»Ein hochspannender Wallander-Krimi – einer der besten.« (Focus) »Gott hat gefordert«, ruft ein Mann, als die Tiere sterben: Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt,... mehr
Erfahrungsbericht von SiebenteS über Vor dem Frost - Kriminalroman / Henning Mankell 22.02.2005
Produktbewertung des Autors:
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
z . T . interessante Figuren mit Tiefe
Kontra:
hat Längen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Wenn man an Autoren und ihre Romane denkt, hat man Erwartungen. Die entstehen häufig durch das, was man darüber von Freunden hört oder in Kritiken liest, manchmal auch daher, wie Verfilmungen früherer Romane des selben Autors gelaufen sind. Was ich bisher vom schwedischen Schriftsteller Henning Mankell wusste, war, dass er mit seinen Romanen überaus erfolgreich ist. Denn allzu oft hatte ich seinen Namen auf den Bestsellerlisten gefunden. Und ich hatte ab und an in die Mankell-Fernseh-Krimis geschaut, in Krimis, die mich nicht sehr zum Verweilen einluden, denn der kauzige Kommissar Wallander, Hauptfigur der Mankell-Geschichten, war irgendwie so gar nicht mein Fall. Manchmal sind aber Verfilmungen auch anders, schlechter, als die Filme, die im Kopf entstehen, wenn man einen Roman selber liest. Als ich mich vor ein paar Monaten entschloss, probeweise Mitglied im Club-Bertelsmann zu werden, war die Frage, welche fünf Bücher ich mir für meine kostenlose Begrüßungsbestellung aussuchen sollte. Und so kam ich zu meinem ersten Mankell-Roman. „Vor dem Frost“ hat mich überrascht. Warum? Dazu jetzt mehr.
DER ERSTE EINDRUCK: Bertelsmann hat ja üblicherweise seine Club-Ausgaben, eigens gefertigte Bücher mit eigenem Cover, etc. Der Buchrücken des Schutzumschlages fällt neutral schwarz aus, Vorder- und Rückseite wirken künstlerisch. Wenn man ihn zum ersten Mal in Händen hält, fallen einem das Gelb-Rot auf, dass weite Teile prägt, das helle Blau des oberen vorderen Teils und ein dunkleres Blau in der Mitte. Doch wenn man genau hinschaut und den Inhalt kennt, dann wird aus dem Gelb-Rot Feuer, aus dem hellen Blau der Himmel, aus dem dunkleren zwei Schwanenflügel, die mit dem Feuer kämpfen. Damit erscheint das Buch alles andere als frostig, aber dafür schon ungewöhnlich, unheimlich.
SCHAUPLATZ UND ZEIT: Dieser Roman spielt in Ystad, in der Region Schonen, in Schweden. Hier ist das Polizeirevier, in dem Kommissar Wallander tätig ist. Besonderen Reiz hat aber auch die Zeit: Denn die Geschichte spielt 2001, vor allem im August und September, in den Tagen vor den Anschlägen des 11.9.
DIE FIGUREN: LINDA WALLANDER: Linda? Wieso Linda? Und nicht Kurt? So heißt der Kommissar doch, der die Mankell-Krimis prägt?! Richtig! Kurt Wallander kommt auch zum Einsatz, ebenso wie Linda, seine Tochter. Eigentlich heißt sie Linda Caroline Wallander und ist als Polizeianwärterin in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Naheliegend? Der grade Weg? Nein. Denn eigentlich hatte Linda zunächst diverse andere Berufswünsche, wollte Möbelpolsterin oder Schauspielerin werden. Doch irgendwie imponierte ihr Vater ihr doch, ihr Vater, dem sie heimlich den Beinamen „der Mann, der immer vergisst, dass es mich gibt“ gab. Denn häufig dachte er nicht daran, dass er sie z.B. vom Flughafen abholen sollte .... Die Beziehung zu ihrem Vater ist dann auch ein zentrales Thema.
