Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise / Precht, Richard David

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Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise / Precht, Richard David

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Precht, - Wer bin ich, und wenn ja, wie viele

3 15. Sep 2008

Pro:
Umfangreiches Wissen über Hirnforschung und Biochemie .

Kontra:
Trocken, humorlos mit vielen unnötigen Details, die am Thema vorbeigehen .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Aufmachung:

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Kikes220

Über sich:

Mitglied seit:13.06.2008

Erfahrungsberichte:5

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 55 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

** Einleitung **

Als begeisterte Leseratte wurde ich kürzlich, durch mehrere Pressemeldungen auf das Buch " Wer bin ich und wenn ja, wie viele ? " von Richard David Precht aufmerksam. Den Titel an sich fand ich schon witzig und habe mir daher eine unterhaltsame Lektüre erhofft. Seit Wochen befindet sich das Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste. Als faszinierende Reise in die Welt der Philosophie wird es angepriesen, Antworten auf die großen Fragen des Lebens soll es bieten.
Was ist Wahrheit ? Woher weiß ich, wer ich bin ? ( da würde ich, bei Zweifeln doch eher meine Eltern fragen ;o) Warum soll ich gut sein ?
Das ist nur ein kleine Auszug an Fragen, die die Menschheit beschäftigt. Presselob wie ; Klug, humorvoll und unterhaltsam" , sowie " Ein Buch, das die Lust am Denken weckt " und ähnliches konnte man da den Pressemeldungen entnehmen.
Na dann, nix wie her mit dem Teil. Also habe ich mir dieses viel gelobte Werk für 14,95 bei Amazon bestellt. Zufällig konnte ich am Abend des selbigen Tages beim beim Sender WDR den Autoren Richard David Precht im Interview bestaunen.
Einen sympathischen Eindruck jedoch hinterließ der Herr bei mir nicht. Ein schlauer Kopf ( nicht von der Hand zu weisen ) der tatsächlich glaubt, sämtliches Wissen für sich gepachtet zu haben und regelrecht selbstverliebt wirkte. Mit meinen Worten , Ein Schnösel :o)
Von daher war ich nun doch wirklich auf sein Buch gespannt. Dieses kam auch gleich am nächsten Tag mit der Post und so konnte ich loslegen. Mal schauen, was der gute Mann so drauf hat.


** Zum Buch **

Das Hardcover - Design könnt ihr dem Produktfoto entnehmen.

Titel : Wer bin ich und wenn ja, wie viele ?

Autor : Richard David Precht

14. Auflage, 2007
Wilhelm Goldmann Verlag,
Verlagsgruppe Random House GmbH

ISBN 978 - 3 - 442 - 31143 - 9

398 Seiten stark

Preis : Bei Amazon 14,95 €


** Informationen zum Autor **

Richard David Precht, 1964 in Solingen geboren, lebt und arbeitet als Schriftsteller in Köln und Luxenbourg. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Sein Studium in Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte hat er ganz zackig in gerade mal 8 Semestern an der Uni Köln absolviert. Die Promotion schon mit 30 in der Tasche - und immer beste Noten.
1991 - 1995 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Köln. Seit 1994 als Publizist tätig für DIE ZEIT, FAZ, Frankfurter Rundschau, Deutschlandfunk, WDR u.a.
1997 Fellow bei der Chicago - Tribune.


** Eine kleine Auswahl an Auszeichnungen **

Für seine journalistische Arbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen,
Bilder
Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise / Precht, Richard David Precht - Wer bin ich und wenn ja, w
Reise durch die Philosophie
wie z.B. das
Heinz Kühn - Stipendium ( 1999 ) und ein Stipendium des europäischen Journalisten Kolleg
Berlin ( 2000/2001 ).


** Bisherige Veröffentlichungen **

Die gleitende Logik der Seele
( 1996, Metzler ),
Noah`s Erbe
( 1997 Rotbuch / 2000 Rowohlt TB )
Das Schiff im Noor, Roman
( 1999, Limes/ 2001 Goldmann TB ),
Die Kosmonauten, Roman
( 2003, Kiepenhauer & Wisch ),
Lenin kam nur bis Lüdenscheid, Roman
( 2005, Claassen )


** Buchbeschreibung / Inhalt **

Das Buch hat 34 Kapitel, in dem jeweils eine Frage behandelt wird. Ich hoffe auf euer Verständnis, dass ich hier nicht die einzelnen Kapitel aufzähle, der Bericht würde sonst endlos ausfallen. Manche Fragen sind auch so seltsam, dass ich befürchtete, sie könnten euch vom Weiterlesen meines Berichtes abbringen. Wer Interesse an den einzelnen Kapiteln hat, kann sich gerne an mich wenden.

