Superhumpen und Uniklo!

5  01.12.2004

Pro:
.  .  .

Kontra:
.  .  .

Empfehlenswert: Ja 

Bollebert

Über sich:

Mitglied seit:26.03.2002

Erfahrungsberichte:31

Vertrauende:9

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hier meine beiden Lieblingsweihnachtsgeschichten.
Eine, von meinem guten Kumpanen Hendrik verfasst, die andere vom ollen Kapielski! Viel Vergnügen!

Alle Jahre wieder:
==============
Es ist doch bald Weihnachten
=========================

"Es ist noch Pudding da, aber nicht für Nigera", sprach der Dichterfürst Henri du Pontseize, als er im anbrechenden zwanzigsten Jahrhundert das kleine, freundliche Land an der Sulcus Coronarius Afrikas bereiste und mit eigenen Augen sah, unter welch unmenschlichen Bedingungen die hiesige Landbevölkerung ihr Leben fristete. Zu trauriger Prominenz gelangt sind jene wütenden Zeilen, die er nach seiner Ankunft in Abuja zu Papier brachte: "Leben in Nigeria, das heißt Armut und nochmals bitterste Armut, ohne Hoffnung, ohne Zukunft und Pudding gibt es nicht."
Worte, die auch aus unseren Tagen stammen könnten, denn noch immer ist das Leben zwischen Nigerdelta und Sahel kein Zuckerschlecken. Erst kürzlich stellte eine vom Internationalen Währungsfond in Auftrag gegebene Studie fest, dass es Wichtigeres gäbe.
Stuhlgang zum Beispiel. Lange Zeit nur in den Kulturnischen der urbanen Großstadtgesellschaften als Geheimtipp gehandelt, hat sich der Stuhlgang trotz aller transkontinentalen Spannungen in den vergangenen Tagen auch im Massen- und Breitensport durchsetzen können. Die Mischung aus schneller Action und esoterischer Besinnlichkeit erfreut sich durch alle Altersgruppen und über jede Subkulturgrenze hinweg größter Beliebtheit.
Doch schon mehren sich die kritischen Stimmen, die darauf hinweisen, dass Stuhlgang nicht nur eitel Sonnenschein sei, sondern auch Gefahren berge, die man alles andere als unterschätzen dürfe.
Vornehmlich Jugendliche seien sich der genannten Risiken oftmals nicht bewusst und tendierten von daher zu einem "leichtfertigen Extremismus", wie es einer gestern veröffentlichten Studie des Kinsey-Instituts heißt. Und weiter heißt es in dem Dreihundertelf-Seiten-Werk: "47 Prozent der 18- bis 26jährigen praktizieren regelmäßig Stuhlgang. Bei 13 Prozent der Befragten muss von einem missbräuchlichen Umgang ausgegangen werden."
Inbesondere die weit verbreitete Praxis, Stuhlgang mit Pudding zu verbinden, des ultimativen Kicks wegen, ruft bei den Meinungsforschern Besorgnis hervor. Erst jüngst war in Deutschland das erste Todesopfer zu beklagen. Ein etwa 20jähriger Philosophiestudent aus Berlin-Mitte hatte sich anlässlich seiner bestandenen Immatrikulation mit einer Schüssel Schokoladenpudding auf der Universitätstoilette eingeschlossen. Stunden später fand ihn eine Putzfrau leblos am Boden liegend auf. Der sofort herbei gerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen.
Ein tragisches Schicksal, von dem man in Nigeria nur träumen kann, zumeist nachts. Puddingknappheit und marodierende Banden schlechter Witze, die über den Golf von Guinea ins Landesinnere vordringen, machen den Menschen das Essen schwer. Und die Weltöffentlichkeit schaut tatenlos zu, obwohl dieses kleine, freundliche Land an der Sulcus Coronarius Afrikas eine fein gezuckerte Pointe heute so nötig hat wie vor hundert Jahren.
Zeitlos klingen da in unseren Ohren die mahnenden Worte Henri du Pontseizes: "Dieser auf Tiefsinn getrimmte Flying-Circus-Verschnitt wird mir langsam zu albern." Und so befinden wir uns alle in der Pflicht, dem nichts hinzuzufügen, wir als Menschen, um der Menschlichkeit willen. Es ist doch bald Weihnachten.


