IN KÜRZE:
Weissblech Comics, die Heimstatt des ehrlichen Trash, hat vor kurzem die erste Nummer eines neuen Comic-Magazins auf den Markt gebracht, das „Welten des Schreckens" betitelt ist und in Weissblech-üblicher Rhetorik „packende Geschichten aus dem Reich der Phantastik" sowie „finstere ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von KaiRabe über Welten des Schreckens / Kurio, Levin 25. Oktober 2009
Produktbewertung des Autors:
Aufmachung:
sehr schön
Zeichnungen:
gut
Unterhaltungswert:
hoch
Anspruch:
eher nicht
Fun-Faktor:
groß
Pro:
Gelungenes Konzept, tolle Comics .
Kontra:
nichts
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
IN KÜRZE:
Weissblech Comics, die Heimstatt des ehrlichen Trash, hat vor kurzem die erste Nummer eines neuen Comic-Magazins auf den Markt gebracht, das „Welten des Schreckens" betitelt ist und in Weissblech-üblicher Rhetorik „packende Geschichten aus dem Reich der Phantastik" sowie „finstere Science-Fiction und Fantasy" zu bieten hat. Ein weitgehend gelungenes Heft, das in seiner ersten Ausgabe immerhin mit 56 Comicseiten aufwartet (bei 68 Seiten Gesamtumfang) und drei Stories aus diversen phantastischen Welten präsentiert. Die größte Vorfreude meinerseits konzentrierte sich auf ein Wiedersehen mit dem Förster von Argstein, einer Schöpfung von Eckart Breitschuh und Josef Rother, die mir schon in einem sehr schönen Ehapa-Band von 2007 über den Weg gelaufen war. Tatsächlich ist denn auch die Story „Der letzte Kuss" das Glanzstück des Bandes und schließt ihn perfekt ab. Vorher gibt es ein längeres Abenteuer mit der aus anderen Weissblech-Publikationen bekannten Amazone Kala, einer Schöpfung von Weissblech-Chef Levin Kurio, der wie üblich auch als Herausgeber des Hefts fungiert. Rein zeichnerisch könnte er sicherlich von seinen Mitstreitern Eckart Breitschuh und Klaus Scherwinski noch etwas lernen. Letzgenannter ist mit der leider ein wenig kurzen Story „Xydoon spricht" in der Mitte des Hefts vertreten. Das ganze Heft wirkt auf mich als ein weiteres mutiges Projekt von Weissblech-Comics, das auf Eigenproduktionen setzt und dem ich eine lange Karriere wünschen würde.
DIE MACHER:
Levin Kurio, Jahrgang 1977, ist der große Macher bei Weissblech. Er arbeitet als Herausgeber, Zeichner und Autor und behält den Überblick über die inzwischen doch recht umfangreiche Comic-Produktion von Weissblech-Comics. Im Jahre 2009 kann der Verlag immerhin schon auf zehn Jahre Tätigkeit zurückblicken und war mir vorher hauptsächlich durch die Reihe „Hammerharte Horrorschocker" ein Begriff, von der bislang 20 Hefte vorliegen. Der Tonfall im Hause Weissblech, mit dem die Produkte des Verlages lautstark angepriesen werden, ist bewußt reißerisch gehalten und schreckt vor kaum einer ironischen Übertreibung zurück - ich denke hier auch besonders an die beliebte Reihe „Weissblechs weltbeste Comics". Ich denke, Levin Kurio ist eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Comic-Szene, von dem noch Einiges zu erwarten ist. Der Erfolg von Weissblech beruht zum guten Teil darauf, erstklassige deutsche Künstler ans Werk zu lassen. Im vorliegenden Heft sind dies insbesondere die Zeichner Eckart Breitschuh und Klaus Scherwinski. Eckart Breitschuh ist Jahrgang 1964 und ist seit vielen Jahren erfolgreich, zunächst mit der Carlsen-Reihe „Das Geheimnis der Lindenstraße", später unter anderem mit „Wanda Caramba" (ebenfalls bei Carlsen). Für die „Hammerharten Horrorschocker" schuf er die umwerfende Story „Mutterliebe" (HS 6). Ebenfalls ein Vollprofi ist Klaus Scherwinski, Jahrgang 1976, der dem geneigten „Horrorschocker"-Publikum schon perfekt gestaltete Stories wie „Das Derby von Hadingen" (HS 10) zu bieten hatte - alle seine Beiträge sind zeicherisch Glanzstücke der Weissblech-Produktion.
