Gedanken zu Weihnachten
08.12.2005
Pro:
Gedanken sind frei
Kontra:
Gedanken sind frei
Empfehlenswert:
Ja
 bjlghs
Über sich:
Frühling lässt sein blaues Band wieder .....Lest doch mal bei meinen Vertrauten, was es Neues gibt. ...
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In jedem Jahr wieder, für viele Menschen höchst unerwartet und überraschend und für einige (zum Beispiel Firmenchefs) auch ungelegen, jährt sich der Geburtstag der historisch belegten Figur Jesus, den wir mehrheitlich vorgeben zu feiern. Geschäftsleute verschandeln ihre Auslagen mit vermeintlich Feierlichem, Weihnachtssterne verdrängen andere Topfpflanzen von der Fensterbank, Eltern schauen vermehrt in Spielzeugabteilungen nach dem Inhalt der liebevoll verfassten Wunschlisten ihres nimmersatten Nachwuchses, soziale Einrichtungen hoffen auf erhöhte Spendenfreudigkeit der Menschen, Kirchenobere hoffen, mal wieder die ansonsten leeren Kirchenbänke mit den Schäfchen der Gemeinde füllen zu können. Friede, Freude, Lebkuchen! Die Christen, immerhin eine der sogenannten großen Weltreligionen, fiebern dem Weihnachtsfest entgegen und ein erheblicher Anteil davon wird am Tag des Heiligen Abends alles andere in dieser Welt vergessen, verdrängen, ignorieren, gegebenenfalls verneinen. Für viele ist es nur ein Aufgalopp für die dann kommenden freien Tage bis zum Jahreswechsel. Einige fürchten diesen Tag, weil sie allein zuhause sitzen und keinen Menschen dabei haben, dem sie sagen können, was für ein schöner Baum doch die Wohnstube verkleinert und wie gut doch die Plätzchen schmecken, die die Figur versauen. Wieder andere müssen arbeiten, unter Umständen auf der Krebsstation eines Kinderkrankenhauses, oder bei der Feuerwehr mit der Chance, verkohlte Leichen bergen zu müssen, oder im Altenheim, wo an diesem Abend einige der Insassen sich vielleicht wünschen, das nächste Jahr in ihrem Zustand nicht mehr erleben zu müssen. Aber wollen wir das wirklich alles wissen? Sollen wir uns tatsächlich Gedanken machen über die Bedrängnisse unserer unmittelbar unter uns wohnenden Mitmenschen, die Weihnachten nicht feiern können. Kann man nicht einfach mal ein paar Tage den Konsum von schlechten Nachrichten und das Sehen von Elend und menschlichen Katastrophen einstellen und nur an sich selbst und natürlich an seine Familie (selbstredend nur an die eigene Frau und eventuell vorhandene Kinder) denken? Langt es nicht, ab und an mal eine kleine Spende in die Sammeldosen der Kriegsgräber-Fürsorge oder des Arbeiter-Samariterbundes zu stecken? Schließlich werden doch Krankenschwester, Ärzte, Polizisten, Feuerwehr-Leute und Altenpfleger für ihre Arbeit bezahlt und haben sich ihren Job selbst ausgesucht. Nicht wirklich gute Argumente, oder?Weihnachten in Deutschland! Alle kleinen und großen Orte dieser unserer Republik sind festlich geschmückt, die Stromzähler der E-Werke rasen surrend voran, für jeden sichtbar leuchten elektrische Kerzen und Lampen an Fenstern, Türen, Fassaden und auch Autos, um anzuzeigen: es ist Weihnachten, es ist Frieden und Freude unter den Menschen... und ich hab den schönsten Weihnachtsschmuck im Garten, auf dem Balkon oder im Fenster. Alle Menschen haben sich lieb. Der Herr Jesus wurde im fernen Nazareth geboren. Und er wurde reich beschenkt. Gut, es ist über 2000 Jahre her, aber schon damals sollen ja Sterne geleuchtet haben. Doch in was für eine Welt wurde Jesus eigentlich geboren? Römische Truppen kämpfen nicht weit entfernt gegen die Bergstämme des heutigen Syriens, irgendwo am Euphrat wütete gerade die Pest und rottet in wenigen, aber in diesen Tagen etliche abgelegene Dörfer aus. Im Norden des römischen Reiches scharmützeln gerade germanische Waldstämme gegen römische Patrouillen und schlagen ein paar Köpfe ab, in einem ägyptischen Tempel wird eine