Volvo 940

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Volvo 940

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Fliegender Panzer oder gepanzertes Flugzeug?!

5  09.08.2006

Pro:
Platz, Komfort, solide weil einfache Technik, solide Karosserie

Kontra:
als Diesel "Raucher", hohe Besteuerung

Empfehlenswert: Ja 

rkoehler

Über sich:

Mitglied seit:24.09.2002

Erfahrungsberichte:2

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Warum Volvo?!

Mein erstes selbst finanziertes und tatsächlich auch gekauftes Auto war ein Volvo - recht ungewöhnlich für einen damaligen Zivi, oder? Ich fuhr noch den Nissan Sunny Coupé, das ich von meiner Mutter übernommen hatte. Das Problem war: Irgendwann war der einfach auf - und außerdem bot er zu wenig Platz für meine Hobbies: Wildwasserpaddeln - später auch Band und Umzüge. Ich habe einfach "nur so zum Spaß" mal verschiedene Gebrauchtwagenhändler abgegrast und bei dem Renault Händler meiner Eltern stand er da - der Volvo, den ich mir sowieso nicht leisten konnte. Dachte ich. Aber nachdem ich durchgerechnet hatte, dass der Volvo als Diesel bei 30000 km im Jahr auch nicht wesentlich mehr als der kostete als der Kleinwagen, war der Drops gelutscht.

Der Kauf
Der Volvo stand für 6400 Euro da - inklusive eines langen Kratzers auf der Motorhaube, der unglaublich schlecht mit Lackstift ausgebessert war und kleineren Gebrauchsspuren. Die Probefahrt überraschte mich. Der Volvo fuhr sich wie ein Panzer. Nein, eher ein Flugzeug. Na, irgendwie beides. Schließlich ging er dann mit frisch lackierter Motorhaube, Inspektion und Gebrauchtwagengarantie für 6000 Euro in meinen Besitz über.

Probleme?!
Ja, es gab Probleme. Nach zwei Wochen stellte sich ein klackerndes Geräusch vom Motor ein - immer um einen bestimmten Drehzahlbereich. Nachdem die Einspritzdüsen ausgetauscht wurden und die ach so hervorragende Gebrauchtwagengarantie die Reparatur übernehmen sollte, stellte ich fest: Garantie ist etwas anderes - ich habe mich eine Armlänge über den Tisch ziehen lassen. 100% der Arbeitskosten und abhängig von der Laufleistung anteilig die Teilekosten wurden übernommen - ich musste doch noch 200 Euro zahlen. Na gut, dachte ich. Wenn es damit in Ordnung ist... War es nicht - die Volvo-Werkstatt musste noch die Kraftstoffpumpe tauschen, erst dann war es gut. Natürlich auch wieder mit meiner Beteiligung. Allerdings kann ja der Volvo da nichts für, sondern es war die Werkstatt und die Garantie, über die ich mich geärgert habe.

