OP und Erlebnisse in der Kinderklinik

2  15.09.2003

Pro:
manche Dinge müssen eben sein

Kontra:
Klinikalltag für Kind u .  Eltern schrecklich

Empfehlenswert: Nein 

MikaSk

Über sich:

Mitglied seit:30.10.2001

Erfahrungsberichte:48

Vertrauende:3

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Eine traumatische Erfahrung – mehr für mich noch, als für meinen Sohn liegt hinter uns. Wir beide erlebten und "überlebten" eine Operation und den Klinikalltag in der Kinderklinik in Worms. Doch ich erzähl euch lieber alles von Anfang an......

Mitten in den diesjährigen Sommerferien, besuchten wir den Barfußpfad in Bad Sobernheim. Während unser Sohn so mit kurzer Hose vor uns herlief, fiel uns zum ersten mal die riesige Beule in seiner linken Kniekehle auf.
Als die Stelle am nächsten Tag noch genauso dick war ging ich mit ihm zum Kinderarzt. Die Urlaubsvertretung unserer sehr netten Ärztin, machte einen Ultraschall und meinte dann, das wäre eine Zyste und die müsste weggeschnitten werden. Sehr diplomatisch! Mein Sohn –8 Jahre alt – reagierte natürlich leicht panisch.

Wir wurden zum Orthopäden überwiesen, der sofort eine Kernspinntomographie anordnete. Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass die Zyste mit großer Wahrscheinlichkeit völlig harmlos sei, dass mein Sohn aber einen Defekt am Knorpel im Knie habe, der, wenn er nicht operativ behandelt würde, zu Arthrose in jungen Jahren führen könnte.

Den nächsten Termin hatten wir dann im Krankenhaus beim Oberarzt der orthopädischen Abteilung. Er bestätigte das, was man uns schon erzählt hatte und riet uns ebenfalls zu dieser OP, bei der er dann die Hühnereigroße Zyste gleich mit entfernen würde. Der Mann machte einen kompetenten und freundlichen Eindruck und versprach uns die OP selbst durchzuführen. Trotzdem waren wir hin und hergerissen. Wir holten uns noch eine weitere Meinung eines befreundeten Arztes ein – aber auch dieser riet uns die OP machen zu lassen.

Der Termin rückte immer näher und unser Sohn hatte klar, etwas Angst davor, hielt sich aber wacker. Wir dagegen schlugen uns die Nächte um die Ohren und überlegten, ob wir diesen Schritt wirklich gehen sollten. Für alle die keine Kinder haben ist das wahrscheinlich nicht nachvollziehbar, aber wir haben die Verantwortung für unser Kind, das wir zudem lieben seit wir es das erste Mal auf einem kleinen Ultraschallbild als Ungeborenes gesehen haben.

Dann kam der Tag, an dem wir in die Klinik mussten. Unser Kleiner ging am Vormittag noch zur Schule, ich zur Arbeit und dann fuhren wir zusammen in die Klinik. Ich hatte alles eingepackt, was wir beide so benötigen würden.
Doch schon bevor der Arzt kam, erklärte mir die Schwester, dass ich nicht bei Alexander übernachten dürfte. Stop! Das ist eigentlich falsch – sie sagte, dass ich kein Bett bekommen würde. Ich könnte natürlich auf einem Stuhl am Bett meines Kindes übernachten. Die Stühle waren zudem ungepolsterte Holzstühle, sowieso hervorragend geeignet, für alle Eltern, die von morgens bis abends am Bett ihres Kindes saßen. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, eine Nacht auf so einem Stuhl zu verbringen.

Als unser Sohn mitbekam, worum es ging, erklärte er mir, ich könne ruhig nach Hause gehen – er würde das schon alleine schaffen. Mir blutete das Herz! Er hatte noch nie alleine irgendwo übernachtet. Immer musste seine große Schwester mit und nun wollte er mir eine unbequeme Nacht ersparen. Ich kam mir vor wie ein Verräter! Ihm stand das erste Mal im seinem Leben eine OP bevor, und ich sollte ihn alleine lassen. Auf der anderen Seite, dachte ich an den nächsten Tag, wenn er mich nach der Narkose brauchen würde. Was würde es ihm bringen, wenn ich total übernächtigt zu nichts zu gebrauchen war???

