Dekadenz auf zwei Rädern
05.06.2001 (06.06.2001)
Pro:
Styling, Fahreigenschaften, Komfort, Gepäckkapazität
Kontra:
Dynamo (?)
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Häufigkeit der Nutzung
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 Munterman
Über sich:
Mitglied seit:02.11.2000
Erfahrungsberichte:28
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 12 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Stellt Euch vor, ihr schraubt euren Lieblingssessel auf zwei Räder, nehmt einen Lenker in die Hand und fahrt damit los. So ungefähr fährt sich ein Wavey: Eine Mischung aus Chopper fahren , Fliegen, Faulenzen und Superstar spielen. Chopper fahren wegen der tiefen Sitzlage und dem hohen Lenker, Fliegen wegen dem leichten Gefühl der Schwerelosigkeit, das sich insbesondere bergab einstellt und Faulenzen wegen der dekadent bequemen Sitzhaltung. Am liebsten möchte man ein Glas Wein dabei trinken (kann man auch, nur sollte es die Polizei nicht mitkriegen) und den Ausblick genießen: Anders als z.B. beim Mountainbike schaut man beim Wavey nicht halb nach unten, sondern halb nach oben. So kann man, natürlich ohne den Verkehr aus den Augen zu verlieren, sich während der Fahrt der Architektur oberer Stockwerke, der Witterung oder den umliegenden Naturschauspielen widmen.
Und warum jetzt Superstar spielen? Weil sich ständig Leute umdrehen, tuscheln, lachen, staunen und so manches Kind ausruft: Cooles Fahrrad! (Betrunkene machen das übrigens auch). Wer seine leichten Neigungen zum Größenwahn bisher noch nicht genug austoben durfte, kann jetzt gnädig seinem Volk zulächeln, winken oder den Unnahbaren spielen. Ein Genuß, der dem Porschefahrer verwehrt bleibt. Während ein PS-König nur einem übersättigten Publikum eine abgegriffene Markenidentität präsentieren kann, findet der Wavey-Fahrer im abgefahrenen Design die ideale Plattform zur Präsentation seiner individuellen Großartigkeit. Waren das die "soft facts" zum Wavey, so kommt jetzt noch ein knochenharter Vorteil: seine wahnsinnige Gepäckapazität. Die Heimfahrt vom Bahnhof war die erste Belastungsprobe: Was tun mit Koffer, prall gefüllter Reisetasche und Rucksack? Auf den Gepäckträger damit, ist doch klar! Was bei einem normalen Fahrrad unweigerlich zu einer Verteilung sämtlicher Unterhosen und Socken auf der Straße geführt hätte, läßt sich beim Wavey dank Rückenlehne problemlos mit ein paar Expandern auf den Gepäckträger schnallen. Auch vom Fahrgefühl her grossartig: Weil der Schwerpunkt so niedrig ist, merkt man auch große Lasten kaum. Absoluter Rekord war bisher der Transport eines 2-m-Regals vom OBI nach Hause: Die kleinen Bretter in den Rucksack, die großen an die Lehne geschnallt - und ab die Post!
Der geneigte Leser mag sich fragen, ob das Wavey denn mit starken Neigungen des Geländes zurechtkommt. Bergab ist klar: je steiler, desto besser! Die Bremsen sind auf dem neuesten Stand der Bremstechnik, und das ist der baldige Stillstand. Doch auch bergauf gibt es dank der 21 Gang Schaltung keine Probleme: Bisher hat sich noch keine Steigung (auch nicht der berüchtigte "Kaulberg" in Bamberg), als zu stark für das Wavey erwiesen. Zu den Nachteilen muss ich mich ein wenig anstrengen, um etwas zu finden.
Das schlimmste: man kann die Bordsteine damit nicht hinaufrasen. Wer sich z.B. auf dem Mountainbike einen "rauf-runter" Fahrstil zu eigen gemacht hat, wird sich beim Wavey an eine zivilisiertere Fahrweise gewöhnen müssen. Ansonsten - auf Feldwegen, Kopfsteinpflaster, Schnee usw. ist das Wavey jedem Fahrrad ebenbürtig. In Fußgängerzonen sollte man - wenn überhaupt - vorsichtig fahren: Schließlich besteht das vordere Ende aus den Pedalen, was bei einer Kollision für den Fußgänger sehr schmerzhaft sein kann (Schlimmer als ein Reifen, wie sonst bei Fahrrädern). Allerdings ist dank der hervorragenden Fahreigenschaften des Waveys auch bei langsamer Fahrt ein derartiger Unfall bei rücksichtsvollem Fahren höchst unwahrscheinlich.
Die Lichtanlage war bei mir mit einem grauenhaften Dynamo (Union "Turbo") ausgestattet, der ein derart kleines Laufrad hatte, daß er mir den ganzen Hinterreifen aufgeschlitzt hatte. Ich hoffe, dass die HPVelotechnik den Mangel nach einem Protestbrief ausgeräumt hat. Auf dem Liegerad kann man sich nicht ganz so leicht umschauen wie auf einem klassischen Rad. Diesen Nachteil habe ich mit einem kleinen Rückspiegel behoben - jetzt habe ich den besten Überblick über das Straßengeschehen in meiner 25jährigen Fahrradkarriere überhaupt!
Ansonsten gibt's am Wavey nichts auszusetzen. Das Wavey gibt's ab 1.500 DM bei der HPVelotechnik. Auf der Homepage (www.hpvelotechnik.de) findet Ihr eine Liste von Händlern, die deren Produkte führen - z.B. die Fahrradstation in Berlin oder der "radladen" in Bamberg. Auf den Rahmen geben sie 5 Jahre Garantie, und dann gibt`s noch einen Haufen Zubehör. Großen Zeitgenossen (ab ca. 1,80) beispielsweise sei die Lenkerverlängerung empfohlen, der Gepäckträger (sehr stabil!) und Schutzbleche allen.
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17.09.2007 20:19
Schöner Bericht und interessantes Produkt... Bin auf der IFMA mit diversen Liegerädern gefahren
03.07.2003 14:05
Der Bericht ist schön formuliert. Wenn man bisher keine andren Liegeräder gefahren ist, kann man die Bewertung vielleicht auch akzeptieren. Andere Liegeräder bringen aber m.E. viel mehr Fahrkomfort und Fahrfreude. Z.B. das Liegerad Spirit, dass ebenfalls von HP-Velotechnik wie auch das Wavey hergestellt wird. Eine gute Alternative ist auch das Flux V 200. Beim Verkaufspreis ist das Wavey allerdings unschlagbar. Die beiden o.g. Liegeräder kosten zwar erheblich mehr, stellen aber auch eine ganz andere Klasse von Liegerädern dar.
08.07.2001 19:45
Sehr gelegungener Bericht den Du hier zum Besten gibst. Stelle mir diese Aktion, sich mit dem Rad fort zu bewegen, trotzdem ein bisschen verkrampft vor!!! Gruss surround999