Weihnachten. Immer wieder gern.

5  22.12.2008 (07.01.2009)

Pro:
das Fröhliche und Traurige .  Weihnachten

Kontra:
Nix

Empfehlenswert: Ja 

jr4478

Über sich: >>>>Wer ohne Fehler ist, der werfe.......<<<<

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Weihnachten.

Seit wann ich Weihnachten bewusst erlebe, daran kann ich mich nicht erinnern. Weihnachten ist immer ein besonderes Fest gewesen. Ich erinnere mich sehr gut, dass meine Eltern immer ein großes Geheimnis um diese schöne Zeit machten.

Und wie war es nun?

Das Weihnachtsfest begann immer mit der Adventszeit. Unsere Wohnstube war immer jetzt schon festlich gestaltet. Eine Schale mit Nüssen stand auf dem Tisch. Datteln und Feigen. Apfelsinen, Clementinen und Äpfel. Kerzen gab es. In der Adventszeit wurde gebacken, wir Kinder bastelten aus Papier Sterne, Transparente. Schmücken der Kerzen mit buntem Bienenwachs. Und unsere Oma las dann immer aus dem Buch von Agnes Sapper, "Familie Päffling" vor. Das Buch habe ich leider selbst nicht im Original. Ich habe es aber komplett Wort für Wort abgeschrieben.

Und am 24. War es dann besonders spannend. Schon am Morgen war es üblich, den 24. zu beginnen. Dann standen wir alle vor dem Zimmer unserer Oma. Es war jetzt ganz still. Und als unsere Oma ihr Zimmer freigab, stand dort eine uralte Pyramide aus Holz mit wunderschönen Krippenfiguren. Vor dieser, mit ganz kleinen Kerzen beleuchteten Pyramide standen wir und sangen mit Oma das Lied "fröhliche Weihnacht überall…"

Dann gab es das gemeinsame Frühstück mit Brötchen von Bruhns.

Als Oma dann von einem betrunkenen Autofahrer getötet wurde (Alkohol und mit dem Auto), gab es diese schöne weihnachtliche Einstimmung nicht mehr. Meine Eltern versuchten zwar im Sinne von Oma weiter das Weihnachtfest zu gestalten, aber Oma war eben nicht mehr da.

Das nächste wichtige Weihnachtfest erlebte ich 1967. Ich war seit dem 2. November zur Grundausbildung in Neutramm (bei Dannenberg an der Elbe) beim Bundesgrenzschutz. Ich hatte am 24. Wachdienst. Mein erstes Weihnachten ohne Familie. Und dieser Tag bleibt mir unvergessen.

Es begann damit, dass ich etwa um 11:00 Uhr am Vormittag ganz plötzlich zum OvD. (Offizier vom Dienst) gerufen wurde. Es muss also etwas besonderes vorgefallen sein.

Voller Ängste begab ich mich zum OvD. Meldete mich und er schaute mit etwas merkwürdig an. Sagte nichts und gab mir ein Post Paket. Das Schweigen hatte einen Grund. Es war ein Paket aus der DDR.

Und damals war die
Bilder von Weihnachten
  • Weihnachten Weihnachten
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Weihnachten Weihnachten
Krippenausstellung in Bad Sachsa 27.12.2008
DDR für uns Grenzschützer etwas Besonderes. Spionage! Und ich bekam ein Paket. Der OvD fragte nach dem Absender. Es war eine Susanne aus Dresden. Eine Brieffreundschaft. Ich hatte damals sehr viele Kontakte mit Mädchen aus der DDR. Klar, das hier nur Spionage im Spiel sein könnte. Der Ovd wollte nun wissen, wieso das Paket hier geschickt wurde. Ich gab an, dass ich diese Adresse als Absender angegeben hätte.

Um es kurz zu machen, in dem Paket aus Dresden war ein echter Dresdener Stollen (Geschenksendung, keine Handelsware) . Und ein ganz lieber Weihnachtsgruss. Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Es war ein Paket, das etwas ganz besonderes war. Ja, das war etwas!

Dann geschah noch etwas.