KURT WALLANDER: Zu ihm fällt mir als erstes das Stichwort „langweilig“ ein. Dabei trifft das die Sache nicht ganz. Denn Wallander ist einerseits ein sehr guter und zupackender Polizist. Andererseits wirkt er als Mensch aber unglücklich. Immer wieder gerät er mit seiner Tochter aneinander (dazu später mehr). Und auch in Sachen Beziehung und sonstigem Leben wirkt er enttäuscht und unschlüssig zugleich. Denn Lindas Mutter, Kurts Ex-Frau, ist inzwischen mit einem anderen verheiratet, seine diversen Beziehungen zu anderen Frauen waren nie von Dauer. Und auch den Ort, das Haus oder die Wohnung, wo er in Zukunft leben will, findet er nicht. Mir fehlt an der Figur des Kurt Wallander der Reiz, er erscheint mir (zu) uninteressant, so dass ich wahrscheinlich keinen Roman, in dem nur er im Vordergrund steht, lesen würde.
ANNA WESTIN: Als Schülerinnen waren sie und Linda die besten Freundinnen, wegen eines Jungen, in den sie sich beide verliebten verloren sie sich schließlich aus den Augen. Doch nach Lindas Rückkehr nach Ystad begegneten sich die beiden zufällig wieder, frischten ihre Freundschaft auf. Anna wirkt dennoch zurückgezogen, ist eine junge Frau mit Widersprüchen. So macht sie zwar den Eindruck einer ganz normalen Studentin der Medizin, trifft sich gerne mit Anna und Zebra, einer weiteren Freundin aus der Schulzeit. Doch zugleich erscheint sie merkwürdig. Das liegt ein wenig auch an der Familienkonstellation: Ihre Mutter ist eine verschrobene Komponistin (Henrietta macht aus Geräuschen Musik), ihr Vater hat die Familie vor 24 Jahren verlassen. Noch merkwürdiger an Anna wirkt aber, dass sie plötzlich verschwindet. Und immer wird Linda klar, dass Anna sie belügt, dass sie etwas zu verbergen hat.
HANDLUNG: Der Beginn, der Prolog, verschlägt einen ins Jahr 1978 nach Jonestown, Guyana. Die Atmosphäre ist bedrückend. Ein Mensch, dessen Namen man nicht entfährt, dem man aber sehr nahe kommt, weil man aus seiner Position heraus (Ich-Erzähler) seine Gedanken erfährt, fürchtet sich, fürchtet sich vor Hunden. Erst allmählich wird klar, warum: Eine Sekte hat sich versammelt, angeführt von Pastor Jim Jones, einem selbst ernannten Propheten. Er hat seine Jünger zum kollektiven Selbstmord aufgerufen, wer nicht gehorcht, wird von ihm und einer Hand voll von Helfern erschossen. Der Mann, an dessen Seite man dieses Geschehen erlebt, war durch Zufall nicht unter den Toten ... 23 Jahre später in Schonen, Schweden: Ein Mann lockt Schwäne an, um sie brennend zurück aufs Wasser zu schicken. Wallander muss ermitteln. Vorübergehend wohnt seine Tochter Linda wieder bei ihm. Da sie Polizeianwärterin ist, nimmt der Kommissar sie mit. Es wird nicht die einzige Tierverbrennung bleiben. Anna erzählt Linda, sie habe ihren vor 24 Jahren verschwundenen Vater wieder gesehen. Kurz darauf verschwindet Anna selber ... Ungewöhnlich für sie, findet Linda. Sie durchsucht die Wohnung ihrer Freundin, es scheint nicht als wäre die verreist. Denn auch ihr Wagen steht vor der Tür. Anna bleibt verschwunden, Linda findet heraus, dass die Freundin ihr Studium anscheinend abgebrochen hat, eine Mitbewohnerin in ihrer Studien-WG sagt, Anna lüge häufig. Aus der Freundin scheint die vermisste Unbekannte zu werden. Um mehr heraus zu erfahren, liest Linda Annas Tagebuch. Dort steht auch der Name einer Frau, die tot aufgefunden wird. Ein Kopf und die gefalteten sind in einer Hütte aufgebahrt, der Rest des Körpers fehlt. Für Linda ist klar: Da muss eine Verbindung zu Anna existieren. Ein weiterer Name aus dem Tagebuch führt sie nach Kopenhagen, wo sie zusammengeschlagen wird. Dann taucht Anna wieder auf, so als wäre nichts geschehen. Sie und die Tote seien früher öfters zusammen ausgeritten, waren aber nicht befreundet. Unbedeutend, die Verbindung. Ein neues Verbrechen erschüttert Wallander und seine Kollegen: Zwei Kirchen brennen, in einer wurde eine Frau mit einem Tau erwürgt, eine Amerikanerin. Nach Annas Rückkehr treffen sie und Linda sich zusammen mit einer andere Freundin aus Schülertagen, mit Zebra und deren kleinem Sohn. Das Thema kommt auf Abtreibungen, Zebra räumt ein, bei ihrem Sohn über Abtreibung nachgedacht und zuvor, mit 15 Jahren, tatsächlich abgetrieben zu haben. Entsetzt stürzt Anna davon. Und kurze Zeit später verschwindet Zebra. Die Zusammenhänge werden Linda allmählich klar: Die Tote in der Kirche hat auch abgetrieben. Zebra wurde aus dem selben Grund entführt. Und irgendwie muss Anna in die Sache verwickelt sein, Anna und ihr verschollener Vater, der einstige Jünger von Jim Jones, der sich nun selber als Prophet sieht. Bei der Suche nach Anna verschwindet auch Linda und erfährt, dass Erik Westin und seine Anhänger anscheinend 13 Kirchen in die Luft zerstören wollen.
