Welche Zukunft wähle ich für mein Kind?

3  30.07.2005

Pro:
Wie soll man sich entscheiden?

Kontra:
Wer nicht entscheidet verliert eine Chance zu leben

Empfehlenswert: Ja 

Coppedia

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Im September solle es Neuwahlen geben. Wie viele andere Menschen muss auch ich wieder zur Urne rennen und mein Kreuz für eine bessere Zukunft machen.
Eigentlich eine sehr schwere Situation für einen Menschen, der politisch nur Teil-Interesse hat.

Warum eine schwere Situation?
Ich soll entscheiden, wen ich lieber an der Politischen Macht für das Land sehen will, indem ich lebe. Die Partei, der ich meine Stimme gebe, bestimmt den Weg, der das Land erblühen oder verblassen lässt. Auch meine ganz persönliche Situation wird beeinflusst. Eventuell wird mein Einkommen höher oder niedriger sein, meine Stadt schöner oder hässlicher, meine Nachbarn zufriedener oder mürrischer. Zuletzt wird auch die Zukunft meines Sohnes mitbestimmt. Ob er später in einem Land lebt, dass Werte kennt, die auch ich ihm beizubringen versuche, bestimme ich mit meiner Wahl. Schwere Situation? Ich finde schon.

Was Teil- Interesse heissen soll?
Ich interessiere mich für die Teile, die mich betreffen. Als Hausfrau und Mutter sollten die Themen also klar sein, oder? Nö, meine Themen sind so gross wie das Meer und meine Meinung wie eine Fahne bei Sturm, da ständig neue Einflüsse mich verwirren. Familien bezogene Themen sind wichtig für mich. Ob das Kindergeld höher wird oder wegfällt, ob das Erziehungsgeld wieder mal nur für andere oder auch mal für mich zu haben ist, sind Fragen, die mein Einkommen verändern, meinen Lebensstandart und die Lebenssituation meines Kindes. Aber wie kann ich mich nicht für EU Politik interessieren? Vielleicht bleibt meinem Sohn irgendwann keine andere Möglichkeit, als im EU-Ausland zu arbeiten, wenn er überhaupt Arbeit bekommen kann. Wie kann ich micht nicht für Terrorismus interessieren, wenn meine Schwester in Amerika lebt und Transatlantik-Flüge immer mal wieder auf dem Plan stehen? Wie kann ich der Frage, ob Bestechung in Partein übergangen werden soll aus dem Weg gehen - mein Sohn muss Werte lernen, auf diese Lektionen der Vorbilder lege ich aber keinen Wert!!

Wie kann ich aus den Erfahrungen meiner Eltern oder Großeltern lernen?
Meine Eltern und deren Eltern haben 16 Jahre lang die CDU gewählt (vielleicht nicht sie selber, aber das waren die Ergebnisse der Wahl und somit nehme ich -um es einfach zu halten - Grundsätzlich an, dass alle für die Mehrheit waren, auch wenn es politisch natürlich nicht korrekt ist!). 16 Jahre lang war eine Partei an der Macht, danach ist seit inzwischen 7 Jahren die SPD am längeren Hebel. Die Erfahrung sagt, egal was Du tust, später wird es sich immer als Falsch herausstellen. Vor 7 Jahren durfte ich auch schon wählen, wie habe ich damals meine Entscheidung getroffen? Ich weiss es nicht mehr, damals war es nicht soooo wichtig für mich, Wer gewonnen hat, war egal, mein Leben wurde primär nicht beeinflusst!

Was soll ich also machen?
Eine Option ist sicher, alle Wahlprogramme zu lesen, jede Partei in ihren Ansichten kennenzulernen und später die beiden Fernsehduelle von Merckel und Schröder zu beobachten. Aber wird meine Entscheidung dann nicht von persönlicher Abneigung oder Zuneigung beeinflusst. Sicher, aber auch Bundestagsmitglieder werden bei Entscheidungen dieser Symathie oder Antipathie erliegen, ebenso wichtige Staatsoberhäupter, die der Bundeskanzler treffen wird. Einem sympathischen Menschen greift man lieber unter die Arme, als einem unsymathischen.
Was ich machen soll weiss ich immernoch nicht. Mein Wunsch ist klar, ich hätte es gerne, wenn jemand mal zuhört, was ich zu sagen habe. Ich möchte gerne wahrgenommen und ernstgenommen werden. Leider habe ich nicht das Gefühl, dass die Politik der heutigen Zeit dazu in der Lage ist.

