Veuve Cliquot Rosé Reserva 1985 Brut

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Veuve Cliquot Rosé Reserva 1985 Brut

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Ein in die Jahre gekommener Rosé-Champagner...

3  20.10.2004

Pro:
Ein knuspriger Rosé mit ansprechendem, edlen Charakter !

Kontra:
Ohne die typische Frische von einem jüngeren Champagner, die man sonst kennt .

Empfehlenswert: Ja 

michael_petruck

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...muß ja noch lange nicht "in Rente gehen"!

Liebe Weinfreunde!

Vor kurzer Zeit hatte ich das Vergnügen, bei einer kleinen Privatverkostung einen ganz besonderen Champagner kennenlernen zu dürfen. Unser Gastgeber hatte verschiedene Champagner aus seinem Keller geholt, die er dort schon einige Jahre in einer gut geschützten Ecke in Weinklimasteinen lagerte. Dabei kamen auch einige Raritäten als auch frische Champagner kleinerer, bei uns unbekannterer Häuser zum Vorschein.

Und natürlich befanden sich in seinem Besitz auch einige Flaschen Veuve Cliquot der unterschiedlichsten Arten. Besonders der Rosé Reserve hatte es ihm aber von je her besonders angetan, und so waren wir auch nur wenig erstaunt, als er uns plötzlich eine Flasche des Jahrgangs 1985 präsentierte. So manchem Leser wird nun der Gedanke durch den Kopf gehen, daß der doch sicher schon viel zu alt und nicht mehr genießbar sei. Und tatsächlich durfte ich die Erfahrung machen, daß auch einige (selbsternannte) "Weinexperten" der gleichen Auffassung waren. Also möchte ich an dieser Stelle einen kleinen "Jahrgangs-Champagner-Exkurs" dazwischen schieben.

Der Champagner ist der bekannteste Schaumwein der Welt. Er kommt ausschließlich aus dem Gebiet der Champagne und wird in der Regel aus den Grundweinen der Trauben Pinot Meunier, Pinot Noir sowie Chardonnay erzeugt. Die Grundweine werden durch Hefe zu einer zweiten Gärung gebracht - voilá, der "Wein" schäumt. Nach einer entsprechenden Lagerung auf der Hefe wird er abgfeüllt und verkauft. Die prozentuale Vermählung der Grundweine beeinflußt maßgeblich den Geschmack des jeweiligen Champagners jedes Hauses individuell.

Auf den meisten Champagnerflaschen ist kein Jahrgang zu sehen, weil sie aus Grundweinen verschiedener Jahrgänge stammen. Nur in den allerbesten Jahrgängen gibt der Kellermeister sein Einverständnis, einen Jahrgangs-Champagner zu erzeugen. Das Besondere ist daran, daß alle Trauben und daher auch alle Grundweine ausschließlich aus diesem einen Jahrgang stammen dürfen. Dann darf die Flasche auch den Jahrgang auf dem Etikett tragen. In vielen Häusern wird er als "Reserve" bezeichnet. So ein Jahrgangs-Champagner läßt sich in der Regel viel länger lagern als ein "gewöhnlicher" Champagner. Und er gibt den individuellen Charakter des jeweiligen Jahres wider.

Ein Rosé-Champagner ist widerrum eine ganz besondere Spielart. Auch hier kommen die drei Grundweinarten zum Tragen, auch hier spielt ihre Komposition zueinander eine große Rolle. Man gibt aber den roten Grundweinen etwas mehr Zeit, Farbe an den Schaumwein abzugeben; die Farbe sitzt bei allen Trauben in den Häuten, daher ist auch der Saft von roten Trauben zunächst einmal weiß. Erst du die Maischereifung gelangen die Farbstoffe aus den Häuten in das Endprodukt und ein Rosé- bzw. Rotwein entsteht. Die meisten Rosé-Champagner haben deshalb einen höheren Anteil an Pinot Noir und Pinot Meunier als Grundwein. Baut man diesen Rosé nun auch noch aus Weinen aus nur einem einzigen Jahrgang aus, so entsteht ein überaus edler Schaumwein - ein "Rosé Reserve" mit Jahrgangsangabe.

