***Ich gehe nicht zur Wahl***

5  07.08.2002

Pro:
nur so kann man mitgestalten

Kontra:
nicht nur motzen !  !  !  was tun

Empfehlenswert: Ja 

familienduell

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...schön, dass Euch der Titel zum lesen verführt hat!!! Was ich nämlich eigentlich sagen wollte, ist das genaue Gegenteil...


...ich gehe zur Wahl und möchte heute meine Ansicht darüber äußern, wie wichtig ich es halte, dass wir wählen gehen. Und hiermit kann ich mich nur meinem Vorberichtschreiber "hspindler" anschließen, dessen Bericht mich auf die Idee gebracht hat.

Wie die meisten wissen werden, finden in Deutschland am 22.09.02 die nächsten Bundestagwahlen statt und wir werden, wenn nichts dazwischen kommt - vier weitere Jahre regiert und nur alle 4 Jahre haben wir diese einmalige Chance, die Menschen mitzugestalten, die uns in den nächsten vier Jahren auf die Palme bringen werden. So bekommen wir in den nächsten Tagen - insofern wahlberechtigt - nette Post mit der Einladung zur Wahl 2002 und viele werden diese Einladung in die Mülltonne werfen und ehrlich gesagt, der Gedanke kann einem schon kommen.

Wir machen den Fernseher an und werden von Affairen und Skandalen heimgesucht. Diese muss ich hier im Einzelnen nicht mehr aufzählen, da es wohl die meisten mitbekommen haben. Und verständlich, man springt förmlich aus den Schuhen, wenn man die Selbstgefälligkeit unserer Politiker sieht. Und ist es nicht amüsant, was die Damen und Herren der Politik vor einer Wahl alles machen - neben den typischen Wahlversprechen, tanzen Schröder und Stoiber mit ihren steifen Hüften plötzlich auf Technoparties, weil sie im Wahljahr glauben, die Menschen so zu erreichen. Da fährt Westerwelle mit nem eigenemn Mobil durch Deutschland und erklärt uns die Zahl 18 und Frau Roth von den Grünen und andere Politiker fahren mit eigenen Wagen beim Christopher-Street-Day mit und alle zeigen Präsenz - hier will ich nicht weiter darauf eingehen, man verfolge einfach das Gebahren der Politiker und entscheide selber, ob sie dieses Verhalten nur im Wahljahr an den Tag legen oder sich auch im Rest einer Legislaturperiode so verhalten.

Klar wundern wir uns über das Verhalten der letzten Wochen - ob Scharping, Schlauch, Gysi und wer da noch alles kommen mag...es macht uns wütend und bestätigt uns angeblich in der Meinung, "die sind doch alle gleich" oder "egal was ich wähle, es kommt nichts dabei raus" - es ist falsch meiner Meinung nach und will kurz darlegen warum.

Die häufigsten Statements sind die:

- Viele sagen, dass sie eh nicht wissen, was sie wählen sollen. Aber wer von uns informiert sich denn im Vorfeld über die Parteien und deren Programme? Warum nimmt nicht jeder für sich die Themen, die er für sich am wichtigsten hält und recherchiert....um rauszufinden, was die einzelnen Parteien dazu sagen. Hierzu kann man das Wahlprogramm schriftlich bei den Parteien anfordern, man kann zu Wahlkundgebungen gehen oder sich z.B. im Internet darüber informieren.

Und dann sollte man sich die Mühe machen, die unterschiedlichen Positionen der Parteien zu vergleichen. Und man wird, obwohl alle Parteien nicht wirklich weit voneinander entfernt sind, Unterschiede feststellen. Und der Eindruck, dass alle den gleichen Müll reden entsteht dadurch, dass wir nur über die großen Themen vor einer Wahl hören - wie Arbeitslosigkeit oder Gesundheitspolitik z.B. - das sind die Themen, die bestimmend sind, nicht aber das ganze Wahlprogramm einer Partei.


