Visible World - Jan Garbarek

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Visible World - Jan Garbarek

1 - CD - Ecm Record - Universal - 25. März 1996 - 731452908629

> Detaillierte Produktbeschreibung

80% positiv

2 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "Visible World - Jan Garbarek"

veröffentlicht 13.01.2003 | plumtree
Mitglied seit : 30.11.-0001
Erfahrungsberichte : 165
Vertrauende : 0
Über sich :
Sehr gut
Pro ruhige Jazzmusik - tolles Saxophon - Klang
Kontra langatmig - CD zu lang
sehr hilfreich

"Jazz für Anfänger"

Allen anders lautenden Gerüchten zum Trotz gibt es auch auf dieser Garbarek-CD keine Volksmusik zu hören.
In einem Karstadt Prospekt haben echte Kenner der Szene auf den "volksmusikalischen Charakter dieser neuen CD des Meisters am Saxophon" hingewiesen. Sie lagen haarscharf daneben ;-)

Tatsächlich ist diese CD aber wesentlich zugänglicher als die meisten anderen seiner Alben. Natürlich gibt es auch hier Jazz vom Allerfeinsten zu hören. Aber die einzelnen Stücke sind keine Improvisationsarien und meist gibt es eine klare Struktur, die aber seinen Side(wo)men ordentlich Platz zu ausgiebigem Getrommel, Gezupfe und Geklimper gibt!

Ein wichtiger Punkt bei Jazz-Cds ist die Zusammensetzung des Ensembles und so will ich Jan Garbareks Mitspieler wenigstens dem Namen nach vorstellen. "Alten" Jazzfans wird natürlich ein Schnalzer entfahren (aber die haben die CD längst...), dem interessierten Leser wird's vielleicht gar nichts sagen, aber sei's drum; es gehört dazu:

Jan Garbarek - Saxophone, Clarinette, Keyboard, Percussion

Rainer Brüninghaus - Piano, Synthesizer
Eberhard Weber - Bass
Marilyn Mazur - Drums, Percussion
Trilok Gurtu - Tabla
Mari Boine - Vocals

Das Saxophonspiel Garbareks wird immer als "nordisch weit" beschrieben. Dieser weite klare, etwas melancholische Ton ist natürlich auch hier charakteristisch. Ausserdem kommt Jan Garbarek aus Norwegen, da liegt dieser Vergleich natürlich nahe.
Dazu kommt seine atemberaubende Technik, die jeden der jemals versucht hat einem Saxophon einen Ton zu entlocken in eine starke Sinnkrise stürzt.
Seine Entwicklung vom Free Jazz zum eher melodischen Jazz-Folk-Ethno Stil ist spannend und interessant zu verfolgen. Schon auf vorherigen Alben waren deutliche Stiländerungen zu erkennen, so ist eine CD mit dem klassischen Hillyard Ensemble (die sich auf Gregorianische Chöre spezialisiert haben) entstanden.

Diese CD beginnt mit "Red Wind", einem sehr rythmischen aber langsamen, sehr eindringlich gespielten etwas untypischen Song, denn der Rest ist wesentlich stärker komponiert, nicht so verspielt.
Es folgen minimalistische Melodien, Akkorde und Rythmen - immer wieder abgelöst von brillianten Improvisationen, die nie ausufernd werden und die ruhige Stimmung des Albums unterstreichen.
Es gibt einzelne Stücke die man herausheben kann ("Creek"), aber das Album ist ein Gesamtkunstwerk. Es macht keinen Sinn, Song für Song abzuarbeiten.
Man muß sich auf die vorherrschend melancholische z.T. verstörende Stimmung einlassen.
"Desolate Mountains" klingt tatsächlich nicht sehr optimistisch!
Hier die Playlist der vorliegenden Songs:

01. Red Wind - [3:53]
02. The Creek - [4:33]
03. The Survivor - [4:46]
04. The Healing Smoke - [7:16]
05. Visible World (chiaro) - [4:09]
06. Desolate Mountains I - [6:47]
07. Desolate Mountains II - [6:02]
08. Visible World (scuro) - [4:34]
09. Giuletta - [3:46]
10. Desolate Mountains III - [1:33]
11. Pygmy Lullaby - [6:14]
12. The Quest - [3:00]
13. The Arrow - [4:23]
14. The Scythe - [1:50]
15. Evening Land - [12:29]

An vielen Stellen wirkt "Visible World" wie ein durchkomponiertes Werk, das seinen Musikern einfach viele Freiräume zum eigenen Spiel läßt.

Vor allem Garbarek selbst beeindruckt immer wieder durch sein unglaubliches Saxophon.
Aber auch seine Mitmusiker sind wahre Meister an ihren Instrumenten. Vor allem Eberhard Weber am Bass setzt starke Akzente.
Ansonsten spielt das sehr gut eingespielte Kammerjazzensemble mit den Möglichkeiten des Folks ebenso souverän wie mit denen des Jazz.


Echten Hardcorejazzhörern wird dieses Konzept aus einfachsten Melodien, komponierten klassisch anmutenden Passagen mit jazzigen Einsprengeseln auf Dauer etwas eintönig sein.
Wer aber einen schönen, interessanten, nicht zu gewagten Einstieg in die Jazzmusik wagen will und bereit ist, ca. 70 Minuten wirklich zuzuhören wird diese klanggewaltige CD so bald nicht mehr aus dem Player nehmen.
Cover und Booklet beschränken sich auf's Notwendigste.
Die Klangqualität ist ECM-typisch phänomenal. Man meint Jan Garbarek und die anderen neben sich musizieren zu hören.
Am Ende finde ich die Mischung etwas ermüdend und man ertappt sich ab dem 12./13. Song (von15) dabei, verstohlen auf den Player zu schauen wie lange es noch geht...
Die CD ist 10 Minuten zu lang!


P.S. Wer an Jan Garbarek Gefallen gefunden hat, sollte sich unbedingt auch "Magico" von Jan Garbarek, Charlie Haden, Egberto Gismonti anhören

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • hr.biernot veröffentlicht 13.01.2003
    Ehrlich gesagt, ist Jazz nicht so mein Ding. Ab und zu kann ich mal ein paar Lieder hören, dann ist aber auch gut damit.
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Produktdaten : Visible World - Jan Garbarek

Produktbeschreibung des Herstellers

1 - CD - Ecm Record - Universal - 25. März 1996 - 731452908629

Haupteigenschaften

Titel: Visible World

Künstler: Jan Garbarek

Komponist: .

Genre: Jazz

Schlagworte: Modern Jazz; Avantgarde / Free Jazz

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 25. März 1996

Label: Ecm Record

Vertrieb: Universal

EAN: 731452908629

Titel auf CD 1

1.: Red Wind

2.: The Creek

3.: The Survivor

4.: The Healing Smoke

5.: Visible World - Chiaro

6.: Desolate Mountains I

7.: Desolate Mountains Ii

8.: Visible World - Scuro

9.: Giulietta

10.: Desolate Mountains Iii

11.: Pygmy Lullaby

12.: The Quest

13.: The Arrow

14.: The Scythe

15.: Evening Land

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