Genussmittel mit Stil
09.10.2001
Pro:
Komfort, Stauraum, Verarbeitung,
Kontra:
Fahrdynamik, Moto, Fahrwerk, Verbrauch
Empfehlenswert:
Ja
 startrecker
Über sich:
Mitglied seit:07.10.2001
Erfahrungsberichte:7
Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kein Retro-Design, sondern das Original: Die Zweitakt-Vespa PX200 gibt es seit 1977. Fürs Modelljahr 2001 hat Piaggio den handgeschalteten Klassiker behutsam und mit Geschmack renoviert. An eine glorreiche Historie anzuknüpfen ist oft schwierig: Zu subjektiv ist der Blick aufs Gute vergangener Zeiten: Deshalb lieben mache Menschen den VW Beetle oder den neuen MINI, während andere sie für bloße Modegags halten. Nicht so bei der Vespa PX200: Sie ist kein Retro-Roller – sie ist das Original. Mit selbsttragender Stahlblech-Karosserie, einseitig aufgehängten Rädern und einen rechts vor dem Hinterrad montierten Zweitaktmotor, dessen handgeschaltetes Getriebe die Kraft direkt ans Hinterrad überträgt und so weder Kette noch Zahnriemen braucht, wird die Vespa seit 55Jahren kontinuierlich produziert – 16Millionen Stück waren es bisher. „Piccole Serie“ („kleine Serien“) steht an der Halle im Piaggio-Werk in dem jedes Jahr rund 20.000 Exemplare der 1977 als „nuova linea“ eingeführten PX mit Viergang-Drehgriffschaltung vom Band laufen – neuerdings sogar in steigenden Stückzahlen. Sie tragen seit 1988 den Zusatz FL DT für Facelift und Disco/Tamburo, was für eine 200 Millimeter Trommel hinten steht. In Deutschland ist die PX mit 125 und 200 Kubik erhältlich, für Italien wird auch eine 150 Kubik-Version hergestellt. Für 2201 wurde die PX erneut überarbeitet. Auffälligstes Detail ist der neue Halogenscheinwerfer mit Klarglas-Scheibe, der das schon bisher recht passable Bilux-Licht noch mal verbessert. Auf dem Scheinwerfergehäuse gibt ein neues, in freundlichen Farben gehaltenes Cockpit Auskunft über Tempo, Sprit- und Kilometerstand. Darunter ziert das Piaggio-Logo der 50er Jahre die im Hupengehäuse auslaufende Kaskade auf dem Beinschild. Die Blinkerglaser sind nun weiß und wie das neue, rundliche Rücklicht in Chrom gefasst. In verchromte Enden laufen auch die mit weichem Schaumstoff umhüllten Lenkergriffe aus. Schließlich erhielt auch die Sitzbank eine neue Form und Polsterung. Die sorgt auf längeren Distanzen für entspanntes Sitzen. Auch die neuen, umschäumten Lenkergriffe liegen angenehm in der Hand,. Davon abgesehen werden auch erfahrene Vespisti keinen unterschied zum Vorjahremodell entdecken – technisch blieb nämlich alles beim alten. Und das muss ja nicht schlecht sein. Kar ist die Vespa wegen des außermittig montieren Antriebes rechtslastig und versucht gleich beim Abbocken dorthin zu kippen. Natürlich will die Kupplung beim Anfahren gefühlvoll dosiert werden, wie der mit reichlich Schwungmasse ausgestattete Zweitakter sonst für einen unfreiwilligen Wheelie sorgt. Nur teilweise vermag der schmächtige Zehn-Zoll-Reifen auf dem wenig belastetenVorderrad Die möglichen Bremskräfte der Scheibenbremse zu übertragen. Im dichten Verkehr oder bei Nässe muss ein PX-Fahrer eben mehr Distanz halten und vorausschauender handeln als der Lenker eines modernen Automatikrollers. Dafür ist die PX unerreicht handlich, scheint auf der Stelle drehen zu können. Schritt fahren ist kinderleicht, auch für Anfänger. Erkauft wird das durch deutliche Abstriche, bei der Fahrstabilität: Eine PX eiert durch wellige Kurven, fährt kaum je einen geraden Strich. Das erschreckt Neulinge, routinierte Vespa-Fahrer wissen es und leben damit. Denn PX-Fahren hat nichts mit Tempo und Dynamik zu tun, sondern heißt Genießen mit Stil. Das Heulen des Motors, das Klacken der leichtgängigen Schaltung haben ihren Reiz. Zudem passen zwölf PS und die damit erreichbaren Fahrleitungen eher in die Klasse braver 125er. Deshalb haben wir die PX auch an deren Maßstab gemessen – in der Klasse von 150 bis 350 Kubik hätte sie mit ihren Fahrleistungen null Punkte bekommen. Auch die Ausstattung fügt sich nicht heutigen Maßstäben. So besitzt die PX zwar weder Uhr noch Helmfach, aber einen großen Staukasten im Beinschild. Sie hat E- und Kickstarter, und man kann sie notfalls sogar anschieben. Mit optionalem Front- und Heckgepäckträger kann sie jeden Menge Gepäck schleppen, ihre Federung verbindet Komfort und Belastbarkeit. Auch das breite Beinschild, die gerade Sitzbank, der tiefe Schwerpunkt oder das Zubehör-Reserverad sind Pluspunkte der PX. Ihr Verbrauch ist allerdings nicht mehr zeitgemäß. Da die OX gewiss noch ein langes Leben vor sich hat, wird sie irgendwann auch einen effizienteren Moto bekommen.
FAZIT: Die VESPA PX 200 FL DT ist ein moderner Klassiker – und zwar mit der Betonung auf Klassiker. Wer über ihre nach heutigen Maßstäben karge Ausstattung, ihren weitgehenden Mangel an Fahrdynamik klagt, versteht sie nicht wirklich. Denn die PX-Fahren heißt Genuss jenseits von Fahrdynamik.
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29.03.2005 16:42
Hmmmm, also ich verspüre schon etwas von Fahrdynamik! 16,5 NM aus 200 ccm sind schon nicht von Pappe. Und es liegt bestimmt nicht an Kraftlosigkeit, dass der Roller alle 4 bis 5-Tausend Kilometer den Hinterreifen plattrubbelt. Und einen 90 Ps Golf mavhe ich an der Ampel auch locker platt. Ansonsten kann ich nur beipflichten: Ein erhabenes Gefühl, mit so einem schönen Gefährt aus Stahlblech und mit Shaltung unterwegs zu sein!
09.10.2001 14:06
Klasse Idee, eine Nostalgie wieder zum Leben zu erwecken! mfg franke01
09.10.2001 14:05
bald mache ich auch mal den Führerschein dafür, guter Bericht!