Ich wartete dann bis er um 10 Uhr eingeschlafen war und bat die Nachtschwester mich sofort anzurufen, wenn er nachts nach uns verlangen würde. Als Antwort schaute sie mich fragend an und sagte: Zu jeder Zeit? - So was Blödes! Natürlich!!!
Am nächsten Morgen war ich dann mehr oder weniger ausgeruht (Schlafen konnte man das nicht nennen), um 6 Uhr wieder in der Klinik.

Unser Kleiner wartete schon auf mich und versicherte mir, ganz gut geschlafen zu haben. Nach dem Wecken ging es Schlag auf Schlag! Nachdem er seinen Beruhigungssaft erhalten hatte lag er ziemlich schlaff auf dem Bett und konnte nicht mehr richtig reden. Es war mehr ein Lallen und er wusste hinterher auch nichts mehr von dieser Zeit vor der OP.

Um 7.40Uhr wurde er bereits abgeholt und ich musste mich von ihm verabschieden. Ein beschissenes Gefühl!
Die OP sollte laut Arzt eine halbe Stunde dauern, danach käme er in den Aufwachraum. Um 9.30 Uhr fragte ich bei den Schwestern mal nach. Sie hätten noch nichts gehört, sagten sie. Um 10.00 Uhr fragte ich, ob sie denn nicht mal nachfragen könnten wie es ihm ginge. Stets hatte ich das Gefühl, dass meine Bitten lästig sind und dass ich die einzige Mutter bin, die sich so „anstellt“.
Die Schwester rief dann im Aufwachraum an und sagte mir, dass er noch nicht mal dort drin wäre – er wäre wohl noch im OP.
PANIK machte sich breit. Warum war er noch im OP? Der Eingriff sollte doch nur eine halbe Stunde dauern? Gab es irgendwelche Komplikationen?
Ich kann meine Gefühle gar nicht in Worte fassen und ich wünsche keinem eine solche Situation. Ich hab echt auf dem Balkon der Klinik gestanden und geheult und mich unendlich allein gefühlt. Meinem Mann, den ich dabei anrief ging es nicht besser und wir beide waren dieser riesigen Maschinerie Krankenhaus ausgeliefert, in der keiner bereit war einem wenigstens ein bisschen beizustehen oder mal irgendwo nachzufragen.

Kurz darauf rief die Schwester dann auf mein Bitten noch mal im Aufwachraum an und diesmal lag unser Sohn dort – aber das war auch die einzige Information, die ich bekam. Keine Auskunft wie es ihm ging oder wie die OP gelaufen war. Erst um 11.45 Uhr, also 4 Stunden, nachdem sie ihn geholt hatten, wurde er wieder aufs Zimmer gebracht. Er war sooo tapfer! Kein Weinen und kein Jammern, obwohl ihm das Bein wehtat und es ihm nach der Narkose schlecht war.

Am Nachmittag schlief er noch einmal fest ein und ich war froh für ihn, denn so konnte er sich am besten erholen. Das war auch deshalb möglich, da wir im Zweibettzimmer nun alleine waren. Mein Mann hatte mir von zu Hause einen Gartenstuhl mitgebracht und so fielen langsam die Anspannungen des Vormittags auch von mir ab.

Am Nachmittag kam außer einer schnellen Visite der Orthopäden, eine Schwester herein, die darauf bestand, dass wir in ein 4-Bett-Zimmer wechselten. Ich versuchte das zu verhindern, da ich der Meinung bin, dass ein frischoperiertes Kind noch etwas Ruhe gebrauchen kann und wir es sowieso alle etwas ruhiger bevorzugen. Zudem hatten wir eine Zusatzversicherung, die uns ein Einbettzimmer ermöglichte. Das allerdings, kann man in der Kinderklinik in Worms alles vergessen. Einbettzimmer bekommt dort keiner und wir wurden auch trotz unserer Bitten in ein 4-Bett-Zimmer verfrachtet.

Es war ein echter Albtraum! 4 Kinder in einem Zimmer – eines in Begleitung seiner Mutter, die, da ihr Sohn erst 5 war, ein Bett hingestellt bekam. Enge pur! Man stelle sich das ganze Zimmer dann noch mit Besuch gefüllt vor und das mit meinem Kind, dass nicht aus dem Bett konnte. Am Abend des zweiten Tages, den wir so verbrachten, war ich echt am Rande des Nervenzusammenbruchs. Wieder von morgens bis abends am Bett meines Sohnes, konnte ich diesen Geräuschpegel nicht mehr ertragen. Meinem Sohn ging es nicht anders – er beschwerte sich schon, dass er Kopfweh von dem Lärm habe. Nachts konnte er zudem nicht schlafen, weil ein Kind im Schlaf sprach und ein anders schnarchte.

