There's a country that has to be saved
02.12.2006
Pro:
Personenkonstellation
Kontra:
Eintönigkeit, historische Zerstückelung, Grafik, Ladezeit, Audiomängel
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 jessabelle
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Der beste und effektivste Weg, um Geschichte zu vernichten ist.... ...sie zu vermarkten.
KURZ ---------------------------- Jeanne d'Arc ist ein Computergame, das die historischen Schlachten um 1429 im Hundertjährigen Krieg behandelt und sich dabei auf die zweite französische Nationalheldin stützt, welche auch Namenspatronin des Spieles ist. HANDLUNG ---------------------------- Wir schreiben das Jahr 1429 nach Christi Geburt. Frankreich und England führen seit nunmehr 92 Jahren einen Krieg, der auf der Streitfrage beruhte, wer nun Anspruch auf den französischen Thron erheben konnte. Die Hälfte des Landes lebte bereits unter englischer Herrschaft, ein anderer Teil oblag Burgund, das sich mit England gegen seine Landsleute verbündet hatte und die restliche Hälfte war gerade im Begriff, ebenfalls von den Engländern erobert zu werden. Die Belagerung von Orléans ist der Wendepunkt und eben dort beginnt die Geschichte im Computerspiel. Die Belagerung muss aufgehoben werden und wer eignet sich da besser als ein einzelnes junges Mädchen mit historisch unkorrektem, aber stets wedelndem Pferdeschwaz names Jeanne, die in knapper Rüstung und Angelina Jolie-artigen Lippen die Verteidigung übernimmt. Zur Seite steht ihr anfangs nur Jean de Metz, ein Junker, der aber aufgrund seines niedrigen Levels noch sehr wenig zu helfen vermag.
Ein Hauen und Stechen nimmt seinen Lauf, während Jeanne die Bürger verteidigen und zugleich Gegner niedermetzeln muss. Die stellenweise nur langsame Schwertführung hilft dabei nicht immer großartig, zumal man in solch einer Lage ungern auch noch von 40 Gegnern umzingelt ist. Die Belagerung von Orléans mündet in den Loire-Feldzug, bei dem sich nun auch andere historische Charaktere zu Jeanne gesellen und man sogar zwischen den Charakteren mit ihren unterschiedlichen Waffen und Kampfweisen wechseln kann. Es kommt dabei auch zum Einsatz von mittelalterlichen Kampfmaschinen (immerhin herrscht Spätmittelalter, angehende Renaissance), die man nach Lust und Laune positionieren kann. Sollten die eigenen Truppen zur Neige gehen, kann man Söldner rekrutieren, sobald man einen solchen Stützpunkt in Städten gefunden hat. Die Gegner bestehen aus Armbrustschützen und Bogenschützen, sowie Pikeniere etc. Die ganze breite Palette ist vertreten und Berühmtheiten wie John Talbot und Fastolf sind ebenfalls in Kämpfen zu besiegen. Der Loire-Feldzug bleibt jedoch nicht die letzte Kampagne. Es folgt nämlich der Krönungszug nach Reims (DIE französische Körnungsstadt schlechthin), wohin man den Dauphin (Thronfolger) Charles zu führen hat, der selbstredend unter allen Umständen am Leben zu bleiben hat. Die eigene Lebenskraft wird durch Brot, Fleisch und Fisch wieder gestärkt, Äpfel steigern das Potential, um den Gegner mit speziellen Hieben schneller zu Boden zu bringen.
DIE WAFFEN ------------------------------------ Armbrust, Bogen (wenn man nur mal wüsste, wie man die Waffen zu wechseln hat mit russischer Ausgabe des Spiels...oder irgendwas Indonesisches? jedenfalls soll es möglich sein). Der Platz für Inventar ist für jeden Charakter begrenzt, da auch die lebensnotwendigen Lebensmittel ein Plätzlein finden müssen. Jeanne nutzt prinzipiell als Hauptwaffe nur Schwerter, deren Schlagkraft etc. sich natürlich ständig steigert, wie bei den Waffen der anderen auch. Jean de Metz schlägt sich ebenfalls mit Klingen durch, während La Hire gerne mit Streitkolben und Richterstab hantiert. Alençon nutzt Äxte, mit Vorliebe auch die Doppelkopfaxt, Dunois (der 1429 übrigens noch gar nicht Dunois hieß) und der Dauphin lieben es wiederum klassisch mit Schwert. MODI ---------------------------- Es gibt zwei Sorten von Modi. Man kann einerseits selber in einer Person kämpfen und dabei nach Lust und Laune wechseln; andererseits kommt nach einer gewissen Zeit der F2-Modus auf, der es erlaubt, Truppen zu stationieren, Belagerungsmaschinen zu positionieren, Truppen aufzuteilen, angreifen zu lassen und ALLES somit zu von "oben" zu steuern. Die Adlersicht hilft dabei.