DIE SERIE:
Bislang liegt erst ein Heft der „Welten des Schreckens" vor - geplant ist ein Erscheinungsrhythmus von zwei Heften pro Jahr. Was sich nach wenig anhört, ist der Machart des Heftes geschuldet. Levin Kurio greift in der Regel nicht auf bereits irgendwo anders vorliegendes Material zurück, sondern lässt viele Comics zunächst exklusiv für seine Publikationen produzieren. Äußerlich wirkt das Heft sehr gediegen und bietet in relativ kleinem Format 68 Seiten in Farbe; die Softcover-Bindung weckt Vertrauen, das Heft oft lesen zu können, ohne dass es auseinanderfällt. Von den 68 Seiten sind 56 den drei Comic-Stories vorbehalten, der Rest wird unter anderem mit Eigenwerbung des Verlags gefüllt. Der Anteil an Werbung ist von der Zahl der Seiten etwa so stark wie in den „Horrorschockern", da allerdings die „Welten" das wesentlich umfangreichere Heft sind (68 Seiten gegenüber 36 Seiten), kann man mit der Eigenwerbung hier viel besser leben. Was die genaue Profilierung „Welten" vs. „Horrorschocker" betrifft, so wirkt der Untertitel „finstere Science-Fiction und Fantasy" als Leitfaden und betritt weitgehend neues Terrain - dies sollte unbedingt weiter verfolgt werden. Schon auf dem Cover begrüßen den Leser die „Gastgeber" des neuen Hefts, Scylla und Charibdis, die den auch auf Seite 4 für eine gediegene Einführung sorgen. Hinten im Heft kommt dann auch noch Levin Kurio zu Wort und gibt Einblicke in die Weissblech-Werkstatt. Für Frühjahr 2010 ist das zweite Heft angekündigt.
DER INHALT:
„Kala: In den Fängen der Wambuli" Die Story von Levin Kurio besteht aus den zwei Teilen „Der Plan des Hexendoktors"(15 Seiten) und „Eine Stadt aus Knochen"(21 Seiten). Beim ersten Teil stammen die Reinzeichnungen von Damir Hamidovic, beim zweiten Teil hat er alles komplett selbst gestaltet. Bei der bereits aus anderen Weissblech-Heften bekannten Kala handelt es sich um eine spärlich bekleidete Kriegerin, die allein auf ihrem treuen Saurier Tyr durch eine unzivilisierte Urzeit reitet und schon allerhand erlebt hat. Nach längerer Wanderung erreichen Kala und Tyr ein „weites, freundliches Land" (S.5), so jedenfalls wird es in der wortreichen Einführung genannt. Hier wollen Kala und ihre Echse zunächst bleiben - sie selbst sucht nach Früchten und lässt den Saurier ein wenig jagen. Sie ahnen nicht, was sich gerade in der scheinbar friedlichen Landschaft abspielt: Krieger namens „Wambuli" jagen einen Saurier, den sie „Hornkopf" nennen, in eine Falle und benutzen dafür zwei kleine Raubsaurier, die ihnen offenbar gehorchen. Den Todesstoß versetzt der Beute niemand geringeres als Wambul, der wohlgenährte Anführer und offensichtliche Namensgeber der Wambuli. Eine erfolgreiche Jagd also, die nur dadurch möglich ist, dass Wambuls „Echsenmeister" Mokku den zwei hilfreichen Saurier eine Menge einer „Medizin" verabreicht hat, die diese gerfügig macht. Doch Wambul denkt an die Zukunft und würde seine Macht gern noch weiter ausbauen. Da er sich sicher ist, den Ruf einer großen Donnerechse - gemeint ist Tyr - gehört zu haben, will er dieses Tier ebenfalls „zähmen" und für seine Zwecke nutzen. So wird denn ein Trupp ausgesandt, dem es tatsächlich gelingt, Tyr einzufangen. So endet der erste Teil; anfangs des zweiten sehen wie Kala, wie sie sich Wambuls riesigem „Kral" nähert, um ihren Saurier-Kumpan rauszuhauen...„Xydoon spricht" Die sechsseitige Story wurde ebenfalls von Levin Kurio erdacht und von Klaus Scherwinski sehr gut ins Bild gesetzt. Eine zunächst nicht identifizierte Stimme berichtet aus dem Off: offenbar wartet der Sprecher in einer unwirtlichen Landschaft darauf, dass endlich jemand zu ihm kommt. Da landen zwei Forscher, die offenbar die Beschaffenheit des Bodens untersuchen sollen. Am Eingang einer Höhle finden sie die Leiche eines Alien und sind begeistert über diesen Fund. So begeistert, dass sie sich weiter in die Höhle wagen, und dass obwohl der Leser ahnt, dass die merkwürdige Stimme, die sich nach Kommunikation sehnt, genau von dort kommt...
