Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sind praktisch |
| Kontra: |
manchmal stören sie auch |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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„Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein." Theodor Heuss
Ich war viel unterwegs als Kind. Meine Eltern waren früher sehr aktive Mitglieder im örtlichen Pfälzer Wald Verein, einem Wanderverein. Sie schleppten mich und meine Geschwister auf jede Wanderung mit. So kam ich in den Genuß, die halbe Pfalz, Teile des Schwarzwaldes und andere Regionen in Südwestdeutschland schon in sehr jungen Jahren kennenzulernen.
Ich erinnere mich noch an Rucksäcke (die wir Kinder zum Glück nie selbst tragen mußten), graue Filzwanderhüte, rotkarierte Hemden, schwere Wanderstiefel, Regenjacken, zünftige Brotzeiten, tolle Landschaften und natürlich Wanderstöcke!
Und bevor ich mich nun endgültig dem eigentlichen Thema zuwende, möchte ich noch schnell auf die alberne VFB Stuttgart Mütze hinweisen, die mein kleiner Bruder damals immer trug. Auf allen Fotos von damals hat er dieses unsägliche Teil auf und erinnert mich schmerzhaft an die Zeit, als er und ich noch ein Zimmer teilen mußten. Über meinem Bett hingen diverse Beatles-Poster. Er schlief in VFB-Bettwäsche und über seinem Bett hing ein HANSI MÜLLER-Poster! Diese Fresse grinste mich jahrelang an und jeder Bestechungsversuch meinerseits, um diese Folter zu beenden, scheiterte kläglich.
Mit diesem kleinen Exkurs wollte ich nur klarmachen, welch teilweise qualvolle Reise in mein Gedächtnis ich unternommen habe.
Nun aber endlich zu den Wanderstöcken!
Hierbei muß man wohl generell zwischen 3 Arten unterscheiden.
1. Der gute alte Wanderstab
2. Der moderne Wanderstock
3. Der Angeber-Wanderstock
1. Wanderstäbe
Wanderstäbe gehörten in früheren Zeiten zu jedem Fußmarsch dazu. Schon im Kinderlied „Hänschen klein" werden Stock und Hut als unverzichtbar dargestellt.
Auch auf Bildern oder in anderen Aufzeichnungen stößt man immer wieder auf Wanderstäbe oder Stöcke.
2. Der moderne Wanderstock
Der moderne Wanderstock erinnert mehr an einen Skistock, als an einen klassischen Wanderstock. Die wirklich guten modernen Wanderstöcke sind dann sogar höhenverstellbar, bestehen aus Carbon und können bis zu 100 Euro kosten. Sinn der Höhenverstellbarkeit ist der, dass etwas kürzere Stöcke beim bergauf Laufen Sinn machen, längere Stöcke zum bergab Wandern hilfreich sein können.
Genereller Sinn von modernen Wanderstöcken:
- auf unwegsamen Gelände im Gebirge verleihen sie
zusätzlichen Halt
- bei Verwendung von zwei Stöcken (natürlich in jeder
Hand einen) können Rücken und Beine bis zu 30%
entlastet werden, was vor allem bei einem
schweren Rucksack Sinn macht.
- beim Wandern in Schneegebieten kann man ihn so
tunen, daß er dann wirklich wie ein Skistock
aussieht und durch den Teller am unteren Ende auch
nicht zu tief im Schnee versinkt.
Nachteil: Man kann ihn regenschirmartig nach einer Pause sehr leicht irgendwo liegen lassen, was vor allem in der Eingewöhnungsphase schon mal passieren kann.
3. Der Angeberwanderstock
Der Angeberwanderstock ist meist aus edlem Holz geschnitzt oder sieht zumindest so aus. Manche sind am oberen Ende gebogen, andere gezwirbelt oder sonstwie verziert. Aber eines haben alle Angeberwanderstöcke gemeinsam: Sie sind ausreichend dick und besitzen zumindest eine recht glatte Seite. Auf dieser Seite werden nämlich die Angeberplaketten oder Beschläge befestigt. Diese Angeberwanderstockplaketten stellen meistens Wimpel, Wampen, Ruinen, Namenszüge und sonstige Symbole dar. Sinn dieser Angeberwanderstockplaketten ist es, Fremden zu demonstrieren, wo man schon überall gewesen ist. Die meisten dieser Angeberwanderstockbesitzer sind dabei sogar recht ehrlich. Sie kaufen ihre Angeberwanderstockplaketten in Andenkenläden nahe der Orte, wo sie wirklich gewesen sind.
Natürlich gibt es auch Angeberwanderstockfaker. Diese lassen sich dann die Angeberwanderstockplaketten zuschicken. Wer dabei aber zu weit geht, ist leicht als Angeberwanderstockfaker zu erkennen. Zieren einen Angeberwanderstock z.B. Angeberwanderstockplaketten mit folgenden Inschriften oder Aufdrucken, dann sollte man zumindest mißtrauisch werden: Andennordsüdweg, Südpolumrundung, Yetistreichelzoo, Nordwestpassage usw.