Was würde ich den sagen, wenn mich jemand fragen würde, was ich mir wünsche?
Ich würde folgendes sagen: Ich wünsche mir in einem Land zu leben, in dem ich voller Stolz mit meinen Kindern die Nationalhymne singen kann, ohne dass jemand nachschaut, ob ich einen kahlrasierten Kopf und Springerstiefel oder buntgefärbte Haare und ein Peace Zeichen auf der Jacke trage. Ich wünsche mir nach 20 Uhr an einem lauen Sommerabend in den Park gehen zu können, ohne Angst haben zu müssen, dass mich jemand überfällt. Ich wünsche mir, meinen Sohn in die Schule kommen zu sehen, ohne Angst haben zu müssen, dass er auf dem Heimweg in ein Auto gezogen wird. Ich wünsche mir, in einem Land zu leben, das mich JEDERZEIT willkommen heisst und das für mich das Wort Heimat niemals verlieren wird. Ich wünsche mir, nicht bei jeder Wahl das Gefühl haben zu müssen: Du musst auswandern! Ich wünsche mir, dass die Menschen, die den Job übernommen haben unser Land zu führen, diesen Job gut erledigen können, unterstüzt werden und dafür sorgen, dass die Menschen dieses Landes glücklich leben können. Ich wünsche mir das Potzenzial erkannt und gefördert wird und die Fähigkeiten unseres Volkes zum Wohl des Landes beitragen.

Leider sieht die Welt nicht so aus, wie ich sie mir wünsche. Hartz IV macht die Menschen krank und arm. Die Gesellschaft will nicht mehr in eben dieser leben. Werte, Ziele und Zukunft sind Worte die immermehr verloren gehen. Ich weiss nicht wie ich meinem Kind erklären könnte, dass es trotz guter Noten keine Lehrstelle bekommt und der Familie das Geld für ein Studium fehlt. Ich weiss nicht, wie ich ihm mal erklären soll, warum so viele Menschen auf der Welt stolz das Lied ihres Landes singen, wenn sie Olympisches Gold bekommen, wir aber noch nicht einmal den Text der Nationalhymne kennen.

So wie es aussieht, wir im September gewählt, ob ich als Wähler die Wahl habe zu entscheiden, was mit uns passiert bezweifel ich, ob ich nach Ende der Wahlen glücklicher sein werde - ich glaube eher nicht. Noch nie hatte ich Angst vor der unbestimmten Zukunft. Jetzt habe ich sie, weil niemand in der Lage ist diese Angst zu vertreiben. Kann es sein, dass niemand dazu fähig ist?

Eure Coppedia

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
harrykaiser

harrykaiser

28.05.2006 05:52

welche zukunft wähle ich für mein kind? sollten wir uns nicht fragen welche gestaltungsmöglichkeiten wir für die zukunft der kinder nutzen? ich sage - wählen ist die erste pflicht die ich mir auferlege, zumal ja einfach und bequem. nur wo ist der unwille der bevölkerung zu sehen wenn die wahlversprechungen vergessen sind und die politik ihr unwesen treibt? was in frankreich geht - geht auch bei uns - denn alle macht geht vom volke aus - nur mit wem? - wer wehrt sich denn? vielleicht macht es mehr sinn in den kindern den "friedlichen" revoluzer zu fördern als zu versuchen einen wohlstand vorzugaukeln welcher in ein paar jahren nur noch den global-playern zugänglich sein wird.

storm110878

storm110878

25.09.2005 16:06

Ich glaube, Du hast mit diesem Bericht wirklich für sehr viele Leute in diesem Land gesprochen, den inzwischen ist die Wahl ja vorbei, allerdings weiß immer noch keiner wer überhaupt regieren soll, will oder darf. Es weiß immer noch keiner, in welche Richtung unser Weg geht. Ich wünsche mir nur, das es der richtige Weg für Deutschland sein wird.

Pat1

Pat1

11.08.2005 10:44

Du sprichst mir aus der Seele.

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