Volvo 480

Erfahrungsbericht über

Volvo 480

Gesamtbewertung (17): Gesamtbewertung Volvo 480

 

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ESPRESSO LOVE - Sternchens Kleines Schwarzes

4  16.02.2010 (17.02.2010)

Pro:
einfach geile Karre

Kontra:
zickige Diva, viele Fehlerquellen in der Elektronik

Empfehlenswert: Ja 

sternchen1960

Über sich: Andersdenkende sind oft ganz anders, als wir denken.

Mitglied seit:12.01.2005

Erfahrungsberichte:23

Vertrauende:36

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 146 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Volvo 480 – Rennsemmel Turbo klein – stark – schwarz Espresso Love

Ein Sportwagen soll es sein - Sternchen in der Midlife- Crisis? Mitnichten - die Kinder werden langsam flügge und haben ihren Führerschein in der Tasche, so dass ich keinen Grund mehr habe, einen Familienkombi zu fahren. So habe ich den großen Schluckspecht gegen ein etwas kleineres, sparsameres aber nicht minder attraktives Gefährt der Firma Volvo eingetauscht – einen schicken schwarzen Volvo 480, den einzigen Kleinwagen, der mir überhaupt in die Tüte kommt, und um den Diskussionen à la „Mama kann ich mal Dein Auto haben?“ gleich von Vorneherein einen Riegel vorzuschieben, das Ganze in der Turboversion mit 120 PS und Sportfahrwerk, der ist für Fahranfänger so was von OFF LIMITS…

So jung und schon ein Youngtimer – ein bisschen Geschichte zum besseren Verständnis der Faszination Volvo 480:

Die ersten Planungen für dieses Fahrzeug begannen bereits Ende der 1970er Jahre. Als Volvo den 480er im Jahre 1986 als Nachfolger des legendären „Schnewittchensargs“ P1800ES auf den Markt brachte, war der Wagen seiner Zeit jedoch immer noch so weit voraus, dass er gar nicht verstanden wurde und sich erst retrospektiv als absoluter Geniestreich präsentiert. Nicht nur dass es der erste Volvo mit Frontantrieb war, die Motoren wurden zusammen mit Renault erstellt und von Porsche überarbeitet. Hinzu kamen Karosserieteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die Hinterachse wurde von der Rennwagenschmiede Lotus konstruiert und die charakteristischen Klappscheinwerfer natürlich… ein Zugeständnis an den amerikanischen Markt, der für die Hauptscheinwerfer eine gewisse Höhe vorschreibt. Aufgrund des schwachen Dollarkurses wurde der 480er dann aber doch nicht dorthin exportiert.


Soooo schaut er aus:

Vorne flach und hinten abgehackt, dabei äußerst tief geduckt, zeigt er sich als Sportwagenminiaturkombi, was an sich genauso bescheuert ist wie ein Offroadporsche, aber der Cayenne hat ja auch seine Liebhaber. Das Design ist mit das Beste, was die Holländer neben Fritten Spezial und Salzlakritz jemals auf die Kette gekriegt haben, der Entwurf von John de Vries stach auf der Zielgeraden den von Bertone aus. Mit den Klappscheinwerfern erinnert er an den fast zeitgleich erschienenen Honda Accord, wer da bei wem abgemalt hat ist aber umstritten.

Das Volvo- Emblem ist aus Platzgründen unter der Stoßstange zu finden aber es ist da ;o) watt mutt datt mutt.

Mein Schätzeken ist schwarz, was ihm besonders gut steht, denn der feine rote Streifen auf der Stoßstange heißt bei Volvo nichts anderes als „Turbo“ und das sieht auf schwarzem Lack einfach verschärft aus. Außerdem macht diese Farbe einen schlanken Fuß und passt auch ansonsten ganz gut zu meiner Garderobe und den wechselnden Styles.


Innenraum:

Schnörkellos, manche würden sagen langweilig, präsentiert sich das Interieur. Die tiefliegenden Sitze bieten ausreichenden Seitenhalt, ihr Stoff ist nicht sonderlich verschleißfest- aber was solls, am besten steht ihm eh Leder. Manche der Innenraumstoffe wirken wie aus dem Ikea- Regal.

