Schreck in der Nacht

1  30.04.2003

Pro:
nur eine Schlafstörung namens  " Nachtschreck"

Kontra:
Schreck für die Eltern

Empfehlenswert: Nein 

Majali

Über sich:

Mitglied seit:27.04.2003

Erfahrungsberichte:142

Vertrauende:99

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 94 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es ist 23.30 Uhr und gerade habe ich mein Buch weggelegt...da geht es wieder los. Meine Tochter weint und ruft nach mir. So schnell wie möglich eile ich in ihr Zimmer und setze mich zu ihr ans Bett. Sie sitzt, die Augen sind zu und sie ist ganz naß geschwitzt.
" Was ist denn los, meine Kleine? " versuche ich ruhig auf sie einzureden und hoffe, daß es heute wirkt.
Nein, es ist wieder soweit, sie ruft weiterhin nach mir: "Mami, Mami!" und weint weiter.
Ich überlege und greife in meine Trickkiste, die inzwischen schon ziemlich lang ist.
Ich rede nur mit ihr, ganz ruhig, frage sie, ob sie auf Toilette muß oder trinken will. Sie wird wütend: " Nein! Mama nein!"
Trick 1 hat nicht geklappt...

Ich streiche ihr über den Kopf, ganz zärtlich und sage: " Mama ist da, meine Kleine ! Du brauchst nicht weinen, hab´keine Angst!".
" NEIN, NEIN, NEIN ! " schreit sie und haut um sich.
" MAMI,NEIN!".
Trick 2 hat nicht geklappt...

Ich mache das Licht an und versuche weiter sie zu beruhigen...sie schreit wie verrückt.
Trick 3 hat nicht geklappt...

Ich mache das Licht wieder aus und nehme sie in den Arm. Sie währt sich mit Leibeskräften und macht plötzlich in die Hose.
Ich bleibe ruhig und mache sie sauber und ziehe ihr eine neue Hose an.
Der Spuk ist vorbei, heute hat keiner der Tricks etwas genützt aber nach nun 15 Minuten ist alles auf einmal vorbei. Gott sei Dank. Ich lege mich neben meine Maus und sie kuschelt sich ganz fest an mich und schläft sofort ein.

*****************************************************
Meine Tochter ist fast 4 Jahre alt und seit ca. 2 Jahren kommen solche Nächte immer mal wieder vor. Manchmal 3 Nächte hintereinander, manchmal monatelang gar nicht.
Am Anfang wußte ich überhaupt nicht, was mit ihr los ist und wie ich reagieren soll. Es hat mir sehr weh getan, wie abweisend sie sich gegen mich und auch meinen Mann verhalten hat.
Wir haben sonst kaum Schwierigkeiten mit ihr. Sie ist ein ausgesprochen liebes Kind.
Ja, und dann nachts so ein Verhalten.
Irgendwann war ich dann mit ihr beim Kiarzt ( das hat allerdings ziemlich lange gedauert, denn ich wußte nicht, wie ich dieses Thema ansprechen sollte. Wenn man heute jemandem von einem solch abweisenden Verhalten eines Kindes gegenüber seinen Eltern berichtet, wird er ja gleich das Schlimmste vermuten. ).
Nachdem er sich die Geschichten angehört hatte, beruhigte er mich und erklärte mir, daß meine Tochter unter dem Nachtschreck ( Pavor nocturnus )leidet.

*****************************************************
Was ist Pavor nocturnus?

Der Nachtschreck ist ein normales(!) Schlafphänomen, was schon seit langer Zeit erforscht wird. Es tritt nur in bestimmten Altersperioden auf, meistens zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr.
Es ist keine Verhaltensauffälligkeit und es hat auch keine psychische Ursache. Die Kinder stammen nicht unbedingt aus schwierigen familiären Verhältnissen und es ist auch keine Folge von falscher Erziehung.Es ist nicht gesundheitsschädigend und keine Epilepsie.

Warum kommt es dazu?

