gezwungener schutz
06.10.2003
Pro:
guter Vericherungsschutz bei Krankheit, im Alter, bei Unfall oder Arbeitslosigkeit, pünktliche Auszahlung, Rückvergütung bis zu 12 Monaten
Kontra:
verbesserungsbedürftig, veraltetes System, falsche Geldverteilung, unmögliche "Zettelwirtschaft", lange Wartezeiten an den Schaltern, hoher Beitrag
Empfehlenswert:
Ja
 Lady-Alexa
Über sich:
Der Tod kann uns von einem Menschen trennen, der zu uns gehörte. Aber er kann uns nicht nehmen, was ...
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Einen lieben Gruß an alle Leser! Ich erzähle euch jetzt etwas über eine Versicherung, und zwar über die Wiener Gebietskrankenkasse. Dabei handelt es sich um eine Pflichtversicherung, und ich werde versuchen, dieses Thema einwenig zu erläutern. In Österreich sind rund 99% der Menschen durch eine Versicherung geschützt. Die WGKK ist eine Sozialversicherung, mit ihr hat alles zu tun, was die Finanzen des Sozialnetzes betrifft. Das ist eine ziemlich komplizierte und umfangreiche Materie, ich werde versuchen das Wichtigste verständlich zu erklären.
Inhalt: I. WEN BETRIFFT DAS II. WAS KOSTET ES? III. DIE LEISTUNGEN IV. E-CARD V. MEINE MEINUNG FAZIT I. WEN BETRIFFT DAS
Betroffen sind im Allgemeinen alle, die in Wien arbeiten. Wenn der Arbeitgeber in Wien ist, so sind alle Angestellten automatisch bei der WGKK versichert. Dabei ist es egal, ob der Angestellte in Wien lebt oder nicht. Beamte haben eine eigene Versicherung, die BVA - sie sind also nicht betroffen. Ist ein Angestellter von seinem Arbeitgeber bei der Versicherung gemeldet (dazu ist er verpflichtet), so kann man nahe Angehörige kostenlos mitversichern lassen. Das sind Kinder, Ehepartner oder Lebensgefährten. Die WGKK ist eine Pflichtversicherung, daher darf sie niemanden wegen besonderer Risiken abweisen (zB. AIDS-Kranke, Alte, Behinderte, ...). Die Leistungen stehen allen Versicherten zur Verfügung. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber den Privatversicherungen, denen es freisteht, Anträge abzulehnen.
II. WAS KOSTET ES? Die Kinder arbeiten noch nicht, sie stehen in Ausbildung und müssen erhalten werden, die Pensionisten (das sind österreich. Rentner) arbeiten nicht mehr, sie haben Anspruch auf eine Pension erworben. Daher erwirtschaften die Erwerbstätigen das gesamte Einkommen in Österreich.
Die Leistunges der Sozialversicherung werden logischwerweise durch Beiträge finanziert. Diese werden zum Teil vom Arbeitnehmer selbst bezahlt, zum Teil aber auch vom Arbeitgeber. Die genaue Aufteilung der Kosten ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch der Bund beteiligt sich mit einem Teil der Steuereinnahmen an der Sozialversicherung. Ich zeige die Kosten an einem Beispiel, ich gehe von einem Einkommen in der Höhe von 1.500,00€ aus. Davon zahlt einmal der Arbeitnehmer etwas an die Versicherung und der Arbeitgeber zahlt auch noch etwas dazu. Genau aufgeschlüsselt sieht das dann so aus (Lohnsteuer gibts auch noch, die hängt aber vom aktuellen Lohnsteuertarif ab und hat mit der Versicherung nichts zu tun):
Bruttogehalt (Angestellter): € 1.500,00 Sozialversicherungsbeitrag: € 264,75 Dabei gilt folgende Aufteilung der Abgaben an die Sozialversicherung, die von der Höhe des Gehalts unabhängig sind:
+) 3,4% vom Bruttogehalt wandern in die Krankenversicherung, in unserem kleinen Beispiel entspricht das €51,00. +) Die Unfallversicherung zahlt zur Gänze der Arbeitgeber +) 10,25% vom Bruttogehalt fliessen in die Pensionskasse +) 3,0% vom Bruttogehalt landen in der Arbeitslosenversicherung +) 0,5% Kammerumlage +) 0,5% enden in der Wohnbauförderung. (Der Vollständigkeit halber: Der Arbeitgeber zahlt in unserem Beispiel ganze 306,75€ an die Versicherung)
