Ein teuflischer Kreis - The Devil's Own
08.05.2003
Pro:
überraschend wenig
Kontra:
weitaus mehr
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 JerryMaguire
Über sich:
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Mitglied seit:01.08.2002
Erfahrungsberichte:183
Vertrauende:38
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 78 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Harrison Ford und Brad Pitt sind die Hauptakteure in Alan J. Pakulas 1997 entstandenen Action-Thriller „Vertrauter Feind“. Der deutsche Titel (im englischen Original „The Devil’s Own“) erscheint in der Nachbetrachtung des Films, sowie der vorangegangenen Produktion wie ein süffisanter Kommentar zu den turbulenten Dreharbeiten und der schwierigen Personenkonstellation innerhalb des Filmteams. So wurden zahlreichen Spekulationen und Gerüchte laut in denen von Unstimmigkeiten zwischen den „Stars“ Ford und Pitt die Rede war, eine von Beginn unglückliche Begegnung. Weiterhin verhinderte dies den raschen Vollzug der Dreharbeiten, da beide an einer Umschreibung des Drehbuchs, selbstverständlich in völlig unterschiedliche Richtungen, interessiert und insgesamt mehr Einfluss in die Entstehung des Films geltend machen wollten. Inwiefern derartige Verlautbarungen zutreffen mögen oder jene Gerüchte der Wahrheit entsprechen ist ungewiss, unbestritten sind jedoch die zuweilen angespannten Bedingungen unter denen gedreht wurde. Ob dies dem Film selbst geschadet hat (beeinflusst hat es ihn in jedem Fall) wird in den folgenden Zeilen untersucht werden. Belfast. September 1992. Eine unscheinbare Wohngegend im Arbeiterviertel der Stadt ist der Ausgangspunkt der Geschichte. Die Häuser wirken veraltet, die Straßen aufgerissen und verschmutzt, die herrschenden Farben sind allesamt Grautöne. Dies sind Zeugnisse vergangener Tage, in denen in Belfast gearbeitet, aber auch gekämpft wurde. Gekämpft wird. Es herrscht Krieg. Ein schmutziger Straßenkrieg, den die Mitglieder der IRA gegen die englischen Besatzer führen und inmitten ihrer Häuser und Wohnungen austragen. Die Straße auf der vor wenigen Momenten noch Kinder spielten verwandelt sich urplötzlich in ein Schlachtfeld. Francis „Frankie“ McGuire (Brad Pitt) gehört zur IRA. Nach wüsten Gefechten mit der britischen Armee, taucht der selbsternannte Freiheitskämpfer, der wegen mehrfachen Mordes an englischen Polizisten und Soldaten gesucht wird, unter. Doch sein nächstes Ziel hat er bereits vor Augen. Als Rory Devaney getarnt reist er in die Vereinigten Staaten, um dort zu besorgen, was seiner Meinung nach Frieden und Freiheit für sein Heimatland bedeutet. Waffen. Genauer gesagt Raketen. Dank der Beziehungen einflussreicher Freunde und „Förderer der gemeinsamen Sache“ wie Peter Fitzsimmons (George Hearn) findet er bei der irischstämmigen Familie des New Yorker Polizisten Tom O’Meara (Harrison Ford) eine neue Bleibe für seinen zeitlich begrenzten Aufenthalt. Die O’Mearas ahnen nicht das Geringste von Frankies/Rorys (im weiteren Frankie genannt) IRA-Zugehörigkeit und seinen mörderischen Plänen. Dementsprechend herzlich nehmen sie ihn auf und „der Neue“ erhält schnell einen festen Platz in der Familie. Insbesondere zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine freundschaftliche Vertrautheit, die in vielen Momenten an eine Vater-Sohn-Beziehung erinnert.
Trotz der trügerischen Idylle und des anscheinenden Friedens verliert Frankie seinen Auftrag nicht aus den Augen und kontaktiert den zwielichtigen Geschäftsmann Billy Burke (Treat Williams), der jene Stinger-Raketen heranschaffen soll, die der IRA bei ihrem Kampf als zwingendes Druckmittel dienen sollen. Doch der Handel mit Burke scheint zu platzen, die Situation spitzt sich zu, da dieser für seine Mühen entlohnt werden will. Die Spur führt seine Handlanger daraufhin auch ins Haus der O’Mearas. Auf der Suche nach Frankies Geld, wird nun auch der gesetzestreue Polizist Tom O’Meara misstrauisch und hinterleuchtet seinen neuen Freund. Doch nicht nur Tom sondern auch der britische Geheimdienst, sowie die Schergen von Burke sind auf der Suche nach dem Terroristen. Die Lage scheint aussichtslos, Frankies Tod unvermeidlich und sehr bald werden die zwei Freunde vor die Wahl gestellt. Was ist wichtiger? Freundschaft oder Pflicht?