Es war gegen 16 Uhr. Wieder wurde ein Kollege zum OvD. gerufen. Wieder gab es einen besonderen Grund. Der Kollege (Kamerad) ging also eilig zum OvD. Und kam recht schnell wieder.

Mit gesenktem Kopf lief er an uns vorbei und sagte nur:
"Scheiße, mein Vater ist tot!".

Es war ein riesiger Schock für uns alle. Und heute noch kommen mir die Tränen beim schreiben. Es war schrecklich. Wir wussten nicht, wie wir den weinenden Kameraden Trost geben konnten. Wir waren zu unerfahren. Konnten wir doch nicht helfen.

Ja, und weil alle Kameraden jetzt sehr bedrückt waren, machten wir unseren Wachdienst so weit es uns möglich war, weiter.

Aber es gab auch etwas, was nun für etwas Besonderes in uns allen sorgte. Wir aßen alle in der Wachbude und starten vor uns hin. Plötzlich wurde die Stille unterbrochen. Ein Weihnachtlied wurde von Kindern gesungen. Wir hatten aber kein Radio. Wer sang da? Wir hörten still dem Gesang zu.

Das zweite Lied wurde gesungen. Plötzlich zeigte einer von uns nach draußen. Vor der Schranke standen etwas 15 Kinder. Sie hielten vereinzelnd Kerzen in den Händen und sangen Weihnachtlieder für uns, die heute Nacht dienst hatten. Wir gingen nach draußen zu der Schranke und hörten nun still den Kindern zu. Dann trat einige der kleinen Sänger vor und übergaben bunte Teller. Unser Glück war riesig. Auch wenn wir es nicht so zeigen konnten, hatte doch jeder von uns seine eigenen heimlichen, stillen Gedanken. Es wurde dann noch eine kleine Rede gehalten. Wir bedankten uns und waren doch etwas beschämt über so viel Freude für uns.

Ja, das war vor 41 Jahren. Die nächsten Weihnachtsfeste verbrachte ich dann am 24. 12. wieder mit Kollegen freiwillig auf "Wache" beim BGS. Zu sehr war doch das vorherige Weihnachten in der Erinnerung.
Später hatte ich dann selbst eine Familie gegründet. Mit meiner Geli zusammen haben wir unser Weihnachten nach eigenen Regeln gestaltet.

Nachdem ich in den Öffentlichen Dienst zurück kam und ich Schichtdienst verrichtete, gab es natürlich Weihnachten immer Probleme. Freiwillige vor. Und da ich mit meinen 12 Schichtkollegen eine Mindeststäke halten musste, kam es natürlich vor, wieder am 24.12 Dienst zu haben. Traurig, aber selbst Familie war dann kein Grund, befreit zu werden.

Und so geschah es, dass ich Spätdienst hatte. Um 12 Uhr verließ ich unsere Wohnung. Aber ich fuhr nicht zu meiner Arbeitsstelle, denn ich hatte in Wirklichkeit frei. Nur genau das wusste meine Familie nicht. Nach dem Kirchgang um 16 Uhr sollte meine Familie mich im Weihnachtzimmer vorfinden.

So fuhr ich ein bisschen durch die herrliche Lüneburger Heide. Hörte Musik und war weihnachtlich eingestimmt. Zumal ich mich selbst darauf freute, meine Familie zu überraschen.

Und wieder gab es etwas besonderes, Auf der A 7 war ich nun und fuhr gemütlich Richtung Hamburg.

Da sah ich ein Auto mit einem Platten auf dem Seitenstreifen stehen. Ich hielt an und fragte ob ich helfen könnte.

"Ja, wir haben einen Plattfuß und keinen Wagenheber! In Auto habe ich Oma und Opa aus der DDR. Bis 15:45 (o.ä.) müssen wir in Lübeck sein. Da fährt der Zug. Die Ausreisegenehmigung gilt nur noch heute. Und der letzte Zug wäre es"

"Schei…!"

Jetzt kam ich in Form. Schnell war der Wagen mit meinem Hydraulik Wagenheber aufgebockt. Oma und Opa mussten im Auto bleiben. Die beiden alten DDR Rentner waren völlig durch den Wind. Das Rad war schnell gewechselt.

