Satanisten? Eigene Erfahrungen? Glaub ich nicht.

2  24.02.2002

Pro:
Unterhaltungswert .

Kontra:
Unglaubwürdig, Widersprüche

Empfehlenswert: Nein 

Asura

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:22

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 109 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Seid gegrüßt.
Ich war sehr erschreckt, ja wirklich zutiefst verwirrt, als ich las, dass Menschen dieses Buch mit 5 Sternchen bewerteten. Es sind jetzt 5 Berichte zu diesem Buch vorhanden und alle (!) sahen in diesem Buch nichts was man anzweifeln könnte?!

Dieses Buch erschien unter dem Pseudonym „Lukas“ und heißt „Vier Jahre Hölle und zurück“
Es erzählt ein junger Deutscher über (angebliche) Ereignisse in einer satanischen Gemeinschaft.
Lukas, die Hauptperson dieses „Erfahrungsberichts“ (erschienen im Bastei-Verlag unter der Rubrik „Erfahrungen“) beschreibt dabei die Zeit zwischen seinem 15. und 20. Lebensjahr.
(Kleine Anmerkung: die Bücher dieses Verlages findet man nicht nur in Buchhandlungen sondern auch noch an zahlreichen Kiosken *g*)

Handlung:
*****************************

Über seinen biologischen Vater schreibt er nichts, seine Mutter ist allgemein als „netter“ Mensch beschrieben, allerdings empfindet er sie als schwach, weil sie ihre 5 Kinder nicht beschützen konnte. Berichtet wird aber von Lukas’ Stiefvater, einem gewalttätigen Mann mit türkischer Herkunft.
Im Alter von 11 Jahren lässt Lukas sich nach eigenen Angaben selber in ein Heim einweisen.
Im Heim wird er auch gegenüber seinen Mitbewohnern gewalttätig. Er erfährt wieder Gewalt, diesmal durch ältere Heimbewohner.
Lukas ist sehr großer Fan von Horrorfilmen
Lukas’ Wochenenden sind durch extremen Alkoholkonsum und Schlägerein geprägt. Schulisch hat Lukas einige Probleme, und ergreift ein Malerpraktikum und später, während seiner Satanistenzeit, eine Schreinerlehre.
Über einen wesentlich älteren Freund namens Peter kommt er zu einem Treffen einer satanischen Gruppe. (das Treffen findet auf einem alten Fabrikgelände statt, welches sehr anschaulich beschrieben wird)
Bei dieser „Schwarzen Messe“ (bei der die Anwesenden meist Erwachsene waren) beobachtet er ein Ritual mit Schafopfer und Blut trinken.
Im Folgenden wird er zusammengeschlagen, damit er zur nächsten Messe wieder kommt. Er kommt ins Krankenhaus, und ist ab diesem Zeitpunkt bei der Satanistengruppe dabei.
Kurz darauf wird er als „Jünger“ aufgenommen, ihm wird eine Tätowierung mit einem Pentagramm und der „666“ verpasst.
Lukas macht mit seiner Freundin Schluss.
Nach 2 Monaten steigt er in der Hierarchie auf (nachdem er einen lebendigen Hamster verzehrt hatte)
Lukas erfährt, dass diese Gruppe Teil einer internationalen Organisation ist.
Um weiter aufsteigen zu können muss er erst Fremde dann seine Freunde auf offener Straße zusammen schlagen.
Lukas wird gedroht, dass seinen Eltern etwas zustoßen wird, wenn er die Gruppe verrät oder nicht mehr zu den Treffen kommt.
Lukas erhält als „privaten Besitz“ eine Frau zugewiesen
Lukas geht in der Folge in die USA zu weiteren Ausbildungen. Dort erfährt er von den verschiedenen Berufen die in dieser Organisation vorhanden sind (Ärzte, Polizisten, Rechtsanwälte etc.), trotzdem wird der ehemalige Sonderschüler (!) Lukas (ohne Englischkenntnisse) auserkoren, ein Kader zu werden.
Kommt nach 2. Aufenthalt in USA zurück und gerät wieder zu haus mit den Betreuern in Konflikt, versucht einen umzubringen, daraufhin erzählt Lukas, dass er Satanist ist.
Lukas kommt zu Sektenexpertin Marlies
Lukas erzählt alles....
Kommt aus „Sekte“ frei

So viel zur Handlung...


