Vielseitiger Familien-Elch
21.12.2004
Pro:
+ + + Sicherheit, Komfort, Durchzug, Design + + +
Kontra:
- - - Radkästen im Kofferraum - - -
Empfehlenswert:
Ja
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 29 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wer, weshalb, warum? Bei uns hatte sich letztes Jahr Zuwachs angekündigt. Grund genug für mich, vorzusorgen und mich nach einem Kombi umzusehen. (Wie selbstlos von mir!) Aufgrund der Zuverlässigkeit, die wir von unserem Toyota gewohnt waren, sahen wir uns zuerst im gewohnten Lager um, wurden aber nicht recht fündig. Zuverlässigkeit ist ja einerseits beeindruckend, kann aber in Kombination mit fehlender Emotion und Design langweilig werden.
Ein Marken-Vergleich musste her! Es gibt ja immerhin noch mehr Kombis in der Golf/Passat-Klasse. Den Teil des Kombi-"Aussiebens" lasse ich hier weg (obwohl das lustig & interessant wäre) und komme direkt zum Ergebnis unseres Vergleichs: Volvo bot mit dem V40 genau die Kombination aus Design, Leistung, Platz und Sicherheit, nach der wir gesucht hatten! Dazu kommt, das muss man der Ehrlichkeit halber sagen, dass wir uns mit dem Image von Volvo identifizieren konnten und der Marke gegenüber aufgeschlossen waren. Der V40 in der 1,9D Version mit 85kW verrichtet also seit über einem Jahr seinen Dienst bei uns, ist aufgrund seiner Eigenschaften ein geschätztes Familienmitglied geworden. Die ersten hundert der inzwischen über 50.000km waren bei uns tatsächlich á la VW Bora-Werbung damals: "Du kannst heute abend trinken, ich fahre uns nach Hause." - "Nein, nein, das ist kein Problem. Ich fahre, Du kannst was trinken ..."
=====Verarbeitung:
Ganz wichtiges Kriterium bei uns. Der V40 ist innen sehr aufgeräumt, übersichtlich und ergonomisch. Es gibt keine Probleme wie bei z.B. Renault Laguna, dass Radio oder Lüftung zu tief angeordnet wären. Alles ist in Arm-Reichweite, ohne dass man vom Sitz kriechen oder den Blick von der Straße nehmen muss. Konsole und Armaturen sind natürlich aus Plastik, wirken aber angenehm, sind griffig und passen ins Bild. "Hochwertig" würde ich es nicht nennen, aber nahe daran. Vergleichen mit Audi ist Volvo durchaus gewachsen, lässt meiner Meinung nach Golf und 3er BMW in der Verarbeitung hinter sich. Ich mache dieses positive Bild daran fest, dass ich bis in die Details überzeugt bin: vom Druckpunkt der Knöpfe der elektrischen Fensterheber, über die Beleuchtung aller Knöpfe in der Dunkelheit, der Leichtigkeit der Gurte, bis zum Übersichtsgefühl im Fahrersitz. Die Türen schließen satt, Fugen passen sich sehr vernünftig aneinander an, nichts klappert, wackelt oder erweckt den Eindruck, nicht an seinen Platz zu gehören. Die Fahrerinstrumente (weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund mit rot beleuchteten Zeigern) sind gut ablesbar, das Lenkrad lässt sich nur vertikal verstellen. *****************************=====
Komfort: Die Sitze auf Fahrer- und Beifahrerseite sind höhenverstellbar, der untere Rückenbereich lässt sich verstärken und der komplette Sitz (nicht nur die Lehne) lässt seine Position im Winkel verändern. Die Kopfstützen vorn ragen traditionell unveränderbar am Sitz auf und bieten maximalen Komfort ... und Schutz. Sportsitze hat der V40 wohl nicht, bietet sehr wohl aber Seitenhalt. Der Fahrer hat im V40 ein sehr gutes Gefühl, alles im Blick und Zugriff zu haben.
Auf den hinteren Plätzen haben auch größere Menschen Platz, allerdings würden sie sich wohl nach mehreren Stunden Fahrt nach einer Pause erkundigen. :-) Die Sitze hinten sind in Ordnung, für meinen Geschmack aber einen Tick zu weich. Zeitgemäß finde ich die versenkbare Kopfstütze und den vollwertigen Drei-Punkt-Gurt für die fünfte Person. Benutzung des Tempomat ist auf Langstrecken angenehm. Volvo hat sich entschieden, diesen erst ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h und dem vierten oder fünften Gang verfügbar zu machen. Vorher reagiert er nicht.
