Alle Jahre wieder
28.11.2006
Pro:
Hilfe beim Verlusst eine Kindes, Verständniss
Kontra:
ein Verein, der sich selber tragen muss, was auch betroffene Kosten verursacht
Empfehlenswert:
Ja
 Jakini
Über sich:
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Wie wir zu den verwaisten Eltern kamen: ================================ Morgen würde mein Sohn neun Jahre alt werden. Leider nur würde, denn im Alter von vier Monaten und vier Tagen ist er seinem Herzfehler erlegen............. .Wie viele andere betroffene Eltern auch, sind wir damals in ein tiefes Loch gefallen, mussten und teilweise anhören: Es war doch nur ein Baby, ihr seid jung und könnte noch viele Kinder bekommen. Vergesst es einfach. Aber wir wollten und wir konnten nicht vergessen. Zum Glück waren wir auch von anderen Menschen umgeben, Menschen, die uns verstehen konnten und uns wirklich helfen wollten. Sie verwiesen uns zu den verwaisten Eltern, wo wir schon am Abend nach Janniks Beerdigung bei der ersten Gruppensitzung teilnahmen....... . Was sind die verwaisten Eltern: =========================Die verwaisten Eltern sind ein eingetragener Verein, der bei Trauer Hilfe anbietet. Seit 1990 gibt es diesen gemeinnützigen Verein, in den 80 igern gab es bundesweit ca... 250 Gruppen. Der Verein muss sich selber tragen, durch Mitglieder und Spenden. Natürlich kann man jederzeit dort anrufen, und es sind immer wieder Ohren offen, doch leider kann der Verein die Hilfe auch nicht kostenfrei anbieten. So kann man dem Verein beitreten und seinen jährlichen Beitrag zahlen, aber auch ohne dem kann man an den Gruppensitzungen, die von Honorarkräften geführt werden, teilnehmen. Diese kosten pro Person 10 Euro, vor acht Jahren haben wir DM 20,00 pro Paar gezahlt. Außerdem werden Trauerseminare angeboten. die natürlich ebenfalls ihren Preis haben, denn auch hier sind ausgebildete Honorarkräfte dabei.Wie sind meine Erfahrungen: ======================== Schon bei meinem ersten Telefonat wusste ich, da muss ich hin. Da sind Menschen, die verstehen mich, die verstehen, warum ich so unendlich traurig bin!!! Da sagt niemand zu mir, dass Jannik doch nur ein Baby war und dass ich froh sein soll, so hat sein Leiden ein Ende. Nein, die meisten der Menschen bei den verwaisten Eltern, die hatten selber Kinder verloren, und sie konnten genau nachfühlen was nun in uns vorging.Ich wurde bestärkt, bei der Beerdigung zu tun, was ich möchte, z.B. die Musik spielen zu lassen, die ich möchte. Leider kamen mache Vorschläge für mich zu spät, denn gleich am Todestag mussten wir uns ja mit einem Beerdigungsinstitut in Verbindung setzen, heute würde ich vieles noch einmal anders machen !!!!! Aber wir wurden ermutigt, unseren Sohn auf jeden Fall vor der Beerdigung noch einmal aufbahren zu lassen, was mir sehr wichtig war und gut getan hat. So konnten wir in großen Schritten Abschied nehmen........ . Ich wollte damals diesen Schmerz schnell los werden, immerhin hatte ich noch eine damals knapp drei Jahre alte Tochter, für die ich da sein musste, auch wenn ich auf der anderen Seite meinem Sohn folgen wollte, bei ihm sein. Ich musste mich doch um ihn kümmern....................... .Nach der ersten Sitzung in der nach uns geschlossenen Gruppe wäre ich am liebsten nach Hause gelaufen, da wollte ich nie wieder hin !!! Diese anderen Eltern, mit ihren Geschichten, das war ja schrecklich, nun hatte ich nicht nur meine Trauer um meinen Sohn, sondern auch noch Angst um meine Tochter !!! Mir ging es an diesem Abend noch schlechter, als vorher. Dennoch konnte mein Mann