- Ein nächster Punkt ist der, dass viele sagen, sie wollen mit ihrer Nichtwahl protestieren. Dieser subjektive Eindruck ist meiner Meinung nach falsch, denn wenn uns wirklich etwas stört, müssen wir erst recht wählen gehen, da wir nur so die Chance haben, mit unserer Stimme etwas zu verändern. Um es allen deutlich zu machen, wenn Menschen etwas stört - wie 1989 in der ehemaligen DDR - und sie dagegen protestieren, haben sie etwas unternommen - sie sind auf die Straßen gegangen und haben langfristig etwas erreicht - aber nichts tun kann einfach kein Protest sein....damit verändern wir nichts und geben extremen Parteien unbewusst unsere Stimme...dazu später noch mehr. Jeder der seine Stimme nicht abgibt wirft sich so unter den Tisch.

- und für mich der wesentlichste Punkt, wenn man sagt, dass die eigene Stimme doch sowieso nichts bringt...auch hier täuscht der Eindruck. Es ist richtig, dass die einzelne Stimme ein Ergebnis nicht stark beeinflusst, aber je mehr Menschen so denken, dass ihre Stimme keinen Einfluss hat, desto weniger haben sie ihren Einfluss darauf geltend gemacht, wer die nächsten 4 Jahre Deutschland regiert...denkt an die Protest in der ehemaligen DDR - die der einzelen auf der Straße hat etwas erreicht, sondern die Massen.

Wir wissen aus Wahlforschungen, dass nicht abgegebene Stimmen rechtspopulistischen Parteien nützlich sind. Diese können nämlich ihre Wähler meist ganz dazu bewegen zur Wahl zu gehen. Wir haben in Deutschland die 5-Prozent-Hürde, die darüber entscheidet, welche Parteien im Bundestag sitzen werden. Sie wurde u.a. eingeführt, dass extreme Parteien keine Chance bekommen. Würden alle 60 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland zur Wahl gehen, benötigt eine extreme Partei mindestens 3 Millionen Stimmen um im Parlament vertreten zu sein. Und das ist schon eher unwahrscheinlich.
Gehen aber nur 30 Millionen Menschen wählen, wäre eine extreme Partei bereits mit 1,5 Millionen Stimmen im nächsten Parlament vertreten, was wesentlich wahrscheinlicher wäre.

Und alle die ihre Stimme nicht abgeben, tragen dazu bei, dass ein tatsächliches Ergebnis oder die tatsächliche Meinung der deutschen Bevölkerung verhindert wird.


Ich bin auch oft enttäuscht, wenn ich alles Politische so verfolge...kann aber nur mit meiner Stimme zum Protest beitragen. Die meisten Parteien haben heute nicht mehr das typische Wählerpotential...die meisten Menschen haben sich zu Wechselwählern gewandelt, d.h. keine Partei kann sich ihrer Wähler sicher sein, sie müssen immer wieder neu motivieren und die meisten Wähler entscheiden von Wahl zu Wahl wem sie ihre Stimme geben, damit können wir die Parteien fordern.
Es macht wirklich keine Mühe am 22.09. mal kurz ins Wahllokal zu laufen um ein Kreuz zu machen, so viel Zeit wird jeder haben und wenn nicht, dann gibts die Möglichkeit die Briefwahl zu machen - also kann man sein Kreuz gemütlich am Wohnzimmertisch machen und sich dabei ein Bier genehmigen.

Ich möchte auch noch einmal an den Begriff Demokratie erinnern, die meisten werden es noch wissen, dass wir in einer solchen leben. Demokratie kommt aus dem griechischen und bedeutet Volksherrschaft, d.h. dass die Staatsgewalt vom Volk ausgeht - direkt oder indirekt und diese Möglichkeit sollten wir alle nutzen. Denkt bitte an die Länder, in denen es keine freie Wahlen gibt und denkt auch mal an Österreich z.B. in denen es Wahlpflicht gibt. Wir können selber entscheiden, uns wird die Möglichkeit gegeben mitzubestimmen.

Ich stimme jedem zu, der sauer ist, der motzt usw., aber den Kopf in den Sand zu stecken wird niemandem helfen und nicht das bewirken, was wir wollen - es nützt rechtsextremen Parteien und Gott bewahre uns bitte davor.
Kluge Köpfe haben mal gesagt, jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient hat...also Leute denkt über den Satz mal fünf Minuten nach...