Die Instrumente geben keine Rätsel auf, Rundinstrumente halt- schon futuristisch wirkt da der eingebaute Bordcomputer (den der 480 S meist nicht hat). Aber im Grunde genommen arbeitet der nur mit ein paar Balkenanzeigen und informiert über Wasser- und Öltemperatur, Momentan- und Durchschnittsverbrauch, Tankfüllungszustand, Reichweite und Außentemperatur. Leider taugt das Kombiinstrument auch für Defekte, vom sporadischen Ausfällen bis zum Totalausfall. Schuld sind kalte Lötstellen oder morsche Kabel.

Weitere Anzeigen informieren über Defekte an der Außenbeleuchtung und offen stehende Türen und vergessenes Anschnallen. In der Mittelkonsole noch Instrumente für Öldruck, Batterieladung und- falls vorhanden- den Turbo.
Platz vorne ausreichend bis großzügig- vorsichtig, die Pedale stehen relativ eng zusammen. Hinten sind nur zwei Einzelsitze und Fußraum genug für durchschnittliche Mitteleuropäer.

Das Lenkrad ist höhenverstellbar, die wenigen Schalter erklären sich von selbst. Ablagen gibt es nicht wirklich im Überfluss, das Handschuhfach ist ausreichend, die Seitenablagen klein. Vorne und hinten gibt es ein Staufach in der Mittelkonsole, in denen man nicht gerade viel verstauen kann.

Der Sicherheitsgurt wird einem quasi angereicht- genau diese Gurtanreicher aus Plastik brechen aber auch sehr gerne ab, was zwar nicht die Funktion beeinträchtigt, aber ins Geld geht, wenn man es stilecht will.

Der „Kofferraum“ trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht, mit 120 Litern ist er Wochenend- Ausflug geeignet. Mit umgeklappten Rücksitzen geht auch schon mal der Wocheneinkauf oder ein Billy- Regal rein.

Absolut frauentauglich ist die Rundumsicht, der kleine Flitzer lässt sich ganz easy einparken.


Elektronik:

Elektronik heißt das Zauberwort, davon hat Volvo alles in das Auto gepackt, was es eigentlich gar nicht gab. Das rächt sich heute in diversen Defekten. Zu den harmlosen Kleinigkeiten gehört der vorprogrammierte Defekt der elektrischen Fensterheber- ein kleines Plastikteil am Schlitten bricht, schon geht nix mehr. Gebrauchter Ersatz ist rar und teuer, Nachbauten noch teurer (ab 200 Euro). Zum Glück mit etwas Geschick reparabel.

Ja, die süßen Schlafaugen. Die Motoren der Klappscheinwerfer geben irgendwann ihren Geist auf und kosten auch ihr Geld. Funktionierende Leuchtweitenregulierung ist beim 480er quasi ein Fremdwort.

Überhaupt, es gibt diversen Schnickschnack, als da wären:

- Beleuchtetes Türschloss

- Heckwischer, der bei laufenden vorderen Scheibenwischern bei Rückwärtsfahrt selbsttätig
angeht

- Frontwischer, die bei starker Beschleunigung von Intervall auf Dauerwischen schalten

- „Follow- me- Home“ Schaltung: Fernlichtschalter antippen und die Fernscheinwerfer
leuchten einem 20 Sekunden den Weg zur Haustür aus

usw. usw.

Gesteuert werden die Spielereien über ein Bauteil namens CEM. Auch das gibt gerne mal den Geist auf und ist teuer. Zum Glück sind es auch hier oft nur kalte Lötstellen und man darf dankbar sein, wenn es einem den Wagen nicht komplett stilllegt.

Diverse weitere Krankheiten:

Zu erwähnen seien hier noch festgammelnde Handbremsseile und ungleich ziehende Bremsen hinten.

Die Fernscheinwerfer sind eigentlich nie trocken.

Alle Kabel-Steckverbindungen im Motorraum neigen zu Korrosion, daher einmal jährlich schön mit WD 40 einsprühen.

Die Hinterachse ist recht rostanfällig.

Der Rest ist eigentlich solide Technik.


Antrieb:

Der Motor zeigt sich zuverlässig und sparsam. Von 0 auf Hundert braucht der Turbo knapp unter 9 Sekunden, Schluss ist bei Tempo 200. Die Beschleunigung ist dabei trotz Turbo keineswegs brachial- das Grinsen im Gesicht stammt nicht von den G- Kräften. Aber halt ein agiles, sparsames Triebwerk.