AUFMACHUNG -------------------------- Die "Macher" des Spiels haben wohl etwas außer Acht gelassen, dass 1429 kein dunkles, primitives Mittelalter mehr herrschte. Die Städte sind lächerlich unkultiviert und leider sieht die Szenerie immer gleich aus. Die Lager der Gegner sind dieselben, die Städte bieten keine Überraschungen und die Bürger sehen auch ständig gleich aus. Liebe zum Detail gibt es demnach auch nicht. Die Wetterlage ändert sich gerne und so muss man auch mal im Gewitter kämpfen und kurz darauf wieder bei heiter Sonnenschein. Das bietet noch ein wenig Abwechslung. Pluspunkte sind die Charaktere, die auftauchen, denn da ist man weniger an der Oberfläche geblieben, sondern hat die in den Geschichtsbüchern eher verborgene Männer auftreten lassen (wie Perrinet Gressart). Ein weiteres Plus: Die Kleidung der Kämpfenden (auch Einheiten) sind realistisch und entsprechen durchaus der damaligen Ausrüstung. Man bekommt auch weniger bekannte Waffen zu Gesicht, was angenehm ist. MUSIK ----------------------------- Die Musik ist nicht übel. Vogelgezwitscher, Flussgeplätscher, Kirchenglocken, Froschgequake, Grillen, Regen, Donner, heulende Wölfe, kämpfende Männer, das sind die Geräusche des Spiels, die vereint mit Liedern bzw. Melodien eine recht passable Atmosphäre erzeugen können. 24 Melodien zu unterschiedlichen Begebenheiten. Mal ruhig, mal anspornend, mal mehr als kämpferisch. Sie erinnern an die Musik, die man Trailern zu gerne verpasst. Sie wirken vielleicht etwas zu mittelalterlich, etwas neuere Klänge wären passender gewesen, aber nichtsdestotrotz passen sie zum Spiel. Trommeln, Waffengeklirr, Chor und mittelalterlich klingende Musikinstrumente machen die Szenerie authentisch, wenn sie diese auch um 200 Jahre in der Zeit zurückwerfen.
GRAFIK ------------------------------ Sie ist recht grob gehalten und eckig. Die Farben wirken eher eintönig, denn es gibt kein schönes Farbenspiel, alles ist in Erdtönen gehalten; nur hin und wieder gibt es mal ein etwas kräftigeres Rot oder Blau. Dabei ist es gerade auch die Grafik, die ewig lange zum Laden braucht, was nicht geschickt ist, wenn man gerade vor dem Feind steht und das Bild ständig hängen bleibt. Dabei fällt mir übrigens auch auf, dass eigentlich nie Blut zu sehen ist. Und die eigenen Leute fangen erst dann an, nach Hilfe zu schreien, wenn sie mit einem Bein bereits im Grab stehen. WEITERES ------------------------------- Was eine absolute Sauerei ist und den Spielspaß um 50% verringert, ist die Tatsache, dass Jeanne so gut wie nie etwas sagt. Während andere Charaktere immer wieder Unterhaltungen über die Situation führen, um natürlich die Handlung voranzutreiben, lässt sich Jeanne nur immer schön etwas sagen und meldet sich nur dann ganz kurz auf Englisch zu Wort, wenn sie im Begriff ist zu sterben oder heftig attackiert wurde. Lässt man sie auch eine Weile untätig herumstehen, wirft sie ihren Pferdeschwanz nach hinten über die Schulter und sagt: Come on, there's a country that has to be saved. LEIDER werden die Unterhaltungen, die in einem Fenster auch schriftlich eingeblendet werden, häufig nicht gesprochen. Es ist nicht amüsant, von Bürgern etwas erzählt zu bekommen, das man dann nur in schriftlicher Form vor sich hat.
Desweiteren muss ich alle enttäuschen, die prinzipiell nur mit Cheats spielen. In diesem Spiel gibt es keine. Man muss sich also auf ehrliche Weise durchschlagen und Stunden um Stunden lange Strecken durch die viel zu dumpf und grau gehaltenen Landschaften Frankreichs flitzen, was spätestens nach 20 Minuten eintönig ist. Also ein Spiel, in dem nicht der kleinste Cheat existiert. Aber mal ehrlich: Wer wollte die vorhandene Handlung durch Cheats denn noch weiter schmälern? System ---------------------- Windows 98, 2000, ME oder XP Prozessor 800 MHz Intel Pentium III Speicher 256 MB RAM 4x CD-ROM / DVD-ROM Drive Festplattenplatz 1.1 GB Direct X Version 8 NVIDIA Geforce2, ATI Radeon...
PREIS ------------------------- Heute, am 2. Dezember 2006, lag der Preis für das Spiel bei Amazon.de bei 9,90 Euro. ------------------------------- --> Ich muss dazu sagen, dass ich das Spiel nur aus dem Grund mag, weil die Charaktere des 100jährigen Krieges verarbeitet wurden und ich somit so voreingenommen und beeinflusst bin, dass es doch noch einige Sternchen von mir bekommt :)
---------------------------- Zum Schluss --> S P O I L E R
Und ein kleiner SPOILER letzten Endes (ich mag hier niemandem was vermiesen, also bitte net weiterlesen, wenn ihr euch etwas Spannung erhalten wollt). Wie wir nur zu gut wissen, wurde Jeanne 1431 als Ketzerin von den Engländern verbrannt. Das Spiel endet jedoch damit, dass Charles gekrönt wurde und Jeanne still und zufrieden nach Hause zurückkehrte und...eben wieder als Landmädchen die Kühe hütete. Mal ehrlich: Schlimmer kann man Geschichte doch nicht verhunzen.
Bilder von Wars & Warriors - Jeanne D'Arc (PC CD-ROM)
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02.12.2006 13:06
Ich kenne den Film - das Spiel ist eher nix für mich - klasse Bericht, hast Dir viel Mühe gegeben. LG Pet
02.12.2006 13:04
Wäre auch nix für mich :-( Schönes Wochenende für Dich und lg panico:-)
02.12.2006 12:56
wird sofort erledigt :)