Dann schickte ich den Fahrer mit Oma und Opa auf Fahrt. Es war keine Zeit mehr groß zu danken. Das Auto musste Lübeck erreichen. Denn in Hamburg war keine Chance mehr.

Ob die beiden DDR Rentner rechtzeitig wieder in die DDR zurück gekommen sind, ich habe keine Ahnung. Ich habe dann bei der Bahn angerufen und darum gebeten, die Abfahrt mit was weiß ich für einen Grund noch etwas zu verzögern. Die Bahn versprach mir sie hätten auch etwas Phantasie.

Ja, und ich war im Weihnachtszimmer, als unsere Tochter eintart. Ich glaube, ich war das Geschenk!

Ja, lieber Leser, so gingen die Jahre dahin.
Jetzt habe ich wieder seit ein paar Jahren die Chance, den 24.12 wieder etwas außergewöhnlich zu gestalten.

Um 15 Uhr der Kirchgang mit den Enkelkindern. Dann trennen sich die Wege. Ich muss arbeiten. Meine Familie ist dann bei unserer Tochter. Dort wird der Heilige Abend verbracht. Und ich bin nicht anwesend.
Oder doch? Geli und die anderen Familien Angehörigen sind also bei unserer Tochter. Und ich ziehe mich um. Und dann verlasse ich unsere Wohnung als Weihnachtsmann. Klar, ich treffe unterwegs viele andere Menschen.

Und jetzt schon bin ich der Weihnachtsmann. Die Rolle ist da und jeder wird nun entsprechend gegrüßt. Dann steige ich ins Auto und erreiche nach kurzer Fahrt die Wohnung der Tochter. Schon nach dem Aussteigen bin ich voll und ganz der Weihnachtsmann. Ich schimpfe, ich poltere bis ich die Wohnung erreiche. Ja, und jetzt die strahlenden Augen der Enkelkinder. Das zu beschreiben kann ich nicht. Spielt selbst die Rolle, dann wisst ihr es.

Letztes Jahr allerdings fiel die Rolle am 24 .12 aus. Ich war nach meinem Herzinfarkt noch in der Reha. Deshalb war es ein Weihnachten nur mit meiner Geli in Bad Bevensen.

Aber!

Am 26.12 war meine Reha beendet. Und am 27.12. kam doch der Weihnachtsmann zu den Kindern. Zwar etwas verspätet, aber die Überraschung war groß. Leider war der schlittenumgekippt und die rentiere einfach vor Schreck weggelaufen. Die Kinder hatten Verständnis und waren glücklich, dass der Weihnachtsmann nun doch noch da war.

Als ich dann etwas später als Opa bei meiner Tochter das zweite Mal ankam, waren die Enkel noch voller Freude.

"Opa, der Weihnachtsmann war da. Er konnte nicht früher kommen, weil sein Schlitten umgekippt ist. Seine Rentiere sind weggelaufen. Opa, kannst Du das verstehen?"

Und dann irgendwann sagte klein Julie:

"Opa, der Weihnachtsmann riecht wie Du!"

Fröhliche Weihnachten!

Ich denke mal, Weihnachten wird für mich immer ein Fest sein, auf das ich mich freue. Egal, was auch passiert. Es ist ein fest. Und es soll immer bleiben. Ein Fest, egal was auch immer geschieht. Ich möchte letztlich kein Weihnachten vermissen. Und ich freue mich auch, wenn es bei mir Tränen gibt.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Finetta12

Finetta12

04.01.2009 14:32

ach, wenn weihanchten weniger ein konsumrausch wäre

mozarteum

mozarteum

30.12.2008 23:20

weihnachten ist bei uns das fest der familie und leider kann mein vater seit einigen jahren nicht mehr dabeisein. dennoch ist erbei uns, den die gesprächen gehen immer zurück zu vergangene weihnachtsfeste, geschichten, anekdoten und erinnerungen .... z.t. ähnliche wie du sie geschildert hast! .... es ist immer wieder schön .... lg mozarteum ... und dir wünsche ich nun einen guten start ins neue jahr!

brennecke

brennecke

25.12.2008 16:01

Fröhliche Weihnachten und nen guten Rutsch!

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