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Die Vögel - Alfred Hitchcock (DVD)

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Die Vögel - Alfred Hitchcock (DVD)

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Kreisch: It's the end of the world!

5  26.09.2006

Pro:
spannend, unheimlich, anrührend, gute Schauspieler, umfangreiches Bonusmaterial, guter Sound, sehr gutes Bild, sehr trickreich

Kontra:
die Dokumentationen für Omitted Scene und Originalschluss laufen zu schnell ab, fehlende Bio -  und Filmografien

Empfehlenswert: Ja 

mima17

Über sich: Mein jüngster Bericht: "Drohende Schatten. RdZ1" (CD). +++ Die "Königin der Träume&qu...

Mitglied seit:12.11.1999

Erfahrungsberichte:3925

Vertrauende:323

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 95 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich wollte schon immer eine DVD-Bibliothek mit Hitchcock-Filmen aufbauen, und endlich sind die Preise dafür so weit gefallen, dass das Vorhaben eine vertretbare Investition ist. Zudem gibt es seit wenigen Jahren restaurierte Fassungen bestimmter Hitchcock-Klassiker, die auf DVD besser aussehen als alles, was man von dem betreffenden Film jemals im Kino oder Fernsehen sehen konnte: Dazu gehören die restaurierten Klassiker:

- Die Vögel
- Vertigo
- Marnie
- Der Mann, der zuviel wusste
- Das Fenster zum Hof

Jede dieser hochwertigen DVDs der "Hitchcock Collection" enthält ein kleines Booklet mit Hintergrundinfos. Dies trifft für die günstiger erhältlichen Hitchcock-Filme aus der Zeit vor 1960 nicht zu.

Filminfos
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O-Titel: The birds (USA 1963)
Dt. Vertrieb: Universal
FSK: ab 16
Länge: ca. 115 Min.
Regisseur: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Evan Hunter
Musik: keine!
Darsteller: Tippi Hedren, Rod Taylor, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright u.a.

Handlung
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Die Handlung beginnt an einem Donnerstag in San Francisco und endet am Montag in Bodega Bay, einem Fischerdorf zwei Stunden nördlich von San Francisco.

Melanie Daniels (Tippi Hedren), ist die reiche und etwas verzogene Tochter eines Pressezaren in San Francisco. Als Promi stand sie bereits in den Klatschspalten: Angeblich soll die in Rom nackt in einem Brunnen gebadet haben. Außerdem erfahren wir schon bald, dass sie anderen Leuten gerne kecke Streiche spielt, und zwar auch vor Gericht. Ihr eilt also ein übler Ruf voraus.

Am Donnerstag begibt sie sich in die Tierhandlung, um für eine Freundin einen sprechenden Vogel zu kaufen. Als der Strafverteidiger Mitchell Brenner (Rod Taylor) dort auftaucht, um für seine Schwester Cathy ein Paar Lovebirds zu kaufen, tut er so, als wäre Melanie, die er schon kennt, eine gewöhnliche Verkäuferin. Sie soll ihm Lovebirds zeigen. Sie stutzt zuerst, doch aufgrund ihrer schalkhaften Natur lässt sie sich auf das Spiel ein. Es entwickelt sich ein schlüpfriger Dialog, in dessen Verlauf allerdings ihre totale Ahnungslosigkeit in Sachen Vogelkunde deutlich wird. Sogar als sie einen Vogel aus seinem Käfig holen soll, entschlüpft er ihr. Mitch fängt ihn ganz cool wieder ein: das Inbild der Verlässlichkeit. "Back into your cage, Melanie Daniels!" Er nennt sie bei ihrem Namen! Da wird ihr klar, das nicht sie ihn, sondern er sie an der Nase herumgeführt hat. Und Liebe ist lediglich ein Spiel, über das man Witze macht. Sie beschließt, sich zu rächen.