Fahrwerk:

Das Elchlein ist straff abgestimmt und liegt wie ein Brett auf der Straße. Auch wenn sich der Popo nur eine Handbreit über dem Asphalt befindet (Vorsicht bei Bodenwellen!!!), kriegt man von den teilweise katastrophalen Straßenzuständen der Ruhrpottautobahnen zum Glück nicht alles mit. In Kurven duckt er sich weg und verliert nicht die Contenance, auch wenn mal die Reifen quietschen. Der Wagen vermittelt durchaus Gokart- Feeling und verleitet zum Heizen.


Kostenfaktor KFZ:

Mit Kat kann jeder 480er sofort auf Euro 2 umgeschlüsselt werden und kriegt diese widerliche, hässliche, nutzlose grüne Plakette. Steuern kostet das Ganze dann 130 € im Jahr. Die Haftpflichtversicherung kostet 260 € im Jahr bei 45% und öffentlichem Dienst. Bei gemächlicher Fahrweise reichen 5 Liter Super Bleifrei auf der Autobahn bei 120 km/h und in der Stadt mit Stop and Go kommt er nicht über 8 Liter. Zumindest von den laufenden Kosten ein eher geiziges Vergnügen. Das gesparte Geld kann ich ja in die Reparaturen stecken, und davon gibt es reichlich, denn ein 480er ist eine echte Diva: er fährt aber nichts funzt wie es soll. Siehe oben.


Ampelduell:

In der Regel genügt ein gelangweiltes Blinzeln mit den Schlafaugen, und schon fühlt sich jeder halbwegs potente Tunefisch mit seinem tieferbreiterlauter frisierten Golf oder anderem Gefährt, mir ollen aber stets blonden Mutti mal zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Mit einem herzhaften Tritt aufs Gaspedal lässt man an der Apel jedoch alles stehen, was nicht Porsche ist. Der Tunefisch bewundert derweil das schöne Heck, wo Turbo draufsteht, und entschuldigt damit wahrscheinlich seine Niederlage.


Flirtfaktor:

Holla die Waldfee, anstelle der obligatorischen Visitenkarten der Verschrotter („ich kaufe Ihren Schrott zu jeder Tages- und Nachtzeit“) klemmt schon mal ein handgeschriebenes Zettelchen am Wischer… leider war bis jetzt noch kein Autoschrauber- George- Clooney- Lookalike dabei, aber was nicht ist kann ja noch werden… der Wagen erregt Aufmerksamkeit, wo er auch aufkreuzt, und die Männer, die danach schauen, passen ganz gut in mein Beuteschema.


Charaktersache:

Für einen Volvo ist es zu viel Sportwagen und für einen Sportwagen zu viel Volvo. Wer diesen Kompromiss liebt, wird mit einem 480er glücklich. Tatsächlich wurde beim 480er sehr viel Wert auf Straßenlage, Komfort, Langlebigkeit und maximale Sicherheit gelegt, was eingefleischten Sportwagenfahrern eher am Endtopf vorbeigeht.

Marktlage:

Insgesamt wurden ca. 80.000 Volvo 480 gebaut, viele davon als Rechtslenker für Großbritannien. Da die Karosserie nicht verzinkt wurde, ist Rost ein großes Thema. Wie viele 480er noch auf deutschen Straßen herumfahren, weiß ich nicht, viele können es aber nicht mehr sein. Vor 3 Jahren war noch jeder 10.000 zugelassene PKW ein 480er, aber ich denke der TÜV und die Abwrackprämie haben in der Zwischenzeit den Bestand ordentlich dezimiert. Es gibt einen Haufen Grotten (überwiegend Baujahre 1990 – 1993), deren Substanz aufgrund von bauartbedingten Mängeln so weit weggemorscht ist, dass sie nur noch als Teileträger zu gebrauchen sind, sowie bereits in mühevoller Kleinarbeit hergerichtete Liebhaberstücke, die bereits deutlich vierstellige Preise erzielen.

Ersatzteile sind entweder sehr günstig, weil sie auch in diversren Renaults Verwendung finden, oder aber wahnsinnig teure 480er Nachbauten (so kostet zum Beispiel ein Rücklichtglas 230 € - nur das Glas ohne die Lampe!) oder gar nicht mehr zu bekommen, sofern es sich um Originalteile wie die Achse handelt. Als echter 480er Fahrer hortet man für alle Fälle ein gewisses Kontingent an Teilen in der Garage und geht regelmäßig bei Ebay auf die Jagd. Mittlerweile gibt es auch ein paar Verwerter, die sich auf 480er spezialisiert haben und einem diese Arbeit abnehmen.


