Je t'aime - Mein Freund, der Füller!
10.01.2005 (13.11.2005)
Pro:
tolle Federführung, edel, langlebig, (fast) unverwechselbar . . .
Kontra:
nich so billig, nicht überall zu haben
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Qualität/Verarbeitung:
Design:
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 hanselinewurscht
Über sich:
Mitglied seit:11.03.2004
Erfahrungsberichte:61
Vertrauende:49
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 174 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich bin verliebt. Nicht einfach nur verliebt, nein, ich verehre meinen Philéas. Er ist eben anders als die Anderen, er ist etwas ganz Besonderes. Jahrelang musste ich mich mit fiesen untreuen Federhaltern abgeben. Pelikan, der nach einer Zeit inkontinente Züge zeigte, den ich windelte so oft ich nur konnte, denn ich bin ja eine treue Person, die nicht gleich aufgibt in einer Beziehung oder gar die Partner wechselt, wie andere Leute ihre Unterhose. Nein, immer wieder gab ich ihm eine Chance, aber er wollte einfach nicht mehr stubenrein werden und besüffelte mich stattdessen lieber weiter mit Tinte. Oder der langjährige Freund Lamy, der zwar bis aufs Letzte treu blieb, aber auf die Dauer einfach zu langweilig war. Er glich einfach zu sehr den Freunden meiner Freundinnen, passte sich in punkto Styling der breiten Masse an. Wenn man unbewusst fremdgeht und auf einmal merkt, dass neben einem nicht sein Lamy liegt, sondern der Lamy eines anderen, kann es keine Liebe sein. Teilweise tauschten meine Freundinnen und ich die Klamotten der Freunde, so dass mein Liebster wenigstens mal einen gelben, anstatt einen roten Deckel trug. Aber es half alles nichts. Die Luft war raus, auch wenn er mir so eine lange Zeit treue Dienste leistete. Nach weiteren Versuchen mit den verschiedensten Liebhabern, die schnell ihre Unberechenbarkeit zeigten, verliebte ich mich in meinen Philéas, der aus gutem französischem Hause stammt, nämlich aus dem Hause Waterman in Paris. Vorweg sei gesagt, ich musste einen hohen Preis zahlen, um mich in die Familie einzuheiraten. 15 Euro, weil ich so sympathisch war, meinten seine Ebay-Stiefeltern. Woanders wäre die Heirat noch teurer gekommen, man erzählte mir etwas von 25 Euro. Aber dafür brachte Philéas auch ein wunderschönes kleines eigenes Haus mit in die Ehe. Er schläft gerne alleine, aber das kann die Beziehung nur noch prickelnder machen. Er wohnt in einer edlen, sehr stabilen und geräumigen dunkelblauen Box mit goldener Namensgravur und sogar einem Familiensiegel. Innen ist die Box mit weißem seidigem Belag ausgelegt, ebenfalls golden graviert, was die Eleganz nochmals hervorhebt. Zudem liegt innen ein Seidenbett, in dem Philéas bequem und sicher (durch eine Schlaufe) ruhen kann. Neben ihm ist sein Konverter gebettet, über den ich später noch ein wenig erzählen möchte. Und der Preis zahlt sich auch deshalb aus, da die Familie eine Garantie, den Füllfederhalter zu reparieren oder gar durch einen seiner vielen Zwillingsbrüder zu ersetzen, wenn es eine berechtigte Beanstandung gäbe.
Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Ein Adonis, ein französischer Füller, mit so viel Charme, der die Frauenherzen
Bilder von Waterman Phileas
schwach werden lässt. Philéas erzählte mir sogar von sehr vielen männlichen Verehrern. Er ist einfach wunderschön, zeigt weiche Züge, nichts wirkt hart und eckig, sondern sanft und rund. Philéas hat einen guten Geschmack, erhält seine Inspiration direkt aus der Ära des Art deco, trägt mineralblau marmorierte Designerklamotten (ich würde es aber fast als lila bezeichnen..), aus unempfindlichen Kunststoff, welche ihn edel erscheinen lassen. Auch seine Accessoires zeugen von gutem Geschmack, 23 K vergoldete schmale Zierringe am hinteren Ende, in der Mitte und auch an seinem Hut, vor allem der Clip gibt seinem Gesamtbild eine weiterhin elegante Note, ohne protzig zu wirken. Auch sein (in Fachkreisen liebevoll genanntes) goldenes Zigarrenband mit einem Art Déco Motiv aus Paris wirkt optisch sehr reizvoll. Zu erwähnen ist auch seine ebenfalls vergoldete, weich schreibende Bicolor-Feder. Sie schreibt nicht zu dünn und auch nicht zu dick, hat die perfekte mittlere Stärke, falls man dies so nennen kann. Zu seinen Funktionen und Talenten komme ich gleich genauer drauf zurück. Insgesamt liegt Philéas wunderbar in der Hand, ist ergonomisch günstig geformt. Ich persönlich finde, er hat die perfekte Gewichtsklasse. Er ist nicht schwer, besitzt aber auch doch genügend Masse. Sogar mit aufgezogener Kappe kommt er nie aus dem Gleichgewicht, sondern lässt sich gut führen. Ohne Kappe ist sein Griff schwarz und oberhalb gerillt, sodass man in Aktion, also beim Schreiben nicht so leicht abrutschen kann und ihn sogar auch mit glitschigen Händen entkleiden, sprich aufdrehen kann. Bei meinen anderen langjährigen Begleitern zeigte sich dies oftmals als problematisch. So drehte sich das Gewinde nach einer Zeit schon etwas durch und saß dann irgendwann viel zu locker oder war so fest zugeschnürt, dass ich kaum entkleiden konnte. Aber bei Philéas ist das anders. Oft kann ich mich nicht halten und muss ihn aufschrauben. Das gelingt mir auch immer ohne Probleme. Nach mehrmaligem Gebrauch leiert er sich nicht aus, sondern sitzt immer fest. So sieht es auch mit der Kappe aus. Sie dreht sich nicht ausgeleiert herum, sondern sitzt knackig am Körper des Füllfederhalters und lässt sich dennoch wunderbar einfach abziehen. Das Vorspiel ist demnach wirklich entspannend und lässt genügend Kraft, um in die Vollen zu gehen.
Nicht nur ein individuelles Design zeigt Besonderheit, nein, er ist noch vielseitiger und nicht so langweilig eintönig im Gebrauch, wie andere seiner Gattung. Aufgeschraubt habe ich die Möglichkeit zwischen der klassischen Patronen-Methode zu wählen oder auch einen kleinen Konverter einzusetzen, mit dem ich Tinte aus einem Fässchen aufdrehen kann. Diese unangenehme, eher öde Aufgabe vor dem Akt gestaltet sich aber sehr simpel. Es gibt exklusive Waterman Patronen zu kaufen, die zwar genauso lang sind wie die Lamypatronen, jedoch etwas schlanker unten. Will man Abwechslung ins Spiel bringen, kann man die Patronen in verschiedensten Farben erhalten. Wir haben unsere Vorliebe an den Farben rot, schwarz und pink gefunden und jeweils ein Päckchen pro Farbe, welches mit 8 Patronen bestückt ist, für 1,69 Euro ergattert. Aber mittlerweile findet man im WWW genügend Angebote, um ein paar Cent zu sparen. Wer auf solche Exklusivitäten keinen Wert legt, der kann auch die klassischen kleinen Patronen verwenden, jedenfalls passen diese meinem Philéas ebenfalls. :-) Die Anwendung mit dem Konverter ist ebenso einfach, aber für ungeschickte Hände vielleicht nicht die sauberste Methode. So kann ich meinem Liebsten diesen Konverter (siehe Foto) einsetzen wie eine gewöhnliche Patrone, um dann seine Feder in das Fässchen voll Tinte meiner Wahl zu tunken und sie durch leichtes Drehen am oberen Teil des Konverters, hochzusaugen. Gerade wer sehr aktiv ist, hat durch die auffüllbare Methode die Möglichkeit, viel Tintenreserve zu haben und nicht nachts noch aus dem Haus zu müssen, um die unentbehrlichen Patronen zu besorgen. Also auch diese Aktionen gestalten sich wirklich sehr einfach und schnell kann man zum Höhepunkt des Aktes übergehen… …dem Schreiben. Denn hier kommen seine größten Vorzüge zum Einsatz. Dass er gut in der Hand liegt habe ich ja schon erwähnt. Philéas ist sanft zu führen, man muss keinen Kraftkampf vollführen, sondern ganz entspannt seinen Körper halten und ihn fast von selbst die Arbeit machen lassen. Er tut was frau sich wünscht, als ob er Gedanken lesen könnte, gleitet seine Feder über das Papier. Für Kampfschreiber ist er sicherlich ein Partner, von dem man sanftes Aufdrücken erlernen kann. Drücke ich ihn fester, habe ich dennoch nicht das Gefühl, dass er kratzt oder gleich kaputt geht, nein, es kommt mir vor, als gäbe die Feder sogar nach, um meine Hand entspannter zu machen. Und im Gegenteil dazu kann ich auch kaum merklich aufdrücken und trotzdem kommt dir perfekte Tintenmasse aus dem Füller auf das Papier. Für mich ist es die perfekte Dicke der Feder. Nicht zu hart und nicht zu weich sozusagen. Es ist einfach eine Freude, mit ihm gemeinsam zu agieren. Kennt ihr das, auf manchen Untergründen ist es irgendwie kratziger zu schreiben, aber auch auf solchen Belag macht sich Philéas wirklich sehr gut und gibt alles. Ich habe auch nach mehrmaligem Gebrauch noch nie das Problem gehabt, dass er kleckert, tropft oder ausläuft. Er ist sehr sauber und es kommt wahrhaftig immer die perfekte Portion Tinte aus der Feder geschossen. Schlapp gemacht hat er zwar schon das eine oder andere Mal, aber wo gibt es schon den perfekten Füller, der immer kann!? Sind die Reserven verbraucht, muss man eben auftanken und schon kann es direkt weitergehen. Dann braucht er auch nicht noch viel Zeit um sich wieder einzuschießen, nein, er fängt sofort wieder da an, wo er zuvor aufhören musste.