Am Freitag taucht sie mit einem Käfig Lovebirds - die im Untertitel "Unzertrennliche" genannt werden - in Mitchs Hotel auf. Da sie Mitchs Autokennzeichen notiert und mit ihren ausgezeichneten Beziehungen im Handumdrehen auch seine Adresse herausbekommen hat, weiß sie, in welchem Hotel er wohnt. Ein Hotelgast verrät ihr, dass Mitch übers Wochenende immer nach Bodega Bay fährt.

Ans Ende der Welt

Sie folgt Mitch am Samstag. Mit ihrem teuren ausländischen Sportwagen schneidet sie keck die Kurven und frisst die Kilometer förmlich auf. Auf der Post erfährt sie, wo Mitch wohnt - und mit wem: Seine Mutter und seine Schwester leben bei ihm. Wieso ist er nicht verheiratet?

Sie will nicht offenbaren, dass sie es auf ihn abgesehen hat und will ihr Geschenk statt ihm lieber seiner Schwester schenken, die bald elf Jahre alt wird. Um herauszubekommen, wie die Schwester heißt, besucht sie deren Lehrerin. Annie Hayworth (Suzanne Pleshette), so stellt sich heraus, war vor vier Jahren in Mitch verliebt, doch seine Mutter Lydia stand zwischen ihnen und aus der Verbindung wurde nichts. Als Lydias Mann vor fünf Jahren starb, erlitt sie einen Zusammenbruch und hat seitdem Todesangst davor, alleingelassen zu werden. Mitchs Schwester heißt Cathy (Veronica Cartwright), nicht etwa Alice oder Lois, wie Postler Brinkmeyer meint.

Aber Melanie fährt nicht außen um die Bucht herum, sondern mietet ein Motorboot, um den kürzesten Weg nehmen zu können. Als sie merkt, dass niemand ihre Annäherung entdeckt hat, dringt sie ohne zu fragen in das Haus der Brenners ein und hinterlässt ihren Vogelkäfig für Cathy, inklusive Glückwunschkarte. Als sie wieder abfährt, wird sie von Mitch entdeckt, der sogleich mit dem Wagen hinterher fährt. Als sie sich wieder dem Hafen von Bodega Bay nähert, wartet Mitch bereits auf sie. Doch die nette Überraschung wird jäh verdorben durch die Attacke einer Möwe, die Melanie eine blutende Kopfwunde zufügt.

Im Laufe der Handlung, die sich in Bögen von An- und Entspannung steigert, ereignen sich weitere Vogelangriffe. Eine Möwe kracht in Annies Fenster, dann wird Cathy auf ihrer Geburtstagsparty attackiert und schließlich findet die berühmte Attacke der Krähen auf Annies Schule statt. Annie, Melanie und Cathy bringen die Schulklasse in Sicherheit, doch der Angriff fordert einige Verletzte. Was ist hier bloß los? Und warum?

Doch es kommt noch schlimmer…

Mitch versorgt im Hafenrestaurant Melanies Kopfwunde und fragt nach dem Grund ihres Besuchs in dem abgelegenen Städtchen. Sie behauptet kaltschnäuzig, sie kenne Annie - die er natürlich gut kennt - noch von der Schule und vom College. Mitch durchschaut die Lüge, lässt sich aber nichts anmerken, denn bald findet sich Gelegenheit, ihr eins auszuwischen. Melanie bleibt bei ihrem Lügengespinst, sagt, sie kenne deshalb auch Cathy und habe von ihrem Geburtstag erfahren. Daher das Geschenk. Als Mitchs Mutter Lydia eintritt, ergreift Mitch die Chance, sich an Melanie zu rächen und lädt sie zum Abendessen ein. Melanie kann nicht ablehnen, ohne ihn zu brüskieren. Lydia bekommt sofort Angst, diese zwielichtige Frau aus den Klatschspalten wolle ihr ihren Sohn wegnehmen und sie allein lassen. Entsprechend abweisend ist sie beim Abendessen.