Die Witwe (frz. Veuve) Cliquot hat schon sehr früh von sich reden machen. Im Alter von nur 27 Jahren nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie 1805 das Geschäft - und war die erste, die das "Rüttel-Verfahren" optimiert hatte. Wer wissen möchte, wie sie das Problem der ständig unter Druck geplatzten Flaschen gemeistert hat, der sollte meinen Bericht über den "Rich Reserve" von Veuve Cliquot lesen. Es ist interessant und amüsant zugleich! Neben dieser Tatsache aber war sie auch die Erste, die in der Champagne einen Rosé-Champagner erzeugte und erfolgreich verkaufte. Auch ihr war bewußt, daß ein Rosé etwas Außergewöhnliches sein mußte, da alle "nur" weißen Champagner kannten und tranken. Daher erzeugt das Haus bis heute den Rosé ausschließlich als Jahrgangschampagner.

Nun haben viele von uns sicher irgendwann schon einmal die Gelegenheit gehabt, einen solchen Rosé Reserve aus dem Hause Veuve Cliquot genießen zu dürfen. Meistens bekommt man nur die jüngsten Jahrgänge angeboten; zur Zeit ist das der 1996er. Und um das noch einmal zu betonen: der wurde nicht (!) 1996 abgefüllt, sondern lag bis jetzt auf der Hefe und wird jetzt erst abgefüllt und kommt dann in die Regale der Weinabteilungen!

Man kennt den frischen Veuve Rosé als etwas herzhaft, jedoch spritzig-frisch mit lang anhaltendem Moussieren und einer leicht trockenen und zugleich am Gaumen fülligen Note. Auch in der anfangs erwähnten Runde kannten wir alle diesen Rosé im "frischen", also jüngeren Zustand. Einen 1985er hatte noch keiner von uns je gesehen, geschweige denn probiert. Wir waren sehr gespannt, als unser Gastgeber die besonderen Veuve-Gläser nahm, die anders als die typische Flöte einen untersetzten, etwas bauchigeren Körper mit einer Verdichtung nach oben und einer stark ausgestellten Tulpe hat - Fast wie ein Grappa-Glas, nur mit einem langen Stiel. Diese Gläser gibt es für gewöhnlich nicht zu kaufen, nur in einigen besonderen Geschäften hat der Kellermeister ein paar in seinem Lager. Durch die ausgestellte Tulpe werden Fruchtnoten und Restsüße deutlicher, weil man die am Anfang der Zunge wahrnimmt, wo sie durch diese besondere Form beim Trinken auch direkt hingebracht werden.

Schon beim Öffnen der gekühlten Flasche grinste einer der Gäste etwas hämisch; man hörte nur einen ganz leisen Zischlaut, kein "Plopp". Das Fazit war klar: keine Kohlensäure mehr, Essig, weg damit! Aber so voreilig darf man nie sein! Nur nebenbei: sollte der Kellner im Restaurant die Flasche am Tisch mit einem lauten "Plopp" öffnen, so handelt es sich um einen Unwissenden oder einen Angeber! Der Profi öffnet die Flasche fast lautlos und dreht dabei nur die Flasche, nicht aber den Korken. Achten Sie das nächste Mal darauf, wenn Sie eine Flasche bestellen sollten.

Gespannt achteten wir nun auf jedes Details, während unser Gastgeber die Gläser etwa daumenbreit füllte. Die Farbe war eindeutig dunkler als bei einem jüngeren Veuve Rosé, etwas gedeckter und dichter fast schon. Auch das Moussieren war leichter und weniger stürmisch als es die meisten von uns kannten. Langsam stieg eine Säule mit Perlen nach oben; für gewöhnlich sieht man in einem Glas 2 bis 3 Säulen schnell aufsteigender Bläschen. In meiner Nase zeigten sich weniger frische Noten als sonst; er war fast etwas würzig und erinnerte mich an rote Johannisbeeren und den Geruch von sauren Drops.