„Der letzte Kuss - eine Argstein-Sage" Die Story stammt von Zeichner Eckart Breitschuh und Autor Josef Rother. Die beiden haben zusammen auch den Ehapa-Band „Argstein - das Gesetz des Waldes" (2007) gestaltet. Hauptfigur bei „Argstein" ist der mächtige Förster Gereon, der sich scheinbar als einziger den übernatürlichen Kreaturen, die den Argstein-Wald unsicher machen in den Wag stellen kann. Grund für die Anwesenheit der gefährlichen Fabelwesen im Wald von Argstein ist, dass vor vielen Jahren Fürst Ruprecht zur Befriedigung seiner Jagdleidenschaft einen Pakt mit dem „Roten" (dem Teufel?) einging, der ihn letzlich in den Wahnsinn trieb und dafür sorgte, dass der „Rote" weiterhin seinen Nachfahren dient. Was alles im Argstein-Wald lauert, kann jeder in „Argstein - das Gesetz des Waldes" nachlesen. Die aktuelle Geschichte beginnt damit, dass der Förster abends von einem gewissen Wenzel um Hilfe angefleht wird. Wenzel berichtet, dass eine „böse Trudel" hinter ihm her ist, und Gereon will natürlich genau wissen, was passiert ist. Wenzel war mit zwei weiteren Männern bei der langwierigen Arbeit auf der Alm, wo man sich in Ermangelung weiblicher Anwesender eine Strohpuppe bastelte, die dank eines Fingernagels der schönen Schankmaid Trudel und etwas Zauberei zum Leben erwachte. Und tatsächlich konnte die erfolgreich animierte Zweit-Trudel alle männlichen Bedürfnisse auf der einsamen Alm zunächst zur vollsten Zufriedenheit erfüllen. Als aber der Sommer zu Ende war und die drei wackeren Männer zurück ind Tal wollten, erwachte bei Trudel 2, die zurückbleiben sollte, die Eifersucht. Die gute verlangte einen Abschiedskuss, der allerdings beim ersten so tödlich ausfiel, dass Wenzel und sein weiterer Kumpan in Panik flohen. Bald ist nur noch Wenzel am Leben und sieht nur noch die Hoffnung, dass Förster Gereon etwas gegen das gefährliche „Tolg" (so die richtige Bezeichnung der Kreatur) tun kann. Eigentlich einfach: Gereon erklärt, das das Tolg nur noch Wenzel zu töten braucht, um auch selbst wieder zu verschwinden. Oder gibt es noch eine bessere Lösung für den armen Wenzel?
ZU DEN ZEICHNUNGEN:
Wenn man das Heft nur mal so durchblättert, wird gleich klar, dass sich die zeichnerische Qualität im Verlauf des Hefts steigert. Los geht's mit der bunten Story um Kala, die von den Zeichnungen her durchschnittlich ist und ihre besten Momente in den Karikaturen von Wambul und seinen Getreuen hat. Optisch sehr gelungen ist Klaus Scherwinskis Beitrag, der mit relativ wenigen Farben auskommt und der gerne etwas länger hätte ausfallen können. In jeder Beziehung richtig proportioniert ist der Argstein-Comic von Eckart Breitschuh - ein tolles Stück Comic, das vor allem in den Bildern aus der vom Kaminfeuer erhellten Stube des Försters eine exzellente Optik bietet. Auch die mörderischen Taten des „Tolg" sind hervorragend eingefangen - einfach eine Super-Story mit einem charismatischen Helden, von dem ich gern noch mehr lesen würde.
DATEN:
„Welten des Schreckens" 1 Zeichnungen von Levin Kurio, Klaus Scherwinski und Eckart Breitschuh Texte von Levin Kurio und Josef Rother 68 Seiten in Farbe, Format 16,7 mal 24,1 cm, Softcover Weissblech-Comics 2009 ISBN 978-3-86959-007-3 Preis: 7,80 Euro Ein Abo über vier Hefte kostet 30 Euro. www.weissblechcomics.com
INSGESAMT:
Der Auftakt der neuen Reihe „Welten des Schreckens" kann mich weitgehend überzeugen, vor allem weil der Comicanteil so hoch ist und damit auch die Gelegenheit besteht, etwas längere Stories zu präsentieren, ohne deshalb auf Fortsetzungen zu setzen. Das wäre bei einer Publikation, die nur zwei mal im Jahr erscheinen soll, auch schwer zu ertragen. Äußerlich wirkt das Heft dank der Softcover-Bindung solide und lädt im lesefreundlichen Kompaktformat jeden Interessierten in Weissblechs neue Welten ein. Inhaltlich bleiben die Kreativen hoffentlich dem Übertitel „Packende Geschichten aus dem Reich der Phantastik" treu, wie sie es in diesem ersten Heft erfolgreich bewerkstelligt haben. So gibt es drei sehr verschiedene „Welten des Schreckens" im Heft, deren Zusammenstellung für einigen Reiz sorgt. Da gibt es Kalas graue Vorzeit, die unwirtliche Science-Fiction-Landschaft in der „Xydoon"-Story und zum krönenden Abschluss die grausame Welt des Försters von Argstein. Dazu kommt, dass Klaus Scherwinski und Eckart Breitschuh auch zeicherisch voll überzeugen.
Auch Levin Kurio gebührt großes Lob, weniger als Zeichner (das können die eben genannten einfach besser), sondern eher als Ideengeber und treibende Kraft hinter dem Weissblech-Verlag und seiner neuesten Schöpfung. Ich jedenfalls würde mich über weitere Nummern dieser Reihe freuen und gerne noch weitere „Welten des Schreckens" kennen lernen.
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