Er ist keine reine Familienkutsche
28.11.2002 (26.06.2003)
Pro:
zuverlässig, Fahrspaß
Kontra:
teure, zuweilen inkompetente Werkstätten,
Empfehlenswert:
Ja
 Colora
Über sich:
Mitglied seit:14.08.2002
Erfahrungsberichte:45
Vertrauende:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, wie Ihr alle wisst, habe ich einen schmucken „Oldtimer“, der mir wirklich sehr ans Herz gewachsen ist. Da dieses Gefährt aber nichts für Frau und Kinder ist, habe ich 1996 meiner Frau einen Volvo V 40, 1,8 i, gekauft, und nach einer sechsjährigen Testphase denke ich, meine Erfahrungen einmal preisgeben zu können.
Mit den technischen Einzelheiten dieses anthrazit-metallicfarbenen Gefährts möchte ich hier niemanden langweilen, aber dennoch auf die aus meiner Sicht schon durchaus gediegene Innenausstattung hinweisen. Im serienmäßigen Lieferumfang waren Sitze mit Teillederbezug, elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, ein Fahrersitz mit Höhen- und Neigungsverstellung, ein höhenverstellbares Lenkrad und, und, und..... Pfiffige Details, wie eine Klemme für Parkscheine an der Windschutzscheibe und Gurte im Gepäckraum zur Sicherung von Ladung sollten auch nicht unerwähnt bleiben.
Zum endgültigen Preis dieser Karosse mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von damals DM 46.000,- gelangte ich erst nach zähem Ringen. Dabei kam mir der Umstand zu Gute, dass das Autohaus unbedingt mit diesem Modell Stückzahlen „machen“ wollte / musste und mir schon ziemlich entgegenkam. Hinweise auf den Preis eines EU-Reimportes und die Frage nach einer Tageszulassung taten ihr Übriges und wir einigten uns auf DM 38.200,- incl. Fußmatten, (das gehört sich schließlich so).
Nach einigen Wochen, der Tag der Auslieferung rückte näher, wurde mir mitgeteilt, dass ein Lieferverzug unumgänglich sei, man habe leider nur ein entsprechendes Fahrzeug in grünmetallic.... Gegen die Zusage des Verkäufers, den Einbau der Mobiltelefonanlage sowie der Stereoanlage (bei eigener Anlieferung) kostenfrei zu gestalten, konnte ich mit einer vierwöchigen Verspätung gut leben. Dumme Gesichter gab es nur in der Werkstatt, denn für den Einbau der Funkantenne musste der gesamte Fahrzeughimmel entfernt werden und auch die Ansage, „den CD-Wechsler hätte ich gern in den Kofferraum“ konnte niemanden so richtig begeistern, da sämtliche Kabel unterhalb des Teppichbodens durch das ganze Fahrzeug verlegt werden mussten.
Dann war der große Tag gekommen, er war da. Nach einigen Wochen, wir hatten das Auto mehrfach getankt und festgestellt, dass die Verbrauchsanzeige im serienmäßigen „Mäusekino“ auf den Zehntelliter genau anzeigt, habe ich mal bei der Volvo-Vertretung angerufen und gefragt, ob sie einen Trick kenne, den Verbrauch unter 10,5 Liter zu bekommen.
„Naja, das ist nämlich so, äh ....“ Mir wurde dann erklärt, dass das Fahrzeug noch nicht „eingefahren“ sei und erfahrungsgemäß der Verbrauch nach den ersten 15.000 Kilometern Fahrleistung weniger wird. Das stimmte auch, nach etwa 14.000 Kilometern pendelte sich der Verbrauch bei etwa 9 – 9,2 Litern ein, jetzt, bei gut 60.000 Kilometern fahren wir den Wagen bei konstant 8,7 Litern.
Leider hatten und haben wir auch einige Mängel an dem Fahrzeug zu beklagen. Nach einem Jahr zeigte die Außentemperaturanzeige plötzlich satte 47 ° Celsius an. Das lag an einem abgefallenen Temperaturfühler. Da wir gerade bei abgefallen sind, etwa ein halbes Jahr später ist der Fahrzeughimmel abgefallen, und zwar im gesamten Bereich der Windschutzscheibe. Ich habe ihn dann provisorisch festgeklebt und mir schon Gedanken gemacht, ob man ihn „auf Kulanz“ wieder fest bekommt. Bei besagter Volvo-Vertretung schien man aber schon so ein wenig auf der Lauer gelegen zu haben, mir wurde dort nämlich erklärt, dass der Himmel komplett ausgetauscht werden müsse, da ein Fabrikationsfehler bei meiner Baureihe vorliege. Prima, erst mal warten ob was passiert und dann auf Garantie reparieren. Auf meine Frage hin wurde mir dann erklärt, dass nach zwei Jahren die Garantie nicht mehr gegriffen hätte, dann wäre der Schaden auf meinen Deckel gegangen. Auf meine Frage, warum es keine Rückrufaktion gegeben habe, da der Fehler ja bekannt gewesen sei, konnte mir keiner antworten
Einen anderen Beweis ihres Könnens legten die Fachleute bei Volvo ab, als ich mit relativ lauten „schabenden“ Geräuschen beim Bremsen vorstellig wurde, die ich meinte im Bereich des rechten Hinterrades geortet zu haben. Bei einer Probefahrt wurde mir versichert, dass überhaupt nichts zu hören sei. Erst nach mehrmaligen Bremsversuchen war der Werkstattleiter zu überzeugen, dass da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die anschließende Reinigung der Bremsen hat mich DM 98,- gekostet, gebracht hat es irgendwie nicht so richtig was, die Geräusche sind nur leiser geworden. Nach dem Wechsel von Sommer- auf Winterreifen waren die Geräusche verschwunden, so dass ich davon ausgehe, dass es an der Bereifung lag. Zum nächsten Sommer waren dann eh neue Sommerreifen fällig und das Problem ist nicht wieder aufgetreten. Gut, bleibt noch zu erwähnen, dass der Volvo-Händler mittlerweile pleite ist.