DIE THEMEN: SEKTEN: Ein ganz wichtiges Motiv in diesem Roman ist die Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens. Erik Westin, Annas Vater, hatte nach einem Ziel gesucht und war bei Jim Jones angekommen, einem falschen Propheten, wie Erik rückblickend meint. Doch dann hatte er selber seine Ziele in die Hand genommen, hatte selber Menschen um sich geschart, um zu reinigen, um das Böse los zu werden. Auch wenn man zeitweise an seiner Seite und an der von Torgeir Larsson, seinem ersten Jünger, ist, so ist erscheinen ihre Ziele doch genauso verwirrt wie die von Jones. Ich frage mich, ob Mankell auch grundsätzlich zeigen wollte, was (falsch verstandene) religiöse Motive für Auswirkungen haben können. Denn im Klappentext des Buches fällt das Stichwort 11. September. Tatsächlich findet dieser Tag nur flüchtig am Ende des Romans Erwähnung. Doch gewisse Parallelen sind zu erkennen.
VATER UND TOCHTER: Dieses Verhältnis lernt man gleich doppelt kennen: Zwischen Kurt und Linda Wallander und zwischen Anna und Erik Westin. In beiden Fällen sind die Familien auseinander gebrochen. Doch während Erik ja verschwunden ist, war Kurt Wallander als Vorbild (was den Beruf angeht) und zugleich als jemand, der Probleme mit seinem eigenen Leben hat, vorhanden. Beide Punkte wirken aber irgendwie negativ auf Linda ein, sie liebt und akzeptiert Kurt zwar, fühlt sich von ihm aber nicht wirklich verstanden und hat auch ein wenig Angst, in seine Fußstapfen zu treten. Zwischen Angst und Bewunderung ist auch das Verhältnis zwischen Erik und Anna. Er, der verschollene Vater, wirft seine religiöse Überzeugungskraft, sein Charisma in die Waagschale. Während Linda es schafft, mit der Vater-Tochter-Konstellation fertig zu werden, zerbricht Anna an ihr.
SOGWIRKUNG: Zunächst war ich von dem Roman recht fasziniert. Meine Lebensumstände sind zwar um einiges anders als die von Linda. Aber vielleicht auch, weil wir beide im selben Alter (um die 30) sind, konnte ich mich gut mit ihr identifizieren und war gespannt, ihre Weiterentwicklung mitzuerleben. Selbst der Anfang, an dem sie noch nicht beteiligt ist, ist fesselnd be- und geschrieben. Aber: Mankell wechselt mir doch etwas zu häufig die Perspektiven. War man soeben noch an der Seite von Linda, so ist man im nächsten Moment bei Torgeir, Erik Westins erstem Jünger. Die religiösen Preidgten werden mitunter zu lang (gegen Ende). Und das schadet der Sogwirkung. Während ich anfangs wirklich recht schnell gelesen habe, war gerade der Mittelteil zäh, erst die letzten Kapitel habe ich wieder in einem Rutsch verschlungen.
AUSGABE: Ich besitze die gebundene Version von „Vor dem Frost“ von Henning Mankell, die 2003 bei der RM Buch und Medien Verlags GmbH unter der Nr. 068213 erschienen ist. Das schwedische Original trägt den Titel „Innan Frosten“ und wurde 2002 veröffentlicht. Die Übersetzung durch Wolfgang Butt scheint mir in großen Teilen plausibel und gut. Allerdings meine ich an zwei oder drei Stellen so genannte Anschlussfehler bemerkt zu haben, Momente, an denen die Handlung nicht ganz plausibel fortgeführt, an denen statt dessen bereits gesagtes irgendwie noch einmal gesagt wurde. Ob das am Original von Mankell, an der Übersetzung von Butt oder an der Schuseligkeit von mir liegt (daran, dass ich nach einer Pause vielleicht eine Passage doppelt gelesen habe)?
