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=== Einleitung ===
Heute geht es um einen Film, den man auf den ersten Blick nicht recht einordnen kann (mehr dazu unter „Allgemeines zum Film“). Ich habe ihn mir aus der Videothek ausgeliehen. Abgesehen von dem Genre ordne ich ihn unter den Filmen ein, die ich in guter Erinnerung habe und die für sehenswert halte. Unterhalten wird man bei diesem Film auf jeden Fall, auch wenn ich zunächst genau gegenteiliger Meinung war…
Allgemeines zum Film
"Wahnsinnig Verliebt" wurde auf Plakaten als "Die dunkle Seite von Amélie" angekündigt. Ich halte dies nur für Verkaufs-Propaganda: Zum einen weiß man, dass es sich bei der Hauptdarstellerin um Audrey Tautou handelt, die in dem beliebten Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ mitwirkte und es macht neugierig auf eine Figur, die offensichtlich böse sein soll oder was auch immer. Die Filme haben aber sonst überhaupt nichts miteinander zu tun.
Beim Genre werden in unterschiedlichen Film-Beschreibungen verschiedene Dinge wie „romantischer Thriller“, „Thriller/Krimi“, „Psychothriller“, „Liebesfilm“ oder auch „Drama“ genannt. Ich habe mich für „Psychothriller“ entschieden, wofür ich den Film auch halte, obwohl die anderen Dinge ebenfalls mit einfließen.
Daten zum Film
Titel: Wahnsinnig verliebt
Originaltitel: A la folie... pas du tout
Genre: Psychothriller
Land: Frankreich
Jahr: 2002 (Kinostart: 29.08.02)
FSK: ab 12 J.
Länge: ca. 100 Min.
Regie: Laetitia Colombani
Darsteller: Audrey Tautou, Samuel Le Bihan, Isabelle Carre, Clement Sibony u.a.
Bevor ich den Inhalt des Films erzähle, möchte ich die darin vorkommenden Figuren vorstellen und natürlich auch die Schauspieler:
Die wichtigsten Charaktere
* Angélique
Angélique ist ein Kunst-Studentin, die sich finanziell über Wasser hält, indem sie kellnert. Im Rahmen ihres Studiums gewinnt sogar einen ersten Preis und kann ihrer Kunstkarriere optimistisch entgegensehen. Sie ist eine junge Frau, die einen netten und ehrlichen Eindruck macht.
* Loic
Loic ist ein Kardiologe. Er betreibt eine Praxis arbeitet und nebenbei in einem Krankenhaus. Er ist mit Rachel (s.u.) verheiratet und werdender Vater.
* David
David ist Medizinstudent und Angéliques bester Freund. Er ist in Angélique verliebt.
* Heloise
Heloise jobbt in dem gleichen Café wie Angélique und ist Angéliques beste Freundin.
* sonstige Figuren:
Rachel ist Anwältin und Loics Ehefrau. Sie erwartet ein Kind und ist glücklich mit Loic. Erwähnenswert ist auch noch die Sprechstundenhilfe von Loic, der während ihrer Tätigkeit in seiner Praxis etliche Fehler unterlaufen.
Die Schauspieler
Audrey Tautou mit ihren dunklen Knopfaugen ist durch den Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ vielen Menschen bekannt, vielleicht spätestens seit dem Film „Zusammen ist man weniger allein“ (2007). Die französische Schauspielerin wurde am 9. August 1978 in Beaumont, Puy-de-Dôme, geboren und ist die Tochter einer Lehrerin und eines Kieferchirurgs. Sie hat neben der Film-Schauspielerei auch Erfolge auf der Theater-Bühne zu verzeichnen. Neben den genannten Filmen war sie unter anderem in „Unglaublich“ (2001) oder „Verlorene Seelen“ (2003) zu sehen.
Der Franzose Samuel Le Bihan wurde am 5. Januar 1965 in Avranches geboren und absolvierte die Rue Blanche-Theaterschule. 1999 wurde Samuel Le Bihan mit dem Jean-Gabin-Preis ausgezeichnet, nachdem er in Filmen wie zum Beispiel „Schöne Venus“ mitgewirkt hatte. Später war er u.a. auch in „Der Pakt Der Wölfe (2001)“ zu sehen. Sein Name wird hier und dort so geschrieben: „Samule Lebian“ oder „Samuel Lebihan“.
