Keine Tränen, kein Gebrüll, kein Trotz.
02.09.2009
Pro:
Grundidee, eher lockere Umsetzung, leicht zu lesen
Kontra:
teilweise zu naiv gestrickt und unglaubwürdig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
Niveau
mehr
 Cosmay
Über sich:
"Krisen produzieren nicht automatisch die richtigen Rezepte gegen sie."
(Daniel Cohn-Bend...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 104 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die letzten Wochen „arbeitete“ ich mich regelrecht durch die Lektüre „Zusammen ist man weniger allein“, welche vielversprechend anfing, dann doch mehr und mehr zu dem wurde, was ich unter „mir zu französisch“ verstehe. Somit glich es einer regelrechten Wohltat, dass ich mir am heutigen Tage endlich den schon länger hier vor sich hinstaubenden Thriller
WaldesRuhzum Geiste führen konnte. Veröffentlicht wurde das mir vorliegende Taschenbuch im Jahre 2009 im Arena Verlag und ist bspw. Bei „Weltbild“ für 8,95 EUR zu haben. Aufmerksam wurde ich persönlich auf „WaldesRuh“ durch den bereits existierenden Ciao-Bericht; nichtsdestoweniger wage ich zu behaupten, dass der Klappentext sowie die schmucke Aufmachung des Buches mich zum Spontankauf ebenso animiert, wenn nicht sogar verführt, hätten. Jenes auf 206 beinah großschriftigen Seiten verteilte Machwerk stammt aus der Feder von Susanne Mischke, die sich offenkundig darauf spezialisiert hat, ihre Bücher nicht nur optisch leicht lesbar, sondern eben auch inhaltlich eher einfach gestrickt zu gestalten. Nicht, dass die
Storyanspruchslos wäre, mitnichten ~ doch die Sprache, der sich die Autorin bediente, gehört zweifellos in die Kategorie „leicht verständlich“. Inhaltlich ist das Wesentliche mittels eines Textauszuges schnell auf den Punkt gebracht: „Janna ließ es geschehen, falls sie es überhaupt bemerkte. „Was meint ihr mit Heim und Pflegefamilie?“ fragte Emily, doch im gleichen Moment wurde ihr klar, wie blöd die Frage war. „Oma hatte das Sorgerecht für uns“, sagte Marie nüchtern. „Mein Vater ist tot, unsere Mutter ist in der Psychiatrie. Wir haben sonst niemanden“. Wir haben sonst niemanden. Der Satz hallte in Emilys Kopf nach....“ (ZITAT; S. 13)Der aufmerksame Leser wird hier die Vergangenheitsform bzgl. der Oma bemerkt haben ~ jene Oma stirbt bereits zu Anfang des Buches, erliegt im heimischen Garten einem Herzinfarkt. Um nicht erneut in ein Heim überwiesen zu werden, beschließen die Geschwister Janna und Marie sowie deren beste Freundin Emily, die tote Großmutter still und heimlich im naheliegenden Wald zu begraben und niemanden etwas von ihrem Ableben zu erzählen. Da jene Großmutter regelrecht zurückgezogen lebte, gehen die Jugendlichen davon aus, dass niemand diese wirklich vermissen bzw. suchen würde. Definitiver Schwachpunkt in diesem Plan ist der 7jährige Bruder Moritz, der das ganze Geschehen nicht wirklich die entsprechende Bedeutungsschwere einräumen kann. Dass die ganze Idee nur im ersten Moment als güldene Lösung daherkommt, stellt sich nach und nach in kleineren Alltagssituationen heraus ~ erst recht, als die Story eine Wendung bekommt und ein vermeintlicher Obdachloser die drei Freundinnen heimsucht. Obendrein ahnten die drei nicht, dass sie bald ein zweites Grab im Wald würden ausheben müssen.... Die Umsetzunggeschieht an manchen Textstellen derartig, als das mir selbst nicht sonderlich klar ist, ob die Autorin nun absichtlich oder versehentlich humoristisch rüberkommt. Die Textstelle„Emily wusste zwar nicht, wo so etwas geschrieben stand, aber sie war hundertprozentig sicher, das s es in Deutschland nicht erlaubt war, Großmütter in Wäldern zu verscharren – man durfte ja nicht einmal einen Dackel begraben.“ (ZITAT; S. 32) ist nur eines von mehreren solchen Darbietungen, die ein wenig schwarzhumorig angehaucht sind. Genausogut könnten sie jedoch als stilistisches Mittel der Autorin gedacht gewesen sein, den noch kindlichen Charakter der Hauptprotagonisten hervorzuheben. Immerhin sind Emily und Marie gerade mal 14 Jahre alt, während Janna „bereits“ 17 ist. