Nachdem ich herausgefunden habe, dass es hier bei ciao.com auch einige Rubriken für Wrestling-PPVs gibt, möchte ich mal meinen Senf dazu geben. Als Start habe ich mir einen eher mäßigen PPV (Pay-per-View = Show, die nur über Bezahlfernsehen dem Zuschauer zugänglich gemacht wird) der WWE ausgesucht, der am 21. September des Jahres 2003 stattfand. Es ist „Unforgiven“, ein PPV, bei dem nur Wrestler des RAW-Rosters teilnahmen.
~~ Matches & Ergebnisse ~~Hier erstmal eine Übersicht der Matches und ihre Ergebnisse:
Handicap Tag Team Title Tables Match
Dudley Boyz besiegen die Champions La Resistance & Rob Conway und holen sich so die TitelTest (mit Stacy Keibler) besiegte Scott Steiner und machte ihn so zu seinem Privatdiener
Randy Orton (mit Ric Flair) besiegt Shawn MichaelsLita & Trish Stratus besiegen Gail Kim & Molly Holly
Last Man Standing Match
Kane besiegt Shane McMahonIntercontinental Title Triple Threat Match
Christian besiegt Chris Jericho und Rob Van Dam und verteidigt so seinen Titel
Jonathan Coachman & Al Snow besiegen Jerry Lawler & Jim Ross und werden so Announcer von RAWWorld Heavyweight Title Match
Goldberg besiegt Triple H und wird so Champion
~~ Einschätzung von roderick ~~„Unforgiven“ hat ein grundsätzliches Problem, was aber auf die Besetzung des RAW-Rosters zurückzuführen ist. Im Ring findet größtenteils nur mittelmäßiges bis uninteressantes Wrestling statt. Das Damenteammatch, das Match um den Announce-Job, das World Title Match und das Match zwischen Test und Scott Steiner sind allesamt unterdurchschnittlich und eignen sich hauptsächlich zum Vorspulen. Dabei kann man vielleicht gerade noch dem World Title Match zugestehen, dass es von den sehr großen Persönlichkeiten der Beteiligten gerettet wird.
Die anderen Matches sind leider auch keine echte Offenbarung. Wirklich gut gefiel mir das Match zwischen Randy Orton und Shawn Michaels, das leider auf unsaubere Art und Weise durch Eingreifen von außen beendet wurde, was die Bedeutung des Sieges für den noch sehr jungen Randy Orton ein wenig schmälert. Immerhin haben die beiden Männer im Ring gezeigt, dass sie durchaus ein Publikum unterhalten können.
Ebenfalls sehr nett anzusehen ist das Triple Threat Match um den Intercontinental Title, was bei den drei Beteiligten ja auch zu erwarten war.
Beim Last Man Standing Match und auch beim Eröffnungskampf durfte man kein allzu technisches Wrestling erwarten, es stand mehr Brawling auf dem Programm, was aber in beiden Matches ganz okay war. Dabei lebte gerade das Last Man Standing Match davon, dass es wie erwartet etwas extremer und brutaler war. Viele können ja damit was anfangen, aber ich halte weniger von dieser Hardcore-Wrestling-Idee. Wie auch immer, Kane und Shane McMahon schafften es, ein ordentliches Match abzuliefern.
Wer jetzt etwas nachgehalten hat, stellt fest, dass es nur zwei Matches gab, die an „Unforgiven 2003“ wirklich sehenswert sind. Der Rest ist wrestlerisch eher durchschnittlich bis schlecht, was den PPV leider weniger empfehlenswert macht.
Jetzt mag man sicher zu Recht anführen, dass es beim Wrestling ja nicht nur um die Geschehnisse innerhalb des Ringes geht, sondern auch um Geschichten, die erzählt und fortgeführt werden.
Da kann „Unforgiven 2003“ schon etwas mehr glänzen, wenn auch in meinen Augen nicht allzu sehr. Die Segmente während des PPV bieten nur wenig erhellendes, es wird viel um Chris Jericho und Steve Austin gemacht und erzählt, ohne dass es zuviel beim PPV selbst bringt. Ansonsten ist „Unforgiven 2003“ ein typischer Übergangs-PPV, der viele Fehden vorantreibt, sie aber nicht beendet. So standen sich Goldberg und Triple H im selben Jahr noch bei der „Survivor Series“ und bei „Armageddon“ (mit Kane in einem Triple Threat Match) gegenüber, Kane und Shane McMahon trafen bei der „Survivor Series“ wieder aufeinander. Alle Matches fanden ihre Fortsetzung in den RAW-Sendungen der nächsten Wochen, indem einzelne Beteiligte ihre Gesinnung änderten und so zueinanderfanden (z.B. Scott Steiner und Test bildeten später ein Team).
