert der Regisseur einen irisch-stämmigen Amerikaner (dessen Herkunft für den Film allerdings überhaupt keine Bedeutung hat) in die Handlung, der eine Art Ausgeburt moralischer Integrität verkörpert – eine reine, unbefleckte Seele, die selbst in einen Konflikt getrieben wird, als Kollege Diaz einen tödlichen Fehler begeht. Das alles wirkt derart künstlich und stellenweise auch kalt, dass die Gespräche zwischen Tom und Rory alias Frankie ihre aufgesetzte moralinsaure Wirkung nicht verfehlen dürften.

Schwierig genug, bei solchen Voraussetzungen das Zusammenkommen der beiden Protagonisten zu organisieren. Und selbst das ging im wahrsten Sinn des Wortes total in die Hose. Dass ein intelligenter und integrer Polizist à la Harrison Fords Tom mir nichts dir nichts sich einen Iren ins Haus setzen lässt, von dem er absolut nichts weiß, noch dazu von einem Mann wie Fitzsimmons, der mehr oder weniger offen mit der IRA sympathisiert, ohne auch nur ein, zwei oder drei Fragen zu stellen, überschreitet die Grenze der Glaubwürdigkeit. Dazu kommen Szenen zwischen Frankie und dem Waffenhändler Burke, die kaum simpler hätten gedreht werden können. Burke wird als dämlicher, draufgängerischer Tölpel gezeigt, der mit Gewalt reagiert, wo Intelligenz gefragt wäre. Das hat TV-Serien-Niveau. Natascha McElhone als Kontaktfrau zur IRA in Belfast verliebt sich „natürlich” in den smarten Frankie-Boy, so dass auch dieser – für die Handlung allerdings völlig unnötige – Aspekt noch ein paar Minuten füllt.

Am fragwürdigsten bleibt jedoch die dubiose Moral bzw. die Verwirrung, die der Film hier anstiftet. Frankie, der mehr als 20 Menschen getötet hat, wird als sympathischer Mann dargestellt, den Tom von der Verwerflichkeit seines Handelns überzeugen will nach dem Motto: So was tut man nicht, egal, was passiert ist. Der englische Geheimdienst wird plakativ als mordende Truppe hingestellt, vor der Tom Frankie schützen will. Und am Schluss setzt Pakula dem Ganzen die Krone auf, indem er Frankie in einem herunter gekommenen Schiff zeigt, mit dem er samt Stinger-Raketen über den Atlantik schippern will – ich fasse es nicht!

Keiner ist gut und keiner ist böse, irgendwie sind alle sympathisch – bis auf den aus der Klischeedose in Hollywood geholten Secret-Service-Mann, der Frankie ermorden will, und den dummdreisten Waffenhändler. Das alles hat mit dem Nordirland-Konflikt so viel zu tun wie Britney Spears mit den Problemen ukrainischer Bauern: nichts – gespickt mit einer fragwürdigen Moral, die es eigentlich nur an einem Ort gibt: im Kino. Selbst Ford und Pitt sollen den Film ob dieser Probleme kritisiert haben.

Wertung: 2,5 von 10 Punkten.

Vertrauter Feind
(The Devil’s Own)
USA 1997, 111 Minuten
Regie: Alan J. Pakula

Drehbuch: David Aaron Cohen, Vincent Patrick, Kevin Jarre
Musik: James Horner
Director of Photography: Gordon Willis
Schnitt: Tom Rolf, Dennis Virkler
Produktionsdesign: Jane Musky
Darsteller: Harrison Ford (Tom O’Meara), Brad Pitt (Rory Devaney / Francis McGuire), Margaret Colin (Sheila O’Meara), Ruben Blades (Edwin Diaz), Treat Williams (Billy Burke), George Hearn (Peter Fitzsimmons), Mitch Ryan (Chief Jim Kelly), Natascha McElhone (Megan Doherty), Paul Roman (Sean Phelan), Simon Jones (Harry Sloan), Julia Stiles (Bridget O’Meara), Ashley Carin (Morgan O’Meara), Kelly Singer (Annie O’Meara), David O’Hara (Martin MacDuf), David Wilmot (Dessie), Anthony Brophy (Gerard), Shane Dunne (der junge Frankie)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0118972

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (2,5 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1997/03/032803.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (2,5 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/d/devils.html

© Ulrich Behrens 2004

   
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