Ah, ein Detail: an den Kopfstützen der hinteren Plätze befinden sich "Ohren", die man stufenweise runterklappen kann, damit man den Kopf auch seitlich anlehnen kann. Diese "Ohren" sind die perfekte Maßnahme, wenn man im Schlaf nicht das übliche mit-dem-Kopf-zur-Seite-kippen erleben will. Wunderbar! Noch ein Detail: Benutzt man die WischWasch-Anlage, wird nach ein paar Sekunden noch einmal nachgewischt, um auch noch die letzten Tropfen zu erwischen. Oder: scahltet man bei aktivierten Scheibenwischern in den Rückwärtsgang, wird hinten automatisch einmal gewischt.
Oder auch: Auch der Beifahrer hat an seinem elektrischen Fensterheber die Möglichkeit, die Zentralverriegelung zu steuern. Stummer Diener: Mir persönlich auch angenehm, dass der V40 keine akkustischen Warnsignale (bis auf das klickende nicht-angeschnallt-sein) von sich gibt. Beispiel Serviceintervall. Ein Lämpchen leuchtet für die Dauer von zwei Minuten nach dem Motorstart auf. Im Winter deutet der Bordcomputer mit einem kleinen Eiskristall in jedem Modus darauf hin, dass es gefrieren könnte! *****************************=====
Design: Bevor sich der V40 verabschiedet und Platz für den (übrigens kleineren) V50 gemacht hat, wurde ihm von Volvo noch einmal eine Kur spendiert. Der Radstand wurde verbreitert, der Innenraum minimal verändert, die Schnauze mit Klarglascheinwerfern versehen und die Rückleuchten erneuert. Die Änderungen (ganz besonders die auffälligen und schönen Klarglasscheinwerfer) sorgen für eine wirkliche Aufwertung des Designs, welches ursprünglich schon sehr ansprechend war. Der V40 ist eines der Autos, welches den Spagat zwischen mutigem Design und oft designloser Zeitlosigkeit ist. Er ist ausserdem die Art von Lifestyle-Kombi, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben - nach dem Motto: auch mit aus allen Fenster herausquillenden Windeln gut aussehen! Aber jeder, der sich für den V40 interessiert, wird um die meisten seiner Vorzüge bereits wissen und mit dem Gedanken an den Kauf dieses fahrenden skandinavischen Designer-Stücks spielen. *****************************=====
Fahrspaß: Durchzugsstarke 116PS ... ich will davon berichten! Der Common-Rail Diesel hängt am Gas, nur in den unteren Drehzahlen stößt man auf ein kurzes Turbo-Loch, welches man so von einem Benziner nicht kennt. Dann heißt es, entweder ab 2000 Umdrehungen raufschalten und dort bleiben (faules cruising) oder die Hand an der Schaltung lassen, um mit etwas mehr Gas auch schon mal die Hintermänner in einer alles duftenden Dieselwolke verweilen zu lassen (Kick-Start to go)! Nein, mal im Ernst: Einen Partikelfilter hat (leider!) kein Modell der V40er-Reihe und Volvo bietet auch (leider!) nachträglich keinen an.
Unser 5-Gang-Schaltgetriebe ist leichtgängig und präzise, die Schaltwege sind allerdings bei z.B. einem Golf kürzer. 6 Gänge wären mir lieber, gibt´s aber leider nicht. (Apropos Schalten: eine Armlehne am Fahrersitz gibt es nicht). Laut Bordcomputer liegt der Verbrauch (Faktor Fahrweise nicht vergessen) bei uns um die 6,5l/100km ... und ich fahre gern zügig. Falls ich mal ZU zügig unterwegs gewesen sein sollte, weiß ich, dass ich von 6 Airbags geschützt bin, ganz abgesehen von der Volvo-typischen, sicheren Karosserie. Bei 200km/h ist allerdings Schluss. Der Benziner hätte da bestimmt etwas mehr zu bieten (sind in der Endgeschwindigkeit generell etwas schneller), aber man kann damit leben. Denn die Beschleunigung macht das wieder wett. WOBEI: Beschleunigung ist relativ. Sicher ist der V40 kein Sportwagen und jeder 3er BMW hat eine stärkere Beschleuning. Anders formuliert: für einen Familienwagen, für einen schwedischen Lifestyle-Kombi, für einen Volvo V40 Diesel sind die Fahreingenschaften sportlich. Und das ist ein guter Mix - sicher mit der Familie unterwegs oder mit grimmigem Winken auf der rechten Spur überholen. ;)