Am Gaumen legte er sich leichter als seine jüngeren Artgenossen über meine Zunge. Seine Säure war noch spürbar, aber bereits ruhiger und nicht mehr so prickelnd und "aufmüpfig", was mich an diesem Rosé bei Jüngeren Jahren immer schon ein wenig gestört hatte. Ich mag eine zu stark betonte Säure bei einem Rosé nicht so gerne; dieser hier hatte genau das richtige Maß für mich. Er zeigte noch immer eine ansprechende Fülle und einen eindrucksvollen Charakter. "Weinig" müßte man ihn nennen, das hohe Maß an Frische ist weitestgehenst verschwunden. Dafür tritt eine fast als "knusprig" zu nennende Säure zutage, die das Gesamtbild in sich harmonisch erscheinen läßt. Der Eindruck eines leicht moussierenden, reifen und leichten Rotwein mit wenig Biß entsteht.

Die Frucht war auch nicht zu verachten. Reif und nicht in üppigster Form waren kleine Beerenfrüchte, leichte getrocknete Pflaumennoten und Nelken zu spüren. Bei genauerem Rollen über die Zunge kehrten die roten Johannisbeeren wider, begleitet von dem Aroma in Alkohol eingelegter Walderdbeeren. Eine sehr interessante Kombination, die aber in sich stimmig wirkte. Es war ein Geschmack, wie ich ihn schon bei vielen Prestige-Champagner, den Edel-Cuvées verschiedener Häuser, kennen gelernt hatte. Auch die zeigten sich aufgrund ihres Lagerpotentials, der Jahrgänge und ihrer besonderen Trauben- und Grundweinauswahl immer eher von einer etwas weinigeren Natur, die nur wenig an die sonst übliche Frische des Champagners erinnert.

Für mich traf ein Wort für die Charakterisierung dieser 85er Rosés am besten zu: charmant! In dieser Runde war ich damit nicht allein, aber den meisten Mittrinker behagte dieser ruhige Geselle doch weniger als die frivolen, prickelnden Champagner jüngeren Alters. Es ist halt eine reine Geschmackssache.

Tatsache ist, daß man diesen Champagner nur direkt über Veuve Cliquot beziehen kann. Die wenigsten Weinhändler haben so ausgesuchte Kundschaft, die sich dann auch noch die Zeit nimmt, sich mit einem Champagner geduldig auseinander zu setzen. Viel lieber frönen die meisten dem jungen, spritzigen Vergnügen, für das der Champagner überall bekannt ist. Außerdem muß man sagen, daß dieser Jahrgang nun auch bald getrunken sein sollte. Einen besonderen Stellenwert hatte der 85er nur bei ganz Großen wie zum Beispiel Dom Perignon oder La Grande Dame Rosé, die dann aber auch schnell an die 250 Euro pro Flasche kosten können. Dieser Rosé von Veuve Cliquot wäre mit rund 40 Euro dagegen richtig günstig.

Für mich war es auf alle Fälle ein Erlebnis. Und wenn Sie noch Sekt oder Champagner seit längerer Zeit im Keller liegen haben - nicht gleich wegschütten. Er könnte interessant sein! Wie der Kriter-Sekt 1971, der heute gar nicht mehr mit Jahrgang hergestellt wird und den ich bei dieser Probe auch kennenlernen durfte. Aber davon ein anderes Mal!

Schreibt mir Kommentare, Fragen, Anregungen - ich freue mich darüber! Bis dahin, hochachtungsvoll

Euer Weinmichel

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ladylaluna

Ladylaluna

22.10.2004 15:37

1A Bericht, zur Hochzeit haben wir auch eine Flasche Veuve Cliquot bekommen, werde in jetzt mal einkühlen und dann zum ersten Monats-Hochzeitstag genießen. Gruß S

Dr.Claudia

Dr.Claudia

20.10.2004 15:55

Rosé-Champagner ist mein persönlicher Favorit und diesen hier hätte ich auch gern verkostet. LG Claudia

Federico2

Federico2

20.10.2004 14:13

Sehr schöner Bericht. Ziehe aber jede gute Flasche Wein einem Champagner vor. Grüße Federico2

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