Auf der Suche nach überzeugenden Antworten zu den großen Fragen des Lebens, beschloss Richard Precht, Philosophie zu studieren. Nach dem Warum wollte er fragen, ohne sich mit schnellen Antworten zu begnügen. Jedoch erschienen ihm seine Philosophieprofessoren erschreckend reizlos, zudem bedrückte ihn, wie wirkungslos Hochschulphilosophie war. Es fiel ihm auf, dass es kaum befriedigende Einführungen in die Philosophie gibt, solche, die systematisches Interesse an den großen, übergreifenden Fragen haben.
Er dagegen hofft, ein Buch geschrieben zu haben, das Lust am Denken weckt und trainiert. " Denn lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens ."
Gelistet nach den drei Leitfragen von Immanuel Kant hat Precht 34 Lebensfragen gesammelt und behandelt.
Elke Heidenreich, unser aller Lesetante ( allerdings teilweise mit zweifelhaftem Geschmack ) hat Richard David Prechts Buch mit den folgenden Worten wärmstens empfohlen : " Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan."
Orientierung, Lebenshilfe, Trost und Antworten auf letzte Fragen in einer offenbar haltlosen Zeit soll Prechts Werk dem Leser bieten. Jedem der 34 Kapitel steht eine konventionelle, historische und biografische Erklärung zu den jeweilig gerade behandelten Philosophen vorweg. Über Nietzsche, Freud, Aristoteles, Diogenes, Sokrates u.v.a erfährt man deren Lebensgewohnheiten, die körperlich und psychischen Gebrechen und die jeweils aufgestellten Thesen und Theorien.
Auch andere Berühmtheiten werden vom Autor zitiert, im Register sind sage und schreibe 234 Namen aufgelistet !
Seine Hauptthematik ist der Mensch. Precht beschäftigt sich mit den Fragen, wer wir sind, was der Mensch ist und wie er so Funktioniert. Woher stammen Angst und Freude, wie weit sind wir mit unserer Evolution verbunden ? Diese und ähnliche Fragen winden sich von Kapitel zu Kapitel.
Immer wieder spricht er spannende und interessante Themen an und versucht damit neue Denkanstöße zu geben. Viele Menschen denken über, die im Buch angesprochenen Grundfragen nach. Prechts zitierte, philosphische Gedankengänge sind verzahnt mit Erkenntnissen von Gehirnforschung, Psychologie und Biologie.

** Leseprobe **


Denn Abtreibung und mehr noch Kindermord waren im 18. Jahrhundert gängige Praxis. Grund dafür waren in den allermeisten Fällen sexuelle Vergehen von Dienstherren an ihren Mägden.. Das Problem war dringlich, denn die Tötung von unehelichen Neugeborenen war zwar ein tabuisiertes, aber dennoch allseits bekanntes Problem. An einer anderen Stelle seiner Rechtslehre bringt Kant diesem Kindsmord ein gewisses Verständnis entgegen. Da dieses uneheliche Neugeborene nicht im vollen Umfang frei ist, sondern in den Mutterleib " eingeschlichen ( wie verbotene Ware ) " , setzt er den Kindsmord anderen Kavaliersdelikten, wie etwa einen Mord im Duell, gleich und plädiert für mildernde Umstände.
Mit Kant zu argumentieren, ist heute also überaus problematisch.