Zum Fahrspaß noch etwas ganz anderes: im Unterpunkt "Design" hatte ich bereits erwähnt, dass die Veränderungen im V40-Modell nach 2000 positiv auf das Erscheinungsbild gefallen sind. Aber auch die Motoren sind andere. Beim Diesel wurde vor 2000 ein eingekaufter Mitsubishi verwendet, nach 2000 ein Renault Common-Rail. Insgesamt hat sich durch diesen Wechsel (und andere Änderungen?) eine deutlich höhere Zuverlässigkeit eingestellt. Viele Kinderkrankheiten werden mit einem V40 nach 2000 umschifft. *****************************===== Platz & Stauraum:
Der Kofferraum ist ausreichend, aber nicht so uneingeschränkt wie bei Primus Opel Astra Caravan. Die Radkästen stören ein wenig und das sonst so geschwungene Design sorgt in diesem Fall nur dafür, dass der Laderaum an der Dachkante an Platz einbüßt. Schade. Die Rückbank lässt sich 2/3n und eben (!) versenken. Falls noch mehr Raum nach vorn gebraucht wird. Der Beifahrersitz lässt sich mit zwei Handgriffen komplett nach vorn klappen, so dass sich auch Panelen transportieren lassen (Achtung: Kratzer an der Konsole und Handschuhfach vorn vermeiden!) Neben dem einfach zugänglichen (aufklappen) Stauraum, in dem sich das Notrad befindet (und wo noch Decke, Werkzeug, etc. Herberge findet) gibt es im von zwei Seiten beleuchteten Kofferraum auch einen Gurt, mit dem sich etwas fixieren lässt.
Die Ladekante ist etwas hoch, dafür wird sie aber wenigstens durch Plastik geschützt. Die Heckklappe öffnet hoch genug, so dass man beim Einladen keine Probleme hat. Das Abdeck-Rollo des Kofferraums (welches sich zum Platzgewinn natürlich herausnehmen lässt) ist an zwei Plastik-Häckchen etwas labbelig festgemacht. *****************************===== Finanzen:
Die Details zum Thema Kosten bei unserem V40 lasse ich mal weg. Nicht, weil es zu privat wäre, sondern weil keine Kaufsituation Allgemeingültigkeit hat. Neuwagen oder Gebrauchter (zwischenzeitlich ja nur noch gebtraucht). Vollkasko oder Haftpflicht? Wie viele Kilometer im Jahr? All diese Faktoren bestimmen letztendlich beim Kauf mit. Denn: beim Volvo V40 ist es z.B. so, dass sich eine Diesel-Motorisierung schon ab einer Kilometer-Leistung von unter 20.000 im Jahr lohnt. Daten zum Wertverlust habe ich jetzt nicht parat, würde den V40 aber im Mittelfeld ansiedeln, wenn ich mir so ansehe, dass immer noch die alten, schönen 940er durch die Gegend fahren. *****************************===== Kritik:
Uff ... öh ... Ah! Das Fahrerfenster fährt auf festen Knopfdruck automatisch ganz herunter, ohne dass man den Knopf festhalten muss. Warum hat keiner daran gedacht, dass auch wieder beim Schließen des Fensters zu berücksichtigen? *****************************===== Fazit:
Der Volvo V40 vereint eine Menge Qualitäten unter einer Haube: er ist ein zuverlässiges (bisher keinen Ärger gehabt) und vor allen Dingen sicheres Familienauto, welches eine sportliche Seite hat, die er gern zeigt, wenn man(n) allein mit ihm ist. Ihm ist aufgrund des Raumangebots sogar vor dem Volvo V50 der Vorzug zu geben. Wer dagegen ein zweites Wohnzimmer möchte, sollte an einen V70 denken, den Ersatz für eine Mehrzimmerwohnung auf Rädern.
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02.05.2006 21:24
Also wenn ich mir den leisten könnte, würd ich ih sofort kaufen!! Ich finde, du hättest schon eine grobe Preiskathegorie für die Anschaffung (Zumindes Neu- und Jahreswagen oder so) reinschreiben können, ansonsten aber ein toller Bericht! LG
13.02.2005 22:13
Toller Bericht! Die Kosten sind mir weniger wichtig, darüber habe ich mich schon informiert, uns ansosnten hat Dein Bericht mir dieses Auto noch schmackhafter gemacht. Morgen schau mich mir einen an, wenn alles glatt geht hab ich ab Samstag auch so nen Wagen... Gruss Craban
27.12.2004 01:51
Schade, dass Du das Kostenkapitel umschifft hast. Ansonsten ist der Bericht recht locker und gut zu lesen geschrieben. Grüße Roger