junge Jungfrau auf dem Altar des Sonnengottes dahingemeuchelt (manche sagen dazu opfern), und und und . Aber das ist schließlich Geschichte und passt auch nicht so recht zu unserer so rührigen Weihnachtsgeschichte. Aber die Geschichte ist heute keine andere, oder? Bei uns herrscht hektische Betriebsamkeit, auf den letzten Drücker noch ein paar Kleinigkeiten für die Lieben zuhause zu besorgen. Menschen hasten durch die langsam leerer werdenden Straßen, der Autolärm nimmt immer mehr ab, die Marktstände sind alle abgebaut, fast alle Läden schließen oder haben geschlossen (bis auf einige Kneipen, die an diesem Abend eine schon fast soziale Funktion haben). Die Hektik legt sich, man hört das leichte Rauschen des Windes, wenige kleine Regentropfen lassen das leere Pflaster glänzen. Aus irgendeinem Fenster ertönt eine hohe Kinderstimme, die oh du Fröhliche intoniert. Kinderaugen glänzen, Vater und Mutter halten sich an der Hand (kommt sonst eigentlich nicht mehr vor) und gemeinsam wird der festlich geschmückte Tannenbaum bewundert. Kerzen brennen auf dem aus Tannenzweigen gebundenen Kranz oder seines Plastik-Verwandten, aus der Küche riecht es nach Keksen, eventuell Würstchen oder gar Schweinebraten und Glühwein (Papa hat sich nachmittags um drei schon mal zwei Pott voll gegönnt, man gönnt sich ja sonst nichts). Töchterchen und Sohnimann warten schon ganz aufgeregt vor der Wohnzimmertür, Oma erzählt Muttern gerade, wie sie die Küche am besten wieder sauber bekommt und Opa wurde zum Zigarrenrauchen auf den Balkon verbannt, sind schließlich 12 Grad plus (in Norddeutschland schon fast Tradition zu Weihnachten). Die Bescherung ist kurz aber heftig, schnell sind alle so sorgfältig verkleisterten Geschenkpapiere zerrissen und die Geschenke ausgepackt. Mancher Beschenkte würde zwar am liebsten das Geschenk wieder einpacken oder überlegt, wo man es am besten umtauschen kann. Aber man läßt sich nichts anmerken. Dann wird gespiesen, je nach Region in unserem Lande etwas anderes. Die Menschen sitzen beieinander, erzählen sich was, essen, trinken, lachen, scherzen, leisten Liebesschwüre, wecken Erinnerungen (weißt du noch Weihnachten 1975?) Opa denkt lieber nicht an Weihnachten 1943, als er in Russland kämpfte.Menschen sind fröhlich, froh, lustig, möglicherweise entspannt, vollgefuttert, satt, natürlich nur etwas angeheitert, reich beschenkt, mehr oder weniger zufrieden, sitzen, stehen oder liegen im Warmen, erfreuen sich am Kerzenschein und festlicher Kinderchormusik und ein paar wenige beten still und in sich gekehrt zu ihrem Gott (der vielleicht auch meiner ist). Niemand schaut sich an solchen Tagen gezielt die Nachrichten an, um zu sehen, was in der Welt außerdem noch passiert. Ach ja, die Tagesschau berichtet vom Segen des Papstes, dem Begehen des Festes in anderen Teilen der Welt, von Glanz und Glorie zu Ehren des Babys, dass sich vor 2005 Jahren anschickte, die Welt zu verändern. Und wenn wir Pech haben, wird auch berichtet, dass eine Boing 707 mit 189 Menschen an Bord in den iranischen Bergen zerschellt ist und angenommen wird, dass es keine Überlebenden gegeben hat. Schwamm drüber, dazu lieber morgen mehr. Friede, Freude, Lebkuchen!Weihnachten woanders! In einem Kral in Äquatorialafrika wird gerade ein kleines, zehn Jahre altes Mädchen unter Schmerzenschreien gnadenlos im Sinne alter Traditionen beschnitten. In Israel zerfetzt eine Handgranate eine Siedlerfamilie, als ein Attentäter dieses Kampfmittel in ihr Auto wirft. Im Irak dringt gerade ein Vollmantelgeschoss in den Kopf eines Menschen ein, weil ein amerikanischer Scharfschütze ihn für einen Selbstmordattentäter hielt. Im Grenzgebiet zwischen Vietnam und Kambodscha verschleppen als Soldaten getarnte Banditen ein paar junge Mädchen, um sie in wenigen Tagen in einer Stadt