Schatten der Vergangenheit

Melanie findet Unterkunft und mehr Informationen bei Annie Hayworth. Mehr und mehr verstrickt sie sich mit der Familie Brenner, besonders

Bilder von Die Vögel - Alfred Hitchcock (DVD)
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Die Vögel - Alfred Hitchcock (DVD) Bild 21331934 tb
Das DVD-Cover
nach dem Angriff auf die Schule. Als Annie von den Vögeln getötet und der Nachbar Dan Fawcett tot von Lydia aufgefunden wird, beherrschen Furcht und Schrecken die Brenner-Familie. Melanie kümmert sich rührend um Cathy und wird für sie ein Mutterersatz, für Lydia wird sie die rührend besorgte Schwiegertochter. (Melanie selbst wurde von ihrer Mutter verlassen, als sie elf war.)

Menschen im Käfig

Die Vögel dringen in das Haus ein, das in der Folge verbarrikadiert wird. Eine weitere Attacke bringt Mitch Verletzungen ein, und danach sind alle nervlich am Ende und legen sich im Wohnzimmer schlafen. Alle bis auf die rastlose, kecke Melanie. Sie hört als einzige ein verdächtiges Flattern - vielleicht oben aus den Schlafzimmern? Sie nimmt eine Taschenlampe und steigt lauschend die Treppe empor. Wieder ein ominöses Flattern Sie zögert und fragt sich, ob sie den Türknauf wirklich drehen soll, doch dann betritt sie den dunklen Raum. Er ist voller Vögel…

Mein Eindruck: der Film
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Nicht erst seit "Psycho" spielen Vögel eine wichtige symbolische Rolle in Hitchcocks Filmen. Sie sind nicht nur Agenten des Chaos, sondern viel häufiger noch dessen äußeres Merkmal und Orakel. Sie künden stets Unheil an, so etwa in "Blackmail", einem sehr frühen Hitchcock aus dem Jahr 1929. In viktorianischer Literatur bezeichneten Vögel Zwietracht und kündigten Unglück an. In "Psycho" ist das Bates Motel vollgestellt mit unheimlichen ausgestopften Raubvögeln wie etwa Eulen…

Raffinierte Soundeffekte

Das, was Melanie in dem Zimmer voller Vögel zustößt, erinnert in seinem Horror und seiner Machart stark an die Duschszene in "Psycho". Nur die Musik fehlt, doch diese wird vollwertig ersetzt durch die Soundeffekte, die Hitchcock mit einem deutschen Erfinder namens Friedrich Trautwein und seinem Komponisten B. Herrmann ausgetüftelt hatte. Das Trautonium erlaubt die Wiederholung und Manipulation beliebiger Samples. (In der Bildergalerie ist Hitch vor dem Trautonium zu sehen.) Sein Einsatz ist das wichtigste dramatische Element, da der Dialog auf ein Minimum reduziert ist.

Erschöpfter Star(ling)

Die Wirkung dieser Szene auf den Zuschauer ist mindestens ebenso erschreckend wie sie damals auf die Schauspielerin war. Nach den fünf Tagen, die sie daran arbeiten musste, war Tippi Hedren krankenhausreif. Das ist der Grund, warum wir nicht ihr Gesicht sehen, wenn Mitch die Verletzte die Treppe hinunterträgt und aufs Sofa legt: Es handelt sich um ein Double! Erst als sie wieder die Augen öffnet, ist es Hedren selbst, die nach einer Woche ärztlicher Behandlung wieder am Set erschien. Sie spielt eine traumatisierte Melanie, deren Zustand mit "shell-shocked" akkurat beschrieben werden kann: ein Zustand wie nach einem Bombenangriff. (Hier erinnert sie stark an Marnie.)

Ein Film als Gedicht

Die Novellenvorlage von Daphne du Maurier ("Rebecca" und "Jamaica Inn" hatte Hitch bereits verfilmt) enthielt kaum etwas von diesem Horror. Und Evan Hunter, der Drehbuchautor übernahm nichts außer dem Titel, dem zentralen Motiv der Vogelattacken auf ein Haus - und dem lyrischen Strukturprinzip der Story. Als einziger Hitchcock-Film funktioniert "Die Vögel" nämlich nicht als Krimi oder Horrorschocker, auch nicht als Öko-Horror, sondern nur als ein Gedicht, das ausschließlich mit Symbolen arbeitet. Das macht es dem Zuschauer nicht leicht, die Handlung in ihrer tieferen Bedeutung zu erfassen. Dass es diese tiefere Ebene gibt, darauf weist bereits der Regisseur hin.