Zwei alte Werbehüte - Motor und Getriebe
Vielleicht erinnern sich einige noch an die Werbekampagnen zweier großer Autokonzerne. Die Schweden warben mit "Viele denken ein Volvo sei lansam. Viele denken ein Volvo sei teuer. Undsoweiterundsofort". Die mit den Volksautos warben in den USA mit dem deutschen Wort "Fahrvergnügen". Kann beides zusammenpassen?! Allerdings! In den Diesel-Volvos (240er, 740er und 940er) wurde seit längerem der Reihensechszylinder aus dem VW LT verbaut. Mit der Zeit wurde er zunächst mit einem Turbolader und dann noch mit einem Intercooler aufgeblasen - bis man bei 122 PS ankam. Aus den 2,4 l holte man 240 NM Drehmoment heraus - die nackten Zahlen sagen natürlich nur sehr begrenzt etwas über das "Fahrvergnügen" aus.
Von einem Turboloch könnte man wohl sprechen, allerdings reicht die Kraft auch unten rum - das Turboloch ist also nicht besonders schlimm. Aber ab 2400 UPM kriegt man den Tritt in den Hintern und der Volvo zieht richtig ab. Anfangs leider mit "Tintenfischeffekt" - große Wolke machen und dann schnell und fluchtartig weg... Nach dem Düsentausch ging es besser - nur wenn der Diesel noch kalt ist, raucht er noch stark.
"Aber verbraucht der nicht viel?!" - die wohl meistgestellte Frage. Meiner Meinung nach nicht - solo zwischen 7,3 und 8,5 l. Wie meine Exfreundin einmal 9,6l geschafft hat - mir ein Rätsel. Mein positiver Rekord war mit 5 Leuten, komplettem Gepäck (p. P. Seesack, Schlafsack, normales Campinggepäck), Bootsanhänger mit 10 Booten, zusätzlich 2 Boote und 2 Fahrräder auf dem Dachträger an die niederländische Nordsee zu fahren - und bei 80 (natürlich!) genau 8,5 l zu verbrauchen - hervorragend, wie ich finde...
Auch schwerere Anhänger zog der Volvo immer gut weg, über mangelnde Leistung musste ich mich nie beklagen. Mit großem Wohnwagen brauchte er übrigens dann 9,5 l.
Öl verbraucht er übrigens auch - allerdings nicht viel. Laut Betriebserlaubnis darf ein Liter Öl auf 1000km fehlen - bei mir musste ich frühestens nach 4000km nachschauen.
Das Getriebe ist recht gut abgestimmt. Zwei Dinge sind allerdings recht gewöhnungsbedürftig: Einmal die recht langen Schaltwege. Da ich aber zwischendurch auch immer wieder Nutzfahrzeuge gefahren habe - null problemo. Ist ja auch kein Sportwagen. Zum anderen ist es das "Vierganggetriebe mit Overdrive". Was ist das denn? Man stelle sich die klassische Schaltkulisse vor - allerdings ist der fünfte Gang weggelassen. Den findet man stattdessen als kleinen Knopf auf dem Schalthebel. Eingelegt wird dieser fünfte Gang durch kurzes Knopfdrücken während sich der Schalthebel im vierten Gang befindet. Gekuppelt werden muss allerdings. Durch erneuten Knopfdruck ist wieder der vierte Gang eingelegt, alternativ wird der 5. Gang durch das Bewegen des Schalthebels deaktiviert. Wie gesagt, gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlimm.


Viiiieeeel Platz
Eins vorweg: Platzprobleme habe ich IMMER. Egal wie groß ein Auto ist, aber irgendwann ist es voll. Beim Volvo 940 allerdings passiert das sehr selten. Der Kofferraum nimmt auch ein E-Piano quer - mit einem Maß von ca. 130.
Nur was macht man mit dem ganzen Gerümpel, das man als Camper, Paddler und Musiker mitschleppt? Ich spreche hier von Kriechöl, Handwaschpaste, Beil, Sicherungsgurte, normale Sicherheitsausrüstung, Werkzeug, Hängerspiegel usw. Einfache Lösung - ab in den Keller. Unter dem Kofferraum, aber noch über dem Ersatzrad befindet sich ein recht großer Stauraum für eben dieses Gerümpel. Große "Geheimfächer" links und rechts hinter Hinterachse schlucken auch Öldosen.
Bei umgelegten Rücklehnen und -sitzen wächst der Laderaum auf 1800l. Mit 190 cm Länge und eben 130 cm Breite lässt sich auch bequem auf der völlig ebenen Fläche schlafen - das Gepäck für zwei Leute passt nachts auch auf die Vordersitze. Die Sitzflächen lassen sich einfach entnehmen, sodass die Ladefläche dann sogar auf 200 cm kommt.

Komfort
Mit Lederausstattung, Klimaautomatik (inkl. gekühltem Handschuhfach), Sitzheizung, flauschigem Teppich in den Türinnenseiten, weichem Nadelfilz in allen Grifffächern und natürlich einem standesgemäß angenehm abgestimmten Fahrwerk kann man wohl eher von 90er-Jahre-Luxus als von Komfort sprechen. Es reist sich also sehr angenehm. Kleines Gimmick ist noch der in die Mittelarmlehne der Rücksitze einbaute Kindersitz bis 15kg. Allerdings wird wohl ein speziell angepasster Kindersitz besser sein.

