Als ich diesen Fragebogen zum ersten Mal las, dachte ich: ganz schön schwierige Fragen. Nachdem ich nun aber schätzungsweise schon über ein dutzend Exemplare gelesen habe, habe ich natürlich auch selbst ein wenig nachgedacht. Auch jetzt weiß ich nicht auf alles eine Antwort, aber ich will es dennoch versuchen.
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Die Einleitung von Sasafras:oft bekommt man als Dokumentarfilmer wunderliche Aufträge, manchmal aber auch wunderbare. Mein jüngster Job zählt zu den wunderbaren: Eine französische Universität bittet mich für ein Projekt ihrer Journalistikstudenten, Videos zu "typisch-deutschen" Alltagssituationen zu filmen. Ich finde die Aufgabenstellung ungeheuer spannend, aber je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer fühle ich mich: Was bitteschön ist typisch deutsch?
Ich finde es toll, wenn ihr mir dabei helft das "typisch Deutsche" in Deutschland zu finden. Ich freue mich besonders, wenn auch "Nicht-Deutsche" die Fragen beantworten.Natürlich werden die Fragen ausgewertet (und in der Auswertung anonymisiert, wie sich das gehört), und natürlich dürft ihr die komplette Auswertung einsehen (und noch reichlich euren Senf dazu geben). Ich denke, im Oktober/November sollten genug Fragebögen vorhanden sein, um etwas Sinnvolles zu errechnen.
Die ersten sechs Fragen sind wichtig für die "empirischen Daten", man kann aufgrund dessen Gruppen bilden (die Frauen, die Jugendlichen, die Stadtbewohner usw.…). Ich fände es nett, wenn ihr ehrlich antwortet (beim Alter genügt auch: über 30 oder unter 30), wer aber zu einzelnen Fragen keine Angaben machen möchte, der macht bitte KEINE ANGABEN ( oder kurz KA).
Ist alles freiwillig hier…Ganz lieben Dank für´s Teilnehmen - und viel Spaß!
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1. Alter?
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22
2. Geschlecht?
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männlich
3. Nationalität (was steht im Pass)
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deutsch
4. Nationale oder kulturelle Zugehörigkeit ("gefühlte Nationalität")
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Auch deutsch. Mit Nationalstolz konnte ich nie viel anfangen, etwas mehr nationaler Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein für ihr Vaterland würde den Deutschen allerdings gut tun. Je nach Tageslaune fühle ich mich auch manchmal als Bayer oder Mitteleuropäer.
5. Größe des Wohnorts (ungefähre Einwohnerzahl)
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ca. 150.000
6. Haushalt (Single, Familie, WG)?
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Single
7. Eine "typisch deutsche" Eigenschaft ist:
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Pünktlichkeit, Gründlichkeit, Fleiß. So war (ist) zumindest unser langjähriges Image im Ausland, und ich schließe mich dem vorsichtig an. Diese Eigenschaften lassen sich allerdings relativ zwanglos erklären: Preußischer Militär- und Beamtenstaat, nach dem zweiten Weltkrieg der innige Wunsch vieler Menschen ihr Land und ihr Leben wieder auf die Füße zu stellen und heute die allgegenwärtige Angst um den Arbeitsplatz.Außerdem natürlich das Jammern (siehe unten). Desweiteren traditionelle Regulierungswut in allen Bereichen und eine erschreckende Mitnahmementalität. Damit meine ich die ständige Frage danach, was der Staat für einen tut, und das konsequente Ausblenden von allem, was man selbst für das Gemeinwesen oder für sein eigenes Vorankommen leisten könnte. Diese Einstellung ist so verbreitet, dass sie selbst bei Immigranten oft das erste ist, was von der deutschen Kultur absorbiert wird. Noch vor der Sprache. Natürlich gibt es Personen, die als Ausnahme die Regel bestätigen.
8. Das "typisch deutsche" Wetter:
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Gesetzt den Fall, es existiert: Kurzer heißer Sommer, langer kühler Winter. Insgesamt gemäßigt bzw. durchwachsen.
9. Eine "typisch deutsche" Landschaft:
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Gibt es nicht. Deutschland ist landschaftlich sehr vielseitig.
10. Nenne eine "typisch deutsche" Stadt (eine Stadt die du einem Fremden nennen würdest, der etwas "Deutsches" sehen möchte )
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Gibt es auch nicht. Einem Fremden würde ich vermutlich Berlin, Hamburg, München empfehlen, die drei größten deutschen Städte, die ansonsten meiner Meinung nach wenig gemeinsam haben.Ansonsten breche ich hier natürlich gerne eine Lanze für Regensburg, eine alte Stadt mit jungem Flair, sehr überschaubar, aber nicht ländlich, bayerisch, freundlich. Insgesamt eine tolle Stadt, die nicht mehr und nicht weniger sehenswert ist als 20 andere "Mittelstädte" in Deutschland.