Doch worin besteht sie und was sagt sie aus?

Ich habe bereits in meiner Inhaltsangabe darauf hingewiesen: Der Umgang der Menschen, vertreten durch Mitch und Melanie, ist voller Hass und Oberflächlichkeit. Die beiden sind ständig darauf aus, dem anderen eins auszuwischen. Doch sie haben etwas Wichtiges gemeinsam: Sie sind Halbwaisen. Mitch hat seinen Vater Frank verloren und wird von seiner Mutter psychisch umklammert. Melanie wurde, wie sie auf der Geburtstagsparty erzählt, von ihrer Mutter im Alter von elf Jahren (dem Alter von Cathy) verlassen und vermisst diese Liebe sehr. Die väterliche Zuwendung scheint sich in Telefonaten und Geldzuwendungen zu erschöpfen. Für sie spielt Geld eine große Rolle, auch in der Erziehung eines koreanischen Jungen, für den sie offenbar die Patenschaft übernommen hat. Dass sie eine Lebedame sei, sei nur üble Nachrede der Klatschpresse, sagt sie: In Rom wurde sie - natürlich bekleidet - in den Brunnen gestoßen. Nun, jedenfalls sind diese Leute ein übler Umgang für eine Dame der Gesellschaft.

Fehlende Liebe und ein entsprechender Schutzpanzer veranlassen die beiden, einander zu verletzten, doch das ändert sich sehr rasch, als die Angriffe der Vögel die umgebende Natur zur Lebensgefahr werden lassen. Bald sitzen die Brenners und Melanie selbst wie Gefangene in einem Käfig. Diese Lovebirds müssen sich nun gegenseitig schützen, und das geht nur mit Liebe und Fürsorge. Hier findet Melanie in der zusammengebrochenen Lydia eine zweite Mutter.

The lonely death of Annie Hayworth

Was die Abtrennung durch Liebesentzug bewirkt, demonstriert drastisch der Tod der armen Annie Hayworth. Sie lebt allein, wenn auch unabhängig in ihrem eigenen Haus. Als sie Cathy und ein anderes Mädchen darin in Sicherheit bringt, wird sie von den Vögeln angegriffen und zu Tode gehackt - wir sehen nur ihre Leiche, nicht den Angriff. Sie war diesem wild gewordenen Naturelement schutzlos preisgegeben - wir erinnern uns an ihren Liebesentzug durch Mitch und Lydia. (Hitch hätte ja auch einen Katastrophenfilm machen können, aber der wäre lange nicht so gut geworden.) Nun hat Melanie an ihrer Stelle Schutz in der Brennerfamilie gefunden.

Kein Angriff ohne Grund

Nun könnte man denken, dass die Angriffe der Vögel irgendwie beliebig erfolgen, nur um die Figuren umso heftiger in Furcht und Schrecken zu versetzen. Donald Spoto zeigt in seiner Monografie "The Art of Alfred Hitchcock" (Second Edition 1992; deutsch bei Heyne), dass das Gegenteil der Fall ist. Jede Attacke folgt exakt einem Vorfall von emotionaler Verletzung und wenn Figuren von ihrer Einsamkeit und der Angst vor dem Verlassenwerden sprechen (Seite 335ff). Das geht durch den ganzen Film so.

Die Furcht durch das Gerede von den Vogelangriffen geht der zentralen Katastrophe direkt voraus, die das Zentrum von Bodega Bay zerstört. Danach finden Mitch und Melanie die Gäste des Tides Cafés (sogar die Vogelkundlerin) wie Höhlenmenschen beisammen hockend in einem engen Seitengang des Cafés. Hier konzentriert sich Furcht und Schrecken in solchem Maße, dass die eh schon furchtsame Mutter zweier Kinder in die hysterische Anklage gegenüber Melanie ausbricht: "You are evil! Evil!" Melanie (Hedren hasste diese Handlung) verpasst ihr eine Ohrfeige. Ist sie eine Hexe?