Das Ganze kostet also ziemlich viel, vor allem wenn man bedenkt, dass man keine andere Wahl hat. Nun schauen wir einmal, wofür das Geld denn eigentlich gedacht ist: III. DIE LEISTUNGEN
So, die Aufschlüsselung der Beiträge haben wir nun also gesehen, jetzt schauen wir einmal, wo das Geld denn "an den Mann gebracht" wird: ** Die Krankenversicherung
Die Krankenversicherung trifft Vorsorgemaßnahmen, damit die Menschen erst gar nicht krank werden. Das umfasst Schuluntersuchungen (Impfungen in den Schulen), Arztbesuche usw. Im Krankheitsfall stehen Ärzte, Spitäler und Medikamente zur Verfügung. Auch Mütter benötigen eine besondere Betreuung, vor der Geburt verschiedenste Schwangerschaftsuntersuchungen, nach der Geburt sind Untersuchungen des Kinder vorgeschrieben. Um die Zeit der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit finanziell überbrücken zu können, bezahlt die Krankenkasse ein Krankengeld aus. Die immer besser werdende Medizin kostet natürlich auch mehr Geld. Die Herausforderungen wachsen, und um denen gerecht zu werden, bedarf es eines entsprechenden Finanzierungskonzepts. Auch dazu wird der Versicherungsbeitrag verwendet, zur Weiterentwicklung der Medikamente und der technischen Geräte.
** Die Unfallversicherung Jedes Jahr werden in Österreich etwa 650.000 Unfallopfer medizinisch betreut. Nach schwereren Verletzungen ist oft eine weitere Betreuung notwendig, diese reicht von Heilbehelfen über Rehabilitationsmaßnahmen bis hin zu finanzieller Unterstützung. Die Unfallversicherung dient zur Absicherung bei Arbeitsunfällen, seit 1977 sind jedoch auch Schüler und Studenten in diese Sparte einbezogen. Der Versicherungsschutz gilt also auch in der Schule, am Schulweg oder bei Schulveranstaltungen.
** Die Pensionsversicherung Die Alterspension ermöglicht ein gutes Weiterleben im Ruhestand. Der Lebensstandard soll weiterhin gesichert werden. Menschen, die auf Grund einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall nicht mehr arbeiten können, haben Anspruch auf eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. Da die Sozialversicherung aber sparen möchte, wird viel Wert darauf gelegt, die Menschen lange fit zu halten. Deshalb werden Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge ergriffen zB. Kuraufenthalte.
Die Pension wurde in den letzten Jahren aber immer mehr gekürzt, die Leute zu längerem Arbeiten gezwungen. Daher ist es empfehlenswert eine Privatpension abzuschliessen. Da es immer mehr alte Menschen gibt, kostet das der Versicherung auch mehr Geld. Die Finanzierung der gesetzlichen Pensionen erfolgt im Umlageverfahren, das heisst, sie ausgezahlten Pensionen werden größtenteils durch die Beitragszahlungen der Erwärbstätigen finanziert. Dazu kommt auch noch ein Teil aus allgemeinen Steuermitteln.
** Die Arbeitslosenversicherung Die Arbeitslosenversicherung ist eine eigenständige Einrichtung, die vom Arbeitsmarktservice (AMS) verwaltet wird. Das Geld wandert also von der WGKK zum AMS, von dort wird das Geld zur Vermittlung und Arbeitslosenunterstützung verwendet.
IV. E-CARD Pro Jahr werden in Österreich rund 44 Millionen Krankenscheine ausgestellt. Die Unternehmung "e-card" wurde bereits einige Male verschoben, ursprünglich wurde sie für das Jahr 2000 geplant, mittlerweile wurde sie schon auf 2004 verschoben. Ob das Projekt jemals Wirklichkeit wird, ist wohl ziemlich unsicher.