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass meiner Ansicht nach (nicht nur) der 7jährige Moritz doch ein wenig zu unbeholfen dargestellt wurde. Dass man mit 7 Jahren nicht die Selbständigkeit in Person ist, leuchtet mir ein; doch dass Moritz weder in der Lage ist, sich ein Butterbrot selbst zu machen noch mit dem Satz „Großmutter ist tot“ so rein gar nichts anfangen können soll, halte ich für etwas übertrieben ~ erst recht in dem Zusammenhang, dass ihm die Sachlage schließlich anhand seines damals verstorbenen Meerschweinchens erläutert wird. Überhaupt wirkt einiges in der Geschichte arg übertrieben und auf Teufel komm raus zusammengesponnen, um schlussendlich ein wahrhaftiges „Happy end“ präsentieren zu können.Wundersamerweise stören diese ganzen Umstände jedoch nur bedingt ~ da die Autorin es gleichso schaffte, ein wunderbares Spannungsbild aufzubauen, die Gefühlswelt der Mädels zu beleuchten und immer wieder kleinere Blicke in die jeweiligen Vergangenheiten zu erlauben, halte ich das Buch insgesamt betrachtet für mehr als gelungen. In „WaldesRuh“ wirkt es durch die Bank sympathisch, als die Mädchen mehreren verstörenden Situationen ausgeliefert sind, mitunter nachts seltsame Geräusche hören, sich mehr oder minder naiv immer wieder selbst wie gegenseitig beruhigen und Emily schließlich zweifelt: „Aber neulich nachts... meinst du, das war auch die GEZ?“ (vgl. S. 53). Bei allen anderen Büchern hätte ich eben dies eher lächerlich gefunden. Nichtsdestoweniger komme ich umhin, die Veröffentlichung mit einem beliebigen Buch aus der „hautnah“ Reihe zu vergleichen, eben weil die Geschehnisse eher unpersönlich, an der Oberfläche kratzend, dargestellt werden.Die Bezeichnung „Thriller“ halte ich fast schon für übertrieben, eben weil die Geschichte derartig ungewöhnlich, phantastisch (im eigentlichen Sinne) wie auch „kindlich“ ist; somit keineswegs mit Werken von z.B. Katzenbach, O'Nan oder Koontz zu vergleichen ist. Susanne Mischke streift vielmehr die Grenze zum absoluten Übertriebenen, ihre Wendungen sind im Ansatz allesamt gut durchdacht, straucheln jedoch ab und an an dem Gipfel, den sie erklimmen wollte. Beinahe die gesamten Eckpfeiler der Geschichte sind übertrieben, zu weit her geholt oder „nur“ zu dick aufgetragen ~ und doch gelangte und bleibe ich bei der Ansicht, dass das Buch genauso sein muss, wie es schlussendlich veröffentlicht wurde. ==Summa summarum==würde ich sagen, dass der Autorin ein völlig anderes Buch gelungen ist, als jene, die man sonst so auf dem Markt findet. Während hier und dort der Hype um Vampyrgeschichten sowie Meuchelmörder nicht abzuklingen scheint, es von Geschichten um entführte Kinder nur so wimmelt oder sich jede beliebiger Autor aus Hintertupfingen an einer humoristischen Ausgabe versucht, tanzt „WaldesRuh“ vollkommen aus der Reihe. Zwar würde ich das Buch wie gesagt nicht unter die Kategorie „Thriller“ einordnen, wüsste aber ehrlich gesagt genauso wenig, in welches Genre es sonst passen würde. „WaldesRuh“ stellt eine mehr als gelungene literarische Abwechslung zwischen meinen sonstigen Lektüren dar; so dass es wenig wundern sollte, dass ich das Buch in einem fort gelesen habe. Die Stimmung in der vermeintlich-leichten Lektüre droht immer wieder zu kippen, fängt sich, verläuft sich im Wohlgefallen und kommt dann mit dem nächsten Knaller um die Ecke ~ dass der ganze Auftritt des „mysteriösen Fremden“ ein wenig dahingeschludert wirkt, kann ich hier getrost verzeihen und würde das Buch all jenen empfehlen, die einfach mal etwas völlig anderes lesen wollen, ohne totalitär auf Tiefsinnigkeit verzichten zu müssen.
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Waldesruh - Mischke, Susanne
Buch, gebundene Ausgabe, 208 S., Erschienen: 2009
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29.09.2009 00:28
Das zieht mich schon allein von der Story an. :-) Tolle Empfehlung!
13.09.2009 19:02
naja, muss ich jetzt nicht so haben :-)
05.09.2009 22:03
Hört sich gar nicht so übel an. "Zusammen ist man weniger allein" fand ich eigenlich ganz gut, nicht so französisch, wie ich gedacht hatte.