Nein. Sie hat soeben selbst ein schreckliches Erlebnis gehabt: Wie ein im Käfig eingesperrter Vogel war sie in der Telefonzelle gefangen, als um sie herum das totale Chaos ausbrach, als ob der Weltkrieg begonnen hätte. Nun sind Vögel nicht nur Vorboten, sondern Bringer von Chaos und Zerstörung. Melanie Welt bricht um sie herum zusammen, gesehen durch zerbrechliches Glas (Hedren wurde durch das Glas verletzt). Die Szene ist der äußere Wendepunkt in Melanies Erziehung, der innere folgt im Finale, im Haus der Brenners (siehe oben). Aus einem launenhaften Ausflug, der nur Spaß - ein Schlüsselwort in der ersten halben Stunde - bringen sollte, ist für Melanie ein transformierendes Drama geworden.

Erste Opfer: Kinder

Die Kritik Hitchcocks an den rücksichtslosen Verhaltensweisen und der drohenden Einsamkeit der Figuren korreliert mit den Angriffen der Vögel. Bezeichnenderweise sind unter den ersten Opfern der Attacken Kinder. Sie leiden - wie Mitch und Melanie - unter den "Sünden ihrer Väter". Nicht bestimmte Sünden werden von den Vögeln bestraft, und auch kein wütender Gott übt Vergeltung für die Zerstörung der Erde durch den Menschen. Ein Besoffener ruft: "It's the end of the world!" und zietiert Bibelverse.

Alle solche Theorien werden im Tides Café zur Sprache gebracht und der Ironie preisgegeben. Die verletzenden Verhaltensweisen, auf die die Vögel symbolisch reagieren, sind Teil jeder neuen Generation. Mitch und Melanie sind jung, unabhängig, auf "Spaß" aus und führen sich daher rücksichtslos auf. Was sie damit innerlich beim jeweils anderen anrichten, bekommen sie durch Vögel am eigenen Leib zu spüren. Der Mechanismus ist sehr einfach. Das eigentlich Erschreckende: Weder diese Leute sind in irgendeiner Weise ungewöhnlich noch die Vögel.

Sehend - nicht sehend

Der inneren Blindheit steht die äußere Vision diametral gegenüber. Während am Anfang die Figuren durch "I see" vorgeben zu verstehen, was der andere sagt, stellt sich dies zunehmend als leere Floskel heraus, die eine emotionale Blindheit verdeckt. Als Melanie schließlich zu einer emotionalen Integration in die Brennerfamilie gefunden hat, schaut sie "shell-shocked" wie eine Blinde in die Welt, die voller Vögel ist: Nun ist sie endlich sehend, und der Horror, von dem die Welt erfüllt ist, lässt sie erschreckt zurückweichen. Lydia und Mitch geleiten sie in Sicherheit. Doch die nächste Attacke der Vögel ist gewiss.

Anders als in "Psycho", in dem außer Wahnsinn und Tod nichts übrig bleibt, gibt es am Ende von "Die Vögel" Hoffnung auf Rettung. Melanie wird von Lydia als Schwiegertochter akzeptiert, und Cathy von allen beschützt. Cathy ist es auch, die die einzigen "guten" Vögel im Film mitnehmen darf: die beiden Lovebirds, die ihr Melanie geschenkt hat. "Sie haben niemandem wehgetan", argumentiert Cathy wie eine wahre Strafverteidigerin (der Beruf von Mitch). Das fasst die Botschaft des Films konzise zusammen.