11. Was ist für dich ein "typisch deutsches" Essen?
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Schnitzel mit Pommes, Schweinshaxe, Sauerbraten, Currywurst. Fisch in verschiedenen Varianten, aber als Bayer bin ich da kein Experte.
12. Was isst du selbst am liebsten?
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Gerne italienisch, vereinzelt "gut bürgerlich". Im Allgemeinen wenig Fleisch, lieber Nudeln, Mehlspeisen etc.
13. Isst du meistens allein oder eher mit anderen (Familie, Kollegen, Freunde, Mitbewohner)?
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Meistens allein, aber lieber mit Familie oder Freunden.
14. Kochst du regelmäßig? (jeden Tag?) und: Wie lange brauchst du fürs Kochen, wenn du die Mahlzeiten selbst zubereitest?
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Kochen, das den Namen verdient? 1-2 mal pro Woche, aber fast nie allein. Über eine Stunde hat es noch nie gedauert.
15. Gemütlichkeit ist ein "typisch deutsches" Wort und angeblich in keine andere Sprache zu übersetzen. Was ist für dich gemütlich?
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Auf der Terrasse oder im Biergarten mit guten Freunden ein Bier trinken, grillen, ratschen.Ceterum censeo, dass Gemütlichkeit vielleicht ein spezifisch deutsches Wort, aber nicht spezifisch deutsch ist. Die Gemütlichkeit ist im Untergang begriffen, selbst in Bayern.
16. Wie, glaubst du, sieht ein "typisch deutscher" Feierabend aus?
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Zugegebenermaßen klischeehaft, aber so stelle ich mir das in vielen Haushalten vor: Der Mann kommt nach Hause, Frauchen stellt kaltes oder warmes Essen sowie Bier (dieses hoffentlich kalt, sonst setzt es was) auf den Tisch, sofern sie nicht selbst noch im Supermarkt an der Kasse sitzt. Danach auf die Couch mit weiterem Bier (womöglich in Unterhose) und sich mit schlechtem deutschen Fernsehen sinnlos berieseln lassen. Nach vier Bier und drei Stunden Comedy, in denen man höchstens zweimal gelacht hat, ab in die Heia.
17. Was machst du selbst nach der Arbeit (übrigens: auch Hausarbeit ist Arbeit!)?
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Ich bin Student: Nach der Arbeit gibts nicht, nur Pause von der Arbeit. Meistens eine DVD ansehen oder mich mit Freunden treffen.
18. Wo machst du am liebsten Urlaub? Warum gerade dort?
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Ich war schon lange nicht mehr im Urlaub, aber ich fahre gern ans Meer. Hauptsache warm.
19. Wenn du (andre) Deutsche im Urlaub triffst, freust du dich dann (ehrlich)? Warum , oder warum nicht?
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Da kommt mir doch ein Lied von Hans Söllner in den Sinn: "Er benimmt si wia a Sau, er is a deutscher Tourist." Das ist leider oft zutreffend, so dass ich mit einigen Leuten nicht gern in Verbindung gebracht werden würde. Insgesamt würde ich mich nicht besonders freuen, andere Deutsche im Urlaub zu treffen, obwohl sie ja nett sein könnten. Wenn ich Deutsche treffen will, kann ich in Deutschland bleiben.
20. Woran erkennt man deutsche Urlauber?
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Siehe 19. Genauer: Sie nörgeln an allem rum, kritisieren oder belächeln Land, Leute, Lebensstil. Sie erwarten, dass das fremde Land sich ihnen anpasst, nicht umgekehrt (soll allerdings bei englischen Touristen noch ausgeprägter sein). Im Übrigen an der "Bild" und großzügigem Bierkonsum. (In einer italienischen Bar: "Noch ein Colaweizen, aber mit einem Erdinger!")
21. Einkauf: du möchtest für vier Personen Käseaufschnitt/ Wurstaufschnitt kaufen. Wie gehst du vor? (z.B. Suche in der Kühltheke nach verpackter Ware, Order am Supermarkt-Tresen, oder Besuch im Fachgeschäft)
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So was kaufe ich immer nur für mich selbst, dann aus der Kühltheke. Wenn Besuch da wäre, würde ich vielleicht ausnahmsweise ins Fachgeschäft gehen.