als Prostituierte anzubieten oder zu verkaufen. In Afghanistan wird gerade ein an den Füssen aufgehängter Häftling durch einen Stromstoss tödlich verletzt. In China werden bei einer Demonstration von Umweltschützern drei Menschen von Sicherheitskräften erschossen. In Brasilien erschießen Wachmannschaften einer Holzfirma eingeborene Indianer, die den waldmordenden Bautrupps nicht weichen wollten. In Äthiopien wird ein spielender Junge durch eine Landmine zerfetzt, von der niemand wusste, dass sie dort liegt und wer sie da vergraben hat und gegen wen sie gerichtet war. In den USA sinkt die Tagesquote an Morden kurzfristig, weil weniger Menschen auf den Straßen sind. In Eritrea sterben an diesem Abend rund 100 Kinder an den Folgen mangelnder Ernährung, man kann auch sagen sie verhungerten schlichtweg. Die Welt der Christen feiert Weihnachten, vergeudet Unmengen an Strom für unnötige Dekos, eine Fresswelle ungeahnten Ausmaßes rollt an diesem Abend (und natürlich auch den folgenden zwei Tagen) durch die Republik, Hektoliter reinen Alkohols beschäftigen die Leber der Nation und wohl alle Menschen dieses Landes freuen sich darüber, dass Afrika , Asien und Südamerika weit, weit weg liegen. Mehr als zwanzig akute Kriegsschauplätze brennen in der Welt, zum Beispiel in Afghanistan, in Israel, im Iran, im Irak, im Baskenland, in Bosnien, in Pakistan, in Indien, auf Sri Lanka, in Indonesien, im Sudan, in Äthiopien, in Nord-Irland, in der Türkei, ach ja und in den USA, wo der Krieg gegen den Terror tobt. Und Weihnachten ist überall dort kein Grund, nicht auf Raketenknöpfe zu drücken, Abzüge zu betätigen oder Minen einzubuddeln. Aber bei uns, hier in diesem von zwei Weltkriegen geprägten Land, herrscht seit 60 Jahren Frieden, natürlich nur rein militärisch betrachtet. Unser Krieg findet anders statt. Tausende von Scheidungstätern und Täterinnen haben sich dass Jahr über mit Anwälten beharkt, sich beleidigt, dem anderen, dem oder der man vor gar nicht langer Zeit noch sagte, dass man sie oder ihn lieben würde, verletzt und bedrängt. Nachbarn haben sich mit allen Mitteln bekämpft, sich gegenseitig verleumdet oder sich einfach nur ignoriert. Kinder wurden geschlagen oder sexuell missbraucht, ohne dass je ein Staatsanwalt dazu etwas sagen wird, alte Menschen wurden gegen ihren Willen durch ihre Kinder in Altenheime verfrachtet und alleinstehende Arbeitslose haben sich umgebracht, weil niemand da war, an dessen Schulter sie sich hätten anlehnen können. Aber an diesem Abend, dem Heiligen Abend, da wird für ein paar Stunden, mit Chance auch für zwei weitere Tage vergessen, was auch unser Land prägt. Da versuchen die Menschen angesichts der vielen lieben Geschenke, der ebenfalls lieben Wünsche, die in Millionen Postkarten und Briefen durchs Land schwirren, und dem festlichen Glanz, den wir künstlich aufgebaut haben, möglichst nur auf sich oder nur auf die eigene Familie zu schauen. Ist das verwerflich? Kann der Einzelne von uns gegen die Grausamkeiten dieser Welt etwas tun? Können wir verhindern, dass Kriege geführt werden? Können wir den Hunger der Welt stillen? Liegt es in unserer Macht, der Gewalt auf diesem Planeten Einhalt zu gebieten? Jeder von uns wird all diese Fragen sofort verneinen. Und hat ein ganz klein bisschen damit recht. Und unrecht! Viele Dinge auf dieser Erde können passieren, weil Menschen wegschauen, weil wir nicht betroffen sind, weil sie das Elend nicht sehen wollen, weil das fünfte Programm für die Spielkonsole der eigenen Kinder wichtiger ist, als eine Spende in das Säckel von "Brot für die Welt" oder auf das Konto der Kinder-Krebshilfe. Gedanken zu Weihnachten aber nicht nur dann......... Ich möchte hier niemandem das Weihnachtsfest vermiesen, oder seinen Anspruch an Gemütlichkeit, familiärer Gemeinsamkeit und