Die DVD
°°°°°°°°°°°°°°

Technische Infos

Bildformate: 1,33:1 (4:3)
Tonformate: D in Mono, Englisch in Mono
Sprachen: D, Englisch
Untertitel: D, Englisch für Hörgeschädigte, NL, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch

Extras:
- Trailer (kein gewöhnlicher!)
- Making-of "All about The Birds" (79:50 Min.)
- Die unveröffentlichte Szene
- Der fehlende Schluss
- Universal Newsreel
- Produktions-Fotografien (Diaschau)
- Tippi Hedren Leinwandtest
- Booklet

Mein Eindruck: die DVD
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Das Making-of zu "Die Vögel" ist selbst ein abendfüllender Film von über einer Stunde Länge. Manche der Aussagen darin haben mir den Mund erstaunt offen stehen lassen. Und ich würde gerne berichten, was mich so verblüfft hat. Allen voran: die Viecher und die Tricks.

Die Viecher

… sind natürlich die Vögel. Unsere gefiederten Freunde wurden offenbar zu Tausenden für die Dreharbeiten eingesetzt, oft in Käfigen, Netzen, angebunden oder festgehalten - sofern sie lebten. Und sofern sie nicht verletzt wurden: Darum kümmerte sich eine Vogelärztin. Aber es gibt auch jede Menge nicht lebende Vögel im Film zu sehen: ausgestopfte und Puppen sowieso, aber auch welche aus Karton. Den Unterschied merkt der Zuschauer nicht, weil sein Gehirn das Merkmal "bewegter Vogel" auch auf diejenigen Vogelsilhouetten überträgt, die sich nicht bewegen. Hitch wusste das und setzte es sehr clever ein.

Dann gab es noch die trainierten Vögel. Die schlauesten waren die Raben, und deshalb sieht man sie auf allen Publicity-Fotos. Insbesondere ein Rabe namens Buddy war so zutraulich und zahm, dass er nicht aufs Bild durfte - schließlich sollen die Vögel angreifen, oder? Dies wiederum galt für jenen Raben namens Archie, der es auf besonders hinterhältige Weise auf Rod Taylor abgesehen. Es gibt sogar ein Foto davon, wie Archie den Star piesackt - und Taylor steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. (Dass auch Hedren unter der Zusammenarbeit mit den Vögeln in der Schlafzimmerszene litt, habe ich bereits erwähnt.)

Die Tricks

… sind derart vielfältig, dass man ein Buch darüber schreiben könnte. Ich fasse mich möglichst knapp. Man sollte bedenken, dass es 1962 keinerlei Computergrafik gab. Der wichtigste Faktor war das von Disney perfektionierte Verfahren der Sodium Process Matte-Technik. Dabei wird ein Hintergrund von gelbem Natriumlicht beleuchtet und ein Vordergrund von Weißlicht. Nun braucht man nur noch entsprechende Empfindlichkeiten bei der Aufnahme und kann den Hintergrund auswechseln, weil er in einer Doppelbelichtung ersetzt wird.

Als Ersatz sind häufig Videos von den Kulissen bei Universal zu sehen, aber auch das echte Bodega Bay. Albert Whitlock malte zahlreiche der wunderschönen Landschaftsaufnahmen, so etwa in der Szene, als Melanie über die Bucht tuckert. Der Hintergrund ist komplett gemalt. Der Grund: Hitch hasste Locations, denn sie waren so unkontrollierbar. Wo immer es ging, drehte er im Studio, wo er die totale Kontrolle innehatte. Allein die Preproduction dauerte über ein Jahr.

Diese Technik erreicht einen ersten Höhepunkt in der Explosion der Tankstelle. Hier werden drei Bildebenen übereinander gelegt: zentrales Bild mit Figuren, darum herum ein Matte-Painting von Whitlock (Hafen etc.) und davor Möwen, die mit dem Rotoscope-Verfahren aufgenommen und eingeblendet wurden. In der dramatischen Telefonzellenszene wurde eine Traveling Matte verwendet, sagt einer der Techniker. Übrigens verwendete man auch für die schwarzen Augenhöhlen des Farmers Dan Fawcett ein Matte-Painting - kaum zu glauben. Insgesamt wurden für den Film 371 Trickaufnahmen geschaffen.