Auf meine Bitten uns doch in ein anderes Zimmer zu schieben reagierte das Personal mit absoluten Unverständnis und jedes Mal mit dem Hinweis, dass das eben nicht ginge. Warum, konnte mir keiner erklären, denn es waren die Hälfte der Zimmer auf dieser Station leer! Ich bettelte dann förmlich um einen Rollstuhl, damit wir wenigstens das Zimmer verlassen konnten, wenn es uns gar zu viel wurde. Eine Schwester sah mich ganz irritiert an, und meinte ich solle doch einfach mal ein paar Stunden nach Hause gehen, wenn mir das alles zuviel würde. WITZIG! Ich würde mein Kind doch nicht alleine lassen. Am Wochenende setzte sich allerdings dann mein Mann mal einen Tag zu unserem Sohn und ich konnte mal ein bisschen verschnaufen. Zum Glück verheilte die Naht gut und es stellten sich keine weiteren Komplikationen ein, so dass wir am 6.Tag nach Hause gehen durften.

Wir waren alle 4 überglücklich, dass wir der Kinderklinik den Rücken kehren durften. Mit Sicherheit gibt es viele nette Schwestern, die Kinder gerne mögen und ihren Job auch gut machen, aber die wenigsten können auf Menschen eingehen und sich mitfühlend und menschlich verhalten. Manches wäre so viel einfacher, wenn man ein bisschen mehr auf die Bedürfnisse anderer eingehen würde. Denn immerhin, können sie ja froh sein, dass wir Mamis jeden Tag bei unseren Kindern sitzen, mit ihnen spielen, sie ruhig halten, Fieber messen, mit ihnen zur Toilette gehen, die Brechschüssel halten, ihnen das Essen schneiden/schmieren......und so vieles mehr, was sonst die Schwester tun müsste.

Dass man dann noch in solchen Einrichtungen nicht einmal bequeme Stühle für die Eltern hinstellen kann, wenn das Übernachten durch die Krankenkassen anscheinend schon nicht möglich ist – das verstehe ich nicht! Ich würde den Alltag in der Kinderklinik gerne mal ohne die Eltern erleben – dann müsste man wohl noch etliche Schwestern mehr einstellen. Das sollte sich die Klinikleitung mal durch den Kopf gehen lassen.

Bei unserem Sohn entwickelt sich zum Glück soweit alles gut. Die Bakerzyste wurde entfernt, hoffentlich so, dass sie nicht mehr nachwächst und der Knorpel wurde angebohrt. Er darf immer noch nicht laufen und humpelt also entweder auf Gehhilfen durch die Gegend oder lässt sich von mir in einem Rollstuhl spazieren schieben. Ich hoffe, dass wir in 4 Wochen alles überstanden haben.

Allen die diesen Bericht bis hierher gelesen haben, wünsche ich, dass ihre Kinder niemals ins Krankenhaus müssen oder aber, dass sie es mit der Wahl des Krankenhauses besser erwischen.
Uns Beide hat es noch mehr zusammengeschweißt und die Mutter/Kind Bindung erheblich gestärkt. Geholfen hat mit Sicherheit zudem, dass wir immer ganz offen mit ihm über alles gesprochen haben. Wir haben all seine Fragen ehrlich beantwortet und so konnte er sich auf alles was ihn erwartete einstellen. Dennoch bin ich froh, dass diese Erfahrung nun hinter uns liegt und ich muss das auch nicht unbedingt noch einmal wiederholen.


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
kein_Blatt_vorm_Mund

kein_Blatt_vorm_Mund

29.09.2003 17:59

Hallo Mika, das war ja eine furchtbare Erfahrung! Wenigstens hat sie Euch in Eurem Zusammenhalt gestärkt. So ist eben unser Gesundheitssystem - ein Negativbeispiel... Liebe Grüße, Stefan

Waldweg

Waldweg

15.09.2003 18:33

Ich musste mit meinen beiden größeren auch jeweils einmal ins Krankenhaus. Julia hatte einen Leistenbruch, und Carina einen gebrochenen Arm. Aber ich hatte bei beiden Malen viel bessere Erfahrungen gemacht...

BiancaO

BiancaO

15.09.2003 12:46

Was für eine furchbare Erfahrung. Ich wünsche euch allen gute Besserung. LG Bianca

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 1024 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. nicki28
  2. togri
  3. Wuschel111
und weiteren 36 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.