Isabelle Carre ist eine Schauspielerin, die am 28. Mai 1971 in Paris geboren wurde und deren Filmkarriere im Jahr 1989 mit dem Film „Milch und Schokolade“ ihren Anfang nahm. Sie wirkte sowohl bei Kino- als auch bei Fernsehfilmen mit und war auch auf Theaterbühnen in Frankreich zu sehen. Einer der Filme, in der . Isabelle Carre zu sehen war, hieß „Die verbotene Frau“ (1997).
Clément Sibony begann seine Schauspieler-Karriere mit 14 Jahren, indem er bei Fernsehfilmen mitwirkte. Er wurde 1976 in Paris geboren. In welchen Filmen er bisher mitgewirkt hat, ist mir nicht bekannt. Ich habe Clément Sibony vor „Wahnsinnig verliebt“ noch nie gesehen, jedenfalls nicht, dass ich wüsste.
Hier zusammenfassend eine Übersicht über diese Mitwirkenden und deren Rollen:
Audrey Tautou (Angélique)
Samuel Le Bihan (Loic, Kardiologe)
Isabelle Carre (Heloise, Angéliques Freundin)
Clément Sibony (Angéliques bester Freund)
Die Geschichte
Die Kunststudentin Angélique ist in einen Arzt namens Loic verliebt, der ganz in der Nähe wohnt. Der Film beginnt damit, dass Angélique in einem Blumenladen eine einzelne Rose kauft und diese an Loic in seine Praxis liefern lässt. Sie zieht vorübergehend in ein Haus, auf das sie aufpassen soll, während die Bewohnerin für ein Jahr ins Ausland geht. Angélique verspricht ihr, gut auf ihr Haus und speziell auch auf ihren Bonsai-Baum aufzupassen und ihn zu pflegen. Das Haus, das sie hütet, ist das Nachbarhaus von Loic, was jedoch erst später im Film erzählt wird.
Alles beginnt eigentlich harmlos, wobei man aber sagen muss, dass Angéliques Liebe zu Loic nicht ganz einfach ist: Loic ist verheiratet und werdender Vater. Die Gefühle von Angélique werden auf eine harte Probe gestellt. Angélique erzählt ihrem besten Freund und ihrer Freundin Heloise zwar von ihrer Liebesbeziehung zu Loic, betont jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich Loic von seiner Frau Rachel trennt, denn nur das Kind bindet ihn noch an sie. Rachel erleidet eine Fehlgeburt, streitet sich mit Loic und verlässt ihn. Angélique kann sich Hoffnung machen, obwohl Loic sie oft warten lassen hat, sie versetzt hat und all solche Dinge, die man anderen nicht antut. Sogar eine Reise nach Florenz platzt, weil Loic nicht am Flughafen erscheint.
Ich nenne das bisher Beschriebene den „ersten Teil. Nachdem man sich diese seichte Geschichte angesehen hat, wird der ganze Film auf einmal zurückgespult und noch einmal erzählt:
Es passieren Sachen, die vor allem das Leben des Kardiologen Loic betreffen: Nicht nur die Fehlgeburt ist ein harter Schicksalsschlag, sondern auch die Tatsache, dass seine Patienten die Termine absagen, weil er zuvor einer Patientin eine Ohrfeige verpasst hatte (warum dies so ist, soll mit Absicht nicht erzählt werden). Dann stirbt diese Patientin auch noch an einem Herzanfall, weil sie einen Unfall erlitt. Wiederum bekommt Loic Schwierigkeiten, diesmal mit der Polizei, die ihn für schuldig hält. Loic erhält Anrufe, Briefe und sein Leben gerät aus dem Ruder. An dieser Stelle möchte ich die Beschreibung des Films beenden, um nicht zu viel zu verraten. Wird Loic sein Leben wieder in den Griff bekommen?