Superhumpen im Kerzenscheine

=====================


Premiumpils, Küchenkrepp und eine Reise in die Lüneburger Heide
Bei Kapielskis geht das so (ich weiß es bereits, weil jedes Jahr gleiche
Prozedur): Wir, der engste Familienkreis, trinken Weihnachten erst mal Bier
auf törichte Weise.
Wir kaufen diese Zehn-Liter-Partyfässchen, benutzen aber keinesfalls diese
extra noch mal Kosten verursachende, aber ganz unfähige Plastikzapfe,
sondern öffnen die Leichtmetallfässchen mit unserem an der Wand befestigten
elektrischen Dosenöffner; man muss eben nur sehr darauf achten, dass die
bombastische Bierdose am Ende einer elektrischen Aufschlitzrunde nicht
wegsackt; ist schon öfter passiert, und man wischt dann den halben Heiligen
Abend lang Bier auf und zankt über das üblich Maß hinaus.
Also Hilfestellung einnehmen und die Großdose schön von unten mit etwas
Küchenkrepp, Zewa Wisch und weg oder Küchenhandtuch sichern! Beim dritten
Mal klappt alles hervorragend, und beim dritten Mal ist auch schon alles
fertig: Eine Superdose Hasseröder Premiumpils für die Mama, eine Superdose
Berliner Kindl für den Erstgeborenen, Schnulzenputzi (9), und eine besonders
humpige Dickdose entweder Wolters brut oder Urkrostitzer Doppelbock für
mich.
Und nun kommt's, der Knüller, meine Erfindung: Ich hole im Baumarkt vorher
zweimal drei schlichte, hölzerne Schubladengriffe und klebe diese mit
Sekundenkleber, hält hervorragend, seitlich an die Dosen, so dass wir nach
alter Sitte Brauchtum pflegen und mit drei richtigen Superhumpen im
Kerzenscheine umeinander stehen und die Gigaseidel mit Schmackes
aufeinanderzuprosten lassen, um derart den Gipfel des Festes, die schöne
Bescherung, festlich zu erklimmen.

In der Woche zuvor sind der Schnulzenputzi und ich aber schon nach Würmse in
die Lüneburger Heide gereist, wo der tüchtige Sohn meines alten
Arbeitskollegen Gänse in korrekter Weise auf Wiesen mästet. Diese sind aber
vor unserer Ankunft bereits geschlachtet und hängen in der Kühlhalle, wo wir
Handelseinigungsschnäpse einnehmen, nachdem wir eine ausgesucht haben, und
dann gucken wir noch eine Weile zu, wie riesige Kübel mit Schlachtabfällen,
also eigentlich nur die Gänseköpfe und Beine, an die Schweine verfüttert
werden. Es scheint ihnen ein Festschmaus zu sein, grinsend zerknurpseln sie
die knorpeligen Gänsereste, was in summa ein eigentümlich Geräusch macht.

Zurück in unsere Wohnstube: Der Baum nadelt und brennt, aber die Bescherung
ist glimpflich abgelaufen, die Gans ist au point, der Grünkohl nach altem
Brauch in zwei Großohm Gänseschmalz mit Zwiebel zweimal viermal aufgewärmt,
dem Vater seine "Spezialklöße mit Estragon" dampfen handballgroß in Kruken
aus Speckstein, und der Vater (vulgo: icke) hat bereits die anderen drei
Humpen mit den anderen drei Griffen beklebt, und dann essen wir die Gans am
24. Dezember, weil man an den folgenden Tagen dann seine Ruhe hat und
Fernsehn gucken kann.

Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
metalazzy

metalazzy

19.07.2006 16:38

So will ich auch mal feiern, so ganz nüchtern mal einen zusammen saufen, anstatt irgendeinen weihnachtlichen Geist heraufzubeschwören und Harmonie auf Teufel komm raus. Grüße, Azzy

Anduil

Anduil

14.01.2005 06:41

Ich wüsste ja gern, was die Schweine gegen die Gänse haben, dass sie ihre Überreste nicht nur fressen, sondern das auch noch grinsend tun.

Gemeinwesen

Gemeinwesen

10.12.2004 15:19

Kapielski - der Mann, der letztlich Schuld daran ist, dass ich mich hier im Reservat so mancher Lächerlichmachung und Anfeindung ob meines Beitrags zum Spiel auf der Nasenflöte ausgesetzt sah. Da Kapielski aber nur unter "ferner liefen" läuft, kann ich, denke ich, trotzdem guten Gewissens die Bestwertung vergeben. Beste Grüße vom Gemeinwesen.

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 602 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (15%):
  1. Gemeinwesen
  2. MSBBonn
  3. jinky
und weiteren 2 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (82%):
  1. nicki28
  2. metalazzy
  3. Doofmatz
und weiteren 25 Mitgliedern

"weniger hilfreich" von (3%):
  1. Eso-Klaus

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.