Das Kind wacht aus dem Tiefschlaf unvollständig auf. Meistens tritt es ein bis drei Stunden nach dem Einschlafen auf.
Oft tritt es nach einem aufregenden Tag auf, an dem das Kind vielen ungewöhnlichen Reitzen ausgesetzt war. Die Verarbeitung des Erlebten im Schlaf, kann sich dann als schwierig erweisen und es kann zum Nachtschreck kommen.

Wie erkennt man den Nachtschreck ?

~ weit geöffnete Augen des Kindes
~ es reagiert nicht auf die Elten
~ es ist verwirrt, weint oder schreit
~ das Kind ist angespannt, hat Angst oder ist wütend
~ der Puls rast
~ das Kind schwitzt stark
~ es läßt sich durch nichts wecken oder beruhigen

Nach zehn bis fünfzehn Minuten ist alles vorbei, einfach so...am nächsten Tag erinnert sich das Kind an nichts.

Wie können Eltern reagieren ?

Da sich das Kind weder wecken noch beruhigen läßt, können die Eltern das Kind nur vor Verletzungen schützen. Ansonsten müssen sie einfach den Anfall abwarten...so schwer das auch ist.

Tips und Tricks von mir:

~ das Kind, wenn möglich, einen Mittagsschlaf machen
lassen, damit es in der Nacht nicht zu tief
schläft
~ mit dem Kind vor dem Schlafengehen ein langes
Gespräch führen: Was hat es am Tag erlebt? Was
beschäftigt es noch? Was hat ihm viel Spaß gemacht?
Dabei das Kind viel sprechen lassen und aufmerksam
zuhören.
~ immer dasselbe "Insbettgeh´- Ritual" einhalten
~ das Kind mit beruhigenden Worten verlassen

Alles Gute, Majali

PS.: Seit ich weiß, woran meine Tochter nachts leidet, kann ich viel, viel besser damit umgehen und bin ruhiger und gelassener. Trotzdem hoffe ich fast jeden Abend, daß sie die Nacht in Ruhe durchschlafen kann....

Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
wechmida

wechmida

10.01.2006 19:32

Einer von unseren Zwillingen hat nachts auch immer so ein furchtbares "Sirenenheulen" angesetzt. Es war dann auch schnell vorbei. Aber wenn´s mehrmals pro Nacht vorkam, war´s auch mit meinem Schlaf schnell mal ganz vorbei.

kdkf

kdkf

26.07.2005 23:49

unser sohn hat auch diesen nachtschreck gehabt ( bis 5 jahre) unsere jüngerer tochter ist gänzlich davon verschont geblieben. wir wußten anfangs auch nicht, was da passierte, aber wir haben automatisch das richtige gemacht, aufgepaßt, daß nichts passieren konnte. nach einem herzzerreißenden gähner fiel er ins kopfkissen zurück und schlief als ob nie was gewesen war....

michay

michay

09.01.2005 23:26

So ist es bei meinem Sohn nicht, er wacht jede Nacht spätestens um elf auf und brüllt, will dann nicht mehr allein in seinem Bett schlafen, sondern immer mit zu uns. Das macht mich in letzter Zeit ziemlich fertig, denn wir können alle nicht richtig schlafen da er sich rum wälzt, rum krabbelt einen an den Haaren zieht. Ich will mein Bett auch mal wieder für mich allein eine ganze Nacht, aber keine Chance, er brüllt jetzt fast jede Nacht und willmit zu uns. Keine Ahnung wie das weiter gehen soll. Er war bis zu seinem 13. Monat ein super Schläfer, hat mit 10 Wochen Nachts durch geschlafen. Seit er sein eigenes Zimmer hat schläft er nicht mehr, obwohl die Tür immer Nachts auf ist.

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 3029 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (3%):
  1. kdkf
  2. bienchen34
  3. Andi2409

"sehr hilfreich" von (97%):
  1. Dr.Anne
  2. wechmida
  3. Sirobira
und weiteren 88 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.