einträchtiger Fröhlichkeit in Zweifel ziehen. Aber ich wünsche mir, dass wir, die wir trotz aller Klagen in faktischem Reichtum und Überfluss leben, uns bewusst machen, dass wir zu einer Minderheit auf diesem Planeten gehören, dass die Mehrheit der Menschen in Hunger, Angst, Bedrohung und Kälte lebt und nichts dafür kann, nicht in Deutschland geboren worden zu sein, oder in jedem anderen Lande Westeuropas. Wir sollten nicht die Augen verschließen vor dem Elend der Welt. Z.B. ein bisschen spenden für andere, sich an Sammlungen für Hilfsorganisationen beteiligen, sich gezielt an Projekten beteiligen, die benachteiligten Menschen anderer Regionen direkt helfen (z.B. Patenschaften übernehmen) oder sich auch den Menschen im eigenen Lande offener gegenüber zeigen, die behindert sind, erzeugt nicht nur gute eigene Gefühle, sondern hilft auch. - Haben Sie schon mal ein staatliches Kinderheim in diesem unserem so reichen Land besucht und in die Augen eines Waisenkindes geschaut, dass keine familiäre Wärme, sondern nur die anderen Kinder seiner Gruppe und die pädagogischen Kräfte kennt, die dort arbeiten, aber in Mehrheit zu Weihnachten in eigenem Haus feiern? (Kein Vorwurf!) - Glauben Sie im Ernst, dass die alten Menschen dieses Landes sich gerade zu Weihnachten in ihrem Altenheim am wohlsten fühlen? - Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, den diensthabenden Polizisten ihres nahegelegenen Polizeireviers einen kleinen bunten Teller auf den Tresen zu stellen und sich für deren Arbeit für sie zu bedanken? - Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, ein paar Spielzeuge in ein nahegelegenes Kinderheim zu bringen, um ein ganz klein wenig Glanz in alleingelassene Kinderaugen zu zaubern? Tun Sie es einfach mal und sie werden sehen, dass es auch der eigenen Seele durchaus gut tun kann, einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, Elend und Not wo auch immer in dieser Welt zu lindern. Schauen Sie nicht weg, wenn schreiendes Unrecht in ihrer Umgebung zutage tritt. Mischen Sie sich ein, wenn Kinder in ihrer Nachbarschaft offensichtlich misshandelt werden. Und haben Sie ein offenes Ohr, wenn andere Menschen von ihren Nöten erzählen wollen. Der Einzelne für sich kann nicht viel bewirken, aber viele zusammen können schon sehr deutlich helfen, wie die Tsunami-Katastrophe und die Hilfswelle danach sehr deutlich gezeigt haben. Christliche Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Toleranz, Friedfertigkeit, Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Liebe kann man nicht kaufen oder bezahlen. Aber man kann sie praktizieren. In diesem Sinne, allen Usern von Ciao ein fröhliches, liebevolles, friedliches, natürlich gesundes und hoffentlich besinnliches Weihnachtsfest 2005 bjlghs
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21.12.2009 18:52
Wie recht du doch hast... Die nachrichten werde ich dennoch verfolgen und sehen, was sich so alles in der welt ereignet, den weihnachtsdusel mittenmang, den ignoriere ich, weil er mich nicht interessiert. Mögen doch alle hier weiterhin satt und (un)zufrieden sein, wie auch immer und keinen gedanken an jene verschwenden, denen es nicht so gut geht, die dann aber hinterher jammern und schimpfen, wie schlecht es ihnen doch geht in dieser satten, vollgefressenen überflussgesellschaft. Na dann, ich wünsch dir ein paar schöne, arbeits- und stressfreie tage :)
02.05.2006 15:06
no comment. LG Martina
15.12.2005 01:11
Meinen Respekt und ein dickes Kompliment. Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Manchmal sollte man über diese Dinge einfach nicht diskutieren, sondern etwas tun. Was, muss letztendlich jeder mit sich selbst ausmachen. Danke für diese Gedanken. Auch Dir und Deiner Familie von Herzen frohe und besinnliche Weihnachtstage. Gruß Jens