Zuverlässigkeit
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Der Volvo ist absolut zuverlässig. Abgesehen von den "Startschwierigkeiten" mit dem Autohaus und der Werkstatt habe ich nie irgendwelche Probleme mit dem Auto gehabt. Ledigleich Verschleißteile (Stoßdämpfer, Bremsen, Reifen etc.) mussten ausgetauscht. Zweimal fiel mir die Klimaanlage aus - einmal wegen zu langer Nichtbenutzung (mein Fehler), ein zweites Mal wegen Steinschlag am Trockner (kleinerer Kühler unter dem Motorkühler). Außerplanmäßig musste allerdings einmal der Scheibenwaschwassertank getauscht werden - der war gebrochen, was das Resultat aus dem folgenden Absatz war:

Sicherheit
Ich habe mich im 940er stets sicher gefühlt. Das lag nicht nur an der Aufschrift SIPS - Side Impact Protection System auf der Heckscheibe und dem natürlich vorhandenen ABS. Bei meinem Unfall wäre ein anderes Auto wohl wesentlich kürzer gewesen. Einmal verbremst und es war passiert - ich saß einem Bekannten auf seinem Passat auf. Dumm, dass ich noch versucht habe auszuweichen - so saß meine rechte Ecke der Stoßstange auf seiner Anhängerkupplung. Wenig Fläche - viel Kraft. Eben Masse mal Geschwindigkeit gleich Grad der Verwüstung... Es reichte zur Auslösung des Airbags, der pyrotechnisches Gurtstraffer, zu etwas Blechschaden und eben zur Zerlegung des Scheibenwaschtanks in ein anspruchsvolles Puzzle. Nach sach- und fachgerechter Reparatur beim Karosseriebaumeister war mein Volvo wieder da - fit für ein Verkehrssicherheitstraining, zu dem ich auch schon vor dem Unfall angemeldet war. Das Training war nicht nur lehrreich, sondern hat auch Spaß gemacht. Der Volvo stellte sich dabei als extrem gutmütig heraus - auf Grund des Heckantriebs natürlich leicht übersteuernd, aber sehr schwer aus der Spur zu bringen. Selbst Versuche mit etwas höhrerer Geschwindigkeit haben nicht zur kompletten Drehung geführt. Länge (fast 4,90m) läuft eben. Gutes Ding!

Kosten
Nach dem Unfall schnellten natürlich die Versicherungsbeiträge in die Höhe. Und nachdem ich da wieder runter war, parierte der Staat mit einer Steuererhöhung. Die von vornherein nicht wenigen 500 Euro stiegen bis auf 740 Euro im Jahr - leider. Mittlerweile ist eine Umschlüsselung auf eine günstigere Steuerklasse wohl möglich, allerdings lohnt sich das nicht mehr, da ich den Volvo verkaufen muss.

Fazit
Für Liebhaber, Familien und eben Leuten mit viel Ausrüstung und Gepäck ein hervorragendes Reise- und Transportauto. Leider etwas zu teuer im Unterhalt geworden.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Thinky

Thinky

11.08.2006 23:24

Sehr netter Erfahrungsbericht. Die Kilometerleistung wäre noch interessant gewesen! ich selbst habe auch einen Volvo 940, allerdings ein Benziner mit 225.000 km. gekauft habe ich den mit 145.000 km und bis auf Routinereparaturen (Bremsen, Kupplung, Auspuff) war bislang nichts dran. ein tolles, kantiges Auto mit viel Platz (besnders der Kombi, den ich habe)

sammlerfreund

sammlerfreund

10.08.2006 00:02

Klasse Bericht! Gruss Sammlerfreund

StefanSP80

StefanSP80

09.08.2006 23:33

Ein toller Bericht. Respekt!! LG Stefan

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