mich überzeugen, doch wieder zu dem Treffen zu gehen, und mit jedem Treffen fühlte ich mich besser. Hier traf ich Menschen, die hatten den gleichen Verlust erlitten, hier traf ich Menschen, die haben ähnlich reagiert, auch für sie gehören die verstorbenen Kinder weiterhin zur Familie, was war in Ordnung, dass ich Janniks Fotos an der Wand lies und es war in Ordnung, dass wir ihm einen Baum gepflanzt haben. Etwas, das uns half, bei einigen anderen nur Kopfschütteln verursacht hat. Jannik war am 2.4.1998 vier Tage vor meinem 28.ixten Geburtstag gestorben, an meinem Geburtstag habe ich meinen Sohn in der Leichenhalle des Krankenhauses, wo er noch einmal gründlich untersucht wurde, besucht, um so wenigstens bei ihm sein zu können. Am 16.4.1998 wurde er beerdigt..... .Am Wochenende des Ewigkeitsonntags fand damals in Bad Seegeberg ein Trauerseminar statt. Ich wollte da unbedingt hin, denn dieses Seminar war am 22.11.1998, sein erster Geburtstag am 29.11.1998 nahte und wollte Kraft für diesen Geburtstag schöpfen. Eigentlich ging es mir inzwischen ganz gut, ich hatte ein bisschen gelernt, mit Janniks Tod zu leben und wollte für meine Tochter da sein, wollte ihr trotzdem einen schönen Advent bereiten und dieses Seminar sollte mir dabei helfen. Doch am ersten Abend erging es mir hier, wie bei der ersten Gruppensitzung. Wir hatten uns alle vorgestellt, hatten alle von unseren Geschichten erzählte, und mich beschlicht eine noch stärkere Trauer, als je zuvor und eine Angst, Angst auch noch meine Tochter verlieren zu können, hatte ich mir doch nie vorstellen können, dass so etwas in der heutigen überhaupt noch passiert. Doch schon am nächsten Morgen ging es mir besser, ich hatte eine heftige und unruhige Nacht hinter mir, wir Teilnehmer waren uns inzwischen vertrauter und die richtige Arbeit begann. An jedes einzelne Detail kann ich mich nicht mehr erinnern, aber für jedes Kind stand in der Mitte eine Kerze und es gab einen Stein mit seinem Namen. Wir haben geknetet und gemalt und anschließend zu unseren Bildern etwas gesagt. In der zweiten Nacht habe ich schon besser geschlafen und auch wenn es sich blöde anhört, ich hatte das Gefühl, dass Jannik bei mir war, er war auch zu diesem Seminar gekommen. Das Gefühl hatte ich kurzfristig schon bei der Ankunft, denn als wir in Seegeberg von der Autobahn fuhren, wurde sein Lied im Radio gespielt, als wollte er uns begrüßen. So makaber es auch klingt, ich fuhr glücklich nach Hause, dieses Seminar hatte mir unendlich viel Kraft gegeben, ich war nicht alleine und ich hatte das Gefühl, dass Jannik bei mir war, auch wenn sein Körper nicht mehr lebt, er ist immer da, wo ich auch bin !!!! Zu seinem ersten Todestag besuchten wir ein zweites Seminar, ein halbes Jahr später wurde unser erstes Folgekind geboren. Gerade in dieser Schwangerschaft voller Angst und Sorge, waren die verwaisten Eltern auch eine gute Hilfe. Nach der Geburt der Kleinen zogen wir uns langsam zurück, behielten aber weiterhin Kontakt zu einigen der Teilnehmern. Zu manchen besteht dieser Kontakt noch immer, eine betroffene Mutter ist sogar Patin meiner mittleren Tochter geworden.Seit einigen Tagen bin ich wieder in einem tiefen Loch und ich würde zu gerne noch einmal zu einem Trauerseminar fahren, dort noch einmal meine Trauer richtig erleben und sie damit verarbeiten. Doch leider ist mir das finanziell nicht möglich. Ich möchte hier dem Verein keine Vorwürfe machen, bitte nicht falsch verstehen. Leider leben wir inzwischen in einer Gesellschaft, wo es nicht immer möglich ist, Hilfe, die