Der absolute Höhepunkt ist die letzte Einstellung am Schluss: Sie besteht aus nicht weniger als 32 Einzelelementen, und Hitchcock erklärt sie mit Engelsgeduld seinem Interviewer Peter Bogdanovich. Dieser Regisseur ist fast der einzige, der auch eine Interpretation des Films wagen darf. Der andere ist Autor Robin Wood, der ein Buch über Hitchcock geschrieben hat.

Das fehlende Ende

Vielleicht fällt manchem Zuschauer auf, dass das übliche Ende-Zeichen nicht eingeblendet wird. Das liegt daran, dass noch eine Schlussszene folgen sollte, die aber nie gedreht wurde. Autor Evan Hunter war schon befremdet, dass einige Szenen, die er geschrieben hatte, nicht drin waren, aber er war schockiert, als er merkte, dass der Schluss fehlte. Für diese Szene liefert das Making-of Drehbuchseiten und Storyboard-Skizzen sowie eine Filmszene aus dem ersten Drittel des Films…

Die vier Überlebenden versuchen mit Melanies Sportwagen Bodega Bay zu verlassen. Der Ort ist eine Stätte der Vernichtung und des Todes, ein Schlachtfeld wie im Krieg. Die Vögel bilden hinter dem Ort eine Art Straßensperre. Weil die Überlebenden so schnell wie möglich die verletzte Melanie ins Krankenhaus nach San Francisco bringen müssen, bricht Mitch durch und rast mit Höchstgeschwindigkeit über die Landstraße. Allerdings wird das Leinwanddach des Wagens von Vögel mit Schnäbeln durchsiebt, bis der Wagen zu schnell geworden ist und die Gefahr hinter sich lassen kann.

Evan Hunter ist jedoch genug Realist, um anzuerkennen, dass allein der Dreh dieser letzten Minuten einen weiteren Monat Arbeit erfordert hätte. Doch dafür fehlten Zeit und Geld. Also ließ Hitch das bleiben. Dennoch ließ er alle Mitarbeiter am Set schwören, das Ende des Films nicht zu verraten (Fotobeleg), obwohl es das nie gab. Bogdanovich verrät er, dass er sich verschiedene Enden vorstellte, darunter auch jenes, in dem die gesamte Golden Gate Bridge von Vögeln bedeckt ist….

Das Making-of, das von Laurent Bouzereau 1999 produziert und gedreht wurde, endet mit den Webegags, die zum Filmstart veranstaltet wurden, darunter das Freilassen von Tauben etc. Dazu singen die Schulkinder von Bodega Bay.

Weitere Extras

1) Eine der unveröffentlichten Szenen wird mit Drehbuchseiten, Storyboards und sogar Produktionsfotos dokumentiert. Melanie, die gerade ihre erste Nacht im Brenner-Haus verbracht hat, unterhält sich mit Mitch. Der hat eine Theorie, wie der Vogelkrieg begonnen hat und was der Grund sein könnte. Am Schluss küsst sie ihn.

2) Das Original-Ende wird detailliert mit Drehbuchseiten und Storyboards nacherzählt, leider viel zu schnell.

3) Tippi Hedren Leinwandtest: Sie musste drei Rollen spielen, so etwa in "To Catch a Tief" (Über den Dächern von Nizza). Ihre Sparringpartner war Martin Balsam, der den Detektiv Arbogast in "Psycho" gespielt hatte. Der Test dauert rund zehn Minuten. Die Bildqualität ist nicht die beste, aber die Stimmung ist heiter. Muss man nicht gesehen haben. Ausschnitte daraus findet man im Making-of.

4) Ein Universal Newsreel, d.h. eine Art Wochenschaubericht: Hitch stellt vor dem Nationalen Presseclub in Washington, D.C., seinen neuesten Film mit einer sehr launigen und hintersinnigen Rede vor. Ursprünglich sollte der Streifen ja "FOR the Birds" heißen, also "für die Katz", aber man ließen dann doch FOR weg. Ebenso kauzig ist der Satz, dass es im Film nicht nur um die Vögel gehe, sondern auch um die Bienen… Das ist eine Anspielung auf "birds and bees" oder die Frage, woher die kleinen Kinder kommen.