Mein Eindruck
Die erste halbe Stunde bzw. den ersten Teil, wie ich ihn zuvor schon bei der Inhaltsbeschreibung genannt habe, musste ich erst einmal hinter mich bringen. Es ist ein Geplänkel einer offenbar recht langweiligen Geschichte: Eine junge Frau (Angélique) ist verliebt und hat wohl eine Affäre mit einem verheirateten Kardiologen, der auch noch Vater wird. Die Liebe kann also nur unglücklich sein, denn der Arzt Loic denkt gar nicht daran, seine Frau zu verlassen. Angélique erzählt ihrem besten Freund von der Affäre, wobei dieser Freund David selbst in Angélique verliebt ist. Es ist also eine Dreiecks- oder besser Vierecks-Geschichte, wie man sie schon tausendmal gesehen hat – so denkt man jedenfalls zunächst einmal: Eine Frau hat also eine Affäre mit einem verheirateten Mann, der Mann behandelt seine Geliebte mies und der beste Freund der Geliebten bleibt sowieso auf der Strecke. Ich war schon richtig enttäuscht, aber wartete dennoch geduldig ab, wie es in dem Film weiter gehen könnte. Schließlich handelt es sich um einen Thriller, das Vorgeplänkel war eben ziemlich langgestreckt, fand ich. Doch dies hatte seinen Sinn, wie ich später feststellen konnte: Verraten kann ich zumindest, dass man den ersten Teil recht gut betrachtet haben muss, denn im zweiten Teil kommen einem einige Szenen recht bekannt vor. Hat man den ersten Teil nicht ordentlich betrachtet oder ist sogar währenddessen aufs Klo gegangen, fehlt einem etwas im zweiten Teil. Dies möchte ich schon einmal als Rat vorweg geben für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Nicht im ersten Teil einschlafen, sondern sich auf den zweiten Teil freuen. Dieser beginnt nach der besagten Rückspulerei. Als die ganze Geschichte im Schnelldurchgang zurückgedreht wurde, dachte ich: Was ist denn nun kaputt? Ist dies eine Art Wiederholung von „Lola rennt“, in der es mehrere verschiedene Versionen und Geschehnisse gibt? Dass dem nicht so ist, wird einem dann später klar.
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----- Bitte die folgenden Absätze nicht lesen, wenn man den Film selbst noch sehen möchte!!! -----
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Ich kann nicht erklären, warum mir der Film gut gefallen hat, wenn ich gar nichts vom zweiten Teil erzählen darf. Deshalb dieser Einschub:
Im zweiten Teil wird die Geschichte von Angélique und dem Kardiologen Loic noch einmal erzählt, jedoch anders als im ersten Teil. Im ersten Teil hatte Angélique ihre angebliche Liebesbeziehung erzählt, von der sich nun im zweiten Teil herausstellt, dass sich alles nur in ihrem Kopf abgesielt hat – wie in einem Traum. Der Unterschied zum Traum ist jedoch, dass die Szenen zwar stattgefunden haben, aber es die Liebesbeziehung zwischen ihr und Loic gar nicht gegeben hat. Ganz im Gegenteil: Der Arzt wusste ja gar nichts von der Existenz Angéliques, jedenfalls nicht in irgendeinem Zusammenhang zu ihm selbst.
Das Thema ist eindeutig „Stalking“: Angélique liebt den Arzt, schreibt ihm haufenweise Briefe auf lilafarbenem Papier, spielt Musik auf seinen Anrufbeantworter und beobachtet ihn natürlich auch. Loic seinerseits weiß nicht, wer diese Dinge mit ihm anstellt und hat schon alle möglichen Frauen (und auch einen Mann) in Verdacht – sein Freund meint sogar schon, Loic litte unter Verfolgungswahn. Diese Nachstellerei hat gravierende negative Folgen für den Arzt, sein ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt und seine Gesundheit ruiniert – nicht nur seine Karriere. Und dies unabhängig davon, dass dies sicherlich nicht die Absicht der verliebten Angélique war. Stalking ist ein heikles Thema, und das gut Gemachte an diesem Film ist, dass man zunächst denkt, Angélique sei die Dumme, die von einem verheirateten Geliebten ständig versetzt und insgesamt schlecht behandelt wird. Dann aber merkt man, dass es Angélique ist, die dem Arzt schadet und nicht umgekehrt.