Kaufempfehlung:

Das Wichtigste bei einem 480er ist die Substanz der Karosserie. Wassereinbruch am Heck ist quasi serienmäßig, bei der Besichtigung muss man dringend die Matte im Kofferraum hochheben, denn darunter befindet sich oft ein Aquarium und dementsprechend Rost. Ursachen gibt es viele. Von undichten Heckleuchten über undichte Seitenscheiben bis zum Loch für die Antenne- so kreativ wie das Auto beim aufsaugen von Wasser ist, so kreativ muss man bei der Suche nach der Ursache sein Auch die Schweller sollte man auf Rost kontrollieren, ebenso die Unterkanten der Türen und die Radläufe, wobei man da zur Not noch schweißen kann. Schiebedächer sind auch gerne mal undicht. Insgesamt ein Auto für Bademeister, wenn man Pech hat. So wie ich mit meinem ersten 480er, parisblau metallic, zweite Hand aber leider morsch unter dem schönen Lack…

Auch sollte man ein Augenmerk auf die Rückleuchten haben, denn wie zuvor bereits beschrieben ist dieses Ersatzteil leider teuer. Leider haben die Rückleuchten die Bleichsucht wie ein bekannter, kürzlich verstorbener Sänger. Strenge TÜV- Prüfer winken da schon mal ab.

Die Laufleistung der Motoren ist sekundär; volvotypisch sind 300.000 km nicht wirklich abschreckend. Folgende Motoren stehen zur Auswahl:

1,7 Liter Hubraum mit 95 bis 109 PS (mit/ ohne Kat)
1,7 Liter Turbo mit 120 PS
2 Liter 109 PS ohne Turbo

Die 1,7 l Maschine soll ganz gut sein, 95 PS machen aber wahrscheinlich nicht so viel Freude. Der Turbo macht Laune aber will umsichtig gefahren werden (also erst warmfahren und nach Gebrauch auslaufen lassen), ein Blick in den KFZ – Brief lässt Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit der Fahrer zu. Ein gepflegter Turbo geht ab wie Schmidts Katz und macht richtig Laune, wenn es einem beim Gasgeben das Grinsen ins Gesicht zieht.
Die 2 Liter- Maschine (hatte ich in meinem ersten 480er) bringt auch im niedrigen Drehzahlbereich schon ordentlich Leistung, taugt aber jenseits der 160 km/h eher zum volvotypischen Cruisen.

Gefragt sind die Turbos und die späten Collection- und GT- Modelle. Die Collies, wie sie liebevoll genannt werden, waren vollgestopft mit Allem, was es an Ausstattung gab bzw. die letzten Serien mit allem, was noch irgendwo bei Volvo rumtrollte. Angeblich gab es nur 480 Stück, die nummeriert waren – aber halt mehrmals 480 Stück.

Beim Kauf sollte man jedoch nicht die Ausstattung wert legen, sondern auf funktionierende Elektronik und Rostfreiheit. Ein wirklich gutes Objekt mit wenig Kilometern und nachvollziehbarer Historie wird man sicherlich nicht unter der 1500- Euro Grenze finden.

Fazit:

Klein – stark –schwarz, ein Espresso unter den Youngtimern, und ich liebe meinen Babyelch, auch wenn ich manchmal ganz unfein fluche.

Ein Mobil, welches, um seinem Namen gerecht zu werden, gepflegt werden will. Nicht wenige bezeichnen es als fahrende Baustelle. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber er will halt Aufmerksamkeit. Hätschelt man ihn, hat man ein außergewöhnliches, praktisches Auto mit Sexappeal und Aha- Effekt.

Vernachlässigt man ihn jedoch, wird er schnell zum Albtraum.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
PeterPan2

PeterPan2

18.03.2010 14:32

Herrjeh, was lese ich da? Man hortet für alle Fälle ein gewisses Kontingent an Teilen? Das ist ja wie damals bei uns im Osten *lach*..... Liebe Grüße Peter.

hochsauerlaender

hochsauerlaender

14.03.2010 06:47

Audi / VW-Fan

tommy197

tommy197

09.03.2010 16:44

auch hierfür muss ich wohl wiederkommen...lg. rosi

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