Anschließend sind Hitch und Hedren zu sehen, wie sie Tauben auf ein 15-tägiges Wettrennen schicken. An einem anderen Ort posieren sie mit Buddy, dem zahmen Raben.

5) Unter dem Menüpunkt "Produktions-Fotografien" hat man sich eine selbstablaufende Diaschau vorzustellen, die ohne das man einen Finger krümmt rund eine Viertelstunde lang ein Foto nach dem anderen zeigt: Hedren, Hitch, Tandy, Taylor, Pleshette - am Set, auf dem Poster, als Stand- oder Werbefoto.

6) Der "Trailer" (ca. 5 Min.). Anders als alle üblichen Trailer ist dieser eine Unterrichtsstunde, die Hitch dem Zuschauer erteilt. Das Verhältnis zwischen Vögeln und Menschen ist seit jeher nicht ganz ungetrübt, wie man weiß. Hitch verkneift es sich, ein knuspriges Hühnchen zu verspeisen, vielleicht aus Pietät? Am Schluss stürzt eine gehetzt wirkende Hedren zur Tür herein, die sie sofort zuknallt und ruft: "They're coming! They're coming!" Darauf folgen die ominösen Geräusche und Soundeffekte, die wir aus dem Film kennen, dann sind die schwarzen Vogelsilhouetten des Vorspanns zu sehen…

7) Das Booklet besteht aus vier Seiten mit Fotos und Text. Der Text ist praktisch deckungsgleich mit demjenigen, den Hitchs Tochter Patricia im Making-of sagt, nur eben auf Deutsch.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°

Ich finde das Zusatzmaterial sehr zufrieden stellend, es rechtfertigt alleine schon den Kauf dieser DVD-Edition. Insbesondere das achtzigminütige Making-of "All About The Birds" ist von höchster Qualität, und weil es mit Untertiteln versehen ist, hat auch jeder etwas von dem Gesagten. Ich erlebte jede Menge Aha-Momente. Die anderen Extras sind im Vergleich dazu nette Zutaten, doch die Dokumente über die fehlende Szene und den fehlenden Schluss sind schon aufschlussreich. Leider laufen sie zu schnell ab, da hilft nur die Pause-Taste.

Der Film ist angesichts des Fehlens jeder Computergrafik revolutionär in seiner Anwendung zahlreicher Tricktechniken. Das soll aber nicht davon ablenken, dass er unter der sensationsheischenden Oberfläche eine ernstzunehmende, kritische Botschaft transportiert. Die Menschen leben in ihren mentalen Käfigen und tun sich gegenseitig sehr üble, weil gefühllose Dinge an. Das ist in der Screwball-Comedy am Anfang deutlich zu sehen. Da wird gelogen, dass sich die Balken biegen.

Doch wenn dann eine Lage eintritt, in der der eine auf seinen Mitmenschen angewiesen ist, dann zählt die Fähigkeit, zu vertrauen und zu lieben. Diese Entwicklung muss Melanie Daniels, die auf Spaß bedachte, kecke Gesellschaftslöwin, durchlaufen, will sie nicht wie Annie, die Schullehrerin, enden: einsam, zerhackt, vergessen. Nur die Entwicklung von Mitch wird vernachlässigt. Es ist das Drama der Brenner-Familie, das für die Menschheit steht - ein Schluss wie jener, der vorgesehen war, hätte ihr Schicksal ins Universelle gehoben und dadurch verkleinert. Deshalb finde ich es gut, dass Hitch den vorgesehenen Schluss wegließ.

Michael Matzer (c) 2006ff

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Miss_Piper

Miss_Piper

02.10.2006 19:11

NIcht mein Favorit unter den Hitchcock-Filmen, aber doch gut.

Stepnwolf

Stepnwolf

29.09.2006 18:51

Ein Meisterwerk. Nicht nur der Film, sondern auch deine Meinung.

LillianaTamara

LillianaTamara

29.09.2006 11:16

Mensch, mit den ganzen BH's komm ich gar nicht hinterher! Hab noch 2 Berichte von dir in der Warteschleife! ;o))) LG

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