Kritik
**********************************

Jetzt etwas zu dem Grund warum ich diesen Bericht schreibe...
Alle diejenigen, welche dieses Buch schon gelesen haben, sollten es noch einmal lesen. Alle diejenigen, welche einen „Produktbewertung-sehr-gut-Bericht“ geschrieben haben, sollten sich das Buch und dann ihren Bericht noch mal durchlesen. Es ist OK wenn dieses Buch euch berührt hat, ja wirklich, aber die Frage ist, ob es nicht nur genau das sollte. Von einem Erfahrungsbericht kann hier meiner Meinung nach nicht gesprochen werden.

Begründung:
Es passen meiner Meinung nach zu viele Sachen nicht zusammen. Manche sind seltsam, manche erscheinen recht unglaubwürdig und noch andere relativ unmöglich.

Beispiele:
Lukas beschreibt eine Schafsopferung bei der der Priester einem Schaf den Bauch aufschneidet, in den Bauch greift und nach kurzer Zeit das Herz herauszieht. Danach beißen seine Schergen ein Stück davon raus, und der Priester als letzter auch.
Problem: Schon mal probiert von einem blutigen (FRISCHEN) Stück Herz (Muskelgewebe) etwas abzubeißen? Mit einem menschlichem Gebiss?!

Nachdem der Priester das Herz langsam und genüsslich kauend aufgegessen hatte, stach er in die Halsschlagader des Schafs und es spritzte immer noch (nachdem er vor mindestens einer halben Minute den Bauch aufgeschlitzt und das Herz herausgerissen hat)
Vielleicht ist das darauf zurück zu führen, dass Lukas ein sehr großer Horrorfilm-Fan ist und er hat es dort mal (schlecht recherchiert) gesehen...

Lukas führt folgendes an, was von einem Priester gemurmelt wurde: "...in nomine nostri satanei“ dieser Ausspruch ist aber völlig sinnlos, müsste wohl eher heißen: "in nomine nostri satanae" (hätte man das nicht besser recherchieren können?)

Warum wird gerade Lukas als ehemaliger Sonderschüler auserkoren um Priester oder ähnliches zu werden? (er hat eher körperliche Fähigkeiten wie Schlagkraft als intellektuelle Fähigkeiten)

Zufällig sind alle Frauen die Lukas im Laufe seines Buches kennen lernt sehr hübsch und ein paar davon verlieben sich auf Anhieb in ihn *g*

Er lernt in den USA am Strand ein Mädchen kennen, sie ist natürlich auch sehr hübsch und heißt auch noch Pamela.

Lukas erzählt vom „Sonnwendfest“ am 7.7. eigentlich ist es aber am 21.6.
Dieser Fehler bei einem echten Satanisten?!

Weiterhin gibt es in diesem Buch viele Handlungen die Spuren hinterlassen müssten:
Die Menschen die in Amerika am Strand angesprochen und später geopfert wurden, müssen doch vermisst worden sein? (jedenfalls manche)

Gewalttaten
Lukas muss eine Zeit lang Fremde und Freunde zusammen schlagen um nur noch an die Satanisten gebunden zu sein.
Unter anderem schlägt er zusammen:
Dirk (einen Freund)
Natalie (sie ist schwanger, und verliert ihr Kind durch die Schläge von Lukas)
Einen „fetten Kerl“ vor einer Kneipe (dieser hatte Lukas’ Frau angegraben)
Christoph Hager, Werner Siegländer, Detlef Köster (und andere ehemalige Mitschüler, Nachbarn, Bekannte, Freunde)
Ein Kerl vor einer Disko
....
all diese Gewalttaten von Lukas und seinen angeblichen Satanisten hätten angezeigt werden können...das muss doch mit der Zeit auffallen, wenn ständig Anzeigen bei der Polizei eingehen mit ein und derselben Täterbeschreibung.

Lukas schreibt darüber: „diese Art von Prüfungsvorbereitung zog sich über Monate hin. Fast jedes Wochenende bekam ich nun einen solchen Auftrag.“
Das heißt es müssen sehr viele Opfer gewesen sein, und keiner zeigt Lukas an?!


Weiterhin zelebrierten Lukas und seine „Satanisten“ bei kirchlichen Anlässen Störungsakte. Solche Störungsakte religiöser Art können eindeutig angezeigt werden.

Lukas erzählt am Anfang ständig, dass es Prügel gab, wenn man nicht zur Messe ging, später allerdings, als er sich 2 Wochen lang absetzt, bekommt er vom Priester Videos von den Messen welche er sich ansehen soll, weil er sie verpasst hat. Noch später darf er als Strafe nicht zu den Messen gehen.