Nur brüllen und schreien hilft nicht...man kann auch einer Partei beitreten und versuchen so etwas mitzubestimmen und man kann wählen gehen, um der Partei die Stimme zu geben, die Eurer Meinung nach Eure Ansichten am ehesten vertreten könnte und trotzdem können wir uns ganz sicher sein...wir werden auch in den nächsten vier Jahren schimpfen und auf Gelder verzichten müssen...aber sind das Gründe nicht wählen zu gehen? Ich denke nein. Und man sollte auch nicht nur den Politikern die Schuld geben und pauschalieren...nicht alle sind gleich und es gilt die Unterschiede ausfindig zu machen...und wer hat keine Zeit sich mal ein paar Stunden in 4 Jahren mit Politik auseinander zu setzen....?

In diesem Sinne möchte ich jeden aufrufen, am 22.09. wählen zu gehen, egal wie sauer oder enttäuscht Ihr seit, ich bin es auch, doch das hält mich nicht davon ab mein Kreuz zu machen, denn Protest heißt "etwas zu tun" und nicht, etwas zu unterlassen...

...in diesem Sinne danke für Eure Zeit und noch abschließend, ich möchte niemandem auf den Schlips treten, nur zum nachdenken anregen -nicht mehr, aber auch nicht weniger...

Und wer Rechtschreibfehler findet muss am Wahltag alle Wahlurnen säubern!!!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
boersenfisch

boersenfisch

30.08.2002 11:10

"Die erste Pflicht des dt. Bürgers ist zur Wahl zu gehen". Diesen Satz sollte jeder gut behalten. Auch ich bin mit der derzeitigen Politiklandschaft nicht sehr zufrieden. Nicht nur wegen den Parteien, auch die Politiker sind eigentlich keine Politiker mehr. Sie sollten aufhören sich von "Gute-Laune-Managern" lenken zu lassen. Aber eins bleibt doch trotzdem: Auch wenn es für manche schwierig sein mag seine Wahlentscheidung zu treffen, wenn man die Parteien untersucht lassen sich schon Unterschiede feststellen. Man muss ja keine Partei suchen und wählen, die in allen Punkten mit seiner eigenen Meinung übereinstimmt (wird auch sehr schwer sein diese zu finden). Man kann ja auch das sog. "kleinere Übel" wählen oder taktisch wählen, d.h. ich wähle eine Partei damit eine andere Partei nicht drankommt. Das soll jetzt kein Wahlkampf sein, sondern nur ein Bsp.: Aktuelle Wahl. Der Koalitionspartner der zukünftigen Regierung wird sehr wahrscheinlich die Grünen oder die FDP. Die Regierung wird die SPD oder die CDU stellen. SPD oder CDU ist mir egal, also wähle ich die FDP, weil ich die Grünen nicht will. (Bsp. Vertritt nicht - na ja vielleicht zum Teil - meine politische Meinung). Gruß

FirstLevel

FirstLevel

28.08.2002 23:10

Super ... am 22.09 haben wir die Wahl ... - 1 Kreuz ... der Euro soll wieder abgeschaft werden ... - 2 Kreuz ... die Rechtschreibreform wird zurückgenommen ... - 3 Kreuz ... die GEZ Gebühr wird aufgehoben ... - 4 Kreuz ... Keiner zahlt mehr in die staatl. Rentenkasse , sondern kann seine 19,3 % selber anlegen um mit 50 von den Zinsen zu leben ... usw... Aber da war doch noch was ... ach ja das Wort Demokratie und Volksentscheid... Nun denn, so ein Kreuz zu setzen ist schon etwas ganz besonderes ... besonders wenn man dann doch nicht das bekommt was man dachte...

PadiZH

PadiZH

20.08.2002 09:58

Ach ja, was ich hierzu noch sagen wollte: Auch wir sind am 22.9 aufgefordert zur Urne zu gehen. Es geht um die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Was mich oft in meinem Freundeskreis nervt, ist die Haltung: Nein, ich gehe nicht stimmen, da ich sowieso nichts bewirken kann..." Da kräuseln sich einem die Fussnägel! Gruss, Patrick

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