Abgesehen von den schlimmen Folgen, die äußerlich zu sehen sind, gibt es ja auch den damit verbundenen Psychoterror, der auf eine Weise erfolgt, wie man sie in Filmen kaum besser darstellen kann als in „Wahnsinnig verliebt“. Ein Mensch wird auf Grund einer großen einseitigen Liebe von einem anderen tyrannisiert, es ist eine Art Katz-und-Maus-Spiel, das auf der einen Seite stellenweise fast komisch wirkt, was aber eben auch wirklich dramatisch ist. Die Genrebezeichnung „Drama“ hätte schon gut gepasst, finde ich, auf Grund des Psychoterrors finde ich aber den Ausdruck „Psychothriller“ besser geeignet. Der Ausdruck „Drama“ würde nicht ausdrücken, dass es ein wirklich spannender Film ist, bei dem man nach Aufklärung lechzt und einfach wissen möchte, wie es weiter geht – und bei diesem Film möchte man eben nicht nur die reale Zukunft wissen, sondern auch begreifen, was in der Vergangenheit passiert ist – eben die Nicht-Traum-Version, sondern die Realität. Es ist nicht nur der Unterschied Traum und Realität, der hier in Teil 1 (Traum) und dann in Teil 2 (Realität) gezeigt wird, sondern auch die verschiedenen Blickwinkel: im ersten Teil erzählt Angélique und im zweiten Teil wird der Schwerpunkt darauf gelegt, wie es dem Arzt Loic ergeht – Angélique wird eher im Hintergund gezeigt. Und sie ist es ja auch, die im Hintergrund agiert (Briefe schreibt etc.) und ihn schädigt.
„Liebeswahn“ ist schon heftig. Die Zeilen, die nach dem Ende des Films auch noch in schlichter Form erscheinen (geschrieben von einer betroffenen kranken Person, die Jahrzehnte deswegen im Heim verbracht hat), geben einem irgendwie den Rest – den Rest nach einem Film, bei dem man nicht unbedingt wissen kann, ob die Stalking-Geschichte wirklich ein Ende haben kann – kann sie enden, wenn Angélique vorgibt, geheilt zu sein, man dann aber feststellen muss, dass sie die verschriebenen Tabletten in der Psychiartrie nicht genommen hat, weiterhin in Loic verliebt ist und man wohl auch in Zukunft damit rechnen muss, dass sie ihre Tabletten nicht nimmt? Was wird noch auf das Stalking-Opfer Loic zukommen? Oder wird sie ihn ab jetzt nicht mehr belästigen? – Hier lässt der Film dem Zuschauer freien Lauf… Wirklich gut gemacht.
Der deutsche Titel passt sehr gut. Wenn man den Film gesehen hat, findet man ihn weniger kitschig, da er das ausdrückt, was gezeigt wurde.
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----- Ende der Absätze, die nur diejenigen gelesen haben sollten, die den Film schon gesehen haben oder ihn nicht sehen möchten. -----
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Nach anfänglicher Langeweile bin ich voll und ganz auf meine Kosten gekommen. Ich habe mir „Wahnsinnig verliebt“ für diesen Bericht sogar noch ein zweites Mal angesehen und gemerkt, dass ich im ersten Teil einige Kleinigkeiten gar nicht so wahrgenommen habe. (Zum Beispiel stolpert eine bestimmte Frau am Flughafen über die Hauptdarstellerin. Ich hatte diese Frau gar nicht richtig zur Kenntnis genommen, aber im zweiten Teil ist dann klar, mit wem Angélique in diesem Moment zusammengestoßen ist.)
Ohne Blutvergießen, ohne Drohungen und ohne Horror ist es diesem Film gelungen, Spannung zu erzeugen, und dies auf mehr oder weniger leise Art – eine Art, die mir gut gefällt. (Es gibt nur eine kurze Szene, in der ein menschliches Organ gezeigt wird.) Wem dies nicht gefällt, braucht sich „Wahnsinnig verliebt“ gar nicht anzusehen – Action in dem Sinne gibt es kaum. Widersprüchlich und gerade deshalb gut finde ich eine seichte oder besser lockere Musik, die gar nicht zum Gezeigten zu passen scheint. Eine zusätzlicher Effekt, der gekonnt eingesetzt wurde.
Neben der gelungenen Machart des Films ist die schauspielerische Leistung der Darsteller wirklich gut, finde ich. Gerade die beiden Hauptdarsteller Audrey Tautou und Samuel Le Bihan sind in Rollen geschlüpft, die zu ihnen passen und die sie gekonnt verkörpern, jede/r auf ihre/seine Art. Was will man noch mehr?
Fazit
Mir hat dieser Film gut gefallen und ich habe es nicht bereut, ihn gesehen zu haben. Er lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall. Deshalb vergebe ich die volle Punktzahl.
surround999
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02.11.2008 11:33
Hört sich etwas merkwürdig an dieser Film. LG Sabine
12.09.2008 22:42
sehr schöner Bericht, detailliert, übersichtlich, wunderbar :-) LG Gisela
04.08.2008 21:50
...ich habe diesen Film noch nicht gesehen, aber Dein Bericht ist Dir gelungen. LG Placebo21