Jetzt habe ich aber ein anderes Problem. Bereits im Juli habe ich eine kleine Roststelle an der Heckklappe festgestellt. Bei einem weiteren Volvo-Vertragshändler in der Nähe bin ich damit vorstellig geworden, ich habe ja schließlich eine 8-Jahre Garantie gegen Durchrosten. Mir wurde dann auch sofort gesagt, dass das natürlich ein Garantiefall sei, und dann fragte man mich nach der Bescheinigung zur Rostdurchsicht. Das ist ein kleiner Zettel, der im Servicebuch liegt, nicht weiter beachtet wird, und bei Inspektionen durch den Vertragshändler mit ausgefüllt wird, zumal eine solche Rostdurchsicht nichts kostet. Das weiß ich allerdings erst seit Juli! Leider haben die Schwerathleten beim insolventen Händler das anscheinend auch nicht gewusst, der Zettel ist nicht ausgefüllt.
Man hat dann bei einem zweiten Termin mit einer Digitalkamera Fotos von der Roststelle gemacht und „man werde sich bemühen, das auf Kulanz hinzubekommen“. Seitdem habe ich nichts wieder davon gehört, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, die nächste Inspektion steht vor der Tür und dann „hake ich nach“. Da wir gerade bei den Inspektionen sind. Die sind relativ teuer, da Volvo wohl nach Porsche die höchsten Stundensätze berechnet und auch bei den Preisen für die Originalteile keine Scheu zeigt. Die Pflegedienste alle 15.000 liegen bei 100 – 200 Euro, die Inspektionen, je nach Umfang der auszuwechselnden Verschleißteile, bei 350 – 600 Euro.
Ansonsten ist der V 40 ein tolles Auto mit hervorragenden Fahreigenschaften. Auch voll beladen mit zwei Erwachsenen, zwei Kindern und Gepäck gibt es keine Probleme mit Straßenlage oder Durchzugsvermögen. Der Laderaum ist groß genug, man will ja auch keine Umzüge damit machen. Die Sitzbezüge sind robust und pflegeleicht, sie lassen sich gut reinigen, auch einige Flecken, die die jungen Leute produziert hatten, ließen sich einfach wieder mit Wasser und Seife entfernen. Mein Fazit:
Den Volvo V 40 1,8i würde ich sofort wieder kaufen. Die erkannten Mängel sind sicherlich nicht symptomatisch für alle V 40. Der Fahrspaß ist enorm und das Auto ist zuverlässig bei jeder Witterung. Den Punktabzug gibt es für den mangelhaften Service. Vielen Dank fürs Lesen.
Für Anregungen und konstruktive Kritiken bedanke ich mich schon mal. Nachtrag vom 25.06.2003
Heute kann ich Euch noch etwas zum Thema Kundendienst und Kulanz bei Volvo erzählen. Zu der erkannten Roststelle habe ich ja oben bereits etwas geschrieben. Der avisierte Gutachetr von Volvo war dann nach gut drei Monaten auch in der Werkstatt und begutachtete mein Fahrzeug. Dann erklärte er mir, dass es sich bei diesen Rostschäden keineswegs um eine Durchrostung handelt, da der Rostfraß von außen nach innen und nicht andersrum vonstatten geht. Durchrostung bedeutet aber, dass der Rostfraß an der Innenseite des Fahrzeuges beginnt, und sich der Ropst nach außen durchfrisst, wodurch ein Loch entsteht, daher der Begriff Durchrostung. Dann sagte der Gutachter jedoch, dass das Fahrzeug bei diesem Alter eigentlich an der Stelle gar nicht rosten dürfte, da gebe er mir recht. Aus diesem Grunde wurde dann unverzüglich die gesamte Heckklappe auf Kulanz lackiert. Hut ab. Ich bin also erneut in meiner Kaufentscheidung bestätigt worden.
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21.07.2003 10:08
hätte ich keinen alfa romeo, wär's wohl dann auch ein volvo :-)
03.07.2003 14:36
Hi, guter Bericht!!!!!!
26.06.2003 13:25
Hi, guter Bericht. Mal ne Frage, warum bezeichnest du den "V40" als Oldtimer? Ich meine gut 1996, aber der sieht doch eigentlich recht modern aus, und ist doch von dem eckigen Design der älteren Volvo Modelle abgekommen. Oder irre ich mich da? Viele Grüße Trip :))