Ich persönlich finde solche PPVs sehr bedenkenswert, denn ich erwarte von einem guten PPV auch, dass er Fehden entgültig beendet, um neuen Geschichten in den nächsten Wochen Platz zu machen. Das ständige Fortentwickeln von teilweise sehr nichtssagenden Geschichten (z.B. Test und Scott Steiner) war sicherlich eines der größten Probleme der WWE im letzten Jahr, so dass „Unforgiven 2003“ leider ein viel zu gutes Abbild der mäßigen WWE des letzten Jahres ist.
Dass zu allem Überfluss einige der Entwicklungen, die bei „Unforgiven“ gestartet wurden, beim Publikum nicht ankamen, setzt dem ganzen nur noch die Krone auf. Wer auf die bescheuerte Idee gekommen ist, Jim Ross und Jerry Lawler ihre Announcerjobs verlieren zu lassen, sollte gefeuert werden. Dass dies zwei Wochen später schon wieder rückgängig gemacht wurde, ist immerhin beruhigend.
Ein letzter Kritikpunkt ist, dass man z.B. das Damenmatch am nächsten Abend bei RAW in einer Neuauflage sehen konnte, ebenso sah man in den nächsten Wochen Kombinationen der PPV-Match-Beteiligten in RAW-Matches, was den PPV sicherlich etwas entwertet, auch wenn die RAW-Matches in der Regel kürzer sind, was bei der gebotenen Qualität von „Unforgiven 2003“ aber kein Nachteil ist.
Es sei angemerkt, dass der englische Originalton von Lawler/Ross ordentlich ist und gut kommentiert, deutsche Kommentatoren würde ich bei WWE-Wrestling nie einschalten..
~~ Woher bekommen? ~~Sollte jemand trotz obiger Kritik Interesse haben, diesen PPV zu schauen, so kann ich auf ebay.de oder amazon.de verweisen, wo man ihn als UK-Import auf DVD bekommen kann. Je nach Wahl zahlt man zwischen 20 und 25 Euro (ebay) oder ca. 30 Euro (amazon). Ich habe ihn nicht auf DVD, kann aber von meinen anderen WWE-DVDs sagen, dass die Bild- und Tonqualität überragend ist. Ich habe nirgends was anderes gehört oder gelesen, also gehe ich davon aus, dass auch die „Unforgiven 2003“-DVD so gut produziert ist.
In Deutschland gab es „Unforgiven 2003“ wie alle PPVs der WWE auf Premiere zu sehen, nachordern geht meines Wissens nach nicht, so dass es sich nicht mehr um eine TV-Show handelt, wie die Rubrik vermuten lässt.
~~ Fazit ~~„Unforgiven 2003“ ist ein mäßiger PPV der WWE. Ich kann ihn niemanden guten Gewissens empfehlen. Echte Wrestlingfans werden ihn zwar wahrscheinlich trotzdem sehen, aber wer nur sporadisch mal Wrestling schaut, dem sei hiermit von „Unforgiven 2003“ abgeraten.
Leider ist „Unforgiven 2003“ ein symptomatischer PPV des Jahres 2003. Besonders die RAW-PPVs konnten nicht überzeugen, weil vor allem die Ereignisse im Ring nicht besonders gut waren. Hier sollte die WWE für die Zukunft überlegen, ob man das RAW-Roster nicht um einige Leute mit wrestlerischen Fähigkeiten ergänzen sollte. Mit Chris Benoit ist das nach dem Royal Rumble 2004 shon teilweise passiert, aber zu tun gibt es noch ´ne Menge.
An Sternen vergebe ich zwei, die Begründungen entnehme man der obigen Beschreibung.
Es grüßt,
euer roderickP.S.:
Wer hier nur Bahnhof verstanden hat, weil er weder von Wrestling noch von WWE, RAW etc. Ahnung hat, dem sei die hiesige Rubrik „Wrestling“ im Bereich Sport (!) empfohlen oder der Besuch einer Wrestlingfanseite wie genickbruch.com oder moonsault.de empfohlen. Ich jedenfalls sehe es nicht als meine Aufgabe im Rahmen dieses Erfahrungsbericht, etwaige Wissenslücken grundsätzlicher Natur zu schließen.
P.P.S.:
Die meisten der Einzelbewertungen wie "Durchhaltevermögen" oder "Kultstatus" sind irgendwie unzutreffend.
19.11.2004 10:41
Cooler Bericht :-) Gruß MArcel
10.03.2004 21:59
Auch wenn ich Wrestling nicht verstehe - der Bericht ist in Ordnung.
09.03.2004 23:52
Hab mir das früher auch immer angetan!