Es ist ein Hochgenuss, mit ihm zu schreiben. Er ist aber dennoch nicht der perfekte Partner für jedermann. Er braucht und wünscht erfahrene Schreiber, keine jungfräulichen, sondern Schreiber, die schon wissen was sie wollen, deren Handschrift schon gefestigt ist. Schulkinder sollten das Glück nicht bei ihm suchen, dafür ist er einfach viel zu nobel, zu anspruchsvoll und zu teuer. Denn ein Füller für ein oder zwei Nächte (ähm Schuljahre) ist er nicht, Philéas ist schon so weit ausgereift, dass er etwas Festes sucht, eine langjährige Verbindung. Dafür wird man aber belohnt damit, dass er auch nach Jahren noch vollen Einsatz und Qualität zeigt. Ich bin sehr glücklich mit ihm und könnte mir keinen anderen Partner mehr an meiner Seite vorstellen. Aber keine Bange, ich kann mir vorstellen, dass es jetzt viele Neider gibt, die schon jahrelang unglücklich auf der Suche nach solch einem Traummann sind. Glücklicherweise hat mein geliebter Philéas einige Zwillingsbrüder. Philéas Mineralblau, Philás Mineralrot, Philéas Mineralgrün und Philéas Schwarz. Ich habe jedoch schon gehört, dass Philéas Schwarz große Mängel aufweisen soll, was sein Outfit angeht. Er soll schlampig und billig verarbeitet aussehen. Das schwarze Schaf der Familie scheinbar, weshalb ich ihn auch noch nicht kennen lernen durfte. Sogar gelernte Kugelschreiber und Bleistifte zeigen ihre Vorzüge in fast demselben Anglitz. Wer es noch exklusiver möchte, der sollte sich mal in der großen Familie umschauen. Hier gibt es den Expert, Charleston oder noch weitere Geschwister zu finden:
http://www.waterman.de/ Kurz:
Mein Füllfederhalter Philéas von Waterman ist ein eleganter, dennoch nicht zu exklusiver Füller aus diesem Hause. Es ist weder ein typischer Frauenfüller, dafür hat er eine leicht robuste Form, aber auch kein typischer Füller für Männer, globig isser nämlich auch nicht. Er ist ein Partner für alle Fälle, ob um kurz etwas zu notieren oder auch für lange Stunden des Briefeschreibens.. er holt das Beste aus der Handschrift heraus, ohne das Handgelenk zu überanstrengen. Durch ihn wird eine Sauklaue tatsächlich in das beste Licht gerückt und schnelles Schreiben sieht immer noch besser aus, als wenn man dies mit einem schlichten Kuli tut. Er ist bei einem Preis von ca. 25 Euro nicht gerade günstig, aber dafür ein Freund für eine lange und innige Beziehung, ein treuer Kamerad, der weder kleckert und schmiert und noch weniger anstrengend ist in Aktion. Außerdem sollte man mal einen Blick in Ebay wagen, da kann man immer wieder sparen. Ansonsten ist er leider nicht überall zu haben, aber trotzdem auffindbar. Hübsch ist er noch dazu, unverwechselbar, nicht der Masse anpassend, wie es bei Lamy der Fall ist. Ich würde sagen, man wird sehr glücklich mit ihm und deswegen sollte man Philéas auch gut behandeln und nicht sorglos links liegen lassen. Ich vermute auch, dass man ihn nicht so schnell klein bekommt, jedenfalls glaube ich nicht, dass er irgendwann mal in der Mitte durchbricht. *fg* Empfehlenswert? Oh ja.. aber hallo! Ich bin jedenfalls glücklich und befriedigt! *rrr*
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31.05.2006 00:28
*verschämt zur erde guck*
17.04.2006 22:05
Dieser Klunker ist ja nun wirklich verdient - eine hommage an einen Füller! - unglaublich, dass Dich dieser kleine, aber feine Füller schon derart befriedigt...*fg* LG, Roland ;-)
15.04.2006 16:31
Herzlichen Glückwunsch zum Diamanten. Ich schaffe mir vielleicht auch mal wieder einen Füller an. Also werde ich diesen mal im Hinterkopf behalten.