Typische Angeberwanderstockplaketteninschriften, die realistisch sind, wären z.B.: Schloß Neuschwanstein, Trifels, Schwarzwaldhochweg und dergleichen.
Soweit ich mich erinnern kann, war in unserer Pfälzer Wald Verein Ortsgruppe aber niemand dabei, der das mit dem Angeberwanderstock irgendwie übertrieben hätte.
Da ich selber nie Besitzer eines Angeberwanderstockes war, kann ich zu den Angeberwanderstockplakettenpreisen leider nichts sagen.
Aber auf so einer Wanderung begegnen einem manchmal schon recht viele andere Wanderer. Von daher kann ich typische Verhaltensweisen eines Angeberwanderstockbesitzers aufzählen:
1. Läuft der Angeberwanderstockbesitzer alleine, hält er seinen Angeberwanderstock immer in der Hand, die der Wegmitte am nächsten ist. Er würde seinen Angeberwanderstock ja nicht den Bäumen zeigen wollen, sondern den anderen Wanderern, die ihm begegnen.
2. Wandert der Angeberwanderstockbesitzer in einer Gruppe, dann ist er meist an der Spitze dieser Gruppe anzufinden. Manche Angeberwanderstockbesitzer lassen sich auch zurückfallen und da verhalten sie sich dann wieder wie der einzelne Angeberwanderstockbesitzer.
3. Der Angeberwanderstockbesitzer ist immer auf einen Plausch mit entgegenkommenden Wanderern aus. Dabei wird dann gerne mit dem Angeberwanderstock in alle möglichen Richtungen gezeigt, um die Schönheit der Umgebung zu diskutieren.
4. Der Angeberwanderstock wird vom Angeberwanderstockbesitzer auch gerne zum Gruß oder zum Abschied gehoben.
5. Muss der Angeberwanderstockbesitzer seinen Angeberwanderstock mal ablegen, dann achtet er immer darauf, daß, falls die Angeberwanderstockplaketten nur auf einer Seite angebracht sind, diese nach oben zeigen und gut zu sehen sind.
6. Angeberwanderstockbesitzer kommen sehr gerne im Rudel vor. Solche Angeberwanderstockbesitzerrudel sind leicht daran zu erkennen, dass innerhalb der Angeberwanderstockbesitzergruppe sofort um die Pole Position gestritten wird, wenn ein oder mehrere andere Wanderer entgegenkommen.
Soviel zu der Angeberwanderstockbesitzerproblematik!
Ich selbst hatte damals natürlich auch einen Wanderstock, aber einen ganz anderen.
Mein Wanderstock:
Meinen Wanderstock schnitzten mein Vater und ich (mehr er als ich!) aus einem schönen Ast, den wir im Bienwald gefunden hatten. Welche Art von Holz es war, weiss ich leider nicht mehr, aber Mahagoni kann ich kategorisch ausschliessen.
Es war ein einfacher Stab mit einer leichten Rundung am oberen Ende. Natürlich zierten ihn keine Angeberwanderstockplaketten.
Diesen Stock nahm ich immer gerne bei meinen Ausflügen in den Bienwald und auf „offizielle" Wanderungen mit. Bei den doch recht langen offiziellen Wanderungen kam es dann aber schon mal vor, dass mich das Tragen dieses Stockes nach ein paar Kilometern irgendwie störte. In diesen Fällen lieh ich ihn dann gerne für den Rest der Wanderung an meinen Vater aus.
Mit Stöcken allgemein und auch mit meinem Wanderstock kann man aber deutlich mehr anfangen, als ihn nur durch die Gegend zu tragen. Man kann damit in Ameisenhaufen stochern (was man natürlich nicht soll!), tote Tiere, die am Wegesrand liegen, von der Unterseite betrachten, indem man sie umdreht, verzweifelt versuchen, Forellen zu erlegen (mit Betonung auf „verzweifelt"), mit anderen Kindern „fechten", was sich ja auf Burgruinen geradezu anbietet, einfach mal so im Gebüsch rumstochern, golfartig Steine wegschlagen, und und und....
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meinen Wanderstock irgendwann mal beim Stochern in einem Lagerfeuer anbrennen ließ. Weil er dann so häßlich schwarz war, hab ich ihn dann ganz dem Feuer überlassen.
Und irgendwie war ich zu der Zeit dem Wanderalter auch schon fast entwachsen, sodaß dies mein einziger Wanderstock blieb.
Zu Wanderstöcken allgemein nun zum Schluss noch ein paar Worte:
Wanderstöcke machen eigentlich nur bei schwerer Tragelast oder beim Bergwandern wirklich Sinn. Außer den Angeberwanderstöcken, die machen für den Angeberwanderstockbesitzer immer Sinn.
Für Kinder ist ein eigener Wanderstock eine tolle Sache, solange sie damit keine kleineren Kinder verhauen, oder sonstigen Blödsinn damit treiben. Bei längeren Wanderungen muss man damit rechnen, dass der Wanderstock für das Kind irgendwann wahnsinnig schwer wird.
Viel Spass beim Wandern mit oder ohne Stock, bzw. beim Präsentieren eures Angeberwanderstockes!
Gruss, Ulman
------------FAC ALL COLORS-------------
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