Dass ich erst jetzt über unseren Osterhasen berichte, hat seine Gründe. Mir ist es schon als Kind schwer gefallen, Figurales zu essen. Meine Mutter erinnerte sich mit Schaudern an meinen „Hansi“, einen großen, in silberne Folie eingewickelten Schokoladehasen, der über Jahre in der Hausbar meiner Eltern aufgehoben werden „musste“, bis meine Mutter ihn schließlich entsorgte, weil, wie sie sagte, schon die Würmer in ihm hausten ...
Fast schon ein kleines Kunstwerk
Dieses Jahr hat sich wieder ein – besonders schönes, stattliches - Exemplar von Osterhasen bei mir eingefunden. Er wurde uns von den Eltern meines Lebensgefährten verehrt und durfte während der Osterfeiertage bei uns am österlich geschmückten Tisch stehen und mit uns Ostern feiern.
Seine Wiege stand allerdings in Oberösterreich, genauer gesagt, in einem Ort namens Allhaming, der mir bislang völlig unbekannt war. Wieso sich dieses Häschen nach Wien verirrt hat, wird dieser Bericht zeigen ...
Es war ein wirklich süßes Häschen aus Milchschokolade - wie man ja auf den Fotos zu diesem Bericht deutlich sehen kann -, verziert mit weißer und gefärbter Schokolade – fast schon ein kleines Kunstwerk der hohen Chocolatierskünste. Kein Wunder, stammt er doch von einem der großen und innovativen österreichischen Chocolatiers, nämlich Helmut Wenschitz.
Farbige Schokolade, wie sie hier in Form der Möhre vorhanden ist, habe ich auch noch nie erlebt - wie man so etwas macht, kann ich nicht sagen, vielleicht mit einem hohen Marzipananteil. Sieht jedenfalls toll aus, weil die Farben so schön sind.
Ein wenig über die Confiserie Wenschitz
Die Wurzeln der heutigen Confiserie Wenschitz GmbH in Allhaming / Oberösterreich (Bezirk Linz-Land - ich habe von diesem Ort wie gesagt bisher noch nie etwas vernommen) reichen zurück bis ins Jahr 1890. Damals gründete Karl Wienerroither, der Urgroßvater von Helmut Wenschitz, dort eine Bäckerei in einem Bauernhaus, die 1920 von seinem Sohn weitergeführt wird. 1956 übersiedelt die Bäckerei auf den heutigen Standort und wird von Maria Wenschitz (geborene Wienerroither) und ihrem Mann Josef betrieben.
Das Erfolgrezept von Helmut Wenschitz
1990 eröffnet Helmut Wenschitz eine Kaffee-Konditorei-Confiserie in Wels und beginnt in der Backstube in Allhaming mit seiner Pralinenproduktion. Der gelernte Bäcker und Konditormeister beschäftigt inzwischen zwanzig MitarbeiterInnen. Seine Frischpralinen und Trüffel sind handgefertigt und international prämiert. Absolute Frische, feinste Zutaten und edelste Rohstoffe sind das Erfolgsrezept der Wenschitzer Schokolademanufaktur.
Wo erhältlich?
Die Kreationen von Maître Chocolatier Helmut Wenschitz sind online, aber auch an verschiedenen Standorten erhältlich. Allen voran natürlich in der Confiserie Wenschitz in Allhaming, aber z. B. auch in ausgewählten Verkaufsstellen wie dem „Weinstöckl“ in Prien am Chiemsee oder in den „Schokotheken“ in Wien - allerdings natürlich nicht das volle Sortiment. Frische, einzeln erhältliche Pralinen habe ich z. B. in der "Schokothek" noch nie gesehen - leider, denn dafür ist die Confiserie Wenschitz ja berühmt.
Was unser Osterhase gekostet hat, weiß ich natürlich nicht. Im Onlineversand von Wenschitz habe ich aber zur Orientierung gesehen, dass z. B. eine Packung mit 0,108 kg Pralinen € 11,90 kostet. Das entspricht einem Grundpreis von € 107,41 pro kg.
Gestatten, Hase mit Möhre - Zutaten
Ich schreibe immer „Osterhase“ – tatsächlich heißt unser niedlicher Nager „Schokohase mit Möhre“. Er ist 150 g schwer und besteht aus Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Mandeln, Emulgator: Sojalecithin, Vanille, E 124. Vom Kakao sind mindestens 33% in der Vollmilch-Schokoladenkuvertüre. Der Hase kann auch Spuren von anderen Nüssen enthalten.
Aussehen
Unser Langohr ist in durchsichtiges Zellophan verpackt, das oben mit einer gelben Schleife zusammengebunden ist. Der Hase selbst sieht ausgesprochen putzig aus – wie ein Comic-Hase – mit großen Augen, breiten Hamsterbacken und einem lieben, lustigen Gesicht. In seinen Pfoten hält er eine gelbe Möhre, an der noch ein Büschel grüne Blätter hängt. Der Hase ist sehr aufwendig gestaltet. Die Augen sind teilweise aus weißer Schokolade, ebenfalls die Schnauze und die Unterseite der unteren Läufe sowie das Schwänzchen. Augen und Nase sind plastisch durch dunkle Schokoladeteile hervorgehoben, die Barthaare, Ohren, Gesichtszüge und Pfoten sind reliefartig geformt.