PREIS: Ich habe für diesen 540 Seiten dicken Krimi nur 1 Euro (im Rahmen der Bertelsmann-Kundenwerbungs-Aktion) gezahlt. Regulär kostet der Roman bei Bertelsmann 19,95 Euro.
FAZIT: Ich habe eine interessantes Buch gelesen, das aber auch Schwächen hat. Doch zunächst zu den PLUSPUNKTEN: Hier gefällt mir, dass der Roman psychologisch interessant gestaltet ist. Auch wenn ich schon recht früh geahnt habe, dass der Mann, der als einziger den Massenselbstmord von Jim Jones Sekte überlebt hat, der Vater von Anna Westin ist, so fragt man sich doch, was nun weiter geschieht, welche Tat er plant, ob er Anna dazu verleiten kann, in seine Fußstapfen zu treten oder ob Linda die Oberhand gewinnt. Auch sie ist eine spannende Figur, die mir gefällt, da sie auch Brüche hat, egal ob das der familiäre Hintergrund mit den getrennt lebenden Eltern ist, ob es ihre eigenen Selbstmordversuche sind oder ihre Beziehung zu ihrem Vater. NEGATIV sind mir die Länge aufgefallen. Ich habe den Eindruck, dass Mankell gerade im mittleren Teil nicht straff genug erzählt, dass er sich in ein Hin und Her zerfasert, sowohl zwischen den Figuren als auch bei den Handlungen seiner Charaktere. Insgesamt vergebe ich für den Roman „Vor dem Frost“ aber vier Sterne und eine Empfehlung.
P.S. JA! MIR IST BEKANNT, DASS DAS COVER SPIEGELVERKEHRT ABGEBILDET IST. BESCHWERDEN BITTE DIREKT AN CIAO! ICH HABE DIESES FOTO NÄMLICH NICHT EINGEREICHT. ;-)
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Jetzt geht es bei mir zum letzten Mal um einen von Mankells Wallander-Romanen. Die Serie ist zu Ende, ich bin beim letzten Buch angelangt. Nachdem ja die letzten Bücher qualitativ immer mehr abgenommen haben, hoffe ich mit dieser Geschichte „Vor dem ...
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Pro: spannend wie immer, gelungene Verknüpfung des alten mit dem neuen Teams Kontra: stilistische Mängel nehmen überhand, einige Einfälle werden stark überstrapaziert
Endlich ist es so weit: der lang erwartete neue Krimi von Henning Mankell ist erschienen! Heute – 18.7.2003 – ist der offizielle Erstverkaufstag.
ISBN:3-552-05219-4, Zsolnay Verlag, 540 Seiten, 24,90 Euro
Objektiv gesehen ist es zwar noch gar nicht ...
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Spannung
Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich
19.07.2003
Mankell gibt Gas ! Bewertung für Vor dem Frost - Kriminalroman / Henning Mankellvon
nasrilla
Pro: Spannend, unterhaltend, faszinierend, behandelt ein bestimmtes Problem Kontra: für mich nichts
Das neu Buch “Vor dem Frost” von Henning Mankell hat schon - kaum erschienen - viele Lorbeeren geerntet. Nachdem mir “Die Rückkehr des Tanzlehrers” eher mau erschien, bin ich jetzt gespannt, ob Mankell sich in seinem neuesten Werk wieder steigern konnte. ...
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Pro: Spanung, Dramatik, Emotionalität Kontra: logisch/psychologisch nicht besonders überzeugender Schluss
Vor dem Frost Henning Mankell
••• Vorwort •••
Es scheint so, mir ergeht es wie vielen anderen Lesern. Hat man mal mit den Romanen Henning Mankells begonnen, sich an seine häufig recht düstere Grundstimmung ge ...
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...Schon seit einigen Jahren bin ich ein großer Fan der Krimis des schwedischen Autors Henning Mankell, vor allem seiner Reihe um den Kriminalkommissar Kurt Wallander aus Ystad. Sämtliche Romane dieser Reihe ("Mörder ohne Gesicht", "Hunde von Riga", "Die wei ...
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