Die e-card soll Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Versicherungsdaten enthalten. Darüber wird aber noch diskutiert, die Datenschutzfrage ist noch lange nicht geklärt. Es bleibt also zu hoffen, dass uns diese Misere erspart bleibt, wer braucht schon eine Karte? V. MEINE MEINUNG
Das mit der Krankenversorgung ist ja alle Schön und Gut. Wenn man den Krankenschein aber nicht direkt vom Arbeitgeber bekommt, so muss man erstmal zur einer "Filiale". Die muss für den entsprechenden Bezirk zuständig sein. Die Öffnungszeiten sind irgendwie ziemlich konfus, jede Stelle hat andere, ist die Zeit zum Schliessen gekommen, werden die Leute, die noch in der Warteschlange stehen einfach nach Hause geschickt. Meine Erfahrungen mit den Leitstellen beschränken sich auf ein langes Warten, inkompetente Angestellte und elendslange Gänge. Nicht gut also. Das System mit den Pensionen finde ich überhaupt nicht gut, aber das steht hier nicht zur Debatte. Wichtig ist, dass die Auszahlungen immer pünktlich kommen, die Abzüge allerdings noch pünktlicher.
Die WGKK wirkt auf mich aber ziemlich undurchsichtig, es ist praktisch unmöglich, eine genaue leicht verständliche Erläuterung zu finden. Was, wann, an wen in welcher Höhe gezahlt werden muss findet man häufig nirgens aufgeschlüsselt, die Zettel die man in den Zentralen bekommt sind meist völlig unverständlich. Ich habe beispielsweise meinen Freund bei mir mitversichern wollen. Erstmal mussten wir uns 40 Minuten anstellen, um 4 Formulare zu bekommen. Eine Anleitung zum Ausfüllen gab es nicht. Das hört sich vielleicht dämlich an, aber es ist gar nicht so einfach die Formulare der WGKK auszufüllen. Es sind meist die Daten immer wieder anzugeben, unsinnige Fragen anzustreichen und zu beantworten. Welche Angaben aber genau wo hinpassen steht nirgens, eine "Anleitung" wäre also recht hilfreich. Die Leistungen finde ich aber ganz gut, auch wenn ich nicht alles umbedingt sinnvoll finde. Das Geld landet immer pünltlich auf dem Konto, auf dem Kontoauszug findet sich immer eine kurze Erläuterung über das Geld (wofür man es bekommt). Die WGKK verrechnet auch im Nachhinein, das Geld wird bis zu 12 Monate im Nachhinein ausbezahlt. Das finde ich ganz besonders wichtig, so macht es auch nichts, wenn man mal eine Frist versäumt hat.
Unter www.wgkk.at gibts noch mehr Infos. Ich verleihe 3 Sterne. Ich werde die Versicherung auch empfehlen, wer aber die Möglichkeit hat zu wählen, sollte umbedingt gut vergleichen!
FAZIT empfehlenswert aber verbesserungsbedürftig
Ich bedanke mich für eure Geduld, der Bericht ist länger geworden, als ursprünglich geplant war. Sollte ich trotzdem etwas vergessen haben, bitte ich um einen kurzen Hinweis, damit ich den Berich noch vervollständigen kann. Besten dank für alle Lesungen, Bewertungen & Kommentare!
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18.12.2003 22:19
Ist also in Österreich wie in Deutschland , überall die selben Problemchen. LG Silke
17.10.2003 01:59
Hi, guter Bericht. Habe ihn mit sehr viel Interesse gelesen, da es ja bei uns in Deutschland zur Zeit bei den Krankenkassen "in" ist, innerhalb kürzester Zeit die Beiträge zu erhöhen (was an den Politikern und den ständigen Gesundheitsreformen liegt). Da ich ja im Finanzdienstleistungsbereich nebenberuflich tätig bin und wir oft unseren Kunden empfehlen zu einer anderen besseren und billigeren Kasse zu wechseln, war Dein Bericht sehr informativ für mich. LG :-)
15.10.2003 09:46
sehr informativer und aufschlußreicher Bericht. Gruss MargitS