man benötigt, auch wirklich in Anspruch nehmen zu können. Inzwischen haben wir noch eine weitere Tochter bekommen, somit haben wir drei Töchter und müssen halt den Cent mehrfach umdrehen, um über die Runden zu kommen. Ich denke, so geht es leider vielen anderen Eltern auch, was ich persönlich sehr schade finde. Immerhin hatten wir vor acht Jahren, als die Situation mit Jannik noch frisch war, die verwaisten Eltern in Anspruch nehmen können. Doch nicht nur um mich geht es dabei, auch um meine Kinder, die wissen, dass sie eigentlich einen Bruder haben. Meine älteste Tochter hat ein bisschen was von ihrem Bruder mit bekommen, die beiden anderen wissen, nur dass es ihn gab und weil er nicht mehr da ist, ist Mama im Moment unendlich traurig und muss oft weinen. Die Kinder sind dadurch natürlich auch ein bisschen aus der Bahn geworfen, doch ich kann meine Trauer auch nicht unterdrücken, ich kann nur mit den Kindern darüber reden und ihnen ehrlich sagen, was mich bewegt. Zu gerne würde ich mit der gesamten Familie noch einmal zu einem Trauerseminar fahren, um auch die Kinder ihre Trauer verarbeiten zu lassen, damit auch sie Hilfe bekommen, und damit ich wieder eine bessere Mutter für meine lebenden Kinder sein kann....... . Leider gibt es dieses Seminar nicht auf Krankenschein, obwohl es unter dem Strich für unsere Krankenkasse sicherlich günstiger wäre. Jedes Jahr im November bekomme ich massive Probleme mit meinem Rücken, durch die Trauer, die mir die Brust zusammen schnürt und mir die Luft nimmt. Jedes Jahr wieder muss ich behandelt werden, obwohl eigentlich klar ist, woran es liegt.Fazit: ===== Wer den gleichen grausamen Verlust durch machen musste wie wir und ein Kind verloren hat, der kann bei den verwaisten Eltern wirklich Hilfe finden.
Bilder von Verwaiste-Eltern.de
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27.03.2008 09:58
Ich denke schon,daß du deinen Kindern eine sehr gute Mutter bist, denn Kinder müssen ja auch lernen, mit Trauer und Schmerz umgehen zu können, irgendwann sterben wir ja alle mal..Für dich und deine Familie alles Gute für die Zukunft!
22.07.2007 23:22
Habe deinen bericht erst jetzt entdeckt. Ich finde es sehr gut, dass du diesen Bericht geschreiben hast, damit Betroffenen wissen, wo sie sich eventuell hinwenden können. Als Betroffene kenne ich das Gefühl, dass einen befällt, die Hilflosogkeit, die unendliche Trauer - auch nach jahren wird sie nicht weniger --> man lernt nur besser damit umgehen. Dafür ist diese Selbsthilfegruppe ein hilfreicher Weg - unter anderem. Liebe Grüße Margit
21.12.2006 22:51
Gut, daß es diesen Verein, diese Gruppe gibt! Verfluchter Mist, daß die Kassen so absolut blind sind! Auch ich hoffe für Dich natürlich, daß der Schmerz weniger wird, auch wenn er nie ganz verschwindet. Aber ich habe eine Frage: glaubst Du wirklich, daß es für Deine Töchter zu verkraften ist, wenn sie jetzt solch eine Trauerverarbeitung mitmachen müssen? Das ist keine Kritik, ich möchte nur verstehen. Ich denke, sie verstehen, daß ihr Bruder gestorben ist und daß Du traurig bist, aber in wie weit haben sie selbst "Anteil" daran? Kinder sind Verdrängungskünstler & das ist manchmal nicht das Schlechteste, denke ich. Es wäre schön, wenn Du mir darauf antworten könntest, aber lass Dir Zeit (Mein pGB ist immer offen und ne mailaddy hab ich auch.) oder antworte gar nicht, wenn es zu schwer ist. Trotz Allem hoffe ich, daß ihr ein schönes Weihnachten habt und den Kummer mal vergessen könnt! Liebe Grüße (gepaart mit ganz dollen "Drückern") schickt Dir/Euch Pille