22. Beim Einkauf: Gramm oder Portionen? Worauf achtest du?
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Immer Gewicht. Je nach Kochrezept werden von vier Portionen vier oder auch nur zwei Leute satt. Bei Fertiggerichten ist sowieso klar, dass die Portion auf eine Körpermasse von nicht mehr als 30 kg gerechnet ist.
23. Kaufst du Brot (auch Toastbrot) und Brötchen häufiger beim Bäcker oder im Supermarkt?
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Fast nur im Supermarkt.
24. "Servicewüste Deutschland". Warum sind die Servicekräfte (Verkäufer, Kassierer, Kundenberater etc.), denen du begegnest so unfreundlich?
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Oft kann man schon von einer Servicewüste sprechen. Das liegt natürlich auch daran, dass man in Deutschland nicht gewohnt und nicht gewillt ist, für guten Service mehr zu bezahlen.
25. "Die Polizei, dein Freund und Helfer". Stimmst du dem zu?
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Ich war noch nie in einer Situation, in der ich polizeilicher Hilfe bedurfte. Meine Erfahrungen gehen dahin, dass die Damen und Herren in Grün dann anwesend sind, wenn man sie gerade nicht sehen will. Insgesamt ist es natürlich zu begrüßen, dass die Polizei in Deutschland relativ präsent ist.
Kleine Geschichte zu "Freund und Helfer", die mir ein Freund erzählte: Er hatte am Nachmittag einen Auffahrunfall mit seinem Auto, der andere war schuld. Zeugen gab es leider keine, so dass mein Kumpel die Polizei rief, damit diese den Unfall aufnehme. Kaum waren Freund und Helfer eingetroffen, machten sie meinen Kumpel zur Sau, weil er sie wegen jenes Bagatellschadens überhaupt angerufen hatte. Wahrscheinlich hätte er sich entschuldigen sollen, dass er sie beim Kaffeetrinken gestört hatte.
26. "Deutsche haben eine Beamtenmentalität". Stimmt das? Gab es Situationen, in denen dir das auch so vor kam?
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In gewisser Weise schon. Tatsache ist, dass es in Deutschland sehr viele Beamte gibt, die oft Arbeiten verrichten, die auch von Angestellten erledigt werden könnten. Ihren Sonderstatus lassen sich die Beamten auch gern mal heraushängen, und kaum jemand wird behaupten, dass diese Leute mit blitzartiger Geschwindigkeit arbeiten. Das ist halt von jeher so und wird sich nur langsam ändern. Dem Nichtbeamten könnte manchmal trotzdem die Hutschnur platzen.
27. "Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind" - wahr oder unwahr? Welches Verhältnis hast du zu deinem Auto (falls du eins hast ;-)) ?
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Ja, stimmt schon. Das Auto ist für viele Leute ein Statussymbol, in das sie auch viel Geld und Zeit investieren. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen. Ich habe einen Kleinwagen, der alle zwei oder drei Monate mal gewaschen und einmal im Jahr poliert wird. Für mich ist nur wichtig, dass er mich preisgünstig, komfortabel und einigermaßen schnell von A nach B bringt.
28. "Die Deutschen neigen zum Jammern". Stimmt das? Wenn ja, worüber jammern sie denn?
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Stimmt absolut. Sie jammern ständig, überall und über alles. Zum Beispiel darüber, wie hart die Arbeit und wie niedrig der Lohn ist. Und darüber, dass der Nachbar vermeintlich weniger arbeitet und sich mehr leisten kann. Kann im Einzelfall schon stimmen, meistens aber kommt von nichts auch nichts. Und man sollte sich mal vergegenwärtigen, unter welchen Bedingungen und zu welchem Lohn ein Arbeiter in China in der Fabrik steht.
Im Großen und Ganzen geht es uns doch gut, oder? Wo Defizite sind, sollten wir was dagegen tun und das nicht dauernd von anderen erwarten.
29. Deine Anregung für eine "typisch deutsche" Alltagssituation:
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Letzte und schwierigste Frage. Wenn es um das Video geht: Einfach mal vor die Haustür gehen.
Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.
29.07.2007 20:46
wieder was interessantes über den nachbarn gelesen. netter bericht. lg TOM
19.10.2006 11:50
Nr. 22 ist klasse. Und ich dachte, ich bilde mir das nur ein, daß bei einer Tütensuppe für 4 Teller immer nur 2 1/2 Teller rauskommen. Haben die Hersteller andere Teller als ich? ;-) Liebe Grüße, Jes-Törtchen!
13.10.2006 00:21
Schöne Antworten - Liebe Grüße Edith und Claus