Einigen mag die vorangegangene Inhaltsangabe ein wenig kurz erscheinen, jedoch gibt sie im Grunde genommen all das wieder was den Verlauf der Geschichte beeinflusst. Um diesen Handlungsstrang herum versucht Regisseur Pakula die Beziehung der Hauptfiguren zu entwickeln und ihren Charakteren Tiefe zu verleihen. Dies gelingt jedoch nur unzureichend.
„Wir hatten nie die Wahl, Brad.“ Der Versuch Beweggründe für das gewissenlose Handeln von Frankie ans Licht zu bringen wirkt wie eine Art Entschuldigung für die zahllosen Opfer des Terroristen. Rache ist zwar ein reißerisches, leidenschaftliches und oftmals in Filmen auch zugkräftiges Motiv, allerdings reicht es für den Charakter von Pitts Figur nicht aus. Frankie scheint zu intelligent und berechnend, um die Rache für den Tod seines Vaters als Anlass für Terrorismus und Krieg zu sehen. Sicherlich spielen andere Gründe eine Rolle, bestimmt gibt es sie in irgendeiner Form, jedoch arbeitet sie dieser Film nicht heraus. Es muss schon ein mehr als fanatischer Irrglaube oder eine immens starke zerstörerische Wut in einer Person aufkommen, um tatsächlich Gewalt als heilsbringende Lösung anzustreben. Doch Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Ein Teufelskreis aus dem es kein entkommen gibt, es sei denn jemand ändert die Regeln des Spiels und versucht auszubrechen. Diese Gründe werden offensichtlich überspielt oder vergessen. Weiterhin will der Charakter des gewissenlosen Mörders nicht so recht zu Brad Pitt selbst, aber auch nicht zu der Figur von Frankie passen, welche der Film in seinen ruhigen Phasen präsentiert.
Dasselbe gilt für Tom O’Meara den Harrison Ford verkörpert. Der Vorzeige-Polizist und Ehemann bleibt die gesamte Spielzeit über eine schablonenartige Hülle, die selbst ein so hervorragender Schauspieler wie Ford nicht zu füllen im Stande ist. Zwar blitzt sein Können in einigen Szenen auf, verschwindet jedoch recht schnell wieder unter der Maske schauspielerischer Langeweile oder Routine. Ford und Pitt sind keineswegs bodenlos schlecht, ihr Spiel wirkt allerdings zum großen Teil als belanglose Routine. Wahrlich keine Glanzleistung der beiden Stars. Auf direktem Weg gelangen wir an diesem Punkt zu den unglücklichen Dreharbeiten und den Problemen zwischen Ford und Pitt. Wahre Freude können weder sie noch der Film erzeugen. Die meiste Zeit wirken sowohl Regie als auch Drehbuch recht einfallslos, so ist es auch kein Wunder das der Film ohne spannungsgeladene Höhepunkte auskommt. Aber wie soll es auch anders kommen? Ein mittelmäßiges Drehbuch, für dessen Verfilmung zwei Superstars engagiert werden, die anscheinend nicht beste Freunde geworden sind führen unweigerlich zu problematischen Dreharbeiten, einem Regisseur, der sich übergangen fühlt, mangelnder Identifikation mit dem Film und letztlich einem Endprodukt, das niemanden richtig zufrieden stellt, da es weder einen Karriereschub noch großartige filmische Unterhaltung liefert. Eine wahrlich teuflische Verkettung ungünstiger Umstände.
„Erwarten sie kein Happy End. Dies ist keine amerikanische Geschichte, sondern eine mittelmäßige.“ Leider kommt der Film nicht über das Thriller-Mittelmaß hinaus, da er trotz großem Staraufgebot, nie so richtig fesselt oder eine emotionale Bindung zu seinen Hauptfiguren erlaubt. Vertrauter Feind ist nicht schlecht, manche werden ihn vielleicht sogar unterhaltsam finden. Wirklich gut ist er aber leider auch nicht, daher eine sehr knappe Empfehlung. Brad Pitt und Harrison Ford hatten sie nicht. Frankie McGuire und Tom O’Meara auch nicht. Die Wahl. Aber der Zuschauer hat sie. Zum Glück.
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 snuppi78
 shily
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15.05.2003 19:00
Kann dir nur zustimmen. Ich habe den Film damals im TV gesehen und habe mir auch deutlich mehr erhofft (bei der Besetzung...!). Alles in allem finde ich ihn aber, wie du, doch empfehlenswert. Gruß, tylerfan
15.05.2003 16:10
Den mussten wir im Englischkurs uns ansehen, ich habe ihn gehasst, weil ich fand, dass es relativ wenig schauspielerische Leistung gab und die Verfolgungen der beiden sind so lahm wie nur sonst was. Übrigens vielen Dank für deinen netten Kommentar zu Music of the Heart.
15.05.2003 13:27
Der Film ist zwar nicht so gut wie JerryMaguire :-) , jedoch wäre er mir 4 Sterne wert, mir gefiel er ziemlich! Dein Bericht jedenfalls, ist SH! Gruß