Im allgemeinen will ich nicht sagen, dass es keine Satanisten gibt, die so etwas unter Umständen machen. Zweifelhaft ist nur, ob a) Lukas überhaupt existent ist, oder das Buch von einem verlagseigenen Schreiber verfasst wurde und b) falls es doch Lukas gibt, ob dann die Geschichte der Wahrheit entspricht, oder nur seiner Phantasie entsprungen ist.

Lukas stellt sich im Laufe dieses Buches oft als geistig verwirrt dar. Trotzdem glaubt ihm Marlies (die Sektenexpertin) alles was er ihr erzählt. Also mal angenommen, Lukas würde es wirklich geben, warum glaubt eine ausgebildete Sektenexpertin einem geistig verwirrtem Menschen alles was er ihr erzählt, ohne ein paar Nachforschungen anzustellen?!

Dieses Buch ist meiner Meinung nach gut ausgedacht, ob nun von Lukas selber oder einem verlagseigenen Autor. Ich habe dieses Buch zum ersten mal im Alter von 16 Jahren gelesen, und nun noch einmal, um diesen Bericht gewissenhaft schreiben zu können.
Falls Lukas reell ist, so sind zu viele Sachen in diesem Buch nur Ausdruck einer blühenden Phantasie. Meiner Meinung nach klingt es, als ob der erfolgslose Maler einen Weg suchte, sein Leben aufzuwerten. Das Fachwort ist wohl Profilneurose

Lukas beschreibt, dass er lernt, wie man mit ein paar Kräutern offene Wunden in ein paar Stunden und Brüche in ein paar Tagen heilen kann. Wieso kann er das jetzt nicht mehr? Jetzt könnte er damit sicher sehr viel Geld machen.

Vielleicht noch eine Anmerkung: Ich habe in einem anderen Bericht zu diesem Buch gelesen, dass Lukas dieses Synonym gewählt hat, damit seine „Glaubensbrüder“ ihn nicht verfolgen könnten. Eigentlich kommt aber im Laufe des Buches (vor all em am Anfang ständig heraus, dass die Satanisten alles wissen. Der Priester aus den USA kann ja sogar Gedanken lesen. Also ist dieses Versteckspiel recht sinnlos. Außerdem bei dieser genauen Beschreibung der Organisation wird es diesen Menschen (wenn es sie gibt) nicht schwer fallen, darauf zu kommen, dass ihre Gemeinschaft gemeint ist, und dass Lukas der Typ von damals war, der sich später von der Sekte losgesagt hat. (alle anderen die sich losgesagt haben müssten ja nach Lukas’ Ausführungen aufgrund der Brutalität der Gemeinschaft tot sein)

Empfehlenswert ist dieses Buch insofern, dass man sich einen Überblick verschaffen kann, über die Effekthascherei mit der unter anderem an das Thema Satanismus herangegangen wird.

Daten zum Buch
Autor: Lukas
Titel: Vier Jahre Hölle und zurück
Genre: Erfahrungsbericht
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 239
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 12,90 DM
Ausgabe: Erstveröffentlichung
Aufbau in Kapiteln


Auf bald.

Dank fürs Lesen, würde mich über Kommentare freuen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
nadine1978

nadine1978

23.07.2009 14:05

Toller Bericht, anscheinend gibt es doch noch ein paar Leser, die ihr Hirn nicht auf Standby schalten, nur weil etwas als Erfahrungsbericht verkauft wird. Wenn hier jemand meint, es sei egal, ob die Geschichte wahr ist oder nicht: Das sehe ich anders. Wenn Fiktion als Tatsachenbericht verkauft wird, ist das aboslut nicht akzeptabel. Und wenn jemand jedes Wort des Buches glaubt - wie erklärt er sich dann die unzähligen Ungereimtheiten? Soviele Gewalttaten und Gottesdienststörungen etc. würden definitiv irgendwelche Spuren hinterlassen, z. B. Medienecho, Anzeigen, Spuren der Verwüstung auf Friedhöfen usw. Hut ab, Asura, mach weiter so!

Babyschlumpf

Babyschlumpf

19.04.2003 21:26

Ich hätte das Buch auch mit fünf Sternen bewertet, denn es ist einfach eines der besten Bücher die ich je gelesen habe. Und dabei interessiert mich nicht ob es wahr ist oder nicht. Dieses Buch ist genauso gut wie die von Steven King. Die Beschreibungen in den Büchern sind einfach fantastisch. Aber trotzdem ist dein Bericht echt klasse und im Gegensatz zum Buch gut recherchiert! Liebe Grüße Anja

Bateman16

Bateman16

23.07.2002 00:04

Bisher der einzig korrekte Bericht über dieses Buch!

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