** Meine persönliche Meinung zum Buch **

Wie man der kurzen, das Buch betreffend aber aussagekräftigen Leseprobe entnehmen kann, macht es den Eindruck, als ob Kant einen an der Klatsche zu haben schien ! Spätestens auf den Seiten 80 - 90 hatte ich das starke Bedürfnis, dieses Buch in die Tonne zu kloppen, so genervt war ich :o) Auf so obskure Fälle wie den Immanuel Kant in der Leseprobe, stolpert man in dem Werk ständig. Da muss man sich ernsthaft fragen, warum nach diesen Menschen Schulen, Plätze und Straßen benannt wurden, wusste denn früher keiner wie bescheuert die wirklich waren ?
Der Schreibstil des Autoren ist zudem sehr trocken bis humorlos. Ich musste mich wirklich durch diese Lektüre quälen, nicht zu fassen, dass im Umschlagtext dieses Buch doch tatsächlich als " Klug, humorvoll und unterhaltsam " angepriesen wird.
Die rasante Abfolge, mit der die verschiedenen Zusammenhänge präsentiert werden, sowie die auf ein Minimum konzentrierten Autobiografien bekannter Philosophen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse, machen die Lektüre sehr schwer verdaulich.
Jedes Kapitel startet mit einem historischen Abriss einer Persönlichkeit, deren Lebenslauf jedoch wenig zur Beantwortung der vorab gestellten Kernfrage beiträgt. Für mich stellt es eigentlich nicht mehr dar, als eine umfangreiche Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse von Philosophen und Hirnforschern. Immer wieder werden vom Autor vermeintliche Erkenntnisse aufgeführt, um sie dann, einige Seiten später als längst überholt abzutun. Da hat man dann vielleicht gerade, ganz so wie er sich das im Buch wünscht, zum Denken hinsichtlich der gerade gelernten Theorie angesetzt, da kommt der Kerl und sagt : " Ätsch, stimmt ja alles gar nicht."
Precht referiert lediglich über diverse Philosophen und deren
( verschrobene ) Ansichten, bezieht jedoch an keiner Stelle selbst Position, er unterlässt es, seine eigene Sicht der Dinge zu vertreten und darzulegen. Das heißt für mich soviel wie ; er hat Philosophie studiert, hat aber keine eigene Lebensphilosophie ! Was ist da schief gelaufen ? Als er dieses Buch schrieb, hat in ihm der Journalist Precht über den Schriftsteller Precht gesiegt. Dieses Buch zu schreiben, hat ihm gewiss eine Menge Arbeit gemacht, bedenkt man die Recherchen. Man muss sich nur die Literaturnachweise im Anhang anschauen, dann weiß man, wo er abgekupfert hat. Hier wurde nur berichtet, nicht geschrieben, das Buch lässt Tiefe vermissen, persönliches !!
Somit hat Precht mit seinem Buch nichts Neues und Produktives zur Philosophie beigetragen. Es handelt sich bei dem Werk allerhöchstens um ein Buch über Philosophie und keineswegs, wie von Precht angestrebt, um ein philosophisches Buch. Viele große philosophische Fragen und keine Antwort, die den Leser befriedigt zurück lässt.
Ja, es gibt viele Fragen, aber im Grund haben wir die meisten Antworten immer schon gewusst. Wenn man mal richtig über die meisten Philosophen nachdenkt, kommt man zu der Erkenntnis, dass sie es in ihrem Leben nicht mal zu einer eigenen Familie mit Kindern gebracht haben und oftmals früh an Geschlechtskrankheiten und Alkoholismus gestorben sind. Nur aus dem Grund heraus, dass einige mal ein paar weise Worte gesprochen haben, müssen wir uns noch lange nicht vor ihnen verbeugen. Was sollen denn solche Menschen uns über die Welt erzählen, das können ganz normale Menschen, wie du und ich viel besser.
Precht hat versucht, schrittweise ein ganzheitliches Bild des Menschen aufzustellen, falls das überhaupt jemand vermag, um somit wichtige Lebensfragen zu beantworten.. Beim Versuch ist es leider auch geblieben, sein Buch hat nur bedingt zum Nachdenken angeregt, zum Einschlafen war es dann für mich besser geeignet. Sicherlich wird man durch diese Lektüre nicht dümmer, ein paar neue Erkenntnisse lassen sich daraus durchaus gewinnen.
Denken aber ist was, dass man jemand anderen nicht für sich erledigen lassen kann.
Wer kompaktes " Wissen " im Schnelldurchlauf wünscht, liegt mit dem Buch schon richtig, ein wenig Vorwissen im Bereich Philosophie ist jedoch nötig. Bedingt geeignet ist es eventuell noch für Philosophiestudenten, deren Denken bisweilen sowieso schon ein wenig " verschwubbelt " ist.
Von mir erhält dieses Buch von Richard David Precht keine besondere Kaufempfehlung, da es im Prinzip reicht, die Zusammenfassung der Erkenntnisse eines jeden Artikel zu lesen, um sich so die unnötigen Details über die verschiedenen Philosophen und Naturwissenschaftler zu ersparen.
Und wenn ich in nächster Zeit noch einmal die Worte Philosophie und Erkenntnisse lesen oder gar schreiben muss, werde ich garantiert wahnsinnig werden :o) 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Dr.Claudia

Dr.Claudia

28.06.2009 15:46

Der bedauernswerte Autor wurde antiautoritär erzogen, da muss er sich jetzt wohl einiges von der Seele schreiben. LG Claudia

Chaoscrash

Chaoscrash

27.04.2009 12:11

...was wir schon wissen oder wissen könnten brauch uns naträglich nicht noch weis gemacht werden :-)CC

Lilamond

Lilamond

12.02.2009 20:21

Mich hat das Buch auch reichlich enttäuscht - was mitunter auch an meiner Erwartungshaltung gelegen haben mag. Es ist nicht mehr als allenfalls durchschnittlich - und ja, es ist langweiliger Durchschnitt. Habe manchmal den Verdacht, dass der Titel alleine bereits den Ausschlag zum Verkaufserfolg geben kann, dafür gibt es genug Beispiele.

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