Vorne findet sich ein Etikett mit der Aufschrift Wenschitz.
Eigentlich ist er viel zu schön zum Vernaschen, finde ich. Laut Haltbarkeitsdatum wäre er bis 1.6.2012 „mindestens haltbar“. Nun ja, da müssen wir ihn ja nicht schon im April essen …
Das Schicksal schlägt grausam zu
Je länger das putzige Kerlchen da so herumsteht, umso mehr wächst es mir ans Herz. Aber dann schlägt das Schicksal zu. Anfang Mai klettern die Temperaturen bereits auf über 30° C hinauf! Eines schönen Tages kommen wir vom Einkaufen und – ja, was ist denn das??? Unser Hase ist buchstäblich „zerflossen“. Weder Gesicht noch Möhre sind noch auszumachen, nur kleine Farbspuren in einer ansonsten eher unförmigen Milchschokolademasse. Dabei hätte ich für diesen Bericht ganz gern noch ein Foto von diesem freundlichen Gesellen ohne seine Zellophanhülle gemacht. Damit ist es freilich nun vorbei. Dafür hält uns nun nichts mehr davon ab, diese abstrakte Schokoladeskulptur zu essen.
Aber schließlich doch ein süßes Ende
Hätte ich gewusst, wie lecker dieser Wenschitz Hase ist, hätte ich wahrscheinlich schon früher schonungslos zugebissen … Ich bin ja an sich kein Fan von süßer Milchschokolade. Aber diese ist wirklich besonders gut. Dass sie leicht schmilzt, hatte sie ja schon bewiesen. Der Duft ist zart, süß, lieblich nach Milchschokolade und Vanille. Und der Geschmack einfach köstlich! Selbst in diesem derangierten Zustand merkt man noch, dass die Vollmilchschokoladenkuvertüre relativ dick war. Die Schokolade ist ziemlich weich, zergeht im Mund sofort und schmeckt herrlich nach bester Milchschokolade. Die Konsistenz ist fast nougatartig. Ich bin überrascht. Mit so einer herrlichen Milchschokolade hätte ich nicht gerechnet. Oft sind ja gerade Osterhasen oder Weihnachtsmänner nicht aus allerbester Qualität.
Wie gesagt: Ich bevorzuge an sich herbe, dunkle Schokolade, aber bei einem Osterhasen muss es einfach milchig und süß sein, wobei die Süße hier selbst für mich akzeptabel ist, weil sie nicht diese Penetranz hat, die man oft bei billigen Schokoladen findet. Von den Mandeln sieht man zwar nichts, aber dafür schmeckt man sie umso mehr – zwar nicht vordergründig, aber sanft und unaufdringlich. Das gilt auch für das feine Vanillearoma.
Essbare Osterhasen wenden sich naturgemäß auch an Kinder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Kind gibt, dem dieser Hase nicht gut schmeckt.
Das Geheimnis dieser Schokolade ist vor allem die Harmonie der Zutaten und die zart schmelzende, weiche Konsistenz.
Der fast cremig-sahnige Geschmack bleibt auch relativ lange erhalten – macht aber auch Lust auf mehr …
Ich muss mich zwingen, die 150 g nicht auf einmal aufzuessen. Der „Wenn ich nur aufhören könnte!“-Faktor ist wirklich mehr als hoch und verlangt einem alle Disziplin ab.
Andererseits soll eine so gute Schokolade entsprechend genossen werden – das heißt, nicht einfach „heruntergeschlungen“, sondern eher in kleinen Bissen verzehrt werden. Aber trotz aller Vorsätze haben die 150 g nicht lange gehalten. Am zweiten Tag war kein Krümelchen mehr übrig.
Der Hase mit Möhre wird – wenn überhaupt – natürlich erst nächste Ostern wieder oder in anderer Form erhältlich sein.
Ich habe durch ihn aber die Schokolade von Wenschitz kennen gelernt und werde mir diese Marke merken und – falls mir einmal zufällig irgendwo andere Produkte von Wenschitz unterkommen - gern auch Pralinen, Trüffel und Schokolade kosten.
5 Sterne von mir und eine Kaufempfehlung.
Schön wäre es natürlich, die Herkunft der Rohstoffe zu erfahren und ob sie fair gehandelt wurden - davon steht bei der Produktbeschreibung leider nichts.
Confiserie Wenschitz GmbH
A-4511 Allhaming 47 / Tel.: +43 7227/7115 / Fax: +43 7227/21044
mail: office@wenschitz.at
www.wenschitz.at
(Aus der Homepage entnahm ich auch einige Daten zur Unternehmensgeschichte)
© DMK 5/12
10.06.2012 11:13
Der ist ja niedlich!!
26.05.2012 19:35
Ich habe auch noch Osterhasen, die ich essen muss. LG :)
18.05.2012 10:18
Wie grausam...Ihr habt das süße Häschen einfach so vernascht..:-)